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BARMM übernimmt schrittweise mehr Energiekompetenzen – Versorgungslücken bleiben zentrale Aufgabe

MINDANAO – Das philippinische Energieministerium und die Regierung der Bangsamoro Autonomous Region in Muslim Mindanao (BARMM) wollen den Energiesektor der autonomen Region stärker in regionale Verantwortung überführen und zugleich noch bestehende Versorgungslücken schließen. – klajoo.com – Die am 13. August vorgestellten Maßnahmen reichen von einem eigenen Energiegesetz über die gemeinsame Verwaltung von Erdöl- und Erdgasprojekten bis zu erneuerbaren Energien und einer neuen Strategie für abgelegene, nicht oder nur unzureichend versorgte Gemeinden.

Damit geht es um weit mehr als um zusätzliche Kraftwerke. Energiepolitik ist in BARMM zugleich Teil des Autonomieprozesses: Zuständigkeiten, die bisher beim nationalen Department of Energy (DOE) liegen, sollen schrittweise an das regionale Ministry of Environment, Natural Resources and Energy (MENRE) übergehen. Beide Seiten arbeiten dafür über das Intergovernmental Energy Board zusammen.

Eigener Energy Code soll Zuständigkeiten ordnen

Ein zentraler Baustein ist der geplante BARMM Energy Code. Er soll langfristig festlegen, wie Energieprojekte innerhalb der autonomen Region genehmigt, reguliert und überwacht werden. Damit erhält BARMM einen eigenen regulatorischen Rahmen, während nationale Gesetze, technische Standards und übergeordnete Vorgaben weiterhin eingehalten werden müssen.

Diese Übertragung erfolgt nicht auf einmal. Bereits im Juni hatten DOE und MENRE eine Übergangsvereinbarung geschlossen, die Rollen und Verantwortlichkeiten bei Planung, Umsetzung und Aufsicht über die Stromwirtschaft abgrenzt. Gleichzeitig soll MENRE durch Schulungen, Datenzugang und technische Unterstützung in die Lage versetzt werden, die neuen Aufgaben tatsächlich wahrzunehmen.

Das ist für die Bangsamoro-Autonomie von grundsätzlicher Bedeutung. Regionale Zuständigkeit bedeutet nur dann mehr politische Gestaltungsmacht, wenn die regionalen Institutionen auch über Personal, Daten, technische Regeln und Verwaltungsverfahren verfügen, mit denen sie Projekte prüfen und Versorgung planen können.

Historisch deutlich größere Versorgungslücken

Wie groß die Aufgabe ist, lässt sich mit aktuellen landesweit vergleichbaren Regionalzahlen derzeit nur eingeschränkt beziffern. Die neue DOE-Mitteilung nennt keine aktuelle Zahl der noch nicht versorgten Haushalte in BARMM. Genau dieser Nenner wäre nötig, um den Fortschritt des geplanten Total-Electrification-Programms heute präzise zu messen.

Ein belastbarer älterer Vergleich zeigt aber die historische Ausgangslage. Beim Zensus 2020 nutzten landesweit 92,2 Prozent der Haushalte Elektrizität als wichtigste Beleuchtungsquelle. In BARMM waren es lediglich 63,9 Prozent – der niedrigste Anteil aller damaligen Regionen. Diese Werte dürfen nicht als heutige Elektrifizierungsquote ausgegeben werden, weil seit 2020 zahlreiche Projekte hinzugekommen sind. Sie zeigen jedoch, warum der Zugang zu Strom in BARMM strukturell eine größere Herausforderung war als in vielen anderen Landesteilen.

Die nun geplante gemeinsame Roadmap soll deshalb zuerst den aktuellen Bestand erfassen: Welche Haushalte und Gemeinden sind weiterhin nicht angeschlossen, wo besteht nur eine eingeschränkte Versorgung und welche Lösungen sind für Inseln oder sehr abgelegene Orte technisch und wirtschaftlich sinnvoll? DOE und MENRE wollen anschließend einen konsolidierten Plan für die vollständige Elektrifizierung erstellen.

Turtle Islands zeigen die Schwierigkeit abgelegener Versorgung

Als Beispiel nennt das Energieministerium die Turtle Islands in Tawi-Tawi. Dabei ist wichtig, den Eindruck zu vermeiden, dort gebe es überhaupt keinen Strom. Auf Taganak, der Hauptinsel der Inselgruppe, nahm die National Power Corporation 2024 drei modulare Dieselgeneratoren mit jeweils 50 Kilowatt in Betrieb. Gleichzeitig wurde ein Verteilnetz eingeschaltet, das nach damaliger Planung rund 1.000 Haushalte erreichen sollte.

Dass die Turtle Islands dennoch erneut in einer Total-Electrification-Roadmap auftauchen, zeigt die zweite Dimension des Problems: Elektrifizierung bedeutet nicht nur, irgendwo eine Stromquelle einzuschalten. Entscheidend sind Reichweite des Netzes, tägliche Versorgungsdauer, Zuverlässigkeit, Brennstofflogistik, Wartung und die Versorgung weiterer Inseln und Siedlungen. Bei weit verstreuten Inselgemeinden können dezentrale Solar-, Speicher- oder Hybridlösungen deshalb langfristig eine andere Rolle spielen als in dicht besiedelten Gebieten.

BARMM soll bei Erdölprojekten stärker mitentscheiden

Parallel zum Ausbau der Versorgung geht es um die Nutzung eigener Energieressourcen. DOE und MENRE wollen einen gemeinsamen Erlass für die Verwaltung der neu vergebenen Petroleum Service Contracts 80 und 81 im Sulu-Meer beschleunigen. Die Verträge betreffen die Erkundung und mögliche spätere Nutzung von Erdöl- und Erdgasvorkommen.

Der politische Hintergrund liegt im Bangsamoro Organic Law. Für bestimmte fossile Ressourcen innerhalb des Bangsamoro-Gebiets ist eine gemeinsame Verantwortung von nationaler und regionaler Regierung vorgesehen. BARMM soll deshalb nicht lediglich Standort möglicher Projekte sein, sondern institutionell an Vergabe und Verwaltung beteiligt werden.

Dabei muss zwischen Exploration und tatsächlicher Förderung unterschieden werden. Ein Service Contract bedeutet zunächst, dass Unternehmen geologische Daten erheben und nach Ressourcen suchen dürfen beziehungsweise ein vereinbartes Arbeitsprogramm erfüllen. Er beweist weder, dass wirtschaftlich nutzbare Vorkommen vorhanden sind, noch dass später tatsächlich Öl oder Gas gefördert wird.

Auch natürlicher Wasserstoff wird geprüft

Eine weitere noch frühe Entwicklung betrifft sogenannten natürlichen oder geologischen Wasserstoff. DOE und MENRE wollen einen regulatorischen Rahmen für dessen Exploration in BARMM schaffen. Anders als industriell hergestellter grüner oder grauer Wasserstoff entsteht natürlicher Wasserstoff durch geologische Prozesse im Untergrund.

Die Philippinen untersuchen diese Ressource inzwischen auch in anderen Landesteilen. Das Energieministerium führte 2025 beispielsweise Voruntersuchungen in Zambales und Pangasinan durch. Für BARMM bedeutet die angekündigte Regulierung bislang jedoch vor allem, dass Erkundung rechtlich vorbereitet werden soll. Daraus darf noch kein wirtschaftlich nutzbares Wasserstoffvorkommen abgeleitet werden.

Erneuerbare Energien sollen eigene Regeln erhalten

Bei erneuerbaren Energien arbeiten DOE und MENRE ebenfalls an der Übertragung von Unterlagen und Zuständigkeiten. Geplant sind gemeinsame Richtlinien für Projekte, bei denen sich nationale und regionale Kompetenzen überschneiden, sowie technische Unterstützung für eigene BARMM-Regeln zu Wasserkraft, Windenergie und Biomasse.

Diese Arbeiten sollen sich in das nationale Ziel einfügen, den Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung bis 2040 auf 50 Prozent zu erhöhen. Für BARMM eröffnet das die Möglichkeit, Energieplanung stärker an lokalen Ressourcen und Bedürfnissen auszurichten. Gleichzeitig bleiben Investoren auf klare Zuständigkeiten angewiesen: Wenn nationale und regionale Genehmigungen parallel erforderlich sind, müssen Verfahren so abgestimmt werden, dass neue Autonomie nicht zu doppelter Bürokratie führt.

Energiesicherheit besteht aus Zugang und Zuverlässigkeit

Die aktuelle Initiative verbindet damit zwei Fragen, die häufig getrennt betrachtet werden. Die erste ist der Zugang: Erreicht Elektrizität tatsächlich alle Haushalte, auch auf Inseln und in abgelegenen Barangays? Die zweite ist die Versorgungssicherheit: Ist ausreichend Leistung vorhanden, funktioniert das Netz zuverlässig und kann Energie zu tragbaren Kosten geliefert werden?

Ein geplanter Universal BARMM Electrification Act soll der regionalen Elektrifizierung zusätzlich eine eigene gesetzliche Grundlage geben. Ob daraus ein messbarer Fortschritt entsteht, wird sich aber erst beurteilen lassen, wenn BARMM und DOE den aktuellen Ausgangswert offenlegen: Zahl der potenziell zu versorgenden Haushalte, Zahl der tatsächlich angeschlossenen Haushalte, Versorgungsdauer in Off-Grid-Gebieten sowie konkrete Zeit- und Finanzierungspläne.

Gerade diese Daten werden für die nächste Phase entscheidend sein. Die institutionelle Übertragung von Kompetenzen ist ein wichtiger Schritt im Autonomieprozess. Für die Bevölkerung wird sie jedoch letztlich daran gemessen werden, ob Strom in bislang schwach versorgten Gebieten tatsächlich verfügbarer, zuverlässiger und bezahlbarer wird.

Quellen: Department of Energy, „DOE, BARMM advance energy security, total electrification measures“, 13. August 2026; Office of the Presidential Adviser on Peace, Reconciliation and Unity, Vereinbarungen von DOE und MENRE zur Energieübertragung, 4. Juni 2026; Philippine Statistics Authority, Household Characteristics – 2020 Census of Population and Housing; National Power Corporation, Elektrifizierungsprojekt Taganak/Turtle Islands, 2024; ergänzend Power Philippines, 13. August 2026. RM

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