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Klajoo-Themenserie zur West Philippine Sea und zum Südchinesischen Meer in 11 Teilen – Teil 11: Was der Konflikt für die Menschen auf den Philippinen bedeutet

Verfasser: Ralf Meschke.

Karten des Südchinesischen Meeres zeigen Linien, Riffe, ausschließliche Wirtschaftszonen und die Positionen von Schiffen. Für eine Küstengemeinde wie Masinloc in Zambales sieht derselbe Konflikt anders aus. Dort geht es um Fanggründe, Treibstoff, Einkommen, die Auslastung von Verarbeitern und Händlern – und um die Frage, ob junge Menschen in einer traditionellen Fischereiwirtschaft noch eine Zukunft sehen.

Bajo de Masinloc, international meist als Scarborough Shoal bezeichnet, ist dafür ein besonders anschauliches Beispiel. Der Streit um das Riff ist rechtlich und geopolitisch in früheren Teilen dieser Themenserie behandelt worden. Teil 11 richtet den Blick deshalb nicht noch einmal auf die Rechtslage, sondern auf die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen: Was geschieht, wenn ein besonders ergiebiges Fanggebiet schwieriger erreichbar wird, Fischer ausweichen und eine ganze lokale Wertschöpfungskette sich anpassen muss?

Karte: Zambales, Masinloc, Iba und Bajo de Masinloc (Scarborough Shoal). Das Riff liegt rund 124 Seemeilen beziehungsweise etwa 230 Kilometer westlich von Masinloc.

1. Masinloc: Warum Scarborough wirtschaftlich wichtig ist

Wie groß die Bedeutung von Scarborough für Masinloc tatsächlich ist, lässt sich besser an lokalen Anlandedaten ablesen als an der gesamten Fischereiproduktion von Zambales. Ein Monitoring des National Fisheries Research and Development Institute (NFRDI), veröffentlicht im Rahmen eines Projekts des Southeast Asian Fisheries Development Center (SEAFDEC), erfasste von 2017 bis 2020 insgesamt 2.189 Tonnen angelandeten Fang aus zehn Fanggebieten. Mit 679 Tonnen entfiel die größte einzelne Menge auf Scarborough. Dahinter folgten Fanggebiete vor Zambales mit 609 Tonnen und Cabangan mit 528 Tonnen.

Diese 679 Tonnen stammen aus einer Stichprobenerhebung und bilden nicht sämtliche in Masinloc angelandeten Fänge ab. Das Monitoring arbeitete mit ausgewählten Anlandestellen, und für einzelne andere Fanggebiete war die Datenerfassung unregelmäßig. Trotzdem zeigt die Verteilung etwas Wichtiges: Scarborough war für die Fischer von Masinloc kein fernes Symbol auf einer Karte, sondern ein wichtiges Fanggebiet.

Zugleich handelt es sich nicht nur um kleine küstennahe Bancas. Untersuchungen beschreiben Fahrten mit größeren Mutterschiffen und Besatzungen, die am oder nahe dem Riff mit kleineren Booten arbeiteten. Damit erklärt sich auch, warum eine reine Statistik der kommunalen Meeresfischerei („marine municipal fisheries“) das Problem nur teilweise abbildet: Ein Teil der für Scarborough typischen Fischerei fällt in andere Kategorien.

Philippinische Fischerboote am Bajo de Masinloc während einer Versorgungsmission am 17. September 2026. Nach Angaben der Philippine Coast Guard versammelten sich 35 Fischerboote an der M/V Mamalakaya, um Diesel und Lebensmittel zu übernehmen.
Foto: Philippine Coast Guard (PCG) / Philippine Information Agency (PIA) · Public Domain

2. Wenn Fischer ausweichen, verschwindet der Fang nicht aus der Statistik

Das hilft, einen scheinbaren Widerspruch zu erklären. Die Provinzstatistik von Zambales zeigt nach 2012 keinen gleichmäßigen Einbruch der gesamten Fischereiproduktion. Daraus lässt sich aber nicht ableiten, dass der Verlust oder die Einschränkung eines Fanggebiets folgenlos geblieben wäre. Die Statistik zählt in erster Linie, was angelandet wird – nicht, wo jeder einzelne Fisch gefangen wurde.

Der „State of the Coasts“-Bericht der University of the Philippines Marine Science Institute beschreibt für Masinloc ausdrücklich eine Verlagerung: Mit den zunehmenden geopolitischen Spannungen wurde der Zugang zu Bajo de Masinloc eingeschränkt, Fischer verlagerten ihre Aktivitäten auf andere weiter draußen gelegene Fanggebiete und änderten teilweise ihre Fanggeräte. Interviews aus früheren Untersuchungen berichten zudem von veränderten Fangarten und teilweise geringerem Marktwert der Fänge.

Damit kann ein Fischer den Zugang zu Scarborough verlieren und trotzdem weiter in Masinloc anlanden. Für eine Provinzkurve ist er weiterhin „da“. Für seinen Haushalt kann sich die Rechnung dennoch grundlegend verändern: längere oder andere Fahrten, weniger ergiebige Fanggründe, andere Arten, höhere Unsicherheit und möglicherweise ein schlechteres Verhältnis von Aufwand zu Erlös.

3. Der zusätzliche Druck landet vor der eigenen Küste

Das Ausweichen hat eine zweite Seite. Wenn ein Teil der Fischer weiter draußen gelegene traditionelle Fanggründe meidet und näher an der Küste bleibt, konkurrieren mehr Boote um bereits belastete Bestände.

Eine 2021 durchgeführte Bestands- und Fanggeräteerhebung im Masinloc-Oyon Bay Protected Landscape and Seascape erfasste 2.649 Fischer in Masinloc sowie 1.454 kommunale Fischereifahrzeuge. Bei rund der Hälfte der untersuchten Fanggeräte lag die Fangrate unter einem Kilogramm pro Stunde. Die Untersuchung empfahl, den Fischereiaufwand um mindestens 20 Prozent zu reduzieren. Sie verwies außerdem auf einen hohen Anteil noch nicht geschlechtsreifer Fische im Fang.

Diese Probleme sind älter als der Streit mit China. Überfischung, illegale Fangmethoden, Küstenentwicklung, Umweltbelastungen, Klimarisiken und steigende Betriebskosten haben die lokale Fischerei schon vorher belastet. Der Konflikt um Scarborough kommt als zusätzlicher Faktor hinzu und kann den vorhandenen Druck verstärken, wenn weitere Fischer auf näher gelegene Fanggebiete ausweichen.

4. Ein Boot ernährt weit mehr Menschen als seine Besatzung

Für die Folgen des Konflikts reicht es deshalb nicht, nur die Zahl der Vollzeitfischer zu betrachten. Die Fischereiwirtschaft umfasst auch Besatzungsmitglieder, Fischhändler, Verkäufer, Verarbeiter, Eislieferanten, Transporteure, Boots- und Motorenwerkstätten sowie Familienangehörige, die bei Vorbereitung, Verkauf oder Verarbeitung mitarbeiten.

Aus FishR, dem nationalen Registrierungssystem für kommunale Fischer und weitere direkt oder indirekt in der Fischerei tätige Personen, lässt sich nicht zuverlässig ablesen, wie sich die Zahl der tatsächlich ausfahrenden Fischer entwickelt hat. Gerade für Teil 11 ist diese Breite jedoch wichtig. Die relevante Frage lautet hier nicht nur: „Wie viele Menschen fahren aufs Meer?“, sondern auch: „Wie viele Einkommen hängen an der Fischereiwirtschaft?“

Die landesweite FishR-Auswertung für 2022 zeigt diese Breite: Rund 51 Prozent der im FishR-System registrierten Personen waren der Fangfischerei zugeordnet. Weitere Gruppen arbeiteten unter anderem in Aquakultur, beim Sammeln von Meeresressourcen, im Fischverkauf, in der Verarbeitung oder in anderen fischereibezogenen Tätigkeiten. Wenn weniger oder anderer Fisch angelandet wird, kann sich der Effekt deshalb durch eine ganze lokale Wertschöpfungskette ziehen.

5. Teilzeitfischerei ist kein neues Phänomen

Teilzeitfischerei ist in Masinloc kein neues Phänomen. Ob schwächere oder unsicherere Einkommen heute dazu führen, dass mehr Fischer zusätzliche Arbeit suchen, lässt sich bislang nicht mit belastbaren Zahlen nachweisen.

Eine NFRDI-Untersuchung für Northern Zambales erfasste 2002 in Masinloc 575 kommunale Fischer. 331 wurden als Vollzeit- und 244 als Teilzeitfischer eingeordnet. Damit waren schon damals rund 42 Prozent der erfassten kommunalen Fischer Teilzeitfischer und bestritten ihren Lebensunterhalt nicht ausschließlich aus dem Fischfang. Als typische Alternativen während schwacher Fangzeiten nennt die Studie unter anderem Landwirtschaft und Handel.

Dieser alte Befund ist wichtig für die Einordnung. Ob und in welchem Maß der erschwerte Zugang zu Scarborough dazu geführt hat, dass mehr Fischer zusätzliche Erwerbsquellen benötigen, ist bislang nicht belastbar belegt.

6. Wer führt die Fischerei in der nächsten Generation fort?

Damit verbindet sich die kurzfristige Einkommensfrage mit einer langfristigen Generationenfrage. Eine im August 2026 veröffentlichte landesweite Untersuchung wertete harmonisierte Daten aus den philippinischen Volkszählungen von 1990, 2000 und 2010 aus. Für 2010 untersuchte sie unter anderem 27.231 im Elternhaushalt lebende Söhne von Familienfischern im Alter von 18 bis 34 Jahren. 68,4 Prozent von ihnen führten die Familienfischerei nach der engeren Definition der Studie nicht fort.

Das ist kein spezieller Befund für Zambales oder Masinloc. Die Untersuchung arbeitet landesweit und zeigt vor allem, dass die Weitergabe der Fischerei an die nächste Generation auf den Philippinen insgesamt zurückgeht. Besonders stark ist der Zusammenhang mit den Alternativen außerhalb der Fischerei: Wo andere Arbeitsmöglichkeiten vorhanden sind, bleiben Söhne seltener im Beruf des Vaters.

7. Die Antwort kann nicht nur aus mehr Booten bestehen

In den bisherigen Unterstützungsprogrammen lassen sich zwei unterschiedliche Ziele erkennen. Ein Teil der Hilfen soll Fischer in die Lage versetzen, weiterhin zu fischen: größere Boote, Fanggeräte, Payaos, also verankerte schwimmende Vorrichtungen, die Fischschwärme anlocken, Treibstoff, Eis, Begleitung auf See und bessere Hafeninfrastruktur. Das kann Einkommen stabilisieren und den Zugang zu weiter entfernten Fanggründen erleichtern.

Die zweite Strategie zielt darauf, Einkommen teilweise vom Fang zu entkoppeln. Dazu gehören Aquakultur, Muschelzucht, Fischverarbeitung, Handel, Kleingewerbe, Ausbildung und andere Tätigkeiten. Gerade wenn küstennahe Bestände bereits unter Druck stehen, ist diese zweite Linie strukturell wichtig: Nicht jeder verlorene Peso aus der Fangfischerei sollte durch noch mehr Fangaufwand ersetzt werden müssen.

Ein Beispiel ist die Palauig-Masinloc Mussel Association. Ein vom Bureau of Fisheries and Aquatic Resources (BFAR) unterstütztes Demonstrationsprojekt zur Muschelzucht erzielte im März 2025 bei der ersten Ernte 905 Kilogramm. Solche Projekte sind klein, zeigen aber, wie Einkommen innerhalb der Küstengemeinden entstehen kann, ohne ausschließlich zusätzlichen Fangdruck auf Wildbestände zu erzeugen.

Lorenzo, Masinloc: Das BFAR-Demonstrationsprojekt der Paluig-Masinloc Mussel Association nutzt schwimmende Bambusflöße für die Kultivierung.
Foto: Bureau of Fisheries and Aquatic Resources (BFAR) / Philippine Information Agency (PIA) · Public Domain

8. Vom Einzelprojekt zum wirtschaftlichen Umbau

Ein besonders breit angelegtes lokales Programm war das von der United States Agency for International Development (USAID) finanzierte Projekt Sustainable Interventions for Biodiversity, Oceans and Landscapes (SIBOL), das von 2020 bis 2025 lief. Ende 2023 bestanden im Masinloc-Oyon Bay Protected Landscape and Seascape 49 Community Managed Savings and Credit Associations. Nach Projektangaben profitierten – einschließlich der Haushaltsmitglieder – rund 4.900 Menschen von höheren Ersparnissen und zusätzlichen Einkommen. 52 Mitglieder waren an insgesamt mindestens zehn Kleinstunternehmen beteiligt.

Die wirtschaftlichen Aktivitäten reichen deutlich über den direkten Fang hinaus. In den Gruppen finden sich Lebensmittelgeschäfte, Fischhandel und -verkauf, Sari-Sari-Stores, Bekleidung, Zierfischzucht, Reisanbau und andere Dienstleistungen. Zusätzlich wurden Teilnehmer in der Verarbeitung von Muscheln, Sardinen und Austernprodukten sowie beim Entgräten von Bangus, Räuchern und weiteren Verarbeitungsschritten nach dem Fang geschult.

Aus „Hilfe für Fischer“ wird damit der Versuch, eine Küstenwirtschaft widerstandsfähiger zu machen. Die Reichweite der Maßnahmen ist jedoch sehr unterschiedlich. Spar- und Kreditstrukturen erreichen Tausende Menschen; Fachtrainings oder neue Produktionsprojekte zunächst oft nur einige Dutzend. Entscheidend ist, welche Modelle sich dauerhaft tragen und vervielfältigen lassen.

Lorenzo, Masinloc: Das BFAR-Demonstrationsprojekt der Paluig-Masinloc Mussel Association nutzt schwimmende Bambusflöße für die Kultivierung.
Foto: Bureau of Fisheries and Aquatic Resources (BFAR) / Philippine Information Agency (PIA) · Public Domain

9. Die Kommune kann diesen Wandel nicht allein finanzieren

Die Municipality kann lokale Gruppen organisieren, Projekte anstoßen und konkrete Bedürfnisse benennen. Größere Investitionen und ein breiterer wirtschaftlicher Umbau erfordern jedoch Unterstützung von außerhalb.

Diese Unterstützung kommt unter anderem von der Provinzregierung, BFAR und anderen nationalen Stellen sowie aus größeren Programmen wie dem Philippine Fisheries and Coastal Resiliency Project (FishCoRe), das vom philippinischen Landwirtschaftsministerium und BFAR mit Unterstützung der Weltbank umgesetzt wird. Die Förderung reicht von Infrastruktur und Ausrüstung für die Fischerei bis zu Aquakultur, Verarbeitung, Geschäftsplanung und zusätzlichen Einkommensquellen.

Damit greifen lokale Verwaltung und Fischerorganisationen, Provinz und nationale Behörden, internationale Finanzierung sowie wissenschaftliche Begleitung ineinander. Erst in dieser Kombination lassen sich Maßnahmen über einzelne Schulungen oder kleine Pilotvorhaben hinaus ausweiten.

10. Die Universität ist Teil dieses Wandels

Mit der President Ramon Magsaysay State University (PRMSU) gibt es in Zambales eine staatliche Hochschule, die bereits an diesem Prozess beteiligt ist. Ihr College of Fisheries in Candelaria arbeitete im SIBOL-Projekt an Ausbildung und Technologievermittlung für Küstengemeinden mit.

Gemeinsam mit PRMSU wurden Mitglieder lokaler Spar- und Kreditgruppen in Verarbeitungstechniken für Muscheln, Sardinen und Austernprodukte geschult; weitere Trainings behandelten unter anderem Bangus-Verarbeitung und Räucherfisch. Damit übernimmt die Universität eine praktische Rolle: Sie kann Wissen, Ausbildung und wissenschaftliche Begleitung in konkrete Erwerbsprojekte übertragen.

Für die nächste Generation ist das relevant. Aquakultur, Verarbeitung, Küstenmanagement, Technik, Vermarktung und Umweltmonitoring können Tätigkeiten schaffen, die an vorhandene Ressourcen und Kenntnisse anknüpfen, aber weniger vom täglichen Fang auf See abhängen.

11. Masinloc wächst – die Frage ist, welche Arbeit mitwächst

Masinloc wächst. Die Philippine Statistics Authority weist für 2024 56.579 Einwohner aus; 2020 waren es 54.529. Auch über einen längeren Zeitraum ist die Bevölkerung gewachsen. Daraus lässt sich jedoch weder ableiten, wie viele junge Menschen abwandern oder zuziehen, noch wie sich die Zahl der Fischer künftig entwickelt.

Der demografische Befund setzt dennoch einen Rahmen: In einer wachsenden Gemeinde können begrenzte Fanggebiete und belastete Küstenressourcen nicht beliebig mehr Menschen tragen. Zusätzliche Erwerbsfelder sind deshalb nicht nur für heutige Fischer wichtig, sondern auch für die wirtschaftliche Entwicklung Masinlocs. Ob sie junge Menschen tatsächlich in der Gemeinde halten, lässt sich mit den verfügbaren Daten allerdings nicht beantworten.

12. Der Konflikt bleibt trotzdem ein Sicherheitsproblem für Zivilisten

Die wirtschaftliche Anpassung darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die unmittelbaren Risiken auf See real bleiben. Wasserkanonen, gefährliche Annäherungen, blockierte Zufahrten, beschädigte Ausrüstung und die Unsicherheit, ob ein Fanggebiet erreichbar bleibt, treffen Zivilisten, die selbst keine außenpolitischen Entscheidungen treffen.

2026 kamen weitere Streitpunkte hinzu. China bezeichnet das Riff als Huangyan Dao (Scarborough Shoal/Bajo de Masinloc), bestätigte im Juni Forschungsaktivitäten am Riff und erließ im August Verwaltungsregeln für das bereits 2025 eingerichtete Huangyan Dao National Nature Reserve. Die Philippinen erkennen den chinesischen Souveränitätsanspruch nicht an und berufen sich auf ihre maritimen Rechte sowie den Schiedsspruch von 2016. Für Fischer ist unabhängig von dieser rechtlichen Gegensätzlichkeit entscheidend, welche Kontrolle auf See tatsächlich ausgeübt wird und wie riskant eine Fahrt praktisch ist.

Die Wirkung liegt deshalb nicht nur in einem möglichen Fangverlust. Schon die Erwartung, gestoppt, bedrängt oder zur Umkehr gezwungen zu werden, kann wirtschaftliche Entscheidungen verändern. Genau darin zeigt sich, wie Druck unterhalb der Schwelle eines offenen militärischen Zusammenstoßes in den Alltag einer Küstengemeinde hineinwirkt.

13. Ein bestehender Wandel unter zusätzlichem Druck

Masinloc zeigt, warum einfache Erklärungen nicht reichen. Überfischung, Teilzeitfischerei, schwankende Fänge und die Suche nach zusätzlichen Einkommen bestanden schon vor dem offenen Streit um Scarborough. Auch der Generationenwechsel ist ein landesweiter Strukturprozess.

Der erschwerte Zugang zu Scarborough setzt diesen bestehenden Wandel zusätzlich unter Druck: Ein ergiebiges Fanggebiet wird schwieriger oder riskanter erreichbar, Fischer weichen aus, und küstennahe Bestände können stärker beansprucht werden. Zugleich müssen sich Handel, Verarbeitung und andere Teile der lokalen Fischereiwirtschaft an veränderte Fänge anpassen.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, wer Bajo de Masinloc kontrolliert. Für Masinloc geht es ebenso darum, wie eine Gemeinde, die über Generationen vom Meer gelebt hat, weiterhin vom Meer profitieren kann, ohne immer stärker von belasteten Wildbeständen abhängig zu werden. Antworten darauf entstehen bereits – auf Booten, in Muschelfarmen, Verarbeitungsbetrieben, Spargruppen, Ausbildungsprogrammen und an der Universität.

Ausblick auf Teil 12: Wohin entwickelt sich die West Philippine Sea?

Teil 11 hat gezeigt, wie der Konflikt um die West Philippine Sea in einer Küstengemeinde ankommt – bei Fanggründen, Einkommen, Arbeitsplätzen und Zukunftsentscheidungen. Teil 12 richtet den Blick nach vorn. Er untersucht, welche Interessen die wichtigsten Akteure in der West Philippine Sea verfolgen, welche Entwicklungen unter den heutigen Bedingungen denkbar sind und woran sich Veränderungen früh erkennen lassen. Im Mittelpunkt stehen die Philippinen und China; Vietnam, Malaysia, Taiwan und externe Sicherheitspartner werden dort einbezogen, wo ihre Interessen unmittelbar auf die West Philippine Sea wirken. Bei China wird neben Fischerei und möglichen Ressourcen auch die strategische Bedeutung im Verhältnis zu Taiwan, den Philippinen und der US-Präsenz geprüft. Dabei wird konsequent zwischen belegten Interessen, aktuellen Entwicklungen und möglichen Szenarien unterschieden.

English summary

Part 11 examines the West Philippine Sea dispute through the coastal economy of Masinloc, Zambales. Local landing surveys show that Scarborough Shoal was an important fishing ground, while later research documents shifts toward other fishing areas as access became more difficult. This affects more than boat crews: trading, processing, transport and family-based work also depend on local fisheries. Nearshore stocks are already under pressure, and part-time fishing long predates the current dispute. Masinloc is therefore pursuing broader livelihood options through aquaculture, processing, micro-enterprises, savings groups and training, supported by provincial and national agencies, international programs and PRMSU. The article distinguishes these longer-term structural changes from the additional access and security pressures associated with Scarborough.

The full article is available in German.

Quellen:

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Übersicht

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