DAVAO DE ORO – Eine der seltensten Rattan-Arten der Philippinen ist nach mehr als einem Jahrhundert ohne bestätigten Freilandnachweis wiedergefunden worden. – klajoo.com – Die Philippine Eagle Foundation (PEF) teilte am 3. September mit, dass Calamus vinosus im Mt.-Candalaga-Gebirge bei Maragusan in der Provinz Davao de Oro dokumentiert wurde. Die Art ist nur von Mindanao bekannt und wird auf den Philippinen als vom Aussterben bedroht geführt.
Wichtig für die zeitliche Einordnung: Die Pflanze wurde nicht erst in diesen Tagen entdeckt. Die zugrunde liegende Feldexpedition fand bereits vom 26. November bis 4. Dezember 2024 statt. Die Wissenschaftler werteten die dabei entstandenen Aufnahmen anschließend aus; die Bestimmung als Calamus vinosus wurde mit Unterstützung der botanischen Fachgemeinschaft und des Palmenexperten Jiro Adorador von der University of the Philippines Los Baños abgesichert. Aktuell ist damit die Veröffentlichung und fachliche Bestätigung der Wiederentdeckung.
Bislang war die Art nur aus einer historischen Sammlung bekannt. Der Botaniker Adolph Daniel Edward Elmer sammelte 1912 auf dem damaligen Mt. Urdaneta in Agusan del Norte ein Exemplar, das später als Calamus vinosus beschrieben wurde. Co’s Digital Flora of the Philippines führt diese Sammlung als Typusfund und nennt die Art als philippinischen Endemiten. Mehr als 110 Jahre lang kam kein weiterer dokumentierter Nachweis hinzu. Gerade bei einer nur von einem alten Fund bekannten Art bleibt dann lange offen, ob sie noch existiert, extrem lokal vorkommt oder schlicht nie wieder gezielt gefunden wurde.
Calamus vinosus gehört zur Familie der Palmen und ist eine kletternde Rattan-Art. Auffällig sind ihre weinroten Früchte, die sie von anderen philippinischen Calamus-Arten unterscheiden. Die neue Population wurde in einem Waldgebiet gefunden, das zugleich Lebensraum des Philippinenadlers und weiterer seltener Arten wie Rafflesia mira ist.
Die Expedition hatte ursprünglich einen breiteren Zweck. Das Team um Julie Barcelona, Pieter Pelser und Guiller Opiso dokumentierte die Pflanzenwelt des Mt.-Candalaga-Gebirges, um zugleich den Lebensraum des Philippinenadlers besser zu verstehen. Nach Angaben der PEF entstanden 2.271 Pflanzenfotos von 236 Arten. Mehrere davon waren zuvor für Davao de Oro nicht dokumentiert. Die Wiederentdeckung des Rattans ist damit auch ein Hinweis darauf, wie lückenhaft die botanische Erfassung selbst in bekannten Schutz- und Waldgebieten Mindanaos noch sein kann.
Der Fund allein bedeutet allerdings noch keine Entwarnung für die Art. Eine Wiederentdeckung sagt zunächst nur, dass Calamus vinosus noch in freier Wildbahn vorkommt. Wie groß die Population ist, wie weit sie verbreitet ist und welchen Gefährdungen sie konkret ausgesetzt ist, muss weiter untersucht werden. Gerade weil der bislang bekannte historische Fund und der neue Standort weit auseinanderliegen, könnten gezielte Erhebungen in geeigneten Bergwäldern zusätzliche Vorkommen zeigen – oder bestätigen, wie außergewöhnlich selten die Art tatsächlich ist.
Für den Naturschutz ist das ein doppelter Befund: Der Mt. Candalaga beherbergt offenbar noch Arten, deren Vorkommen wissenschaftlich kaum bekannt ist. Gleichzeitig erhöht jeder neue Nachweis den Wert der verbliebenen Waldflächen, weil mit ihrem Verlust möglicherweise Arten verschwinden würden, bevor ihre tatsächliche Verbreitung überhaupt erfasst ist. – RM
Quellen:
- Philippine Eagle Foundation – Critically Endangered ‘Lost’ Rattan Rediscovered in Davao de Oro
- Co’s Digital Flora of the Philippines – Arecaceae / Calamus vinosus







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