LUZON – Elf festgenommene Protestierende in Nueva Vizcaya, Bauern in Kalinga, die um Bewässerung und Wasserquellen fürchten, und gleichzeitig staatliche Stellen, die neue Kupfer- und Goldprojekte voranbringen. – klajoo.com – Mehrere aktuelle Konflikte im Norden von Luzon zeigen, wie schwierig die philippinische Rohstoffpolitik wird, sobald nationale Wirtschaftsinteressen auf Landrechte und die Interessen indigener Gemeinden treffen.
Dabei wäre die einfache Erzählung „Staat und Bergbauunternehmen gegen die Bewohner“ zu grob. In den einzelnen Fällen treten verschiedene staatliche Stellen mit unterschiedlichen Aufgaben auf. Das Department of Environment and Natural Resources und das Mines and Geosciences Bureau vergeben Bergbaurechte. Die National Commission on Indigenous Peoples soll indigene Rechte und das Verfahren zur freien, vorherigen und informierten Zustimmung schützen. Polizeikräfte setzen öffentliche Ordnung und Zugangsrechte durch. Provinzregierungen können zur Deeskalation drängen. Und mit der Philippine Mining Development Corporation ist der Staat andernorts sogar selbst unmittelbar an der Entwicklung eines Bergbauprojekts beteiligt.
Kasibu: Eine Barrikade wird zum landesweiten Menschenrechtsthema
In Kasibu in der Provinz Nueva Vizcaya halten Angehörige indigener Gruppen und andere Bewohner seit Mai eine Barrikade gegen Explorationsarbeiten der North Luzon Mineral Resources Corporation, kurz NLMRC, aufrecht. Human Rights Watch berichtet, dass die Polizei die Barrikade am 28. August räumte und elf Protestierende festnahm. Die Betroffenen wurden wegen „grave coercion“ sowie Widerstands beziehungsweise Ungehorsams gegenüber Amtspersonen angeklagt und am 1. September gegen Kaution freigelassen.
Die Bilder des Polizeieinsatzes machten den Konflikt über die Region hinaus sichtbar. Human Rights Watch kritisierte das Vorgehen und verwies darauf, dass auch ältere Menschen festgenommen wurden. Nach Angaben der Organisation verfügt NLMRC über eine staatliche Exploration Permit und erklärt, eine Bescheinigung der National Commission on Indigenous Peoples zu besitzen, wonach sich das genehmigte Explorationsgebiet nicht mit customary land überschneidet.
Genau diese Darstellung ist jedoch Teil des Konflikts. Gegner des Projekts führen an, dass Landwirtschaft, Wasserquellen, Wohngebiete und von indigenen Gemeinschaften beanspruchtes angestammtes Land gefährdet seien. Diese Vorwürfe sind nicht gleichbedeutend mit einem bereits festgestellten Umweltschaden: Bei dem aktuellen Projektstadium geht es zunächst um Exploration und Bohrungen. Für die Bewohner ist aber gerade diese frühe Phase entscheidend, weil sie verhindern wollen, dass sich eine genehmigte Exploration später zu einem wesentlich größeren Bergbauprojekt entwickelt.
Die Provinzregierung von Nueva Vizcaya beschreibt den unmittelbaren Auslöser des Polizeieinsatzes etwas anders als die Protestorganisationen. Nach Angaben des Polizeichefs von Kasibu blockierten Demonstranten Fahrzeuge auf einer kommunalen Straße, die zu einem Explorations- und Bohrgebiet in Barangay Pacquet führt. Gouverneur Jose Gambito habe die Polizei während der Auseinandersetzung angewiesen, die Lage zu entschärfen und weitere Verletzungen zu verhindern. Schon daran zeigt sich, dass staatliche Akteure nicht durchgehend dieselbe Position einnehmen.
Kalinga: Streit um Zustimmung beim MCB-Kupfer-Gold-Projekt
Etwa weiter westlich in der Cordillera Administrative Region läuft ein anderer Konflikt. In Pasil, Kalinga, entwickelt Makilala Mining Company das Maalinao-Caigutan-Biyog Copper-Gold Project, kurz MCB. Das Mines and Geosciences Bureau genehmigte 2024 ein Mineral Production Sharing Agreement für rund 2.501 Hektar. In seiner damaligen Mitteilung stellte das MGB die Genehmigung ausdrücklich in den Zusammenhang der staatlichen Strategie, Bergbau als einen wichtigen wirtschaftlichen Wachstumstreiber zu nutzen.
Gegen das Projekt formierte sich jedoch innerhalb der indigenen Bevölkerung Widerstand. Die Balatoc Indigenous Concern Group beantragte im Juni bei der National Commission on Indigenous Peoples, eine sogenannte Certification Precondition zurückzunehmen und Aktivitäten des Unternehmens zu stoppen. Die Gruppe argumentiert, das Verfahren zur Free, Prior and Informed Consent – der freien, vorherigen und informierten Zustimmung, kurz FPIC – sei fehlerhaft gewesen. Unter anderem kritisiert sie, dass das Mineral Production Sharing Agreement bereits im März 2024 genehmigt worden sei, während die von ihr angegriffene Certification Precondition erst im September 2024 ausgestellt worden sei.
Diese Vorwürfe sind umstritten und bislang keine rechtskräftige Feststellung. Makilala Mining weist die Darstellung zurück beziehungsweise verweist darauf, dass das FPIC-Verfahren unter Aufsicht der NCIP mit Beratungen, Gemeindeversammlungen und den traditionellen Entscheidungsprozessen durchgeführt worden sei. Nach neuen Vorwürfen im Juni erklärte das Unternehmen, die NCIP überprüfe die Situation vor Ort; Makilala kooperiere mit dieser Prüfung und wolle deren Ergebnis abwarten.
Damit liegt genau das Problem offen, das bei vielen Projekten auf ancestral domains entscheidend ist: Es reicht nicht, allgemein von „Zustimmung der indigenen Bevölkerung“ zu sprechen. Wer die betroffene Gemeinschaft rechtmäßig vertritt, wie die Zustimmung zustande kam, zu welchem Zeitpunkt sie vorlag und welche Informationen den Beteiligten zur Verfügung standen, können selbst zum Kern eines späteren Rechtsstreits werden.
Maharlika war Finanzierer – ist es inzwischen aber nicht mehr
Der MCB-Fall erhielt zusätzliche politische Bedeutung, weil zeitweise auch der staatliche Maharlika Investment Corporation eine Finanzierungsrolle übernommen hatte. Maharlika hatte zunächst eine größere Finanzierungsstruktur für das Projekt angekündigt und im Rahmen eines späteren Kreditvertrags tatsächlich eine Brückenfinanzierung von bis zu 10 Millionen US-Dollar für technische Planung und Machbarkeitsarbeiten bereitgestellt.
Dieser Punkt muss inzwischen allerdings aktualisiert werden: Am 25. April 2026 teilte Maharlika mit, seine Rechte als Kreditgeber an Equinaire Holdings Limited übertragen zu haben. Die staatliche Finanzierung gehört damit zur Entwicklungsgeschichte des Projekts, Maharlika ist nach dieser Transaktion aber nicht einfach als aktueller Kreditgeber des MCB-Projekts darzustellen.
Der Eigentums- und Finanzierungsstreit geht unabhängig davon weiter. Equinaire will am 8. September einen 40-Prozent-Anteil an Makilala Mining öffentlich versteigern, der über eine Tochtergesellschaft von Celsius Resources gehalten wird. Celsius bestreitet einen wirksamen Zahlungsausfall und das Recht zur Verwertung. Ein Gericht in Makati lehnte zwar einen vorläufigen Schutz gegen die Versteigerung ab, stellte dabei aber ausdrücklich nicht fest, dass tatsächlich ein Vertragsbruch vorlag oder Equinaire zur Zwangsverwertung berechtigt ist. Diese materiellen Fragen sollen im Schiedsverfahren geklärt werden.
Während also auf Unternehmensebene um Finanzierung und Eigentum gestritten wird, läuft auf lokaler Ebene parallel die Debatte darüber, ob und unter welchen Bedingungen der Bergbau überhaupt gesellschaftlich akzeptiert ist. Genau diese Gleichzeitigkeit macht den Fall besonders aufschlussreich.
Batong Buhay: Hier ist der Staat selbst Projektakteur
In Pasil gibt es noch einen zweiten Bergbaukomplex, der nicht mit Makilalas MCB-Projekt verwechselt werden darf: das Batong Buhay Copper-Gold Project. Die Rechte an diesem Projekt liegen bei der staatlichen Philippine Mining Development Corporation, kurz PMDC. Nach Angaben des Staatsunternehmens umfasst das Projekt rund 492 Hektar.
Die PMDC arbeitet aktiv daran, das Projekt wieder beziehungsweise weiter zu entwickeln. Im Juni stellte sie ihre Pläne dem Provincial Mining Regulatory Board von Kalinga vor. Anfang Juli berichtete das Unternehmen über Gespräche mit Regierungsstellen und indigenen Vertretern, die ausdrücklich dazu dienen sollten, unterschiedliche Gruppen innerhalb der Balatoc-Gemeinschaft zusammenzubringen und das Projekt voranzubringen. Die PMDC betont dabei, die Rechte der Indigenous Peoples respektieren und ihnen eine unmittelbare Beteiligung sowie wirtschaftliche Vorteile ermöglichen zu wollen.
Gleichzeitig gibt es Widerstand. Anfang September erklärten Bauern aus Tabuk ihre Unterstützung für Bewohner von Batong Buhay, die sich gegen eine mögliche Wiederaufnahme großflächigen Bergbaus wenden. Sie warnen insbesondere vor Risiken für landwirtschaftliche Flächen, Bewässerungssysteme und Zuflüsse des Chico River. Solche Befürchtungen sind für stromabwärts gelegene Bauern von unmittelbarer Bedeutung, auch wenn ein konkreter späterer Schaden damit noch nicht nachgewiesen ist.
Auch in Kalinga ist die indigene Bevölkerung jedoch kein einheitlicher Block. Anerkannte Vertreter der Balatoc-Gemeinschaft haben sich ebenfalls für eine verantwortliche Entwicklung des Batong-Buhay-Projekts ausgesprochen. Der Konflikt verläuft deshalb nicht nur zwischen außenstehenden Unternehmen und einer geschlossenen lokalen Bevölkerung, sondern teilweise auch innerhalb der Gemeinden selbst – über Vertretungsrechte, erwartete wirtschaftliche Vorteile und die Bewertung langfristiger Risiken.
Kupfer, Gold und die neue Bedeutung philippinischer Rohstoffe
Die Auseinandersetzungen gewinnen zusätzliche Bedeutung, weil die Philippinen ihre mineralischen Rohstoffe wirtschaftlich stärker nutzen wollen. Kupfer ist für Stromnetze, Elektrifizierung, erneuerbare Energien und viele Industrien ein strategisch wichtiger Rohstoff. Gold bleibt zugleich ein wirtschaftlich bedeutendes Exportgut. Für die Zentralregierung bedeuten neue Bergbauprojekte mögliche Investitionen, Steuern, Arbeitsplätze und eine stärkere Position in internationalen Lieferketten.
Die Kosten und Risiken entstehen jedoch zuerst vor Ort. Gemeinden müssen beurteilen, welche Veränderungen sie für Landnutzung, Wasser, Landwirtschaft, Straßen und traditionelle Lebensgrundlagen akzeptieren. Gerade in abgelegenen Bergregionen können ein Arbeitsplatz oder neue Infrastruktur einen hohen Wert haben. Gleichzeitig können Schäden an Wasserläufen oder landwirtschaftlichen Flächen über Jahrzehnte wirken. Diese beiden Seiten erklären, warum selbst innerhalb betroffener indigener Gemeinschaften unterschiedliche Positionen entstehen können.
FPIC ist deshalb mehr als eine Unterschrift
Das philippinische Indigenous Peoples Rights Act sieht für Projekte auf oder mit Auswirkungen auf angestammte Gebiete besondere Schutzmechanismen vor. Das Prinzip der Free, Prior and Informed Consent soll sicherstellen, dass die betroffene indigene Gemeinschaft nicht erst informiert wird, wenn wesentliche Entscheidungen bereits getroffen sind. „Free“ bedeutet ohne Zwang, „prior“ vor der maßgeblichen Entscheidung und „informed“ auf Grundlage ausreichender Informationen über das Vorhaben und seine Folgen.
In der Praxis ist gerade dieser Prozess häufig umkämpft. Unternehmen verweisen auf durchgeführte Versammlungen und Zertifizierungen; Gegner bestreiten die Repräsentativität, die zeitliche Reihenfolge oder die Vollständigkeit der Informationen. Solche Konflikte lassen sich journalistisch nicht lösen, indem eine Seite pauschal zur legitimen Stimme aller Bewohner erklärt wird. Entscheidend ist, die konkreten Verfahren, Dokumente und Zuständigkeiten zu prüfen.
Die Doppelrolle des Staates bleibt
Kasibu und Kalinga zeigen zwei unterschiedliche Varianten desselben Grundproblems. In Nueva Vizcaya genehmigt der Staat Exploration und die Polizei setzt den Zugang zu einer Straße gegen eine Barrikade durch, während die Provinzregierung zugleich Deeskalation verlangt. Beim MCB-Projekt in Kalinga genehmigten staatliche Stellen das Bergbaurecht, Maharlika war zeitweise Kreditgeber und die NCIP prüft nun Vorwürfe zum Zustimmungsverfahren. Bei Batong Buhay ist mit der PMDC schließlich ein staatliches Unternehmen selbst unmittelbar Projektakteur.
Das bedeutet nicht automatisch, dass der Staat gegen die Bewohner handelt. Es zeigt aber einen strukturellen Interessenkonflikt: Derselbe Staat soll Investitionen und Rohstofferschließung fördern, Umweltauflagen durchsetzen, indigene Rechte schützen und öffentliche Ordnung gewährleisten. Je stärker die Philippinen ihre Kupfer-, Gold- und anderen Mineralvorkommen wirtschaftlich nutzen wollen, desto häufiger werden diese Aufgaben miteinander kollidieren.
Ob ein Bergbauprojekt am Ende gesellschaftlich tragfähig ist, entscheidet sich deshalb nicht allein an der Größe eines Vorkommens oder an einer erteilten Genehmigung. Entscheidend wird sein, ob die betroffenen Gemeinden das Verfahren als legitim erleben, ob Umwelt- und Wasserrisiken belastbar begrenzt werden und ob wirtschaftliche Vorteile tatsächlich vor Ort ankommen. Die aktuellen Konflikte in Nueva Vizcaya und Kalinga zeigen, dass genau diese Fragen längst nicht überall geklärt sind. – RM
Quellen:
- Human Rights Watch: Philippine Police Arrest 11 Indigenous Rights Protesters
- Province of Nueva Vizcaya: Gov. Gambito Orders Police to Ease Tensions in Kasibu Mining Blockade
- Mines and Geosciences Bureau – CAR: Mineral Agreement in Kalinga Gets Approval
- Northern Dispatch: Kalinga Indigenous group seeks halt to Makilala mining project
- Business & Human Rights Resource Centre: Makilala Mining Company response to FPIC allegations
- Maharlika Investment Corporation: Assignment of MMCI bridge loan to Equinaire Holdings Limited
- Investegate / Celsius Resources: Corporate update, 2 September 2026
- Philippine Mining Development Corporation: PMDC presents Batong Buhay development plans to Kalinga PMRB
- Philippine Mining Development Corporation: PMDC strengthens coordination to unite Balatoc IPs and advance Batong Buhay project
- Daily Tribune: Kalinga farmers strengthen stance vs mining
Valley Journal: Kalinga tribe leadership reaffirms support for responsible development of Batong Buhay







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