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Western Visayas: 146 Festnahmen wegen illegaler Fischerei – Behörden sehen auch kommerzielle Strukturen

PANAY – Innerhalb von nur zwei Wochen hat die Polizei in Western Visayas 146 Menschen wegen mutmaßlicher Verstöße gegen Fischereigesetze festgenommen. – klajoo.com – Der hohe Wert der beschlagnahmten Ausrüstung und frühere Angaben der Fischereibehörde zeigen allerdings, dass hinter illegaler Fischerei keineswegs nur einzelne Fischer stehen, die versuchen, ihr Einkommen aufzubessern.

Nach Angaben des Police Regional Office 6 (PRO-6) wurden vom 1. bis 15. August insgesamt 69 Einsätze gegen illegale Fischerei durchgeführt. Dabei wurden 146 Menschen festgenommen. Beschlagnahmter Fisch hatte einen angegebenen Wert von rund 261.000 Peso, die sichergestellte Fischereiausrüstung dagegen von mehr als 15,5 Millionen Peso.

Allein in der Provinz Iloilo fanden 32 Einsätze mit 82 Festnahmen statt. In Antique waren es 27 Einsätze und 29 Festnahmen.

Damit entfiel fast der gesamte Wert der bei der Aktion sichergestellten Gegenstände auf Fischereiausrüstung und nicht auf den bereits gefangenen Fisch.

Nicht nur Fischer aus wirtschaftlicher Not

Angesichts der derzeit hohen Inflation auf den Philippinen liegt die Vermutung nahe, dass wirtschaftlicher Druck mehr Menschen dazu verleiten könnte, Fischereivorschriften zu umgehen.

Gerade Western Visayas verzeichnet derzeit stark steigende Preise. Die allgemeine Inflationsrate der Region erhöhte sich im Juli auf 7,8 Prozent, nach 6,8 Prozent im Juni. Ein Jahr zuvor hatte sie lediglich 0,6 Prozent betragen.

Noch stärker trifft die Preisentwicklung Menschen mit niedrigen Einkommen. Für die einkommensschwächsten 30 Prozent der Haushalte lag die Inflation in Western Visayas im Juli bei 9,8 Prozent. In der Provinz Iloilo erreichte sie 12,5 Prozent, in Aklan 11,3 Prozent und in Antique 10,2 Prozent.

Auch Fisch ist teilweise erheblich teurer geworden. In Guimaras beispielsweise lagen die Preise für Fisch und andere Meeresfrüchte für einkommensschwache Haushalte im Juli 9,2 Prozent über dem Vorjahresniveau.

Ein Zusammenhang zwischen den gestiegenen Lebenshaltungskosten und den aktuellen Festnahmen ist damit jedoch nicht nachgewiesen. Weder Polizei noch die Fischereibehörde Bureau of Fisheries and Aquatic Resources (BFAR) haben die jetzigen Verstöße auf die Inflation zurückgeführt.

Frühere Aussagen von BFAR-6 zeigen vielmehr, dass die Ursachen sehr unterschiedlich sind.

Strafen teilweise als Geschäftskosten einkalkuliert

BFAR-6 hatte bereits im April erklärt, dass die illegale, nicht gemeldete und unregulierte Fischerei – international als IUU Fishing bezeichnet – in Western Visayas nicht nur aus kleineren Verstößen einzelner Fischer besteht.

Nach Angaben der Behörde verwenden manche Akteure beispielsweise gültig aussehende Genehmigungen oder andere legale Dokumente, setzen tatsächlich aber nicht registrierte Boote oder nicht zugelassene Fanggeräte ein. BFAR berichtete außerdem von Fischern aus anderen Regionen, darunter Cebu und Masbate, die in die Fanggebiete von Western Visayas kommen.

Besonders bemerkenswert ist die Einschätzung der Behörde, dass manche Fischer beziehungsweise Betreiber mögliche Strafen offenbar als „Kosten des Geschäfts“ betrachten. Bestimmte verbotene Fangmethoden wie die Schleppnetzfischerei seien wirtschaftlich so effektiv und profitabel, dass Sanktionen bewusst in Kauf genommen würden.

Das spricht zumindest bei einem Teil der Fälle gegen die einfache Erklärung, illegale Fischerei sei vor allem eine Folge persönlicher wirtschaftlicher Not.

Weitere Hinweise auf kommerzielle Strukturen hatte BFAR-6 bereits zuvor gegeben. Die Behörde berichtete von illegal gefangenem Fisch aus Gewässern vor Palawan, der anschließend nach Iloilo gebracht und dort angelandet werde. Dadurch werde die Verfolgung erschwert, weil Fang und Vermarktung in unterschiedlichen Zuständigkeitsgebieten stattfinden. Auch seien Fälle bekannt, in denen Betreiber über gültige Genehmigungen verfügten, für den eigentlichen Fang jedoch nicht registrierte Schiffe einsetzten.

Von „organisierter Kriminalität“ kann aufgrund der bislang veröffentlichten Informationen dennoch nicht gesprochen werden. Die Angaben zeigen aber, dass ein Teil der illegalen Fischerei offenbar planmäßig und kommerziell betrieben wird.

Problem besteht schon seit Jahren

Auch die hohe Zahl der aktuellen Festnahmen bedeutet nicht zwangsläufig, dass illegale Fischerei in Western Visayas gerade stark zunimmt.

Bereits im ersten Halbjahr 2024 meldete PRO-6 insgesamt 471 Einsätze gegen illegale Fischerei. Damals wurden 1.332 Menschen festgenommen. Die Polizei beschlagnahmte Fisch im Wert von rund 1,3 Millionen Peso sowie Fischereiausrüstung im Wert von mehr als 107 Millionen Peso.

BFAR-6 berichtete sogar, dass illegale Fischerei und das Eindringen kommerzieller Fangschiffe in kommunale Gewässer im Jahr 2025 insgesamt zurückgegangen seien. Gleichzeitig räumte die Behörde ein, Western Visayas sei weiterhin weit davon entfernt, frei von illegaler Fischerei zu sein. Nicht registrierte Fischer, Boote und Fanggeräte blieben ein erhebliches Problem.

Die 146 Festnahmen innerhalb der ersten Augusthälfte können deshalb sowohl auf zahlreiche Verstöße als auch auf besonders intensive Kontrollen zurückzuführen sein. Aus Festnahmezahlen allein lässt sich nicht ableiten, wie stark die tatsächliche illegale Fischerei zu- oder abgenommen hat.

Ähnliche Probleme auch in anderen Regionen

Western Visayas ist kein Einzelfall.

Auf Bohol kämpfen Behörden seit Jahren gegen illegale Fangmethoden. Allein Fischer aus Barangay Malingin in Bien Unido wurden zwischen 2016 und 2025 insgesamt 888-mal wegen illegaler Fischerei festgenommen. Fast 300 Boote wurden beschlagnahmt. Besonders verbreitet ist dort nach Behördenangaben die verbotene Danish-Seine-Methode, lokal als „liba-liba“ bezeichnet.

Bemerkenswert ist die Reaktion der Behörden auf Bohol: Neben strengeren Kontrollen fordern sie ausdrücklich alternative Einkommensmöglichkeiten und soziale Unterstützung. Dort wird also durchaus anerkannt, dass Armut Menschen zur illegalen Fischerei bewegen kann. Gleichzeitig handelt es sich um ein über Jahre verfestigtes Problem, das durch Kontrollen allein bislang nicht beseitigt werden konnte.

Auch in anderen Landesteilen laufen verstärkte Kontrollen. In Calabarzon meldete die Polizei für Juli 2026 insgesamt 154 Einsätze gegen Zigarettenschmuggel, illegale Abholzung und illegale Fischerei mit 165 Festnahmen. Da die Statistik die drei Deliktsbereiche zusammenfasst, lässt sich daraus allerdings nicht bestimmen, wie viele Fälle allein auf illegale Fischerei entfielen.

Ein landesweiter Anstieg der illegalen Fischerei im Jahr 2026 lässt sich aus diesen regionalen Zahlen deshalb nicht zuverlässig ableiten.

Landesweites strukturelles Problem

Dass illegale Fischerei auf den Philippinen grundsätzlich ein erhebliches Problem darstellt, ist dagegen seit Jahren bekannt.

Eine gemeinsame Untersuchung von BFAR, USAID und philippinischen Wissenschaftlern schätzte für 2019, dass zwischen 27 und 40 Prozent des gesamten Fischfangs im Land illegal oder nicht gemeldet waren. Der wirtschaftliche Verlust wurde damals auf rund 62 Milliarden Peso pro Jahr geschätzt. Die Untersuchung machte zugleich deutlich, dass das Spektrum von kleinen nicht registrierten Fischern bis zu komplexen Aktivitäten kommerzieller Fangflotten reicht.

Die Zahlen sind inzwischen mehrere Jahre alt und können nicht ohne Weiteres auf 2026 übertragen werden. Sie zeigen jedoch, dass das Problem lange vor dem aktuellen Inflationsanstieg bestand.

Die jüngsten Festnahmen in Western Visayas dürften deshalb mehrere Ursachen haben: wirtschaftlichen Druck auf kleine Fischer, weiterhin attraktive Gewinne mit verbotenen Fangmethoden, kommerziell organisierte Verstöße und zugleich verstärkte Kontrollen der Behörden.

Die hohe Inflation könnte einen zusätzlichen Anreiz schaffen. Für die Behauptung, sie sei der wesentliche Grund für die derzeit zahlreichen Verstöße, gibt es bislang jedoch keine belastbaren Belege.

Neben den Fischereiverstößen führte PRO-6 vom 1. bis 15. August außerdem 118 Einsätze gegen illegale Abholzung durch. Dabei wurden 58 Personen festgenommen und Holz sowie Holzkohle im Gesamtwert von knapp 385.000 Peso sichergestellt. Zusammen mit den Fischereifällen meldete die Polizei damit 204 Festnahmen bei 187 Einsätzen und beschlagnahmte beziehungsweise sichergestellte Güter im Wert von insgesamt rund 16,18 Millionen Peso.

Quellen:

  • Daily Guardian: „PRO6 arrests 204, seizes PHP 16.18M in operations“
  • Philippine Information Agency / BFAR-6: „BFAR-6 steps up fight vs illegal fishing“
  • Philippine Statistics Authority: Inflationsdaten Western Visayas, Juli 2026
  • Philippine Information Agency: „Bohol backs stricter action, community support vs illegal fishing“
  • BFAR/USAID: Untersuchung zur illegalen, nicht gemeldeten und unregulierten Fischerei auf den Philippinen

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