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Manila

Nahost-Konzerne interessieren sich für Öllager auf den Philippinen – strategische Reserve könnte neues Finanzierungsmodell bekommen

MANILA – Unternehmen aus dem Nahen Osten zeigen Interesse daran, in philippinische Lagerkapazitäten für Erdöl zu investieren. – klajoo.com – Nach Angaben von Energieministerin Sharon Garin reichen die Überlegungen über den bloßen Bau von Tanks hinaus: Unternehmen könnten eigenes Rohöl auf den Philippinen lagern, für die Lagerung bezahlen und dem Land im Krisenfall vertraglich Zugriff auf einen Teil dieser Vorräte ermöglichen.

Damit könnte ein Teil der geplanten strategischen Erdölreserve entstehen, ohne dass die Regierung sämtliche gelagerten Mengen sofort selbst kaufen müsste. Nach den Erfahrungen mit den jüngsten Störungen der internationalen Ölversorgung hat das Vorhaben für Manila erheblich an Bedeutung gewonnen.

Unternehmen könnten für die Lagerung bezahlen

Garin erklärte, interessierte Unternehmen könnten entweder in neue Lageranlagen investieren oder Rohöl für die geplante Reserve bereitstellen. Besonders interessant ist ein Modell, bei dem ein ausländischer Produzent Eigentümer des eingelagerten Öls bleibt und den philippinischen Betreiber für die Lagerung bezahlt.

Nach Garins Darstellung haben Unternehmen sogar vorgeschlagen, in die Verträge eine Klausel aufzunehmen, die den Philippinen im Fall einer globalen Versorgungskrise Zugriff auf das eingelagerte Rohöl ermöglicht.

Das wäre für den Staat finanziell attraktiv: Er müsste nicht jede Tonne beziehungsweise jedes Barrel des Vorrats dauerhaft aus eigenen Mitteln finanzieren. Kostenlos wäre die Versorgung im Krisenfall allerdings nicht automatisch. Entscheidend wären die Vertragsbedingungen – etwa Preisformeln, Freigaberegeln, Mindestmengen und die Frage, unter welchen Umständen die Philippinen auf fremdes Öl zugreifen dürfen.

ADNOC gehört zu den genannten Interessenten

In der aktuellen Berichterstattung wird unter anderem die Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC) aus den Vereinigten Arabischen Emiraten als möglicher Investor genannt. Das Unternehmen erwägt demnach eine Petroleum-Lageranlage auf den Philippinen.

Garin hat nicht sämtliche Unternehmen genannt, mit denen Gespräche laufen. Damit ist noch offen, wie viele Projekte tatsächlich entstehen, welche Standorte vorgesehen sind und wie groß die einzelnen Tanks beziehungsweise Terminals werden sollen.

Ziel sind zusätzliche 30 Tage Reserve

Die Regierung will eine strategische Erdölreserve aufbauen, die im Krisenfall etwa 30 zusätzliche Verbrauchstage absichern kann. Dies soll zu den Beständen hinzukommen, die private Ölgesellschaften ohnehin im Rahmen ihres normalen Geschäfts vorhalten.

Die Kosten eines vollständig staatlich aufgebauten Systems wurden auf rund 30 Milliarden Peso geschätzt. Garin hat die staatliche Philippine National Oil Company (PNOC) angewiesen, noch vor Juni 2028 mindestens einen ersten Lagertank zu errichten.

Japan unterstützt die Philippinen parallel mit Machbarkeitsstudien und technischer Beratung für ein nationales Vorratssystem.
Die Energiekrise im Frühjahr machte die Verwundbarkeit sichtbar

Die Debatte ist nicht theoretisch. Im März 2026 rief Präsident Ferdinand Marcos Jr. wegen der Risiken aus dem Nahost-Konflikt einen nationalen Energie-Notstand aus. Damals erklärte Garin, die Philippinen verfügten bei dem damaligen Verbrauch über Brennstoffvorräte für ungefähr 45 Tage.

Die Regierung arbeitete zugleich daran, rund eine Million Barrel zusätzlich zu beschaffen. Der Konflikt, die Unsicherheit an wichtigen Transportrouten und die stark schwankenden Ölpreise machten deutlich, wie abhängig der Inselstaat von funktionierenden internationalen Lieferketten ist.

Kommerzielle Tanks sind noch keine strategische Reserve

Die Philippinen verfügen bereits über erhebliche kommerzielle Lagerinfrastruktur. Das größte Importlager für Erdölprodukte befindet sich im Raum Subic und Clark. Philippine Coastal Storage & Pipeline kann nach Angaben des Unternehmens rund sechs Millionen Barrel aufnehmen. Reuters berichtete, dass die Auslastung dieser Anlage Ende 2023 nahezu 100 Prozent erreicht hatte.

Solche kommerziellen Lager dürfen aber nicht mit einer staatlich verfügbaren Notfallreserve gleichgesetzt werden. In einem normalen Tanklager befinden sich Bestände unterschiedlicher Unternehmen, die für laufende Verkäufe, Transporte und Verarbeitung vorgesehen sind. Entscheidend für eine strategische Reserve ist dagegen, dass festgelegte Mengen auch dann verfügbar bleiben, wenn normale Lieferströme unterbrochen werden.

Genau hier liegt der mögliche Vorteil des neuen Modells: Zusätzliche Lagerkapazität könnte kommerziell genutzt werden, während gleichzeitig vertraglich bestimmte Notfallrechte für die Philippinen geschaffen werden.

Ausländische Investitionen können Abhängigkeit verringern – aber nur mit klaren Verträgen

Auf den ersten Blick wirkt es widersprüchlich, ausgerechnet die Versorgungssicherheit gegenüber Krisen im Nahen Osten durch Investitionen nahöstlicher Ölkonzerne zu erhöhen. Tatsächlich muss das kein Widerspruch sein. Ein Tank auf philippinischem Boden kann die physische Reaktionszeit verkürzen, unabhängig davon, wem das darin gelagerte Öl gehört.

Entscheidend ist allerdings, dass die Regierung im Krisenfall nicht lediglich auf den guten Willen eines Lieferanten angewiesen ist. Notfallzugriff, Eigentumsverhältnisse, Preisbildung und Freigabebedingungen müssten deshalb rechtlich belastbar geregelt werden.

Gelingt das, könnte die geplante Reserve zwei Funktionen verbinden: Die Philippinen würden zusätzliche Lagerinfrastruktur erhalten und könnten zugleich zu einem regionalen Lagerstandort für internationale Produzenten werden. Scheitert die vertragliche Absicherung, blieben neue Tanks dagegen vor allem ein kommerzielles Geschäft, ohne die gewünschte zusätzliche Versorgungsgarantie. – RM

Quellen:

  • Philippine Daily Inquirer: Garin: Middle East oil firms eye investing in PH
  • The Philippine Star: Mideast firms mull oil stock piling in Philippines
  • Reuters: Philippines declares energy emergency over Middle East conflict risks
  • Reuters: Philippines’ biggest oil import storage firm seeks strategic investor, sources say

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