MANILA – Der jahrelange Verlust abgelaufener Medikamente im philippinischen Gesundheitssystem entwickelt sich von einer wiederkehrenden Audit-Feststellung zu einer grundsätzlichen Debatte über die Beschaffung. – klajoo.com – Das Department of Health (DOH) prüft nach Angaben des amtierenden Gesundheitsministers Edwin Mercado, einen Teil des Budgets für Medikamente und andere Gesundheitsgüter künftig als zusätzliche Finanzierung an PhilHealth zu übertragen. Ziel wäre, weniger Arzneimittel zentral einzulagern und damit das Risiko großer ablaufender Bestände zu verringern.
Der Vorschlag entstand während der Senatsberatungen über den Gesundheitshaushalt 2027. Mercado erklärte, das DOH beschaffe derzeit etwa 40 Prozent seiner Gesundheitsgüter zentral; rund 60 Prozent würden über die regionalen Centers for Health Development beschafft. Künftig könnte ein größerer Teil der Versorgung über PhilHealth-finanzierte Abgabewege laufen, statt dass das Ministerium selbst große Mengen kauft und lagert.
Der Hintergrund ist erheblich. Nach den in der aktuellen Senatsdebatte zusammengetragenen Feststellungen der Commission on Audit wurden über Jahre wiederholt Arzneimittel, Impfstoffe und andere medizinische Güter als abgelaufen oder kurz vor dem Verfall beanstandet. Genannt werden:
- 18,5 Milliarden Peso für den Zeitraum 2015 bis 2018
- 2,2 Milliarden Peso für 2019
- 95,15 Millionen Peso für 2020
- 85 Millionen Peso für 2021
- 7,4 Milliarden Peso für 2022
- und 11,18 Milliarden Peso für 2023
Für 2024 wurden 34,8 Millionen Peso bereits abgelaufene und weitere 99,5 Millionen Peso kurz vor dem Verfall stehende Bestände gemeldet.
Diese Jahreszahlen dürfen nicht einfach als eine einzige verlustfreie Summe addiert werden, weil sich Prüfmethoden, Kategorien und enthaltene Güter unterscheiden können. Sie zeigen jedoch ein wiederkehrendes strukturelles Problem. COA beanstandete unter anderem Mängel bei Bedarfsplanung, Beschaffung, Verteilung und Inventarüberwachung. Das Problem ist damit nicht auf eine einzelne Amtszeit oder einen einzelnen Einkauf beschränkt.
Senator Raffy Tulfo erhob während der Anhörung zusätzlich schwerwiegende Vorwürfe. Er behauptete, teilweise seien bewusst Medikamente mit geringer Restlaufzeit günstig von bevorzugten Lieferanten gekauft worden, um Kickbacks zu ermöglichen. Außerdem zeigte er Bilder, die nach seiner Darstellung die Entsorgung abgelaufener Medikamente belegen. Diese Behauptungen sind bislang Vorwürfe des Senators und keine gerichtlich oder durch eine abgeschlossene Untersuchung festgestellten Tatsachen. Sie müssen deshalb von den dokumentierten COA-Befunden getrennt werden.
Mercado verweist auf bereits bestehende Schutzregeln. Neu beschaffte Medikamente sollen grundsätzlich eine ausreichende Restlaufzeit – nach seinen Angaben 18 Monate – haben; nicht regelkonforme Lieferanten können ausgeschlossen werden. Gleichzeitig reicht eine lange Restlaufzeit allein nicht aus, wenn Bedarf falsch geschätzt wird, Medikamente zu langsam verteilt werden oder Bestände in einer Region liegen bleiben, während sie anderswo fehlen.
Genau hier könnte eine stärkere Rolle von PhilHealth ansetzen. Statt Medikamente zentral in großen Mengen zu bevorraten, könnten Patienten über akkreditierte Anbieter auf definierte Leistungen zugreifen. Dadurch würde sich ein Teil des Lager- und Verteilungsrisikos vom DOH auf ein Netzwerk von Apotheken und Leistungserbringern verlagern.
Der mögliche Systemwechsel hat aber eine wichtige Schwachstelle. Nach Angaben von PhilHealth verfügen derzeit nur rund 52 Prozent der lokalen Gebietskörperschaften über mindestens einen akkreditierten Anbieter des Gamot-Programms. Insgesamt gab es im August 2.984 akkreditierte Stellen, davon 2.472 private und 512 staatliche Apotheken; etwa 788.000 Patienten waren bis dahin erreicht worden. In fast der Hälfte der LGUs fehlt also bislang noch ein entsprechender Zugangspunkt.
Eine Verlagerung von Beschaffungsmitteln zu PhilHealth könnte deshalb Verschwendung reduzieren, gleichzeitig aber neue Versorgungslücken erzeugen, wenn das Apotheken- und Anbieter-Netz nicht zuerst deutlich ausgebaut wird. Besonders abgelegene Gemeinden könnten sonst schlechter gestellt werden als unter einer funktionierenden staatlichen Direktversorgung. Die richtige Reform wäre daher nicht schlicht „DOH kauft weniger, PhilHealth zahlt mehr“, sondern eine Kombination aus besserer Bedarfsplanung, transparenter Bestandsführung, schnellerer Verteilung und einem flächendeckenden Netz für ambulante Arzneimittel.
Für die politische Aufarbeitung bleibt außerdem die Frage nach Verantwortlichkeit. Wiederkehrende Audit-Feststellungen über viele Jahre sprechen dafür, dass das Problem nicht allein durch einen Personalwechsel gelöst wird. Wenn Beschaffung, Lagerung und Verteilung systematisch nicht zusammenpassen, braucht es messbare Bestandskennzahlen, frühzeitige Umverteilung vor Ablaufdaten und nachvollziehbare Verantwortung dafür, wann und warum Medikamente ungenutzt verfallen.
Der angekündigte PhilHealth-Ansatz ist deshalb interessanter als die nächste einzelne Zahl abgelaufener Packungen. Er könnte ein grundlegendes Finanzierungs- und Verteilungsmodell verändern. Ob daraus eine Verbesserung entsteht, lässt sich aber erst beurteilen, wenn das DOH einen konkreten Vorschlag vorlegt und zeigt, wie Patienten in Gemeinden ohne Gamot-Anbieter weiterhin zuverlässig versorgt werden sollen. – RM
Quellen:
- GMA News – DOH eyes shifting medicine budget to PhilHealth to curb expiries
- The Philippine Star – DOH accused anew of buying near-expiry drugs for kickbacks
- The Philippine Star – Tulfo seeks probe into DOH expired medicines, vaccines
- GMA News – Only 52% of LGUs have accredited PhilHealth Gamot providers







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