MANILA – Die Philippinen verfügen mit Social Security System (SSS), Government Service Insurance System (GSIS), PhilHealth, Sozialrenten und verschiedenen Hilfsprogrammen über eine breite Palette sozialer Sicherungssysteme. – klajoo.com – Das Grundproblem liegt jedoch weniger darin, dass es überhaupt keine Programme gibt, sondern darin, dass große Teile der Bevölkerung nur unvollständig von ihnen erreicht werden.
Der philippinische Wirtschaftsplanungsminister Arsenio Balisacan warnte Mitte September erneut davor, dass die schwache soziale Absicherung Haushalte bei Naturkatastrophen, Arbeitsplatzverlust oder wirtschaftlichen Schocks schnell wieder unter die Armutsgrenze drücken kann. Diese Einschätzung deckt sich mit der OECD-Analyse zur philippinischen Arbeits- und Sozialstruktur.
Nur ein Teil der Beschäftigten hat umfassenden
OECD kommt in ihrem Wirtschaftsbericht 2026 zu dem Ergebnis, dass nur etwa ein Drittel der Beschäftigten in formellen Arbeitsverhältnissen mit umfassendem Arbeits- und Sozialschutz arbeitet. Die übrigen zwei Drittel sind nur teilweise abgesichert. Viele Beschäftigte außerhalb regulärer Arbeitsverhältnisse haben keinen verlässlichen Zugang zu beitragsfinanzierten Altersrenten, Mindestlöhnen oder Arbeitsplatzsicherheit.
Das erklärt, warum Wirtschaftswachstum allein nicht automatisch Sicherheit schafft. Eine Familie kann oberhalb der offiziellen Armutsgrenze liegen und dennoch durch Krankheit, einen Taifun, eine längere Phase ohne Einkommen oder stark steigende Lebensmittel- und Energiepreise rasch in finanzielle Not geraten.
Auch im Alter bleiben große Lücken
Nach OECD-Angaben erhalten nur rund 20 Prozent der etwa elf Millionen Menschen über 60 Jahren eine beitragsfinanzierte Altersrente. Rund 45 Prozent beziehen eine auf Bedürftigkeit ausgerichtete Sozialrente. Damit bleibt ungefähr ein Drittel der älteren Bevölkerung ohne irgendeine regelmäßige Altersrente und ist häufig auf Kinder oder andere Angehörige angewiesen.
Die Sozialrente schließt einen Teil dieser Lücke, liegt aber nach OECD-Berechnungen deutlich unter der Armutsgrenze. Das Problem ist deshalb zweifach: Manche ältere Menschen erhalten gar keine Rente; andere erhalten Unterstützung, die allein nicht zum Lebensunterhalt reicht.
SSS wächst – aber Mitgliedschaft ist nicht dasselbe wie vollständige Absicherung
Das SSS selbst verweist auf steigende Leistungen, eine wachsende Zahl registrierter Mitglieder und die laufenden Rentenerhöhungen. Im Juli 2026 lag die durchschnittliche Grundrente nach SSS-Angaben bei 5.704 Peso pro Monat. Das System zahlte zugleich Milliardenbeträge an Rentner und Hinterbliebene aus.
Diese Fortschritte lösen jedoch die strukturelle Lücke nicht. Wer nur unregelmäßig Beiträge zahlt, längere Phasen außerhalb regulärer Beschäftigung verbringt oder nie ausreichend Beitragsjahre erreicht, kann trotz formaler SSS-Mitgliedschaft nur begrenzte Ansprüche erwerben.
Die eigentliche Frage ist der Schutz vor dem Absturz
Das Philippine Institute for Development Studies (PIDS) verweist ebenfalls auf die geringe Reichweite beitragsfinanzierter Altersvorsorge und diskutiert deshalb eine schrittweise Ausweitung universeller Altersleistungen. Bei Ölpreisschocks empfiehlt PIDS zudem gezielte, schnell ausweitbare Transfers statt allgemeiner Subventionen, weil einkommensschwache Haushalte einen wesentlich größeren Teil ihrer Kaufkraft verlieren.
Für die Sozialpolitik bedeutet das: Der Erfolg eines Sicherungssystems sollte nicht nur daran gemessen werden, wie viele Menschen irgendwo registriert sind. Entscheidend ist, ob Haushalte im Ernstfall tatsächlich genügend und schnell genug Unterstützung erhalten, damit eine vorübergehende Krise nicht zu dauerhaftem sozialen Abstieg wird. – RM
Quellen:
- Philippine Daily Inquirer – Balisacan flags weak social insurance system as poverty risk – 15.09.2026
- OECD – Strengthening formal employment and social protection: OECD Economic Surveys: Philippines 2026 – 12.02.2026
- SSS / Philippine Information Agency – SSS marks 69th anniversary with stronger member protection, expanding services – 02.09.2026
- PIDS – From Targeted Aid to Universal Dignity: Can the Philippines Sustain a Universal Old-Age Pension? – 25.03.2026
- PIDS – Who Suffers Most When Oil Prices Spike? – 2026







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