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Neuer Weg für philippinische Caregiver nach Deutschland – was frühere Programme tatsächlich erreicht haben

MANILA – Deutschland und die Philippinen prüfen einen neuen Qualifizierungsweg für philippinische Caregiver, die später als Pflegeassistenzkräfte in Deutschland arbeiten könnten. – klajoo.com – Der Vorschlag ist besonders für Rückkehrer aus Israel und für philippinische Hausangestellte aus dem Nahen Osten interessant, die bereits Erfahrung in Betreuung und Pflege besitzen, aber keine vollständig ausgebildeten und lizenzierten Pflegefachkräfte sind.

Nach Angaben des philippinischen Department of Migrant Workers (DMW) wurde der Ansatz von der deutschen Seite im Rahmen der Global Skills Partnerships vorgestellt. Vorgesehen ist für geeignete Teilnehmer zunächst eine 18-monatige Qualifizierung. Anschließend sollen sie ein Jahr auf den Philippinen arbeiten, Deutschkenntnisse auf dem Niveau B1 erwerben, die deutschen Anerkennungsanforderungen erfüllen und zusätzliche klinische Praxiserfahrung sammeln. Genannt wurden unter anderem Einsätze in der Notaufnahme sowie in der Versorgung von Müttern und Kindern.

Erst danach käme eine Beschäftigung als Pflegeassistenzkraft in Deutschland in Betracht. Das ist wichtig: Das Modell ist bislang ein Vorschlag, kein bereits geöffnetes Rekrutierungsprogramm. Teilnehmerzahlen, konkrete deutsche Arbeitgeber, Finanzierung, Starttermin und der genaue Anerkennungsweg sind öffentlich noch nicht abschließend festgelegt.

Triple Win existiert seit 2013 – richtet sich aber an Pflegefachkräfte

Ein deutsch-philippinisches Rekrutierungsprogramm im Pflegebereich gibt es schon lange. Das staatlich organisierte Triple-Win-Programm arbeitet auf den Philippinen seit 2013 mit der damaligen Philippine Overseas Employment Administration und heute mit dem DMW zusammen. Auf deutscher Seite sind die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit und die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit beteiligt.

Triple Win vermittelt jedoch eine andere Zielgruppe: bereits ausgebildete und lizenzierte philippinische Pflegefachkräfte. Sie erhalten vor der Ausreise Deutschunterricht bis mindestens B1. Nach ihrer Ankunft wird das Sprachniveau weiter bis B2 ausgebaut und die ausländische Berufsqualifikation für die Tätigkeit als reguläre Pflegefachkraft anerkannt.

Das Programm ist damit kein direkter Vorläufer eines Caregiver-Pfades. Es zeigt aber, dass eine staatlich organisierte Rekrutierung zwischen beiden Ländern grundsätzlich dauerhaft funktionieren kann. Nach Angaben des Triple-Win-Programms wurden seit 2013 über alle Partnerländer hinweg mehr als 8.000 Pflegekräfte und Auszubildende an deutsche Arbeitgeber vermittelt. Diese Zahl darf allerdings nicht als Zahl philippinischer Teilnehmer gelesen werden: Sie umfasst auch andere Herkunftsländer.

Die lange Laufzeit ist dennoch ein belastbarer Erfolgsindikator. Arbeitgeber übernehmen nach dem Prinzip „Employer pays“ die Kosten für Vermittlung, Sprachkurs und Reise. Die Teilnehmer erhalten deutsche Arbeitsverträge und werden auch nach der Ankunft bei Behördenwegen, Integration und Berufsanerkennung begleitet.

Erfolgreich – aber Sprache und Anerkennung bleiben die Engpässe

Die Erfahrungen zeigen zugleich, wo ein neues Caregiver-Modell Probleme vermeiden muss. Für ausländische Pflegekräfte ist nicht allein die fachliche Ausbildung entscheidend. Gute Deutschkenntnisse und die formale Anerkennung des Berufsabschlusses sind zentrale Hürden.

Triple Win verlangt deshalb B1 bereits vor der Einreise. Für die volle Anerkennung als Pflegefachkraft wird in Deutschland in der Regel ein höheres Sprachniveau benötigt. Das Programm begleitet die Teilnehmer dabei, doch das Verfahren kann nach den eigenen Programminformationen im Idealfall innerhalb von zwölf Monaten abgeschlossen werden und in schwierigen Fällen bis zu 36 Monate dauern.

Der organisatorische Erfolg von Triple Win bedeutet deshalb nicht, dass alle Teilnehmer sofort nach der Ankunft als voll anerkannte Pflegefachkräfte arbeiten. Gerade diese Zwischenphase ist für die Bewertung neuer Programme wichtig: Wer Menschen für einen regulierten Gesundheitsberuf anwirbt, muss Sprache, Anerkennung und berufliche Einordnung möglichst weit vor der Migration klären.

Global Skills Partnership: Ausbildung beginnt schon auf den Philippinen

Noch näher am neuen Vorschlag liegt die 2019 gestartete Philippines-Germany Nursing Global Skill Partnership. Dabei werden Pflegestudenten bereits während ihrer Ausbildung an philippinischen Universitäten zusätzlich auf den deutschen Arbeitsmarkt vorbereitet.

Das Modell hat zwei Zweige. Teilnehmer des „abroad track“ erhalten zusätzliche fachliche Ausbildung, praktische Erfahrung in der Altenpflege und intensiven Deutschunterricht bis B2, um später in Deutschland zu arbeiten. Beim „home track“ werden zusätzliche pflegerische Kompetenzen vermittelt, die Absolventen bleiben jedoch auf den Philippinen. Dadurch soll die Ausbildungskapazität insgesamt wachsen, statt ausschließlich bereits vorhandene Pflegekräfte ins Ausland abzuwerben.

Bis April 2025 waren nach einer Auswertung des Center for Global Development mehr als 300 Pflegekräfte aus vier Jahrgängen ausgebildet worden oder befanden sich noch in Ausbildung. Fast 200 gehörten dem philippinischen „home track“ an. Knapp 100 waren dem Auslandszweig zugeordnet; 44 von ihnen arbeiteten zu diesem Zeitpunkt bereits in Deutschland.

Auch die offizielle Projektseite zeigt konkrete Ergebnisse: Im März 2025 kamen beispielsweise 20 Pflegekräfte aus der zweiten Abschlussgruppe der Baliuag University in Bonn an. Das sind keine Massenzahlen, aber sie belegen, dass aus dem Ausbildungsmodell tatsächlich Arbeitsmigration entstanden ist.

Der erste Jahrgang zeigte ein konkretes Problem

Gerade die Global Skills Partnership liefert eine wichtige Erfahrung für den neuen Caregiver-Vorschlag. Der erste Jahrgang musste wegen der Corona-Pandemie einen großen Teil seiner Vorbereitung online absolvieren. Bei der deutschen Sprachprüfung auf B2-Niveau gab es anschließend erhebliche Schwierigkeiten.

Nach der Auswertung des Center for Global Development hatte von 17 Teilnehmern des ersten nach Deutschland gegangenen Jahrgangs zum untersuchten Zeitpunkt erst eine Person die erforderliche B2-Qualifikation abgeschlossen. Die übrigen arbeiteten zunächst als Pflegeassistenzkräfte und lernten weiter Deutsch.

Das Programm wurde daraufhin verändert. Spätere Jahrgänge sollten B2 möglichst bereits vor der Ausreise erreichen. Beim zweiten Jahrgang hatten zum ausgewerteten Zeitpunkt 11 von 20 Teilnehmern die Prüfung bestanden. Das ist ein wichtiges Beispiel dafür, dass ein Programm grundsätzlich funktionieren kann und trotzdem nachjustiert werden muss.

Für den neuen Caregiver-Pfad ist diese Erfahrung besonders relevant. Wenn zunächst nur B1 vorgesehen ist, muss von Anfang an klar sein, welche sprachlichen Anforderungen für die konkrete deutsche Tätigkeit als Pflegeassistenz gelten und welche Weiterqualifikation danach notwendig ist. Sonst droht eine lange Übergangsphase, in der Teilnehmer zwar in Deutschland sind, ihre vorgesehene berufliche Qualifikation aber noch nicht vollständig nutzen können.

Frühere „Caregiver“-Angebote waren teilweise gerade kein regulärer Weg

Dass sich der neue Vorschlag ausdrücklich um einen geregelten Qualifizierungsweg bemüht, hat noch einen weiteren Hintergrund. Bereits 2018 warnte die damalige Philippine Overseas Employment Administration vor Angeboten, philippinische Pflegekräfte als angebliche „Volunteer Caregivers“ in deutsche Pflegeeinrichtungen zu bringen.

Die Behörde stellte damals ausdrücklich klar, dass solche Einsätze nicht genehmigt waren. Vier philippinische Pflegekräfte waren am Flughafen Clark an der Ausreise gehindert worden. Nach Angaben der POEA bestand der Verdacht auf illegale Rekrutierung und Menschenhandel; die Betroffenen sollten mit Volunteer-Visa ohne ordnungsgemäße Beschäftigungsdokumente nach Deutschland gebracht werden.

Das war also kein gescheitertes staatliches Vorgängerprogramm, sondern ein Beispiel dafür, weshalb transparente, behördlich genehmigte Wege wichtig sind. Ein künftiges Caregiver-Programm müsste sich davon klar unterscheiden: regulärer Arbeitsvertrag, eindeutiger Aufenthalts- und Arbeitsstatus, überprüfbare Arbeitgeber, geregelte Anerkennung und keine Umgehung philippinischer Ausreisevorschriften.

Was ist aus den bisherigen Programmen geworden?

Die Bilanz ist differenziert. Triple Win hat sich über mehr als ein Jahrzehnt als dauerhafter staatlicher Vermittlungsweg etabliert und mehrere Tausend Pflegekräfte aus allen Partnerländern nach Deutschland vermittelt. Es ist damit kein kurzfristiges Pilotprojekt geblieben. Für die Philippinen veröffentlicht das Programm allerdings keine ständig aktualisierte Gesamtzahl, aus der sich exakt ablesen ließe, wie viele Filipinos seit 2013 erfolgreich vermittelt wurden und wie viele später ausgeschieden oder zurückgekehrt sind.

Die Global Skills Partnership ist kleiner, liefert aber besser nachvollziehbare philippinische Ausbildungszahlen. Mehr als 300 Teilnehmer in Ausbildung oder bereits ausgebildet und 44 bereits in Deutschland arbeitende Pflegekräfte bis Frühjahr 2025 zeigen, dass das Modell funktioniert – zugleich aber noch weit von einer großvolumigen Rekrutierung entfernt ist. Die Sprachprobleme des ersten Jahrgangs zeigen außerdem, dass Vorbereitung vor der Ausreise über Erfolg oder Verzögerungen entscheidet.

Ein vergleichbares, staatlich etabliertes Programm speziell für philippinische Caregiver ohne Pflegefachkraftabschluss, das bereits in größerem Umfang nach Deutschland vermittelt hätte, lässt sich dagegen nicht feststellen. Genau darin liegt die eigentliche Neuerung des jetzt vorgeschlagenen Modells.

Der neue Ansatz schließt eine bisherige Lücke

Triple Win setzt eine abgeschlossene Pflegeausbildung voraus. Die Global Skills Partnership beginnt bereits während eines Pflegestudiums. Der neue Vorschlag richtet sich hingegen an Menschen, die praktische Betreuungserfahrung und beispielsweise eine philippinische TESDA-Qualifikation NC II in Caregiving besitzen, aber nicht als Registered Nurse ausgebildet sind.

Damit könnte erstmals ein regulierter deutsch-philippinischer Weg für diese mittlere Qualifikationsebene entstehen. Gerade Rückkehrer aus Israel oder Hausangestellte aus dem Nahen Osten könnten vorhandene Berufserfahrung aufwerten, statt wieder am unteren Ende eines neuen Arbeitsmarktes beginnen zu müssen.

Ob daraus tatsächlich ein erfolgreiches Programm wird, hängt aber von Details ab, die noch fehlen. Besonders wichtig sind eine verbindliche deutsche Anerkennungsgrundlage für die Ausbildung, ein klar definierter Tätigkeitsumfang als Pflegeassistenz, Finanzierung der 18-monatigen Qualifizierung und des Sprachunterrichts, ausreichende Ausbildungsplätze auf den Philippinen und konkrete deutsche Arbeitgeber.

Die Vorgänger zeigen damit beides: Deutschland und die Philippinen können geregelte Pflegeprogramme dauerhaft organisieren. Sie zeigen aber auch, dass Sprache, Anerkennung und die genaue berufliche Einstufung keine Nebenfragen sind. Wenn der neue Caregiver-Pfad diese Hürden bereits vor der Ausreise löst, wäre er tatsächlich eine Erweiterung der bisherigen Programme – und nicht nur eine neue Bezeichnung für ein bekanntes Problem.

Quellen: Department of Migrant Workers, Triple Win, Global Skills Partnerships, Center for Global Development, POEA Advisory No. 50, Series of 2018. RM

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