MANILA – Die Philippine National Police will prüfen, ob auf den Philippinen eine Social-Media-Altersgrenze nach australischem Vorbild eingeführt werden könnte. – klajoo.com – Polizeichef Jose Melencio Nartatez Jr. brachte den Vorschlag mit Online-Radikalisierung und der Sorge vor möglichen Angriffen an Schulen in Verbindung.
Eine konkrete Gesetzesvorlage liegt bisher nicht vor. Offen sind Altersschwelle, betroffene Plattformen, technische Kontrolle und die zuständige Aufsichtsbehörde.
Australien verlangt seit Dezember 2025 von bestimmten sozialen Netzwerken, angemessene Schritte zu unternehmen, damit Personen unter 16 Jahren dort keine Konten besitzen.
Die Verantwortung liegt bei den Plattformen. Minderjährige und ihre Eltern werden nicht bestraft. Unternehmen können dagegen hohe Geldbußen erhalten, wenn sie keine ausreichenden Maßnahmen zur Alterskontrolle treffen.
Betroffen sind in Australien unter anderem Facebook, Instagram, Snapchat, TikTok, X, Reddit, Twitch, Threads und YouTube. Bestimmte Messenger, Bildungsplattformen, Spiele- und Kinderdienste sind ausgenommen.
Das australische Modell ist damit kein vollständiges Internetverbot für Jugendliche. Öffentlich sichtbare Inhalte können teilweise weiterhin ohne eigenes Konto aufgerufen werden.
Ob sich dieses Modell auf die Philippinen übertragen lässt, ist fraglich. Australien verfügt über eine spezialisierte Online-Sicherheitsbehörde, ausgebaute digitale Register, vergleichsweise einheitliche staatliche Strukturen und erhebliche technische sowie finanzielle Mittel für die Aufsicht.
Auf den Philippinen müsste zunächst geklärt werden, welche Behörde ein solches Gesetz überwacht. Die Polizei allein wäre dafür kaum ausreichend.
Die Umsetzung müsste außerdem Millionen Nutzer, zahlreiche Plattformen und sehr unterschiedliche Formen der Identitätsprüfung erfassen.
Ein starres Altersverbot kann leicht umgangen werden. Jugendliche könnten ein falsches Geburtsdatum angeben, Konten von Erwachsenen nutzen, auf kleinere Plattformen wechseln oder technische Umgehungsmöglichkeiten einsetzen.
Je strenger die Alterskontrolle gestaltet wird, desto größer werden zugleich die Datenschutzrisiken.
Plattformen könnten Ausweisdokumente, biometrische Daten, Gesichtsbilder oder andere Identitätsmerkmale verlangen. Dadurch entstünden neue Datenbestände, die bei Sicherheitslücken missbraucht werden könnten.
Auf den Philippinen besitzen zudem nicht alle Minderjährigen oder ihre Familien leicht überprüfbare digitale Identitätsnachweise. Fehlerhafte Altersprüfungen könnten deshalb auch berechtigte erwachsene Nutzer ausschließen.
Hinzu kommt die tatsächliche Lebenswirklichkeit vieler philippinischer Familien. Soziale Netzwerke und Messenger dienen nicht nur der Unterhaltung.
Sie werden für Schulgruppen, Nachrichten, Arbeitssuche, kleine Geschäfte, Kommunikation mit im Ausland lebenden Angehörigen, Katastrophenwarnungen und behördliche Informationen genutzt.
In Regionen mit schwachen offiziellen Internetangeboten kann Facebook für Gemeinden, Schulen und kleine Unternehmen faktisch ein zentraler Informationskanal sein.
Ein pauschales Verbot könnte deshalb Jugendliche von nützlichen Bildungs-, Informations- und Unterstützungsangeboten abschneiden, ohne sie zuverlässig vor gefährlichen Inhalten zu schützen.
Auch die von der Polizei genannte Verbindung zu Angriffen an Schulen muss genauer belegt werden. Online-Radikalisierung und Gewaltverherrlichung sind reale Risiken. Daraus folgt aber nicht automatisch, dass eine allgemeine Altersgrenze das wirksamste Mittel gegen Schulgewalt ist.
Für Prävention sind außerdem Schulpsychologen, funktionierende Meldesysteme, Gewaltprävention, Jugendschutz, Elternarbeit und die frühzeitige Erkennung konkreter Bedrohungen erforderlich.
Australien selbst bezeichnet seine Regelung nicht als alleinige Lösung. Die dortige Aufsichtsbehörde spricht ausdrücklich von einem Baustein innerhalb eines umfassenderen Systems aus Bildung, Beschwerdeverfahren, Plattformaufsicht und Schutz vor schädlichen Inhalten.
Die Wirkung des australischen Gesetzes ist zudem noch nicht abschließend bekannt. Eine mehrjährige Untersuchung mit mehr als 4.000 Kindern und Familien soll sowohl beabsichtigte als auch unbeabsichtigte Folgen prüfen.
Bereits wenige Monate nach Inkrafttreten meldete die australische Aufsicht erhebliche Zweifel, ob große Plattformen die Vorgaben vollständig einhalten.
Für die Philippinen wäre es daher voreilig, das australische Modell zu kopieren, bevor dessen tatsächliche Wirkung untersucht ist und bevor geklärt wurde, wie Datenschutz, Identitätsprüfung und Zugang zu Bildungsangeboten geschützt werden können.
Sinnvoller wäre zunächst ein konkreter Vorschlag mit klarer Problemdefinition. Soll Online-Radikalisierung bekämpft, exzessive Nutzung begrenzt oder der Zugang zu bestimmten gefährlichen Inhalten verhindert werden? Diese Ziele benötigen möglicherweise unterschiedliche Maßnahmen. – Quelle: Philippine National Police und Philippine News Agency, 26. Juli 2026; australische eSafety Commissioner / RM







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