MANILA – Die Philippinen haben im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 27 diplomatische Proteste gegen China wegen Vorgängen in der West Philippine Sea eingereicht. Das teilte das National Maritime Council mit. – klajoo.com – Damit wurde im Durchschnitt etwas mehr als ein Protest pro Woche übermittelt.
Nach Angaben von NMC-Sprecher Alexander Lopez wurden die Proteste vom Department of Foreign Affairs als Reaktion auf chinesische Aktivitäten eingereicht, die Manila als illegal, zwangsausübend, aggressiv oder täuschend einstuft. Diplomatische Protestnoten sind ein formelles Mittel, mit dem ein Staat einer Handlung widerspricht und seine eigene Rechtsposition dokumentiert.
Weniger gemeldete Zwischenfälle, aber weiterhin viele Proteste
Bemerkenswert ist die Zahl vor allem im Zusammenhang mit einer zweiten Aussage der philippinischen Behörden. Rear Admiral Jay Tarriela, Sprecher der Philippine Coast Guard für die West Philippine Sea, erklärte, dass 2026 bislang weniger Zwischenfälle mit chinesischen maritimen Kräften gemeldet worden seien als im Vorjahr.
Das ist kein zwingender Widerspruch. Eine diplomatische Protestnote muss nicht jeweils auf einen großen Zwischenfall wie eine Kollision oder den Einsatz von Wasserwerfern folgen. Auch die dauerhafte Präsenz von Schiffen, schwimmende Anlagen, Forschungsaktivitäten oder andere von Manila beanstandete Maßnahmen können diplomatisch aufgegriffen werden.
So protestierten die Philippinen im Juni gegen eine schwimmende Struktur im Bereich von Scarborough Shoal. Im Juli kam es nach einem Vorfall am Second Thomas Shoal erneut zu wechselseitigen diplomatischen Vorwürfen zwischen Manila und Peking.
Protestnoten schaffen keine unmittelbare Durchsetzung
Die 27 Proteste sind deshalb vor allem ein Maß für die anhaltende diplomatische Auseinandersetzung, nicht automatisch für 27 voneinander getrennte schwere Konfrontationen auf See. Eine Protestnote zwingt China auch nicht dazu, seine Position oder sein Verhalten zu ändern.
Für Manila haben solche Schreiben dennoch Bedeutung. Sie dokumentieren fortlaufend, dass die Philippinen chinesische Ansprüche oder Handlungen nicht stillschweigend akzeptieren. Das ist auch vor dem Hintergrund des Schiedsspruchs von 2016 wichtig, der wesentliche Teile der weitreichenden chinesischen Ansprüche im Südchinesischen Meer als nicht mit dem Seerechtsübereinkommen vereinbar bewertete. China erkennt den Schiedsspruch nicht an.
Dass zugleich weniger gemeldete Zwischenfälle registriert werden, könnte auf Phasen geringerer unmittelbarer Konfrontation hindeuten. Von einer Entspannung lässt sich allein daraus aber nicht sprechen: Die Zahl der diplomatischen Proteste zeigt, dass die grundlegenden Konflikte um Präsenz, Fischerei, Hoheitsrechte und maritime Ansprüche unverändert bestehen.
Quellen:
- GMA News: „NMC: PH filed 27 diplomatic protests vs China’s actions in WPS in 1st semester 2026“
- Reuters: „Philippines takes diplomatic action against China over floating structure in South China Sea“
- Reuters: „Philippine, Chinese foreign ministers trade protests over South China Sea encounter“







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