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SM Investments wächst trotz schwacher Konjunktur – was die Zahlen über den philippinischen Konsum wirklich zeigen

MANILA – Der philippinische Mischkonzern SM Investments Corporation hat im ersten Halbjahr 2026 seinen Gewinn weiter gesteigert. – klajoo.com – Der konsolidierte Nettogewinn erhöhte sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 8 Prozent von 42,6 auf 45,9 Milliarden Peso. Die Umsätze stiegen um 6 Prozent von 319,2 auf 339,2 Milliarden Peso.

Das Unternehmen führt die Entwicklung unter anderem auf eine weiterhin robuste Konsumnachfrage zurück. Tatsächlich zeigen Einzelhandel und Einkaufszentren Wachstum. Die Zahlen erlauben aber keinen einfachen Schluss, dass die Kaufkraft philippinischer Haushalte insgesamt ebenso kräftig zunimmt. Dafür ist SM Investments zu breit aufgestellt – und die Gesamtwirtschaft entwickelt sich deutlich schwächer.

Ein Konzern weit über Einkaufszentren hinaus

SM Investments ist die Holdinggesellschaft der SM-Gruppe. Zum Konzern gehören der Einzelhandel von SM Retail, der Immobilien- und Einkaufszentrenkonzern SM Prime sowie Beteiligungen an den Banken BDO Unibank und China Banking Corporation. Hinzu kommen Beteiligungen unter anderem an Bergbau, Logistik und Energie.

Diese Struktur ist für die Einordnung des Gewinns entscheidend. Vom Ergebnis des Konzerns kamen im ersten Halbjahr 47 Prozent aus dem Bankgeschäft. Immobilien steuerten 27 Prozent bei, der Einzelhandel 15 Prozent und weitere Beteiligungen 11 Prozent.

Damit stammen fast drei Viertel des Konzerngewinns aus Banken und Immobilien. Der Gewinnanstieg von SM Investments ist deshalb wesentlich breiter abgestützt als die Aussage, philippinische Verbraucher hätten einfach mehr eingekauft.

Einzelhandel wächst trotz hoher Inflation

Der Einzelhandel liefert dennoch Hinweise darauf, dass die Konsumnachfrage in wichtigen Bereichen bislang nicht eingebrochen ist. SM Retail steigerte seinen Nettogewinn um 5 Prozent auf 8,9 Milliarden Peso. Der operative Gewinn nahm sogar um 12 Prozent auf 14 Milliarden Peso zu.

Im Lebensmittelhandel meldet das Unternehmen weiterhin steigende Umsätze bei Supermärkten und kleineren Ladenformaten. Auch im Spezialhandel legten mehrere Bereiche zu. Genannt werden unter anderem Haushaltswaren, Mode sowie Produkte für Kinder. Bei Haushaltsprodukten registrierte SM beispielsweise eine anhaltende Nachfrage nach alternativen Energiequellen.

Allerdings muss bei solchen Umsatzangaben die hohe Inflation berücksichtigt werden. Die Philippine Statistics Authority meldete für Juli eine landesweite Inflationsrate von 6,2 Prozent. Im Durchschnitt der ersten sieben Monate 2026 lagen die Verbraucherpreise 5,0 Prozent über dem Vorjahresniveau.

Steigen Preise, kann deshalb auch der nominale Umsatz eines Einzelhändlers zunehmen, ohne dass Verbraucher entsprechend mehr Waren kaufen. Ein Umsatzplus ist nicht automatisch ein ebenso großes reales Nachfragewachstum.

Einkaufszentren bleiben stark

Auch das Einkaufszentrumgeschäft liefert zunächst robuste Zahlen. Die Mall-Umsätze von SM Prime stiegen im ersten Halbjahr um 8 Prozent auf 41,8 Milliarden Peso.

SM Prime führt das auf eine Kombination aus höherer Auslastung der vermietbaren Flächen, gestiegenen Umsätzen der Mieter und Verbesserungen im Betrieb zurück. Die Einkaufszentren bleiben damit ein stabiler Teil des Geschäfts.

Doch auch innerhalb von SM Prime ist das Bild gemischt. Der gesamte Nettogewinn des Immobilienkonzerns blieb mit 24,5 Milliarden Peso gegenüber dem Vorjahr praktisch unverändert. Die Konzernumsätze legten zwar um 5 Prozent auf 71,7 Milliarden Peso zu, gleichzeitig stiegen die Kosten und Aufwendungen um fast 6 Prozent.

Im Wohnimmobiliengeschäft gingen die Umsätze um 1 Prozent auf 20,6 Milliarden Peso zurück. Nach den Investorenunterlagen von SM Prime sanken zudem die Reservierungsverkäufe im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahr um 4 Prozent.

Das starke Einkaufszentrumgeschäft steht damit einer schwächeren Entwicklung im Wohnungsbereich gegenüber.

Gesamtwirtschaft wächst deutlich langsamer

Dieser Unterschied passt zum derzeitigen gesamtwirtschaftlichen Bild.

Das philippinische Bruttoinlandsprodukt wuchs im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahr lediglich um 2,3 Prozent. Der private Konsum blieb zwar ein Wachstumsträger, legte aber nur um 2,8 Prozent zu.

Bereits im ersten Quartal war der private Konsum um 3,0 Prozent gewachsen. Im ersten Quartal 2025 hatte der Zuwachs noch 5,3 Prozent betragen.

Von einem Einbruch des Konsums kann damit nicht gesprochen werden. Das Wachstum hat sich jedoch erheblich verlangsamt.

Gleichzeitig wuchsen Groß- und Einzelhandel einschließlich Fahrzeughandel und Reparaturen im zweiten Quartal um 4,6 Prozent und damit stärker als die Gesamtwirtschaft. Das erklärt zumindest teilweise, warum große Einzelhandelsunternehmen weiterhin gute Ergebnisse melden können, obwohl das gesamte Wirtschaftswachstum schwach ist.

Besonders auffällig ist dagegen die Investitionsentwicklung. Die Bruttoanlage- und sonstige Kapitalbildung ging im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 9,2 Prozent zurück. Die philippinische Wirtschaft zeigt damit derzeit eine ungewöhnliche Kombination aus weiter wachsendem Konsum und Dienstleistungen auf der einen sowie schwacher Investitionstätigkeit und rückläufiger Industrie auf der anderen Seite.

Nicht alle Haushalte spüren dieselbe Widerstandskraft

Auch der Begriff „robuster Konsum“ verdeckt erhebliche Unterschiede zwischen Einkommensgruppen.

Haushalte mit geringem Einkommen werden von Preissteigerungen besonders stark getroffen, weil Lebensmittel, Energie und Transport einen größeren Anteil ihres Budgets beanspruchen. Die Inflation für die einkommensschwächsten 30 Prozent der Haushalte lag im Juni bei 8,0 Prozent und damit deutlich über der allgemeinen Inflationsrate.

Ein landesweit tätiger Konzern wie SM erfasst dagegen sehr unterschiedliche Kundengruppen. Wachstum bei Supermärkten, Einkaufszentren oder Spezialgeschäften bedeutet deshalb nicht, dass alle Bevölkerungsschichten über wachsende frei verfügbare Einkommen verfügen.

Gerade Lebensmittel können trotz sinkender Kaufkraft hohe Umsätze erzeugen: Sie werden weiterhin benötigt, gleichzeitig erhöhen steigende Preise den nominalen Verkaufswert.

Banken sind der eigentliche Gewinnmotor

Ein weiterer Grund, SM Investments nicht als reinen Konsumindikator zu betrachten, ist das Bankgeschäft.

Mit 47 Prozent stellt es inzwischen beinahe die Hälfte des Konzerngewinns. SM meldet für seine Bankbeteiligungen ein Kreditwachstum im mittleren zweistelligen Prozentbereich.

Damit profitiert SM nicht nur davon, was Verbraucher an der Ladenkasse ausgeben. Der Konzern verdient gleichzeitig an Unternehmenskrediten, Immobilienfinanzierungen, Konsumentenkrediten, Zahlungsverkehr und anderen Bankdienstleistungen.

Eine starke Entwicklung der Banken kann deshalb einen schwächeren Verlauf in anderen Geschäftsbereichen ausgleichen.

Diversifizierung federt Risiken ab

Dasselbe gilt für die weiteren Beteiligungen.

SM Investments nennt beispielsweise eine verbesserte Entwicklung von Atlas Consolidated Mining and Development Corporation, die von höheren Kupferpreisen profitierte. Die Logistik- und Fährgesellschaft 2GO verzeichnete höhere Passagierzahlen und zusätzliche Transportmengen, unter anderem aus dem Onlinehandel. Die Philippine Geothermal Production Company erzielte höhere Einnahmen im Zusammenhang mit veränderten Energiepreisen.

Diese Geschäfte haben mit der täglichen Konsumnachfrage in einem SM-Supermarkt nur begrenzt zu tun.

Gerade darin liegt eine wesentliche Stärke des Konzerns: Schwächelt ein Bereich, können andere Geschäftsfelder einen Teil davon auffangen.

SM als Wirtschaftsindikator – aber mit Einschränkungen

SM Investments ist wegen seiner Größe und seiner breiten Präsenz durchaus ein interessanter Gradmesser für die philippinische Wirtschaft. Einzelhandel, Einkaufszentren, Banken, Immobilien, Logistik und weitere Beteiligungen erfassen zusammen einen erheblichen Teil wirtschaftlicher Aktivität.

Die Halbjahreszahlen zeigen deshalb etwas Wichtiges: Trotz hoher Inflation und schwachen gesamtwirtschaftlichen Wachstums ist die Nachfrage in großen Teilen des organisierten Einzelhandels und in Einkaufszentren bislang nicht eingebrochen. Gleichzeitig wachsen die Banken weiter kräftig.

Sie zeigen aber ebenso deutlich, warum der Gewinn eines Großkonzerns nicht mit der finanziellen Lage der Bevölkerung gleichgesetzt werden darf.

Der private Konsum wächst landesweit deutlich langsamer als noch im vergangenen Jahr. Die Inflation bleibt hoch, einkommensschwache Haushalte sind überdurchschnittlich betroffen, das Wohnimmobiliengeschäft zeigt Schwächen und die Investitionen der gesamten Wirtschaft sind deutlich zurückgegangen.

Die SM-Zahlen sprechen damit weniger für einen allgemeinen Konsumboom als für die Widerstandsfähigkeit eines sehr großen, breit diversifizierten Konzerns – und dafür, dass philippinische Haushalte trotz höherer Preise weiterhin konsumieren. Wie nachhaltig das bleibt, dürfte wesentlich davon abhängen, wie schnell Inflation und wirtschaftliche Unsicherheit in der zweiten Jahreshälfte nachlassen.

Quellen: SM Investments Corporation, Halbjahresergebnis vom 12. August 2026; SM Prime Holdings, Halbjahresergebnis und Investorenunterlagen August 2026; Philippine Statistics Authority, Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung für das zweite Quartal 2026 sowie Inflationsdaten für Juni und Juli 2026. RM

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