MANILA – Philippinische Behörden haben an den Flughäfen Ninoy Aquino International Airport (NAIA) und Clark insgesamt 14 Reisende gestoppt, die nach ersten Angaben als Touristen oder Geschäftsreisende unterwegs sein wollten. – klajoo.com – Bei der weiteren Befragung stellte sich nach Behördenangaben heraus, dass ihr eigentliches Ziel Russland war. Der Fall wirkt weniger wie ein isolierter Zwischenfall, wenn man ihn mit mehreren ähnlichen Fällen der vergangenen Wochen vergleicht.
Zwei Personen, die als mutmaßliche Vermittler beziehungsweise Rekrutierer gelten, wurden ebenfalls festgenommen. Alle Betroffenen und die beiden Verdächtigen wurden an den Inter-Agency Council Against Trafficking (IACAT) übergeben. Eine gerichtliche Feststellung, dass Menschenhandel vorlag oder die beiden Verdächtigen schuldig sind, gibt es damit noch nicht.
Singapur und Hongkong als vorgelagerte Reiseziele
Am 8. August wurden am Terminal 3 des NAIA acht Personen gestoppt, sechs Männer und zwei Frauen. Sie wollten mit Cebu Pacific nach Singapur fliegen und erklärten zunächst, es handele sich um eine Geschäftsreise. Später gaben sie nach den veröffentlichten Angaben an, eigentlich nach Russland weiterreisen zu wollen. Dort seien ihnen hohe Einkommen und eine spätere russische Staatsbürgerschaft in Aussicht gestellt worden. Ein Mann und eine Frau, die mit derselben Gruppe reisten, gelten als mutmaßliche Vermittler.
Bei einem weiteren Vorgang am Clark International Airport wurden sechs Männer im Alter zwischen 40 und 50 Jahren gestoppt. Sie wollten zunächst nach Hongkong fliegen und bezeichneten die Reise als Urlaub mit ehemaligen Militärkollegen. Nach Widersprüchen bei der Befragung erklärten sie laut den vorliegenden Berichten, für Arbeit in Russland angeworben worden zu sein. Versprochen worden seien rund 3.000 US-Dollar monatlich.
Das Muster tauchte bereits mehrfach auf
Die Kombination aus vorgeschobener Urlaubs- oder Geschäftsreise, einem asiatischen Transitland und einer anschließenden Beschäftigung in Russland ist in den vergangenen Wochen mehrfach aufgefallen.
Im Juni stoppte das Bureau of Immigration (BI) einen 46-jährigen Filipino, der offiziell für einen Kurzaufenthalt nach Hongkong reisen wollte. Tatsächlich sollte er nach Moskau weiterfliegen. Er war nach Behördenangaben über Facebook und WhatsApp angeworben worden. Versprochen wurden ihm rund 2.700 US-Dollar monatlich sowie später die russische Staatsbürgerschaft. Die notwendigen Unterlagen für eine reguläre Auslandsbeschäftigung konnte er nicht vorlegen.
Ende Juli wurde am NAIA eine 50-jährige Filipina abgefangen, die eine viertägige Reise nach Bangkok angegeben hatte. Bei der weiteren Kontrolle erklärte sie laut BI, ihr eigentliches Ziel sei Russland, wo sie arbeiten sollte. Sie hatte nach eigenen Angaben bereits 170.000 Peso an Vermittler gezahlt.
Damit wiederholen sich mehrere Elemente: Ein offizielles Reiseziel in Asien, eine als Urlaub oder Geschäftsreise dargestellte Ausreise, ein tatsächlicher Arbeitsplan für Russland und ungewöhnlich hohe Verdienstversprechen. In mehreren Fällen wurde zusätzlich eine mögliche spätere russische Staatsbürgerschaft als Anreiz genannt.
24 Rückkehrer aus Russland lösten bereits Ermittlungen aus
Zusätzliche Bedeutung erhält die Entwicklung durch einen Fall aus dem Juni. Damals wurden 24 philippinische Arbeitsmigranten aus Russland repatriiert, nachdem sie dort mehr als neun Monate festgehalten worden waren. Das Department of Migrant Workers (DMW) leitete Ermittlungen wegen möglicher illegaler Rekrutierung und Menschenhandel im Zusammenhang mit ihrer Entsendung ein.
Diese 24 Fälle dürfen nicht ohne Belege mit den jetzt gestoppten Reisenden zu einem einzigen Netzwerk zusammengefügt werden. Bislang ist öffentlich nicht nachgewiesen, dass dieselben Vermittler, Arbeitgeber oder Organisatoren dahinterstehen. Die Häufung zeigt aber, dass Russland als Ziel illegal oder zumindest irregulär organisierter Arbeitsreisen philippinischer Staatsangehöriger derzeit wiederholt in Erscheinung tritt.
Was bislang auffällig fehlt
Zu den aktuellen 14 Fällen fehlen mehrere Angaben, die für die Einordnung wichtig wären. Öffentlich genannt wurde bislang nicht, in welchen Branchen die Betroffenen in Russland arbeiten sollten, welche konkreten Arbeitgeber hinter den Angeboten stehen, an welchen Orten die Beschäftigung vorgesehen war und auf welcher Grundlage die versprochene Staatsbürgerschaft angeblich erlangt werden sollte.
Auch ist noch offen, ob die beiden bei der Acht-Personen-Gruppe festgenommenen mutmaßlichen Vermittler nur diese Reise begleitet haben oder Teil einer größeren Rekrutierungsstruktur sind. Genau diese Punkte werden entscheidend sein, wenn beurteilt werden soll, ob hinter den Fällen ein wiederkehrendes Geschäftsmodell oder mehrere voneinander unabhängige Vermittlungen stehen.
Hohe Gehälter allein sind kein Beleg für Menschenhandel
Ein versprochenes Gehalt von 2.700 oder 3.000 US-Dollar im Monat ist für viele philippinische Arbeitnehmer attraktiv und kann ein starkes Motiv für eine Ausreise sein. Die Höhe des Versprechens allein beweist jedoch weder Betrug noch Menschenhandel.
Problematisch wird die Konstellation durch fehlende reguläre Arbeitsdokumente, die Tarnung als Touristenreise und die Einschaltung nicht autorisierter Vermittler.
Das BI warnt deshalb erneut davor, Arbeitsreisen über touristische Ausreisen zu verschleiern oder hohe Summen an nicht autorisierte Vermittler zu zahlen. Wer eine Beschäftigung im Ausland aufnimmt, soll Angebote und Rekrutierungswege über die zuständigen staatlichen Stellen überprüfen lassen.
Für die weitere Beobachtung ist Russland damit nicht nur wegen einzelner abgefangener Reisender interessant. Entscheidend wird sein, ob die Ermittlungen gemeinsame Rekrutierer, bestimmte Arbeitgeber, wiederkehrende Transitwege oder eine gezielte Ansprache bestimmter Berufsgruppen erkennen lassen. – RM
Quellen:
- SunStar Philippines: 2 recruiters nabbed, 14 trafficking victims rescued in NAIA, CRK
- Philippine News Agency: BI intercepts ‘trafficking victim’ bound for Russia via Thailand
- Philippine News Agency: DMW probes illegal recruitment, trafficking of 24 OFWs from Russia
- Bureau of Immigration: BI officers at NAIA rescue man illegally recruited to work abroad







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