MANILA – Die Maritime Industry Authority (MARINA) hat bestätigt, dass ihre Systeme für Seafarer’s Identity Documents (SID) und Seafarer’s Record Books (SRB) am 13. August Ziel eines Cyberangriffs geworden sind. – klajoo.com – Die reguläre Bearbeitung dieser für philippinische Seeleute wichtigen Dokumente wurde deshalb landesweit vorübergehend ausgesetzt.
MARINA arbeitet nach eigenen Angaben gemeinsam mit dem Department of Information and Communications Technology (DICT) und den beteiligten Systemanbietern daran, die Infrastruktur zu sichern, die Integrität der Datenbanken zu schützen und den normalen Betrieb wiederherzustellen.
Seeleute, deren Einsatz unmittelbar bevorsteht und die dringend Dokumente benötigen, können weiterhin eine beschleunigte Bearbeitung in einem SID-/SRB-Zentrum beantragen. Bereits bestätigte reguläre Termine sollen später ohne zusätzliche Gebühren nachgeholt werden.
Zunächst war nur von technischen Schwierigkeiten die Rede
Am 13. August hatte MARINA zunächst lediglich technische Schwierigkeiten bei den SID- und SRB-Systemen gemeldet. Die reguläre Bearbeitung wurde mit Wirkung zum 14. August ausgesetzt. Erst am 18. August bestätigte die Behörde öffentlich, dass ein Cyberangriff die Ursache war.
Bislang hat MARINA weder einen Täter noch eine bestimmte Hackergruppe benannt. Auch eine öffentliche Bestätigung, dass persönliche Daten von Seeleuten entwendet wurden, liegt derzeit nicht vor. Die Aussage der Behörde, die Datenbankintegrität zu schützen, ist deshalb nicht mit dem Nachweis gleichzusetzen, dass keinerlei Daten abgeflossen sind.
Schon 2024 wurden vier MARINA-Systeme angegriffen
Es ist nicht der erste bekannte Cyberangriff auf die Schifffahrtsbehörde. Im Juni 2024 wurden vier webbasierte MARINA-Systeme kompromittiert. Betroffen waren damals das Authority to Accept Payment System, das Accomplishment Report Management System, das Integrated Domestic Information System und ausgerechnet das SID/SRB Expedite Application System.
MARINA erklärte damals offiziell, die Angreifer seien noch unbekannt. Ein Nutzer mit dem Namen „ph1ns“ behauptete in einem Hackerforum, für den Angriff verantwortlich zu sein. Diese Selbstbezichtigung wurde jedoch nie als behördlich bestätigte Täterzuordnung veröffentlicht.
Damit ist wichtig zu unterscheiden: Für den Angriff von 2024 gab es eine öffentliche Selbstbezichtigung, MARINA oder die Ermittlungsbehörden bestätigten jedoch nicht, wer tatsächlich hinter dem Angriff steckte. Für den jetzigen Angriff im August 2026 gibt es bislang nicht einmal eine vergleichbare öffentlich bekannte Täterbehauptung.
Nach dem Angriff von 2024 versprach MARINA stärkere Absicherung
Wenige Wochen nach dem Angriff von 2024 erklärte MARINA, nach damaligem Kenntnisstand seien keine bedeutenden Datenmengen kompromittiert worden. Gleichzeitig wartete die Behörde noch auf den abschließenden forensischen Bericht des DICT.
MARINA verwies damals auf neue Sicherheitsmaßnahmen und den Einsatz einer Blockchain-basierten Plattform für elektronische Zertifikate. Die Behörde wollte damit unter anderem Manipulationen erschweren und die Authentizität von Dokumenten besser überprüfbar machen.
Seit Mai 2026 werden SID- und SRB-Anträge außerdem ausschließlich über die staatliche eGovPH-App eingereicht. Die jetzige Störung zeigt jedoch, dass auch eine modernisierte Antragsoberfläche auf dahinterliegende Systeme angewiesen bleibt. Wird ein zentraler Teil dieser Infrastruktur angegriffen, können die Auswirkungen landesweit spürbar sein.
Besonders kritisch für ein Land mit hunderttausenden Seeleuten
Für die Philippinen ist die Funktionsfähigkeit der MARINA-Systeme von besonderer Bedeutung. Philippinische Seeleute arbeiten auf Schiffen weltweit und benötigen gültige Identitäts- und Seefahrerdokumente für Einstellungen, Vertragswechsel und Einsätze.
Ein mehrtägiger Ausfall kann deshalb über eine gewöhnliche Behördenstörung hinausgehen. Er kann dazu führen, dass Seeleute ihren vorgesehenen Einsatz nicht rechtzeitig antreten können. Die Möglichkeit einer beschleunigten Bearbeitung für unmittelbar anstehende Einsätze begrenzt dieses Risiko, ersetzt aber keinen stabilen Regelbetrieb.
Nach zwei bekannten Angriffen innerhalb von gut zwei Jahren wird deshalb nicht nur entscheidend sein, wann die Systeme wieder vollständig funktionieren. Ebenso wichtig ist, ob MARINA und das DICT später erklären können, über welchen Weg der aktuelle Angriff erfolgte, ob Daten betroffen waren und ob zwischen den Vorfällen von 2024 und 2026 technische Gemeinsamkeiten bestehen. Eine Verbindung zwischen den Angreifern beider Vorfälle lässt sich derzeit nicht belegen. – RM
Quellen:
- Maritime Industry Authority: „PUBLIC SERVICE ANNOUNCEMENT ON SID/SRB APPLICATIONS“
- Maritime Industry Authority: Press Releases and Advisories
- The Philippine Star: „Hackers hit 4 Marina web-based systems“
- BusinessWorld: „Marina starts probe after hacking of web-based systems“
- Maritime Industry Authority: „MARINA assures public on data security with new blockchain system“
- Maritime Industry Authority: „MARINA releases advisory on exclusive online application of SID, SRB through eGovPH app“







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