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Manila

Philippinen wollen Bioplastik aus Seetang stärker erforschen

MANILA – Die National Academy of Science and Technology Philippines fordert mehr Forschung und Investitionen in Bioplastik aus Seetang. – klajoo.com – Die Philippinen gehören zu den wichtigen Produzenten von tropischem Seetang. Ein großer Teil wird jedoch als Rohstoff oder nur gering verarbeitet exportiert.

Biokunststoffe könnten zusätzliche Wertschöpfung im Land schaffen und zugleich einen Teil erdölbasierter Kunststoffe ersetzen.

Seetang enthält natürliche Polymere wie Carrageen, Agar und Alginate. Diese Stoffe können zu Folien, Beschichtungen, Gelen oder Verpackungsmaterialien verarbeitet werden.

Carrageen wird bereits seit Langem in Lebensmitteln, Kosmetik und pharmazeutischen Produkten verwendet. Es stabilisiert und verdickt beispielsweise Milchprodukte, Saucen, Zahnpasta und andere Erzeugnisse.

Für Bioplastik werden solche Polymere mit weiteren natürlichen oder synthetischen Stoffen kombiniert. Ziel ist ein Material, das formbar, ausreichend stabil und möglichst biologisch abbaubar ist.

Mögliche Anwendungen sind dünne Verpackungsfolien, Beutel, Lebensmittelbeschichtungen, Einwegverpackungen und lösliche Portionshüllen.

In Indonesien werden bereits Verpackungen und essbare beziehungsweise wasserlösliche Folien auf Seetangbasis entwickelt und teilweise vermarktet.

Das indonesische Unternehmen Evoware wurde international mit seetangbasierten Verpackungen bekannt. Zu den Produkten gehörten Hüllen für Lebensmittel, Beutel und Materialien für kleine Konsumverpackungen.

In Großbritannien entwickelt Notpla Beschichtungen und Verpackungen aus Algen und Pflanzen. Bekannt wurden unter anderem essbare Flüssigkeitshüllen und beschichtete Lebensmittelbehälter.

Solche Verpackungen wurden bereits bei Sportveranstaltungen und in der Gastronomie eingesetzt, um Einwegplastik zu reduzieren.

In Chile arbeitet das Unternehmen Solubag an wasserlöslichen Materialien, die unter anderem aus natürlichen Rohstoffen hergestellt werden. Nicht jedes dieser Produkte basiert vollständig auf Seetang, zeigt aber den internationalen Wettbewerb um lösliche und biologisch abbaubare Verpackungen.

Auch Japan und Südkorea besitzen starke Algen-, Chemie- und Materialforschungsindustrien. Sie entwickeln hochwertige Anwendungen für Lebensmittel, Medizin, Kosmetik und neue Werkstoffe.

China ist der weltweit größte Produzent vieler Algenarten und verfügt über eine große chemische Verarbeitungsindustrie. Das Land könnte Biopolymere im industriellen Maßstab besonders kostengünstig herstellen.

Indonesien ist für die Philippinen ein besonders direkter Wettbewerber. Beide Länder produzieren große Mengen tropischen Rotalgens und beliefern internationale Carrageen-Märkte.

Indonesien verfügt ebenfalls über zahlreiche Küstengemeinden, niedrige Produktionskosten und staatliche Programme zur Weiterverarbeitung.

Die Philippinen besitzen dennoch Vorteile. Das Land verfügt über langjährige Erfahrung im Seetanganbau, etablierte Exportbeziehungen und wissenschaftliche Einrichtungen mit Kenntnissen zu marinen Rohstoffen.

Für Seetangfarmer könnte eine heimische Bioplastikindustrie zusätzliche Käufer schaffen und die Abhängigkeit von wenigen Rohstoffpreisen verringern.

Voraussetzung ist, dass die Nachfrage nicht zu einer unkontrollierten Ausweitung des Anbaus führt. Seetangfarmen können bei falscher Standortwahl Korallenriffe, Seegraswiesen und Schifffahrtswege beeinträchtigen.

Auch Krankheiten, steigende Wassertemperaturen und Taifune gefährden die Produktion. Eine Industrie benötigt daher widerstandsfähige Sorten, zuverlässige Setzlinge und stabile Lieferketten.

Nicht jedes als „Bioplastik“ beworbene Material ist automatisch biologisch abbaubar. Der Begriff kann auch bedeuten, dass ein Kunststoff teilweise aus biologischen Rohstoffen hergestellt wurde.

Ein Material kann biobasiert und dennoch unter normalen Umweltbedingungen sehr langsam zerfallen.

Umgekehrt benötigen manche kompostierbaren Kunststoffe industrielle Anlagen mit kontrollierter Temperatur und Feuchtigkeit. Im Meer oder auf einer offenen Müllkippe bauen sie sich möglicherweise nicht schnell genug ab.

Deshalb sind klare Standards und unabhängige Tests notwendig. Hersteller müssen angeben, ob ein Produkt im Boden, im Meer, im Heimkompost oder nur in einer Industrieanlage abgebaut werden kann.

Weitere Herausforderungen sind Wasserbeständigkeit, Hitzebeständigkeit und Haltbarkeit. Eine Lebensmittelverpackung muss das Produkt schützen, darf aber nicht bereits bei hoher Luftfeuchtigkeit weich werden.

Auch die Kosten sind entscheidend. Herkömmliches Plastik wird in riesigen Mengen produziert und ist häufig billiger als neuartige Materialien.

Seetangbasierte Produkte werden deshalb zunächst wahrscheinlich dort eingesetzt, wo geringe Mengen, kurze Nutzungsdauer oder ein besonderer Umweltvorteil den höheren Preis rechtfertigen.

Dazu können Beschichtungen für Take-away-Verpackungen, Portionsverpackungen, Hotelprodukte und spezielle Lebensmittelanwendungen gehören.

Langfristig könnten größere Produktionsanlagen die Kosten senken. Dafür benötigen die Philippinen Forschungsförderung, Pilotfabriken, Qualitätsstandards und Abnahmevereinbarungen mit Unternehmen.

Auch öffentliche Beschaffung kann helfen. Behörden, Schulen oder staatliche Veranstaltungen könnten erprobte Produkte einsetzen, sofern sie tatsächlich umweltfreundlicher und sicher sind.

Bioplastik allein löst das Abfallproblem nicht. Wiederverwendung, bessere Müllsammlung, Recycling und die Vermeidung unnötiger Verpackungen bleiben wichtiger.

Seetangbasierte Materialien können jedoch dort sinnvoll sein, wo Einwegprodukte schwer zu vermeiden oder herkömmliche Kunststoffbeschichtungen kaum recycelbar sind. – Quelle: National Academy of Science and Technology Philippines; Department of Science and Technology / RM

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