Startseite » Sieben mögliche Standorte für Atomkraftwerke geprüft – entschieden ist noch nichts
Allgemein

Sieben mögliche Standorte für Atomkraftwerke geprüft – entschieden ist noch nichts

MANILA – Das philippinische Department of Energy hat seine Suche nach möglichen Standorten für künftige Kernkraftwerke konkretisiert. – klajoo.com – Nach Angaben des Ministeriums wurden sieben Standorte in fünf Provinzen einer ersten Prüfung unterzogen: jeweils zwei in Bataan und Palawan sowie je einer in Masbate, Pangasinan und Camarines Norte.

Die Nennung konkreter Regionen ist ein weiterer Schritt im philippinischen Nuklearprogramm. Sie bedeutet jedoch nicht, dass an diesen Orten bereits Kernkraftwerke genehmigt sind oder gebaut werden. Das Department of Energy spricht ausdrücklich von ersten Standortbewertungen. Für eine tatsächliche Standortwahl sind deutlich detailliertere Untersuchungen nötig.


IAEA-Kriterien für die erste Auswahl

Die Vorprüfung orientiert sich an Kriterien der International Atomic Energy Agency (IAEA). Nach Angaben des Energieministeriums wurden die Untersuchungen durch eine sogenannte Site and External Events Design Mission der IAEA ergänzt. Dabei geht es um äußere Gefahren und Standortfaktoren, die für die Sicherheit einer kerntechnischen Anlage entscheidend sind.

Dazu gehören unter anderem geologische Verhältnisse, Erdbeben- und Vulkanrisiken, Überflutungsgefahr, Höhenlage, Küstenbedingungen und andere externe Ereignisse. Dass ein Standort eine erste Prüfung besteht, sagt deshalb lediglich aus, dass er nicht bereits in dieser frühen Phase ausgeschlossen wurde.

DOE-Vertreter rechnen damit, die sieben Kandidaten für wesentlich kostspieligere Detailuntersuchungen zunächst auf drei oder vier Standorte zu reduzieren. Erst solche Standortcharakterisierungen können genauer zeigen, ob ein Gelände für einen bestimmten Reaktortyp technisch und sicherheitlich geeignet wäre.

Die Philippinen bewegen sich Richtung Phase 2

Die Standortsuche ist Teil des sogenannten Milestones Approach der IAEA für Staaten, die erstmals Kernenergie zur Stromerzeugung einsetzen wollen. In Phase 1 werden die grundlegenden politischen, rechtlichen, institutionellen und technischen Voraussetzungen untersucht, bevor ein Land eine fundierte Entscheidung für ein Nuklearprogramm trifft. In Phase 2 muss die Infrastruktur so weit entwickelt werden, dass Angebote für ein konkretes Projekt eingeholt oder Verträge verhandelt werden können.

Nach Angaben des Department of Energy bereiten sich die Philippinen auf diese zweite Phase vor. Dabei geht es nicht allein um einen Reaktorstandort. Die IAEA betrachtet insgesamt 19 Infrastrukturthemen, darunter Atomaufsicht, gesetzliche Grundlagen, nukleare Sicherheit, Sicherung und Nichtverbreitung, Notfallvorsorge, Stromnetz, Finanzierung, radioaktive Abfälle, Brennstoffversorgung, Fachpersonal und öffentliche Beteiligung.

Neue Atomaufsicht – Finanzierung weiterhin offen

Ein Baustein ist die Schaffung einer unabhängigeren Regulierungsstruktur. Mit Republic Act No. 12305 wurde die Philippine Atomic Energy Regulatory Authority, kurz PhilATOM, geschaffen. Die institutionelle Trennung zwischen Förderung und Beaufsichtigung der Kernenergienutzung gehört zu den Voraussetzungen, die internationale Sicherheitsstandards verlangen.

Parallel prüft die Regierung verschiedene Finanzierungs- und Betreibermodelle. Genannt wurden öffentlich-private Partnerschaften, Konsortien, Build-Own-Operate-Modelle und Finanzierungen durch Anbieter. Welche Reaktortechnologie an welchem Standort und mit welchem Investor verfolgt wird, steht damit noch nicht fest.

Bataan ist nicht automatisch das alte Kernkraftwerk

Besondere Aufmerksamkeit erhält Bataan, weil dort das in den 1970er und 1980er Jahren errichtete Bataan Nuclear Power Plant steht, das nie kommerziell in Betrieb ging. Die aktuelle Standortsuche darf jedoch nicht automatisch mit einer Wiederinbetriebnahme dieses Kraftwerks gleichgesetzt werden. Das Department of Energy lässt parallel unterschiedliche Optionen untersuchen; für die alte Anlage wurden in der Vergangenheit eigene Machbarkeitsfragen diskutiert.

Auch die beiden möglichen Standorte in Palawan und die Kandidaten in Masbate, Pangasinan und Camarines Norte sind zunächst Untersuchungsräume. Solange keine exakten Standorte, Technologien, Umweltverfahren, Netzanschlüsse und Finanzierungsmodelle feststehen, wäre eine Aussage über Baukosten oder Inbetriebnahmetermine verfrüht.

Standortfrage ist nur ein Teil des Energieproblems

Selbst ein technisch geeigneter Kernkraftstandort löst nicht automatisch die Probleme der philippinischen Stromversorgung. Neben zusätzlicher Erzeugungskapazität müssen Übertragungsnetze, Reserveleistung und die Stabilität der regionalen Netze berücksichtigt werden. Ein großes Kernkraftwerk stellt zudem eigene Anforderungen an Netzreserve und Übertragung, weil der Ausfall eines einzelnen großen Blocks kurzfristig erhebliche Leistung aus dem System nehmen kann.

Die jetzt genannten sieben Standorte sind deshalb vor allem ein Zeichen dafür, dass aus einer allgemeinen politischen Debatte schrittweise ein technisches Prüfprogramm wird. Der entscheidende nächste Schritt ist nicht die bloße Nennung weiterer Orte, sondern die nachvollziehbare Auswahl weniger Standorte anhand veröffentlichter Sicherheits-, Netz- und Wirtschaftlichkeitskriterien.

Quellen: GMA News: DOE bestätigt Standortprüfungen in fünf Provinzen, Philippine Daily Inquirer: Aufteilung der sieben möglichen Standorte, Power Philippines: weitere Eingrenzung und detaillierte Standortcharakterisierung. RM

Add Comment

Click here to post a comment