BARCELONA/MANILA – Eine Gruppe junger Menschen mit philippinischen Familienwurzeln in Barcelona hat ihre Erfahrungen zwischen Herkunft, Nachbarschaft und spanischem Alltag in einem gemeinsamen Buch festgehalten. – klajoo.com – Die Anthologie „Mosai-KO: Fifteen Stories from the El Raval Neighborhood“ versammelt 15 Stimmen aus dem Umfeld des Kudyapi Children’s Choir im Stadtviertel El Raval.
Das Buch wurde Anfang September im Instituto Cervantes in Manila vorgestellt; eine weitere Präsentation ist für den 21. Oktober im Casal de Barri del Raval in Barcelona angekündigt. Der ungewöhnliche Weg über Manila und zurück nach Barcelona passt zum Inhalt: Die jungen Autorinnen und Autoren schreiben nicht aus der Perspektive von Auswanderern, die gerade erst in Europa ankommen, sondern als Generation, die in Spanien geboren oder aufgewachsen ist und ihre philippinischen Familiengeschichten mit einem Alltag in Barcelona verbindet.
El Raval ist dafür ein prägender Ort. Das dicht bewohnte Innenstadtviertel gehört zu den vielfältigsten Teilen Barcelonas und ist seit Jahrzehnten von Migration geprägt. Für die Beteiligten des Kudyapi-Chors geht es deshalb nicht nur um philippinische Kulturpflege. Sie wollen auch zeigen, wie ihre Nachbarschaft aus Sicht der Menschen aussieht, die dort leben – und damit vereinfachten oder negativen Bildern des Viertels etwas entgegensetzen.
Genau darin liegt der redaktionelle Wert des Projekts. Philippinische Diaspora wird häufig über Arbeitsmigration, Pflegekräfte, Seeleute oder Remittances beschrieben. Mosai-KO zeigt eine andere Entwicklungsstufe: Kinder und junge Erwachsene der zweiten beziehungsweise nachfolgenden Generation formulieren selbst, wie Zugehörigkeit funktioniert, wenn Familie, Sprache und kulturelle Bezugspunkte nicht mehr eindeutig einem einzigen Land zugeordnet werden können.
Die erste Auflage ist klein. Nach Angaben der Projektbeteiligten wurden zunächst 100 Exemplare produziert; bereits beim frühen Verkauf fanden zahlreiche davon Abnehmer. Übersetzungen in weitere Sprachen sind vorgesehen. Damit ist Mosai-KO noch kein großes Verlagsprojekt, sondern zunächst ein lokales Kultur- und Community-Projekt. Gerade diese Kleinheit macht es aber interessant: Es dokumentiert, wie sich die philippinische Gemeinschaft in Europa von einer Einwanderergeschichte zu einer eigenen europäischen Diasporakultur weiterentwickelt.
Für klajoo ist das zugleich ein gutes Beispiel dafür, warum ein internationaler Diasporaradar mehr leisten kann als nur Meldungen über Visa, Arbeitsverträge oder Konsulartermine. Die längerfristige Geschichte philippinischer Migration wird zunehmend auch von einer Generation erzählt, die Europa nicht nur als Gast- oder Arbeitsort erlebt, sondern als Heimat – ohne den Bezug zu den Philippinen aufzugeben. – RM
Quellen:
- Daily Tribune – ‘Mosai-KO’ gives young Hispanic-Filipinos a voice
- Barcelona City Council – Casal de Barri del Raval / Presentació de ‘Mosai-ko’







Add Comment