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Panay

50-MW-KI-Rechenzentrum in Oton: Projektvorstellung endet im Eklat – und zentrale Fragen bleiben unbeantwortet

PANAY – Ein geplantes KI-Rechenzentrum in Oton in der Provinz Iloilo ist nach einer öffentlichen Anhörung vorerst ins Wanken geraten. – klajoo.com – Der norwegische Projektvertreter Daniel Stefan Robertsen brach die Veranstaltung ab, nachdem ein Mitglied des Gemeinderats nach dem Wasserverbrauch der Anlage gefragt hatte. Anschließend beschimpfte er Journalisten und drohte wegen Fotoaufnahmen mit rechtlichen Schritten.

Der ungewöhnliche Verlauf der Anhörung sollte jedoch nicht vom eigentlichen Thema ablenken. Vorgeschlagen war ein bis zu 50 Megawatt starkes Hyperscale-Rechenzentrum auf einem Gelände von rund zehn Hektar. Für eine Gemeinde wie Oton wären Strombedarf, Wassernutzung, Flächenverbrauch und Netzanbindung keine Randfragen, sondern zentrale Voraussetzungen für die Genehmigung.

Zunächst 10 Megawatt, später 50 Megawatt Dauerlast

Nach der Präsentation sollte die Anlage zunächst mit zehn Megawatt starten und schrittweise auf 50 Megawatt ausgebaut werden. Vorgesehen war ein Betrieb rund um die Uhr mit einem Lastfaktor von mehr als 95 Prozent.

Eine solche Dauerlast unterscheidet sich erheblich von einem gewöhnlichen Gewerbebetrieb. 50 Megawatt entsprechen nicht nur einer hohen Spitzenleistung; bei annähernd kontinuierlichem Betrieb würde die Anlage über das Jahr eine sehr große Strommenge beziehen.

Der Projektvertreter erklärte, eine eigene Umspannstation mit einer Anbindung von 69 oder 115 Kilovolt solle auf Kosten des Entwicklers entstehen. Er stellte dies sogar als möglichen Beitrag zur Stabilität des Netzes von Iloilo I Electric Cooperative (ILECO I) dar.

Eine eigene Umspannstation erzeugt allerdings keinen Strom. Sie kann eine Anlage technisch an das Netz anbinden, löst aber nicht die Frage, woher die dauerhaft benötigten 50 Megawatt Erzeugungsleistung kommen sollen.

Gerade Panay hat Erfahrung mit instabiler Stromversorgung

Die Frage ist in Western Visayas besonders sensibel. Panay war in den vergangenen Jahren wiederholt von Netzproblemen und großflächigen Stromausfällen betroffen. Ein Rechenzentrum dieser Größenordnung müsste deshalb nicht nur einen Anschluss erhalten, sondern auch nachweisen, wie seine zusätzliche Dauerlast in das regionale Versorgungssystem integriert werden kann.

Eine Netzverträglichkeitsstudie und die Zustimmung der zuständigen Netz- und Energiebehörden wären deshalb wesentlich. Eine Genehmigung der Gemeinde allein reicht für ein Projekt dieser Größenordnung nicht.

Für die Bevölkerung wäre außerdem entscheidend, ob das Rechenzentrum neue Erzeugungskapazität mitbringt, langfristige Lieferverträge abschließt oder lediglich vorhandene regionale Kapazität beansprucht.

Die erste konkrete Wasserfrage blieb unbeantwortet

Genau an der Frage nach dem Wasserverbrauch brach die Anhörung ab. Gemeinderätin Annie Rose Paro wollte wissen, wie die Anlage Wasser nutzen und aufbereiten würde.

Das ist keine Detailfrage. Rechenzentren können je nach Kühlsystem sehr unterschiedliche Wassermengen verbrauchen. Geschlossene Flüssigkeitskreisläufe können den laufenden Verbrauch begrenzen, während Verdunstungskühlung kontinuierlich Frischwasser benötigen kann.

Ohne ein konkret benanntes Kühlsystem lässt sich deshalb weder seriös behaupten, das Projekt verbrauche enorme Wassermengen, noch dass Wasser praktisch keine Rolle spiele. Genau diese technische Antwort hätte die Anhörung liefern sollen.

Robertsen reagierte stattdessen verärgert, erklärte sinngemäß, er müsse das Projekt nicht bauen, und verließ die Veranstaltung.

Gemeinde sieht Walkout als möglichen Rückzug

Otons Vizebürgermeister Jose Neil Olivares wertete den Abbruch als Zeichen, dass der Projektvertreter seinen Vorschlag zurückziehe. Der zuständige Ausschuss will den Vorgang in seinem Bericht berücksichtigen.

Formal ist damit jedoch nicht automatisch jede zukünftige Planung beendet. Entscheidend wäre, ob ein Antrag tatsächlich zurückgezogen wird oder ob der Projektträger später mit einem veränderten Vorschlag zurückkehrt.

Für die Gemeinde ist der Eklat dennoch relevant. Ein Projekt dieser Größenordnung verlangt jahrelange Zusammenarbeit mit lokaler Verwaltung, Energieversorgern, Umweltbehörden und Grundeigentümern. Wenn bereits eine erste öffentliche Nachfrage nach Wasserverbrauch zum Abbruch führt, stellt sich die Frage nach der Belastbarkeit dieser Zusammenarbeit.

Wer ist „Norway Green Energy“?

Ein weiterer Punkt betrifft den Projektträger selbst. Robertsen präsentierte das Vorhaben unter dem Namen „Norway Green Energy“ und erklärte, vergleichbare Projekte unter anderem in Abu Dhabi und Neuseeland entwickelt zu haben.

Daily Guardian berichtete jedoch, bei einfachen Webrecherchen keine belastbaren Informationen über das Unternehmen gefunden zu haben. Auch eine Suche im öffentlichen „Check With SEC“-Portal der Securities and Exchange Commission habe keinen Treffer ergeben.

Das beweist nicht, dass es kein rechtlich existierendes Unternehmen oder keine ausländische Gesellschaft gibt. Es bedeutet aber, dass vor einer Genehmigung zunächst eindeutig geklärt werden müsste, welche juristische Person investieren will, wie sie finanziert ist und welche vergleichbaren Projekte sie tatsächlich realisiert hat.

Auch die Drohung gegen Journalisten überzeugt rechtlich nicht

Nach dem Walkout erklärte Robertsen gegenüber Journalisten, sie dürften ihn wegen philippinischer Datenschutzgesetze nicht fotografieren, und drohte mit einem Gerichtsverfahren.

Eine solche pauschale Aussage lässt sich aus dem Data Privacy Act nicht ableiten. Das Gesetz enthält ausdrücklich Ausnahmen für journalistische Zwecke. Eine öffentlich einberufene Anhörung zu einem großen Infrastrukturprojekt ist zudem kein privater Raum, in dem jede Bildaufnahme automatisch eine Datenschutzverletzung darstellt.

Der Fall zeigt ein grundsätzliches Problem des KI-Booms

Die Philippinen werben derzeit um Rechenzentren und KI-Infrastruktur. Solche Projekte können Investitionen, Arbeitsplätze und neue digitale Dienstleistungen bringen. Gleichzeitig gehören sie zu den energieintensivsten neuen Industrien.

Deshalb reicht die Ankündigung eines „grünen“ oder modernen Rechenzentrums nicht. Vor einer Genehmigung müssen mindestens vier Fragen belastbar beantwortet werden: Wer finanziert und betreibt die Anlage? Woher kommt der Strom? Wie viel Wasser wird tatsächlich verbraucht? Und welche Infrastrukturkosten trägt der Investor selbst?

In Oton blieben genau diese Fragen nach der Anhörung offen. Für ein Projekt, das langfristig bis zu 50 Megawatt rund um die Uhr beanspruchen soll, ist das keine Kleinigkeit – sondern der Kern der Entscheidung.

Quellen:

  • Daily Guardian: AI data center pitch in Oton ends in insults, walkout
  • Securities and Exchange Commission: Check with SEC
  • LawPhil: Republic Act No. 10173 – Data Privacy Act of 2012

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