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Klajoo-Themenserie zur West Philippine Sea und zum Südchinesischen Meer in 11 Teilen – Teil 10: Bündnisse, Partner und Sicherheitsnetze in der West Philippine Sea

Verfasser: Ralf Meschke.

Wer auf die zunehmende militärische Zusammenarbeit der Philippinen mit den USA, Japan, Australien und weiteren Staaten blickt, könnte leicht den Eindruck gewinnen, im Südchinesischen Meer entstünden zwei feste Lager: auf der einen Seite China, auf der anderen Seite die Philippinen und ihre Partner.

Die tatsächliche Struktur ist komplizierter.

Vietnam und die Philippinen haben überlappende Ansprüche, arbeiten aber inzwischen eng in Sicherheitsfragen zusammen. Malaysia ist über einen jahrzehntealten Verteidigungsrahmen mit Großbritannien, Australien, Neuseeland und Singapur verbunden und unterhält gleichzeitig Verteidigungsbeziehungen zu China. Brunei kooperiert sicherheitspolitisch sowohl mit westlichen Staaten als auch mit Peking und Hanoi. Selbst zwischen Staaten mit unmittelbar konkurrierenden maritimen Ansprüchen bestehen gemeinsame Übungen, Dialogmechanismen oder wirtschaftliche Vereinbarungen.

Die Sicherheitsordnung im Südchinesischen Meer ist deshalb weniger ein System aus zwei Blöcken als ein Geflecht überlappender Beziehungen.

Grafik: Bündnisse, Partner und Sicherheitsnetze in der West Philippine Sea. Oben rechts: Sicherheit/Verteidigung; unten links: Wirtschaft, Energie und praktische maritime Kooperation. © klajoo 2026

Die USA bleiben der einzige klassische Bündnispartner der Philippinen

Die engste und rechtlich weitreichendste Verteidigungsbeziehung Manilas besteht weiterhin zu den Vereinigten Staaten.

Grundlage ist der Mutual Defense Treaty von 1951. Hinzu kamen später das Visiting Forces Agreement und das Enhanced Defense Cooperation Agreement, kurz EDCA. Letzteres ermöglicht amerikanischen Kräften rotierenden Zugang zu vereinbarten philippinischen Standorten und den Aufbau beziehungsweise die Nutzung entsprechender Infrastruktur.

Die 2023 vereinbarten Bilateral Defense Guidelines konkretisierten die Zusammenarbeit weiter. Sie beziehen neben klassischen militärischen Bedrohungen unter anderem maritime Grauzonenaktivitäten, Cyberfragen und den Austausch von Lageinformationen ein. Washington hat zugleich wiederholt klargestellt, dass ein bewaffneter Angriff auf philippinische Streitkräfte, öffentliche Schiffe oder Flugzeuge – einschließlich der Philippine Coast Guard – im Südchinesischen Meer die Verpflichtungen aus dem Verteidigungsvertrag berühren kann.

Was diese Schwelle bei Wasserwerfern, Kollisionen oder anderen Grauzonenvorfällen konkret bedeutet, wurde bereits in den Teilen 7 und 8 dieser Serie behandelt. Dort wurde auch deutlich: Eine feste Bündniszusage bedeutet nicht, dass jeder maritime Zwischenfall automatisch einen militärischen Bündnisfall auslöst.

Japan ist vom Partner zum wichtigen militärischen Pfeiler geworden

Neben den USA hat besonders Japan seine sicherheitspolitischen Beziehungen zu den Philippinen ausgebaut.

Das Reciprocal Access Agreement (RAA) wurde 2024 unterzeichnet und trat 2025 in Kraft. Es schafft den rechtlichen Rahmen dafür, dass japanische Selbstverteidigungsstreitkräfte auf den Philippinen und philippinische Streitkräfte in Japan Übungen und andere vereinbarte Aktivitäten durchführen können.

2026 kam das Acquisition and Cross-Servicing Agreement (ACSA) hinzu. Es erleichtert gegenseitige logistische Unterstützung, etwa bei Versorgung, Material und Dienstleistungen.

Damit besitzen die Philippinen und Japan keinen gegenseitigen Verteidigungsvertrag wie Manila und Washington. Die rechtlichen und praktischen Voraussetzungen für gemeinsame militärische Aktivitäten sind aber erheblich dichter geworden.

Das philippinische Netz reicht inzwischen weit darüber hinaus

Australien gehört schon länger zu den engsten Verteidigungspartnern der Philippinen. Das bilaterale Status of Visiting Forces Agreement trat am 28. September 2012 in Kraft und ermöglicht gemeinsame Ausbildung und Übungen. In den vergangenen Jahren kamen Maritime Cooperative Activities und eine deutlich engere strategische Zusammenarbeit hinzu.

Auch mit Kanada und Neuseeland wurden 2025 Status-of-Visiting-Forces-Abkommen geschlossen. Sie schaffen einen vergleichbaren rechtlichen Rahmen für den Aufenthalt und die Tätigkeit von Streitkräften im jeweils anderen Land. Der philippinische Senat stimmte beiden Vereinbarungen im August 2026 zu.

Multinationale Maritime Cooperative Activity am 28. September 2024: Schiffe der Philippinen, Japans, der USA, Neuseelands und Australiens in Formation im Südchinesischen Meer. Foto: Petty Officer Belen Saldana / Commander, U.S. 7th Fleet / DVIDS, Public Domain.

Mit Frankreich wurde im März 2026 ebenfalls ein entsprechendes Abkommen unterzeichnet. Anders als bei bereits wirksamen Vereinbarungen befand sich dieses Mitte September noch im philippinischen Ratifikationsverfahren.

Großbritannien und die Philippinen besitzen seit 2024 einen erweiterten Verteidigungsrahmen, der unter anderem maritime Sicherheit, Ausbildung und weitere militärische Zusammenarbeit umfasst.

Mit Indien besteht seit 2006 ein institutionalisierter Verteidigungsrahmen. Besonders sichtbar wurde die Beziehung durch den Erwerb des BrahMos-Antischiffsraketensystems, sie reicht aber weit darüber hinaus und umfasst Ausbildung, Marinekontakte und weitere sicherheitspolitische Zusammenarbeit.

Auch Südkorea gehört in dieses Netz. Grundlage der institutionalisierten Verteidigungsbeziehungen ist ein Memorandum von 2013. Dazu kommen Ausbildung, militärischer Austausch, Rüstungskooperation und gemeinsame beziehungsweise multilaterale Übungen. 2024 wurden die Beziehungen beider Staaten zusätzlich zu einer strategischen Partnerschaft aufgewertet.

Mit Indonesien besteht seit 1997 ein Verteidigungsrahmen, der 2022 erneuert wurde. Ausbildung, Grenzsicherheit und militärischer Austausch gehören dazu. Ein wesentlicher geografischer Schwerpunkt dieser Zusammenarbeit liegt allerdings in der Sulu- und Celebessee und damit außerhalb der eigentlichen West Philippine Sea.

Die Unterschiede zwischen diesen Beziehungen sind wichtig: Ein Verteidigungsbündnis, ein Zugangsabkommen, ein Logistikabkommen und ein Memorandum über Verteidigungskooperation sind rechtlich nicht dasselbe. Genau deshalb unterscheidet auch die Grafik zwischen mehreren Kategorien.

Infokasten: Unterschiedliche Abkommen und Aktivitäten haben unterschiedliche rechtliche und praktische Wirkungen. © klajoo 2026

Philippinen und Vietnam: Konkurrenten und Sicherheitspartner zugleich

Besonders anschaulich wird die Netzwerklogik im Verhältnis zwischen den Philippinen und Vietnam.

Beide Staaten beanspruchen teilweise dieselben Merkmale in den Spratly-Inseln. Die unterschiedlichen Positionen wurden nicht aufgegeben. Trotzdem besteht seit 2010 ein formeller bilateraler Verteidigungsrahmen. Philippinische Regierungsquellen bezeichneten die 2026 erneuerte Vereinbarung ausdrücklich als Fortführung des 2010 geschlossenen Verteidigungsabkommens.

Im Juni 2026 wurden die Beziehungen zur Enhanced Strategic Partnership aufgewertet und gleichzeitig das Verteidigungsabkommen erneuert. Die Kooperation umfasst unter anderem maritime Sicherheit, militärische Ausbildung, Informationsaustausch und Katastrophenhilfe.

Hinzu kommt seit 2024 die praktische maritime Zusammenarbeit zwischen den Küstenwachen sowie ein Mechanismus zur Vermeidung und Bewältigung von Zwischenfällen.

Teil 9b hat dieses scheinbare Paradox bereits ausführlicher dargestellt: Manila und Hanoi halten an ihren eigenen Ansprüchen fest, behandeln die daraus entstehenden Differenzen aber überwiegend als diplomatisch zu managendes Problem. Die Aufwertung von Juni 2026 verstärkt diese Entwicklung noch einmal.

Malaysia verbindet mehrere Sicherheitswelten

Auch Malaysia lässt sich kaum einem einzigen Lager zuordnen.

Seit 1971 ist das Land Teil der Five Power Defence Arrangements (FPDA) mit Großbritannien, Australien, Neuseeland und Singapur. Gleichzeitig hat Kuala Lumpur bilaterale Verteidigungsbeziehungen mit einer Reihe weiterer Staaten aufgebaut.

Die Verteidigungskooperation mit den Philippinen wurde 1994 formalisiert. Mit Indien, Japan, Südkorea und den USA bestehen ebenfalls institutionalisierte militärische beziehungsweise sicherheitspolitische Beziehungen.

Und Malaysia arbeitet auch mit China zusammen. Das bedeutet nicht, dass die erheblichen maritimen Interessenkonflikte verschwunden wären. Teil 9b hat insbesondere die chinesische Küstenwachpräsenz im Bereich der Luconia Shoals und malaysischer Öl- und Gasprojekte beschrieben.

Ein weiteres Beispiel ist Vietnam. 2008 schlossen Malaysia und Vietnam ein Memorandum über bilaterale Verteidigungskooperation. Es sieht unter anderem Zusammenarbeit der Streitkräfte, Marinekontakte und Informationsaustausch vor. Die Verteidigungsbeziehungen wurden danach weiter ausgebaut und 2023 durch ein neues Memorandum erneuert.

Gleichzeitig existieren zwischen Malaysia und Vietnam überlappende maritime Interessen. Schon 2009 reichten beide Staaten gemeinsam Unterlagen zur Erweiterung des Festlandsockels bei der zuständigen UN-Kommission ein. Auch hier gilt damit: Konkurrenz und Kooperation bestehen nebeneinander.

Brunei verbindet westliche und asiatische Sicherheitspartner

Brunei ist vielleicht das beste Beispiel dafür, warum die Region nicht in zwei feste Blöcke aufgeteilt werden kann.

Die außergewöhnlich enge Beziehung zu Großbritannien reicht weit zurück. Nach der Unabhängigkeit Bruneis 1984 blieben britische Streitkräfte auf Grundlage bilateraler Vereinbarungen im Sultanat stationiert. Die britische Garnison besteht bis heute; das Abkommen wird regelmäßig erneuert, zuletzt Ende 2024.

Mit den USA schloss Brunei 1994 ein Memorandum über Verteidigungskooperation. Daraus entwickelte sich ein institutioneller Rahmen mit gemeinsamen Arbeitsgruppen, Ausbildung, Kursen und Übungen.

Die Verteidigungskooperation mit Australien wurde 1999 durch ein Memorandum formalisiert. Sie umfasst unter anderem militärische Übungen, Ausbildung, Austauschprogramme und regelmäßige gemeinsame Arbeitsgruppen.

Gleichzeitig bestehen enge Sicherheitsbeziehungen zu asiatischen Anspruchstellern. Mit China wurde 2003 ein Verteidigungs-Memorandum geschlossen. Die Zusammenarbeit umfasst unter anderem Besuche, militärische Übungen und Ausbildung; 2025 tagte erneut das gemeinsame Defence Working Committee.

Mit Vietnam existiert seit 2005 ebenfalls ein formeller Verteidigungsrahmen. Er umfasst Besuche, militärischen Austausch, Übungen, Ausbildung und Kurse.

Bruneis Mehrgleisigkeit reicht über den militärischen Bereich hinaus. Mit Malaysia wurden 2009 langjährige maritime und ressourcenbezogene Streitfragen durch einen Exchange of Letters neu geordnet. Dazu gehört ein Commercial Arrangement Area für die gemeinsame beziehungsweise abgestimmte Nutzung von Kohlenwasserstoffvorkommen.

Auch mit China vereinbarte Brunei 2013, Unternehmen beider Staaten bei gemeinsamer Erkundung und Nutzung maritimer Öl- und Gasressourcen zu unterstützen. Bemerkenswert ist die ausdrücklich festgehaltene Klausel, dass eine solche Zusammenarbeit die jeweiligen Positionen zu maritimen Rechten und Interessen nicht beeinträchtigen soll.

Brunei gibt damit weder seine eigenen maritimen Positionen auf noch stellt es sich sicherheitspolitisch auf eine einzige Seite. Es hält gleichzeitig Verteidigungsbeziehungen zu Großbritannien, den USA, Australien, China und Vietnam aufrecht und nutzt wirtschaftliche Vereinbarungen zur Bearbeitung strittiger Ressourcenfragen.

Taiwan und die Philippinen kooperieren ohne diplomatische Beziehungen

Taiwan nimmt in diesem Netzwerk eine Sonderstellung ein.

Manila erkennt die Volksrepublik China diplomatisch an und unterhält deshalb keine regulären zwischenstaatlichen Beziehungen mit Taiwan. Dennoch gibt es erhebliche wirtschaftliche und gesellschaftliche Kontakte.

Für die West Philippine Sea besonders relevant ist die Vereinbarung zur Zusammenarbeit bei der Fischereirechtsdurchsetzung von 2015.

Sie entstand vor dem Hintergrund früherer schwerer Fischereizwischenfälle und schuf praktische Kommunikations- und Verfahrensmechanismen zwischen beiden Seiten. Damit existiert eine maritime Kooperation, obwohl Manila und Taipeh unterschiedliche politische Positionen besitzen und auf Itu Aba beziehungsweise Ligao Island sogar territoriale Ansprüche überlappen.

Das ergänzt das Bild aus Teil 9a. Dort wurde Taiwan vor allem als dauerhaft präsenter, gegenüber den Philippinen aber erheblich weniger konfrontativ auftretender Anspruchsteller beschrieben.

China ist kein isolierter Gegenblock

Die zunehmenden Beziehungen Manilas zu den USA und anderen Partnern können den Eindruck erwecken, China stehe einem geschlossenen Netzwerk gegenüber.

Die Matrix zeigt das Gegenteil.

China besitzt institutionalisierte Verteidigungsbeziehungen zu Brunei und Malaysia und unterhält trotz erheblicher Territorialkonflikte auch militärische Kontakte zu Vietnam.

Gerade China und Vietnam verdeutlichen die Gleichzeitigkeit von Konkurrenz und Kooperation. Zwischen beiden Staaten kommt es in anderen Teilen des Südchinesischen Meeres zu erheblichen Spannungen. Gleichzeitig führen ihre Seestreitkräfte beispielsweise gemeinsame Patrouillen im Golf von Tonkin durch.

Mit den Philippinen besteht zwar keine Verteidigungskooperation, wohl aber eine Reihe von Gesprächs- und Konfliktmanagementmechanismen. Dazu gehört das provisorische Verständnis über Versorgungsmissionen zum Ayungin beziehungsweise Second Thomas Shoal.

Teil 7 hat bereits gezeigt, dass solche Gesprächskanäle keine Lösung des Grundkonflikts bedeuten. Sie können aber verhindern, dass jede Meinungsverschiedenheit zwangsläufig in eine unmittelbare Eskalation führt.

Auch wirtschaftliche Kooperationsversuche gehören in dieses Bild. Gespräche über gemeinsame Öl- und Gasförderung zeigen, dass Staaten einzelne wirtschaftliche Interessen von ihren ungelösten Rechts- und Souveränitätsfragen zu trennen versuchen.

Die multilateralen Netze überlagern die bilateralen Beziehungen

Neben den vielen bilateralen Verbindungen existieren mehrere multilaterale Formate. Auch sie sind rechtlich und politisch sehr unterschiedlich.

Der Quad verbindet die USA, Japan, Australien und Indien. Er ist kein gegenseitiges Verteidigungsbündnis. Für das Südchinesische Meer sind vor allem maritime Lageerfassung, Küstenwachkooperation, Informationsaustausch und gemeinsame politische Positionen relevant.

AUKUS verbindet Australien, Großbritannien und die USA. Im Mittelpunkt stehen australische nuklear angetriebene, aber konventionell bewaffnete U-Boote sowie fortgeschrittene Militärtechnologien. Auch AUKUS enthält keine automatische Beistandspflicht für die Philippinen.

Die Five Power Defence Arrangements bestehen bereits seit 1971. Mitglieder sind Großbritannien, Australien, Neuseeland, Malaysia und Singapur. Sie stellen einen dauerhaften Konsultations-, Übungs- und Verteidigungsrahmen dar, sind aber ebenfalls kein NATO-ähnliches Bündnis mit automatischer militärischer Reaktion.

Mit INDOMALPHI kooperieren die Philippinen, Malaysia und Indonesien seit 2017 bei koordinierten maritimen Patrouillen. Der Schwerpunkt liegt allerdings in der Sulu- und Celebessee. Für die West Philippine Sea ist INDOMALPHI deshalb vor allem als Beispiel dafür relevant, wie eng maritime Sicherheitskooperation zwischen südostasiatischen Staaten inzwischen organisiert werden kann.

Vier multilaterale Sicherheitsformate mit unterschiedlichen Mitgliedern, Aufgaben und Rechtsgrundlagen.
© klajoo 2026

ASEAN bleibt die politische Klammer

Über allem steht die Association of Southeast Asian Nations, ASEAN.

Sie ist jedoch kein gemeinsamer sicherheitspolitischer Block. Ihre Mitglieder besitzen sehr unterschiedliche Interessen im Südchinesischen Meer. Die Philippinen, Vietnam, Malaysia und Brunei sind selbst Anspruchsteller; andere Mitglieder haben keine vergleichbaren territorialen Konflikte.

Diese unterschiedlichen Interessen erklären mit, warum die Verhandlungen zwischen ASEAN und China über einen Code of Conduct für das Südchinesische Meer seit Jahren nur langsam vorankommen.

ASEAN bleibt dennoch unverzichtbar. Die Organisation bietet Gesprächsformate, Verteidigungsdialoge und Mechanismen wie das ASEAN Defence Ministers’ Meeting sowie ADMM-Plus. Dort sitzen neben ASEAN unter anderem China, die USA, Japan, Australien, Indien und Südkorea gemeinsam am Tisch.

Auch das ist Teil des regionalen Sicherheitsnetzes: Staaten, die sich an anderer Stelle strategisch gegenüberstehen, arbeiten in denselben multilateralen Strukturen zusammen.

Nicht jede gemeinsame Fahrt ist eine FONOP – und nicht jede Übung ein Bündnis

Bei der Beobachtung der West Philippine Sea werden unterschiedliche Formen militärischer Aktivitäten häufig vermischt.

Eine Freedom of Navigation Operation (FONOP) ist eine spezifische amerikanische Operation, mit der Washington aus seiner Sicht übermäßige maritime Ansprüche praktisch zurückweist.

Davon zu unterscheiden sind Maritime Cooperative Activities, gemeinsame Übungen, abgestimmte Patrouillen, Hafenbesuche oder Ausbildungsmissionen.

Solche Aktivitäten verbessern Kommunikation und Interoperabilität. Sie zeigen politische Unterstützung und können militärische Präsenz sichtbar machen.

Sie erzeugen aber nicht automatisch neue Verteidigungsverpflichtungen.

Diese Unterscheidung ist für die gesamte Grafik entscheidend: Bündnis, Zugangsabkommen, Verteidigungskooperation, gemeinsame Übung und maritimer Dialog sind fünf verschiedene Ebenen.

Europa spielt ebenfalls mehrere Rollen

Auch Europa tritt nicht als einheitlicher militärischer Akteur auf.

Die Europäische Union ist vor allem diplomatisch und rechtspolitisch relevant. Sie unterstützt das UN-Seerechtsübereinkommen, friedliche Streitbeilegung, freie Schifffahrt und eine regelbasierte maritime Ordnung.

Frankreich und Großbritannien sind dagegen zusätzlich selbstständige militärische Akteure.

Frankreich baut über sein SOVFA mit Manila eine unmittelbare militärische Zusammenarbeit auf. Großbritannien arbeitet bilateral mit den Philippinen, ist über den FPDA mit Malaysia verbunden, über AUKUS mit Australien und den USA – und unterhält gleichzeitig seine dauerhaft stationierte Garnison in Brunei.

Auch Europa verstärkt damit die Überlagerung verschiedener Netzwerke.

Was dieses Netz tatsächlich verändert

Die vielen Vereinbarungen bedeuten zunächst mehr Interoperabilität. Streitkräfte können leichter gemeinsam trainieren, kommunizieren und logistische Leistungen austauschen.

Sie verbessern außerdem das maritime Lagebild. Satellitendaten, Radar, automatische Schiffsidentifikationssysteme, Küstenwachinformationen und andere Sensoren können kombiniert und schneller ausgewertet werden.

Hinzu kommen Ausbildung, Rüstungskooperation, gemeinsame Übungen und gegenseitige logistische Unterstützung.

Zusammenarbeit über die Seeebene hinaus: US-amerikanische B-1, F-16 und F/A-18 fliegen am 29. April 2025 gemeinsam mit philippinischen FA-50PH während einer multinationalen Maritime Cooperative Activity in der philippinischen ausschließlichen Wirtschaftszone. Gleichzeitig waren philippinische und australische Marineeinheiten beteiligt. Foto: Philippine Air Force / U.S. Pacific Command / DVIDS, Public Domain.

Dadurch kann sich auch die Abschreckungswirkung erhöhen. Ein Akteur muss nicht mehr nur kalkulieren, wie die unmittelbar betroffenen Philippinen auf einen Vorfall reagieren könnten. Er muss berücksichtigen, welche Partner politisch, diplomatisch, technisch oder im Extremfall militärisch reagieren könnten.

Aus diesem Netz entsteht trotzdem kein kollektives Verteidigungssystem für die West Philippine Sea.

Der Mutual Defense Treaty mit den USA besitzt eine andere Qualität als das RAA mit Japan, ein SOVFA mit Australien oder Kanada, ein Verteidigungs-Memorandum mit Vietnam oder eine Küstenwachenvereinbarung mit Taiwan.

Gerade darin liegt die wichtigste Aussage der Kreuztabelle.

Vietnam hat Konflikte mit China und arbeitet gleichzeitig mit China zusammen. Malaysia ist mit westlichen Staaten verbunden und unterhält zugleich Verteidigungsbeziehungen zu Peking. Brunei beherbergt britische Streitkräfte und kooperiert gleichzeitig militärisch mit China und Vietnam. Die Philippinen erweitern ihr Sicherheitsnetz, ohne die Gesprächskanäle zu China vollständig abzubrechen. Manila und Hanoi behalten konkurrierende Ansprüche und vertiefen gleichzeitig ihre Verteidigungskooperation.

Das Südchinesische Meer besteht deshalb nicht aus zwei sauber getrennten Lagern.

Es ist ein Raum überlappender Ansprüche, Bündnisse, Partnerschaften, wirtschaftlicher Interessen und Mechanismen zur Begrenzung von Konflikten.

Die wachsende Vernetzung kann die Kosten einer Eskalation erhöhen. Gleichzeitig bringt sie immer mehr Streitkräfte und Sicherheitsakteure in denselben Raum. Welche dieser beiden Wirkungen langfristig stärker wird, gehört deshalb in den späteren Ausblick dieser Themenserie – nicht in eine einfache Aussage, dass mehr Partner automatisch mehr Sicherheit bedeuten.

Doch Bündnisse, Abkommen und militärische Kooperation sind nur eine Seite des Konflikts. Teil 11 richtet den Blick auf die Menschen auf den Philippinen: auf Fischer, Küstengemeinden und die Frage, wie sich der Streit um die West Philippine Sea auf Einkommen, Sicherheit und Alltag auswirkt.

Quellen:

U.S. Department of Defense – U.S.-Philippines Bilateral Defense Guidelines
https://www.defense.gov/News/Releases/Release/Article/3383607/fact-sheet-us-philippines-bilateral-defense-guidelines/

Ministry of Foreign Affairs of Japan – Reciprocal Access Agreement / Philippines
https://www.mofa.go.jp/press/release/pressite_000001_01536.html

Ministry of Foreign Affairs of Japan – Acquisition and Cross-Servicing Agreement
https://www.mofa.go.jp/press/release/pressite_000001_02533.html

Australian Department of Defence – Philippines–Australia defence relations
https://www.minister.defence.gov.au/statements/2025-08-22/joint-statement-2nd-philippines-australia-defense-ministers-meeting

Presidential Communications Office – Enhanced Strategic Partnership Philippines–Viet Nam
https://pco.gov.ph/news_releases/joint-statement-on-the-enhanced-strategic-partnership-between-the-republic-of-the-philippines-and-the-socialist-republic-of-viet-nam/

Philippine News Agency – Philippines–Vietnam defense cooperation
https://www.pna.gov.ph/articles/1276230

Government of Vietnam – Vietnam–Malaysia Strategic Partnership / defense cooperation
https://en.baochinhphu.vn/vn-malaysia-joint-statement-on-strategic-partnership-11123636.htm

Government of Vietnam – Vietnam–Malaysia defense cooperation renewal
https://en.baochinhphu.vn/viet-nam-malaysia-sign-mou-on-defense-cooperation-11123120414181604.htm

Ministry of Defence Brunei – Brunei–United States Defense Cooperation
https://www.mindef.gov.bn/17th-joint-defence-working-committee-meeting-between-brunei-darussalam-and-united-states/

Ministry of Defence Brunei – Brunei–Australia Defense Cooperation
https://www.mindef.gov.bn/20th-joint-defence-working-committee-meeting-between-brunei-darussalam-and-australia-2/

Ministry of Defence Brunei – Brunei–China Defense Cooperation
https://www.mindef.gov.bn/2nd-joint-defence-working-committee-between-brunei-darussalam-and-the-peoples-republic-of-china-2/

Ministry of Defence Brunei – Brunei–Vietnam Defense Cooperation
https://www.mindef.gov.bn/commander-of-the-royal-brunei-armed-forces-made-an-official-visit-to-the-socialist-republic-of-viet-nam-2/

UK Government – UK-Brunei Garrison Agreement / bilateral relationship
https://www.gov.uk/government/news/pm-meeting-with-his-majesty-the-sultan-of-brunei-19-december-2024

Brunei Ministry of Foreign Affairs – Brunei–Malaysia resource cooperation
https://www.mfa.gov.bn/Lists/Press%20release%20archive/NDispForm.aspx?ContentTypeId=0x0100C2E44910B9AFE641B695826270455B8A&ID=13

China Ministry of Foreign Affairs – China–Brunei maritime oil and gas cooperation
https://www.fmprc.gov.cn/nanhai/eng/zcfg_1/201304/t20130409_8523669.htm

Taiwan Ministry of Foreign Affairs – Taiwan–Philippines fisheries law-enforcement cooperation
https://en.mofa.gov.tw/News_Content.aspx?n=1EADDCFD4C6EC567&s=200FD620B9CCE60B&sms=5B9044CF1188EE23

ASEAN Secretariat – ASEAN–China Code of Conduct process
https://asean.org/the-26th-asean-china-senior-officials-meeting-on-the-implementation-of-the-declaration-on-the-conduct-of-parties-in-the-south-china-sea-convenes-in-kuala-lumpur/

DVIDS – Multilateral Maritime Cooperative Activity 2024
https://www.dvidshub.net/image/8667096/multilateral-maritime-cooperative-activity-2024

DVIDS – Australia, Philippines and U.S. conduct multilateral Maritime Cooperative Activity
https://www.dvidshub.net/image/9006110/australia-philippines-and-us-conduct-multilateral-maritime-cooperative-activity

Artikel dieser Serie

Übersicht

► Klajoo-Themenserie zur West Philippine Sea und zum Südchinesischen Meer in 11 Teilen

► Klajoo-Themenserie zur West Philippine Sea und zum Südchinesischen Meer in 11 Teilen – Teil 1: Warum das Südchinesische Meer für die Philippinen so wichtig ist

► Klajoo-Themenserie zur West Philippine Sea und zum Südchinesischen Meer in 11 Teilen – Teil 2: Historische Ansprüche und Nine-Dash Line

► Klajoo-Themenserie zur West Philippine Sea und zum Südchinesischen Meer in 11 Teilen – Teil 3: UNCLOS einfach erklärt

► Klajoo-Themenserie zur West Philippine Sea und zum Südchinesischen Meer in 11 Teilen – Teil 4: Scarborough Shoal 2012 – Der Wendepunkt

► Klajoo-Themenserie zur West Philippine Sea und zum Südchinesischen Meer in 11 Teilen – Teil 5: Warum Manila den Rechtsweg wählte

► Klajoo-Themenserie zur West Philippine Sea und zum Südchinesischen Meer in 11 Teilen – Teil 6: Der Schiedsspruch von 2016 – was das Tribunal tatsächlich entschied

► Klajoo-Themenserie zur West Philippine Sea und zum Südchinesischen Meer in 11 Teilen – Teil 7: Warum das Urteil den Konflikt nicht beendet hat

► Klajoo-Themenserie zur West Philippine Sea und zum Südchinesischen Meer in 11 Teilen – Teil 8: Grauzonenstrategie und Salami Slicing – wie Kontrolle Schritt für Schritt entsteht

► Klajoo-Themenserie zur West Philippine Sea und zum Südchinesischen Meer in 11 Teilen – Teil 9a: China, die Philippinen und Taiwan – Präsenz, Ausbau und direkte Konfrontation

► Klajoo-Themenserie zur West Philippine Sea und zum Südchinesischen Meer in 11 Teilen – Teil 9b: Vietnam, Malaysia und Brunei – Ausbau ohne vergleichbare Konfrontation