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Visayas soll Ende August wieder ausreichend Strom haben – doch die Hoffnung hängt an wenigen Kraftwerksblöcken

CEBU – Die Stromversorgung auf den Visayas könnte sich bis Ende August stabilisieren. – klajoo.com – So lautet die aktuelle Erwartung der National Grid Corporation of the Philippines (NGCP). Sicher ist das allerdings nicht: Die Prognose hängt wesentlich davon ab, dass mehrere derzeit ausgefallene große Kraftwerksblöcke tatsächlich wie geplant ans Netz zurückkehren.

Wie dünn die Reserven weiterhin sind, zeigte ausgerechnet der 15. August. Noch während über eine mögliche Normalisierung zum Monatsende berichtet wurde, musste NGCP für das Visayas-Netz am Abend einen Red Alert ausrufen. Für die kritischen Stunden standen nach Angaben des Netzbetreibers nur 2.350 Megawatt verfügbare Kapazität einem erwarteten Spitzenbedarf von 2.475 Megawatt gegenüber.

Wer daraus eine Entwarnung für Ende August ableitet, setzt deshalb vor allem auf einen Zeitplan – nicht auf eine bereits wiederhergestellte stabile Versorgung.

Zwei große Kohleblöcke sollen den entscheidenden Unterschied machen

Im Mittelpunkt stehen die beiden Kraftwerksblöcke des Therma Visayas Inc. (TVI) Kraftwerks in Toledo City auf Cebu. Beide Blöcke verfügen jeweils über rund 170 Megawatt Bruttoleistung beziehungsweise etwa 150 Megawatt Nettoleistung.

Nach den seit Juni genannten Zeitplänen soll Block 2 am 22. August wieder verfügbar sein, Block 1 am 30. August. Kehren beide tatsächlich zurück, würden dem Visayas-Netz zusammen rund 300 Megawatt zusätzliche Nettoleistung zur Verfügung stehen.

Bei einem Netz, dessen Spitzenbedarf derzeit im Bereich von rund 2.400 bis 2.500 Megawatt liegt, ist das erheblich. Genau deshalb kann die Rückkehr dieser beiden Einheiten den Unterschied zwischen wiederkehrenden Warnlagen und einer brauchbaren Reserve ausmachen.

Sie zeigt aber gleichzeitig das strukturelle Problem: Wenn zwei einzelne Kraftwerksblöcke darüber entscheiden, ob eine Region mit mehreren Inseln und Millionen Einwohnern ausreichend Reserve besitzt, ist das System noch weit von komfortabler Versorgungssicherheit entfernt.

Die Termine sind keine neue Zusage

Die angekündigten Rückkehrtermine sind außerdem nicht erst jetzt aufgetaucht. Bereits im Juni erklärten Energiebehörden und NGCP, dass die Engpässe voraussichtlich anhalten würden, bis die großen ausgefallenen Blöcke im August wieder verfügbar seien.

Die jetzige Aussage, die Lage könne sich bis zum 30. August normalisieren, ist deshalb im Kern die Bestätigung des bisherigen Reparaturplans.

Ob er eingehalten wird, lässt sich erst sagen, wenn die Anlagen tatsächlich synchronisiert sind und zuverlässig Leistung liefern. Bei großen thermischen Kraftwerken können Reparaturen, Tests und Wiederinbetriebnahmen verzögert werden. Und selbst eine erfolgreiche Rückkehr schützt nicht davor, dass anschließend ein anderer Block ungeplant ausfällt.

Am 15. August noch Red Alert

Die aktuelle Lage bietet wenig Anlass für übermäßigen Optimismus. NGCP meldete am 15. August für den Zeitraum von 17 bis 20 Uhr zunächst einen Yellow Alert und stufte die Lage später zum Red Alert hoch.

Ein Yellow Alert bedeutet, dass die verfügbare Betriebsreserve unter den erforderlichen Sicherheitswert fällt. Beim Red Alert reicht die verfügbare Stromerzeugung einschließlich der notwendigen Reserve nicht mehr aus, um die erwartete Nachfrage sicher abzudecken. In einer solchen Situation können Lastabschaltungen notwendig werden.

Für den 15. August nannte NGCP vier Kraftwerke im ungeplanten Ausfall. Hinzu kamen weiterhin nicht verfügbare große Kohleblöcke. Der Red Alert konnte erst am Abend aufgehoben werden.

Damit befindet sich das Netz weniger als zwei Wochen vor der erhofften Normalisierung noch immer in genau jener Situation, die seit Monaten Anlass zur Sorge gibt.

Das Problem läuft seit Mai

Die besonders angespannte Phase begann im Mai. Damals fielen zahlreiche Kraftwerke gleichzeitig aus. Mitte Mai waren landesweit 27 Anlagen von ungeplanten Abschaltungen betroffen. Für die Visayas lag die verfügbare Leistung zeitweise fast sieben Prozent unter dem Spitzenbedarf.

NGCP warnte damals vor möglichen stundenlangen Stromunterbrechungen in zahlreichen Gebieten. Es waren die ersten aufeinanderfolgenden schweren Netzengpässe dieser Art seit zwei Jahren.

Die Krise zeigte ein bekanntes Problem des philippinischen Stromsystems: Entscheidend ist nicht allein, wie viel Kraftwerksleistung auf dem Papier installiert ist. Entscheidend ist, wie viel davon zu einem bestimmten Zeitpunkt tatsächlich verfügbar ist und ob genügend Reserve bleibt, wenn eine weitere große Anlage ausfällt.

Visayas verfügt über viel erneuerbare Energie – aber zu wenig jederzeit verfügbare Reserve

Die Visayas haben einen vergleichsweise hohen Anteil erneuerbarer Energien, darunter Geothermie, Solar-, Wind-, Wasser- und Biomassekraftwerke. Das ist für die langfristige Energieversorgung grundsätzlich ein Vorteil.

Solar- und Windkraft liefern jedoch nicht zu jeder Tageszeit dieselbe Leistung. Ohne ausreichende Speicher, flexible Kraftwerke und genügend Übertragungskapazität zwischen den Inselnetzen können sie den Ausfall großer konventioneller Blöcke nicht jederzeit kompensieren.

Gerade in den Abendstunden fällt Solarstrom weitgehend weg, während der Verbrauch hoch bleiben kann. Dann benötigt das Netz ausreichend steuerbare Erzeugung oder gespeicherte Energie.

Das Energieministerium hat deshalb selbst darauf hingewiesen, dass die Visayas neben weiterem Ausbau erneuerbarer Energien zusätzliche verlässlich verfügbare und flexible Kapazitäten brauchen.

Die Verbindung zu Luzon und Mindanao hilft – ersetzt eigene Reserve aber nicht

Über die großen Netzverbindungen können die Visayas Strom aus Luzon und Mindanao beziehen. Die Mindanao-Visayas Interconnection hat die Möglichkeiten zum regionalen Ausgleich deutlich verbessert.

Doch auch diese Hilfe steht nicht unbegrenzt zur Verfügung. Wenn in Luzon oder Mindanao selbst Kraftwerke ausfallen oder die Übertragungskapazität eingeschränkt ist, sinken die möglichen Importe.

NGCP führte in den vergangenen Tagen ausdrücklich auch verringerte Stromlieferungen aus anderen Netzen als einen Faktor für die Warnlagen auf den Visayas an.

Eine robuste Versorgung braucht deshalb genügend Reserve innerhalb des gesamten verbundenen Systems. Ein Netz, das nur dann ohne Warnung auskommt, wenn gleichzeitig alle vorgesehenen Kraftwerke und Importverbindungen funktionieren, besitzt wenig Sicherheitsmarge.

Schon im Juni war von einem längerfristigen Problem die Rede

Besonders bemerkenswert ist, dass die kurzfristige Hoffnung auf Ende August neben deutlich vorsichtigeren Einschätzungen des Energieministeriums steht.

Im Juni erklärte das Department of Energy, die strukturellen Versorgungsprobleme der Visayas könnten ein bis zwei Jahre anhalten. Neue Kraftwerke, Speicher und Netzinfrastruktur entstehen nicht innerhalb weniger Wochen.

Das widerspricht der jetzigen Erwartung einer Normalisierung nicht zwingend. Beide Aussagen beziehen sich auf unterschiedliche Ebenen.

Wenn die TVI-Blöcke zurückkehren, kann die akute Serie von Yellow und Red Alerts tatsächlich enden. Die strukturelle Verwundbarkeit des Netzes bleibt trotzdem bestehen. „Normalisierung“ bedeutet in diesem Zusammenhang daher vor allem: Die kurzfristig verfügbare Leistung reicht wieder aus. Es bedeutet nicht, dass die Visayas plötzlich über üppige Reserven und ein gegen weitere Ausfälle abgesichertes Stromsystem verfügen.

Ende August ist ein Prüfdatum, keine Garantie

Die Rückkehr von rund 300 Megawatt TVI-Leistung würde die Lage zweifellos deutlich verbessern. Deshalb ist die Erwartung von NGCP technisch nachvollziehbar.

Für Verbraucher und Unternehmen ist jedoch entscheidend, ob die Anlagen am 22. und 30. August tatsächlich wieder zuverlässig laufen – und wie viel Reserve danach übrig bleibt.

Die vergangenen Monate haben gezeigt, wie schnell aus einer rechnerisch ausreichenden Versorgung eine Warnlage werden kann, wenn mehrere größere Einheiten gleichzeitig ausfallen.

Ende August sollte deshalb weniger als Termin für eine versprochene Entwarnung verstanden werden, sondern als erster Belastungstest: Wenn die großen Blöcke planmäßig zurückkommen und die Warnungen anschließend tatsächlich deutlich seltener werden, ist die akute Krise vorerst entschärft. Wenn sich Reparaturen erneut verzögern oder weitere Anlagen ausfallen, dürfte sich zeigen, wie optimistisch die aktuelle Prognose war. – RM

Quellen:

  • Cebu Daily News: Visayas power woes may ease by Aug. 30 – NGCP
  • The Philippine Star: Visayas power situation may normalize this month
  • National Grid Corporation of the Philippines: VISAYAS GRID ALERT STATUS Update as of 15 August 2026, 1PM
  • BusinessWorld: Grid alerts expected to continue until plants return online by Aug.
  • BusinessWorld: Visayas power constraints may ease
  • Reuters: Philippines warns of serious power cuts as heat, outages strain grids

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