CEBU CITY – Die Gefängnisbehörde Bureau of Jail Management and Penology (BJMP) meldet für Central Visayas eine ungewöhnliche Bilanz: In allen 32 von ihr betreuten Haftanstalten der Region habe es seit dem zweiten Quartal 2025 bis zum Ende des ersten Halbjahres 2026 keinen Ausbruch gegeben. – klajoo.com – Gleichzeitig werden sämtliche Einrichtungen von der Behörde als drogenfrei eingestuft.
Dass eine Gefängnisbehörde ausdrücklich meldet, niemand sei ausgebrochen und ihre Haftanstalten seien drogenfrei, wirkt zunächst wie eine ungewöhnliche Erfolgsmeldung über etwas, das eigentlich selbstverständlich sein sollte. Auf den Philippinen ist der Hintergrund jedoch weniger banal. Überfüllte Haftanstalten, eingeschmuggelte Drogen und andere verbotene Gegenstände gehören seit Jahren zu den strukturellen Problemen des Gefängnissystems. Die Regionalbilanz ist deshalb vor allem im Vergleich mit den landesweiten Verhältnissen interessant.
Mehr als 26.000 Durchsuchungsaktionen
Nach Angaben von BJMP Central Visayas wurden im Berichtszeitraum 25.855 reguläre Durchsuchungen in Haftanstalten durchgeführt. Hinzu kamen 144 gemeinsame Durchsuchungen mit anderen Sicherheitsbehörden sowie acht regionale Sonderaktionen. Zufällig ausgewählte Gefangene seien außerdem Drogentests unterzogen worden; nach Angaben der Regionalleitung fielen sämtliche Ergebnisse negativ aus.
Regionaldirektor Jail Chief Superintendent Luisito Muñoz erklärte bei der Feier zum 35-jährigen Bestehen der Behörde, der Null-Ausbruch-Stand habe seit dem zweiten Quartal 2025 gehalten. BJMP-Direktor Efren Nemeno räumte zugleich ein, dass illegale Drogen in einzelnen Haftanstalten des Landes weiterhin eine Bedrohung darstellen.
Die Bezeichnung „drogenfrei“ sollte deshalb nicht so verstanden werden, als könne die Behörde garantieren, dass sich zu keinem Zeitpunkt irgendeine verbotene Substanz in einer der Einrichtungen befindet. Es handelt sich um den von BJMP vergebenen beziehungsweise gemeldeten Status auf Grundlage seiner Kontrollen und Tests. Die Regionalmeldung zeigt, welche Ergebnisse die Behörde mit ihren eigenen Kontrollverfahren festgestellt hat; eine unabhängige Vollerhebung aller Zellen und Insassen ist damit nicht verbunden.
Landesweit sind längst nicht alle Haftanstalten in derselben Kategorie
Der nationale Vergleich macht die Meldung aussagekräftiger. Das BJMP betreibt landesweit 467 Stadt-, Distrikt- und Kommunalgefängnisse. Zum 35. Jahrestag der Behörde Anfang Juli waren davon 256 als „drug-free“ und weitere 78 als „drug-cleared“ eingestuft. Zusammen waren das 334 Einrichtungen oder rund 71,5 Prozent aller BJMP-Haftanstalten. In Central Visayas meldet die Behörde dagegen für alle 32 Einrichtungen einen drogenfreien Status. Das bedeutet allerdings nicht, dass die übrigen 133 Haftanstalten im Land automatisch als drogenbelastet gelten; sie verfügten lediglich nicht über einen der beiden genannten Status.
Central Visayas hebt sich damit zumindest in der von der Behörde ausgewiesenen Bilanz ab: Dort sollen alle 32 BJMP-Einrichtungen den drogenfreien Status erreicht haben. Der Vergleich sagt allerdings nichts darüber aus, ob die Kontrolldichte, Testverfahren und Risikostruktur in allen Regionen identisch sind. Die Zahlen beschreiben zunächst den amtlichen Status und die gemeldeten Ergebnisse.
Das größere Problem bleibt die Überbelegung
Selbst die positive Sicherheitsbilanz löst das gravierendste strukturelle Problem der philippinischen Haftanstalten nicht: die Überbelegung. Landesweit sank die von BJMP ausgewiesene Überbelegungsquote zwar von 330 Prozent im Jahr 2023 auf 292 Prozent im Jahr 2025 und auf 281 Prozent im Jahr 2026. Damit liegen die Gefangenenzahlen aber weiterhin weit über der vorgesehenen Kapazität vieler Einrichtungen.
Auch die Regionalleitung in Central Visayas bezeichnete Überbelegung weiterhin als Problem. Um den Druck zu verringern, unterstützte BJMP-7 nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr die Entlassung und Wiedereingliederung von 7.188 Inhaftierten. Weitere 360 rechtskräftig verurteilte Gefangene wurden an eine Einrichtung des Bureau of Corrections in Abuyog auf Leyte überstellt.
Der Unterschied zwischen BJMP und Bureau of Corrections ist dabei wichtig: Das BJMP verwaltet vor allem Stadt-, Gemeinde- und Distriktgefängnisse mit Untersuchungshäftlingen und Personen mit kürzeren Strafen. Das Bureau of Corrections ist für die nationalen Strafvollzugsanstalten und längerfristig verurteilte Gefangene zuständig.
Bildung und Arbeit als zweite Säule
Die Regionalbehörde stellt neben Sicherheit auch Rehabilitationsprogramme heraus. 10.245 Inhaftierte nahmen nach ihren Angaben an Alphabetisierungs-, Grundschul- oder weiterführenden Bildungsprogrammen teil. 41 Gefangene studierten im Programm „College Education Behind Bars“, zwei bestanden sogar die philippinische Civil Service Examination. An regionalen Erwerbs- und Beschäftigungsprogrammen nahmen laut BJMP 35.015 Inhaftierte teil.
Solche Programme sind nicht nur Sozialarbeit innerhalb der Gefängnisse. Sie sollen die Chancen erhöhen, dass ehemalige Gefangene nach ihrer Entlassung Einkommen erzielen und nicht erneut straffällig werden. Ob die Programme langfristig Rückfallquoten senken, lässt sich aus den veröffentlichten Regionalzahlen allerdings nicht ableiten.
Eine Erfolgsmeldung, die zugleich die Probleme sichtbar macht
Die Meldung aus Central Visayas ist deshalb weniger kurios, als sie zunächst klingt. Null Ausbrüche und ein drogenfreier Status aller 32 Einrichtungen sind aus Sicht der Behörde messbare Sicherheitsziele. Gleichzeitig zeigt der nationale Vergleich, weshalb solche Kennzahlen überhaupt hervorgehoben werden: Das Gefängnissystem arbeitet weiterhin mit massiver Überbelegung und einem erheblichen Kontrollaufwand gegen Drogen und andere verbotene Gegenstände.
Die interessantere Frage ist damit nicht, ob „kein Ausbruch“ eigentlich selbstverständlich sein sollte. Sie lautet, ob BJMP Regionen mit hoher Überbelegung dauerhaft sicher, drogenfrei und zugleich menschenwürdig betreiben kann. Central Visayas liefert dafür eine positive Behördenbilanz – aber noch keinen Beweis, dass die strukturellen Probleme des Systems gelöst sind.
Quellen: BJMP Regional Office VII / Angaben zum 35. Jahrestag, 11.–12.08.2026; Daily Tribune, 12.08.2026; Manila Standard, 11.08.2026; Philippine Information Agency / BJMP, nationale Bilanz zum 35. Jahrestag, 03.07.2026. RM







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