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Frankreich gibt 200 Millionen Euro Kredit für philippinische Meereswirtschaft – Gesamtprogramm nähert sich einer Milliarde Dollar

MANILA – Die Philippinen haben mit der französischen Entwicklungsbank Agence Française de Développement (AFD) eine Finanzierung über 200 Millionen Euro für den Schutz mariner Ökosysteme und den Ausbau der sogenannten Blue Economy vereinbart. – klajoo.com – Nach Angaben des philippinischen Finanzministeriums entspricht das rund 14 Milliarden Peso.

Die französische Finanzierung ist allerdings kein eigenständiges 200-Millionen-Euro-Projekt. Sie gehört zum größeren Marine Ecosystems for Blue Economy Development Program, kurz MEBED. Die Asian Development Bank (ADB) hatte für das erste Teilprogramm bereits einen Kredit über 500 Millionen US-Dollar beschlossen. Frankreich und die deutsche KfW Entwicklungsbank sollen jeweils bis zu weitere 200 Millionen Euro kofinanzieren. Wenn alle vorgesehenen Finanzierungen vollständig zustande kommen, erreicht allein dieses erste Teilprogramm damit eine Größenordnung von knapp 970 Millionen US-Dollar.

Fast eine Milliarde Dollar – aber kein Geldtopf für einzelne Küstenprojekte

Die hohe Summe kann leicht einen falschen Eindruck erzeugen. MEBED ist in erster Linie kein klassisches Bau- oder Infrastrukturprogramm, bei dem fast eine Milliarde Dollar unmittelbar für neue Häfen, Fischereiboote, Mangrovenpflanzungen oder Abfallanlagen ausgegeben werden.

Bei den ADB- und AFD-Mitteln handelt es sich um sogenannte Policy-based Loans. Diese Kredite unterstützen staatliche Reformen und werden an vereinbarte politische und institutionelle Maßnahmen gekoppelt. Das Geld stärkt damit den finanziellen Spielraum der Regierung, während zugleich konkrete Reformschritte im Meeres- und Küstenmanagement, bei der Abfallwirtschaft und bei Investitionen in natürliche Ressourcen umgesetzt werden sollen.

Das Finanzministerium nennt für die französische Finanzierung drei Schwerpunkte: besseren Schutz mariner Ökosysteme, eine wirksamere Bewirtschaftung fester Abfälle und bessere Bedingungen für Investitionen in die Blue Economy. Die ADB fasst das Gesamtprogramm ebenfalls in drei großen Reformbereichen zusammen: integriertes und sozial ausgewogenes Küsten- und Meeresmanagement, bessere Plastik- und Abfallwirtschaft mit stärkerer Kreislaufwirtschaft sowie eine stärkere Berücksichtigung des wirtschaftlichen Werts natürlicher Ressourcen bei Planung, Haushalten und Investitionsentscheidungen.

Was zur philippinischen Blue Economy gehört

Unter Blue Economy wird weit mehr verstanden als Fischerei. In den philippinischen Wirtschaftsstatistiken gehören dazu unter anderem Fischerei und Aquakultur, die Verarbeitung meeresbezogener Produkte, Küsten- und Meerestourismus, Schifffahrt und Teile der Offshore-Energiewirtschaft.

Nach Angaben der ADB erwirtschafteten zentrale Bereiche der philippinischen Blue Economy 2024 rund 1,01 Billionen Peso. Das entsprach etwa 3,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die Fischerei stellte mit ungefähr einem Viertel den größten einzelnen Beitrag innerhalb dieser statistisch erfassten Meereswirtschaft.

Die wirtschaftliche Bedeutung geht jedoch über diesen direkten Wert hinaus. Rund 60 Prozent der philippinischen Bevölkerung leben nach ADB-Angaben in Küstengebieten beziehungsweise sind in unterschiedlichem Maß von marinen Ressourcen abhängig. Fischbestände, Korallenriffe, Mangroven und gesunde Küstengewässer sind deshalb gleichzeitig Wirtschaftsgrundlage, Nahrungsquelle und Schutz gegen Sturmfluten und Erosion.

Mehr als drei Millionen Menschen sollen direkt profitieren

Das philippinische Finanzministerium erwartet, dass das Programm die Lebensgrundlagen von mehr als drei Millionen Menschen verbessern kann. Genannt werden ausdrücklich Fischer, Aquakulturbetriebe und Beschäftigte im Tourismus.

Diese Zahl ist allerdings eine Zielgröße des Programms und keine Aussage darüber, dass drei Millionen Menschen unmittelbar Geld erhalten. Der Nutzen soll vor allem daraus entstehen, dass Fischereiressourcen nachhaltiger verwaltet, Küsten widerstandsfähiger gegen Klimafolgen werden, Meeresverschmutzung zurückgeht und neue beziehungsweise stabilere wirtschaftliche Möglichkeiten entstehen.

Plastikmüll ist ein eigener Reformschwerpunkt

Ein wesentlicher Teil des Programms betrifft Plastik- und andere feste Abfälle. Gerade in dicht besiedelten Küstenräumen gelangt ein erheblicher Teil schlecht gesammelten oder falsch entsorgten Mülls über Flüsse und Entwässerungssysteme ins Meer.

Die ADB will deshalb unter anderem die Umsetzung des philippinischen Gesetzes zur erweiterten Herstellerverantwortung unterstützen. Hersteller und große Unternehmen müssen bei bestimmten Kunststoffverpackungen zunehmend Verantwortung dafür übernehmen, dass diese zurückgewonnen, wiederverwertet oder ordnungsgemäß behandelt werden.

Zum Reformpaket gehören nach ADB-Angaben außerdem einheitlichere Kennzeichnungen von Kunststoffen und wiederverwertbaren Materialien, besser aufeinander abgestimmte Regeln der Lokalverwaltungen für die Abfallwirtschaft und Maßnahmen, die eine Kreislaufwirtschaft fördern sollen. Damit geht das Programm deutlich über klassische Küstenreinigungen hinaus.

Natürliche Ressourcen sollen auch in Haushaltsentscheidungen einen Wert bekommen

Ein weniger sichtbarer, aber langfristig wichtiger Teil betrifft das sogenannte Natural Capital Accounting. Dabei sollen natürliche Ressourcen und Ökosystemleistungen stärker in staatliche Planungen und Investitionsentscheidungen einfließen.

Ein Mangrovengebiet besitzt beispielsweise nicht nur einen Grundstückswert. Es kann Kinderstube für Fische sein, Küsten vor Wellen schützen, Kohlenstoff speichern und Einkommen aus Fischerei oder Tourismus ermöglichen. Werden solche Leistungen bei wirtschaftlichen Entscheidungen nicht berücksichtigt, kann die Zerstörung eines Ökosystems kurzfristig rentabel erscheinen, obwohl langfristig wesentlich höhere Schäden entstehen.

Die Philippinen haben mit dem Philippine Ecosystem and Natural Capital Accounting System Act bereits einen gesetzlichen Rahmen geschaffen, um solche Werte systematischer zu erfassen. Das MEBED-Programm soll diesen Ansatz stärker in Planung, Haushaltsaufstellung und Investitionsentscheidungen einbauen.

Klimaschutz und Fischerei hängen zusammen

Für die Philippinen ist Meerespolitik zugleich Klimapolitik. Mangroven, Seegraswiesen und andere Küstenökosysteme können Kohlenstoff speichern und gleichzeitig Sturmfluten abschwächen. Werden sie zerstört, gehen beide Funktionen verloren.

Umgekehrt gefährden steigende Meeresspiegel, stärkere Extremwetterereignisse, Erwärmung und Versauerung der Ozeane die Küstenökosysteme selbst. Für Fischer kann sich das in veränderten Beständen und Fanggebieten bemerkbar machen; für Tourismusregionen können beschädigte Korallenriffe und verschmutzte Strände direkt wirtschaftliche Folgen haben.

Die ADB verbindet das Programm deshalb ausdrücklich mit dem philippinischen National Adaptation Plan und den nationalen Klimazielen. Dazu gehören naturbasierte Lösungen, widerstandsfähigere Lebensgrundlagen und der Schutz sogenannter Blue-Carbon-Ökosysteme wie Mangroven.

Frankreich ist nur ein Teil der Finanzierung

Die jetzt unterzeichnete französische Finanzierung über 200 Millionen Euro ist damit ein wichtiger Schritt, aber nicht das gesamte Programm. Die ADB trägt mit 500 Millionen Dollar den größten Einzelanteil des ersten Teilprogramms. Für die KfW Entwicklungsbank ist ebenfalls eine Kofinanzierung von bis zu 200 Millionen Euro vorgesehen.

Die ADB hatte bereits bei der Genehmigung Ende 2025 angekündigt, dass die drei Finanzierungsquellen zusammen nahezu 970 Millionen Dollar erreichen können. Die nun formalisierte AFD-Vereinbarung bestätigt damit einen Teil der damals angekündigten europäischen Kofinanzierung.

Für die weitere Bewertung bleibt deshalb wichtig, den Stand der deutschen KfW-Finanzierung getrennt zu verfolgen. Eine angekündigte Kofinanzierung ist nicht dasselbe wie eine bereits unterzeichnete und auszahlbare Finanzierung.

Entscheidend wird nicht die Kreditsumme, sondern die Wirkung

Fast eine Milliarde Dollar klingt angesichts des Zustands vieler philippinischer Küsten nach einer enormen Summe. Ob das Programm erfolgreich ist, lässt sich aber nicht daran messen, wie viel Kreditvolumen bereitsteht.

Entscheidend wird sein, ob sich daraus messbare Veränderungen ergeben: weniger Plastik und andere Abfälle im Meer, besser geschützte und tatsächlich überwachte Küstengebiete, nachhaltigere Fischereibestände, widerstandsfähigere Küstengemeinden und zusätzliche Einkommen, die nicht wiederum auf Kosten der marinen Ressourcen entstehen.

Gerade weil es sich überwiegend um Kredite und nicht um Geschenke handelt, ist dieser Nachweis besonders wichtig. Die Philippinen müssen die aufgenommenen Mittel zurückzahlen. Der wirtschaftliche und ökologische Nutzen der damit unterstützten Reformen sollte deshalb langfristig größer sein als die zusätzlichen Finanzierungskosten.

Quellen: Department of Finance, „France helps PH protect marine ecosystems, create sustainable livelihoods“, 13.08.2026; Asian Development Bank, Marine Ecosystems for Blue Economy Development Program, Subprogram 1, Genehmigung 11.12.2025 und Programmunterlagen; ADB Southeast Asia Development Solutions, „Improving Ocean Health Can Drive Inclusive and Low-Carbon Growth in the Philippines“, 17.02.2026. RM

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