MANILA – Die Philippinen werden seit Jahren häufig als weltweit größter Verursacher von Plastikverschmutzung aus Flüssen bezeichnet. – klajoo.com – Grundlage dafür ist vor allem eine 2021 in der Fachzeitschrift Science Advances veröffentlichte Modellstudie. Sie schätzte, dass über 4.820 philippinische Flüsse zusammen rund 356.000 Tonnen Plastik pro Jahr in die Ozeane gelangen könnten.
Diese Zahl ist keine landesweite Messung des tatsächlich ins Meer gelangten Plastiks. Die Forscher kombinierten Daten zu Abfallmengen, Abfallmanagement, Bevölkerungsdichte, Landnutzung, Niederschlag, Wind, Entfernung zu Flüssen und Entfernung zur Küste. Aus diesen Faktoren wurde die Wahrscheinlichkeit berechnet, mit der falsch entsorgter Plastikmüll über Flüsse ins Meer gelangt.
Das Modell identifizierte die Philippinen als das Land mit der höchsten geschätzten Menge an Plastik, die über Flüsse ins Meer gelangt. Von den 1.656 Flüssen, die nach dem Modell zusammen für 80 Prozent des weltweit über Flüsse ins Meer gelangenden Plastiks stehen, lagen 466 auf den Philippinen. Besonders stark fällt die Inselgeografie ins Gewicht: Viele dicht besiedelte Gebiete liegen nah an Flüssen und Küsten, und hohe Niederschläge können Abfälle schneller in Gewässer transportieren.
Problematisch wird es, wenn aus dieser Modellrechnung eine scheinbar exakt gemessene Aussage wie „36 Prozent der weltweiten Plastikverschmutzung der Meere kommen von den Philippinen“ gemacht wird. Die Studie schätzt die weltweite Menge an Plastik, die jährlich über Flüsse in die Meere gelangt, auf etwa 0,8 bis 2,7 Millionen Tonnen. Der philippinische Länderwert ist deshalb ein Modellwert innerhalb eines Systems mit erheblichen Unsicherheiten und kein direkt gemessener fester Anteil an der weltweiten Gesamtmenge.
Das bedeutet nicht, dass das Plastikproblem klein wäre. Die Studie weist gerade auf eine strukturell hohe Belastung durch zahlreiche kleine und mittlere Flüsse hin. Auch die philippinische Regierung arbeitet derzeit an einer nationalen Plastik-Roadmap, mit der bestehende Programme, Finanzierungslücken und Investitionsbedarf besser zusammengeführt werden sollen.
Für die öffentliche Debatte sollte deshalb beides gleichzeitig gelten: Die Philippinen haben nach den verfügbaren Modellen ein sehr großes Problem mit Plastik, das über Flüsse ins Meer gelangt. Die oft zitierte Prozentzahl darf aber nicht so dargestellt werden, als wäre sie das Ergebnis einer vollständigen Messung aller philippinischen und weltweiten Flüsse. – RM
Quellen:
- Science Advances / PubMed – More than 1000 rivers account for 80% of global riverine plastic emissions into the ocean
- Climate Change Commission – Pasig, Tullahan, other PH rivers are the top plastic-emitting rivers in the world – study
- Philippine News Agency – PH pushes coordinated action vs. plastic, garbage problem







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