MANILA – Bei einer erneuten Konfrontation am Ayungin Shoal in der West Philippine Sea ist ein philippinischer Marinesoldat am Kopf verletzt worden. – klajoo.com – Nach Darstellung der Armed Forces of the Philippines schlugen Angehörige der China Coast Guard am 20. Juli mit Holzstöcken beziehungsweise Schlagstöcken auf philippinische Marineangehörige in einem Schlauchboot ein.
Das philippinische Militär veröffentlichte Videoaufnahmen, auf denen sich mehrere chinesische Küstenwachenboote einem kleineren philippinischen Schlauchboot nähern. Nach Angaben der Streitkräfte waren acht chinesische Küstenwachenmitglieder an dem direkten Zugriff beteiligt.
Der verletzte Soldat war auf der BRP Sierra Madre stationiert. Das ehemalige Landungsschiff wurde 1999 von den Philippinen absichtlich am Ayungin Shoal auf Grund gesetzt und dient seitdem als dauerhaft besetzter militärischer Außenposten.
Die philippinische Seite erklärt, ihre Soldaten hätten sich dem Schiff genähert, als die China Coast Guard die Fahrt blockiert habe. Der verletzte Marineangehörige wurde nach dem Zwischenfall medizinisch versorgt.
China stellt den Ablauf gegenteilig dar. Die China Coast Guard behauptet, zwei philippinische Schlauchboote hätten Warnungen ignoriert, ein chinesisches Patrouillenboot gerammt und chinesische Kräfte mit Paddeln oder Stöcken angegriffen.
Beide Seiten werfen sich damit vor, die körperliche Auseinandersetzung begonnen zu haben. Das veröffentlichte Videomaterial zeigt Teile der Konfrontation, bildet jedoch nicht zwingend jede Phase des Einsatzes ab.
Der Zwischenfall erinnert besonders an die Auseinandersetzung vom 17. Juni 2024. Damals verhinderten chinesische Kräfte eine philippinische Versorgungsmission zur BRP Sierra Madre, enterten beziehungsweise umringten philippinische Schlauchboote und setzten Äxte, Messer und andere Gegenstände ein.
Mehrere philippinische Soldaten wurden dabei verletzt. Ein Marineangehöriger verlor einen Teil seines Daumens. Chinesische Kräfte beschädigten zudem Boote und Ausrüstung und nahmen nach philippinischen Angaben Waffen und weitere Gegenstände an sich.
Der Angriff von 2024 galt als bis dahin schwerste direkte Konfrontation am Ayungin Shoal. Die Philippinen bezeichneten das Vorgehen als illegal und verglichen es mit Piraterie. China erklärte dagegen, seine Kräfte hätten rechtmäßig auf ein Eindringen in angeblich chinesische Gewässer reagiert.
Nach dem Zwischenfall vereinbarten Manila und Peking im Juli 2024 eine vorläufige Regelung für philippinische Versorgungsmissionen. Die genauen Inhalte wurden nicht veröffentlicht. Beide Regierungen wollten damit direkte Zusammenstöße vermeiden, ohne ihre jeweiligen territorialen Positionen aufzugeben.
Die Vereinbarung führte zeitweise zu ruhigeren Versorgungsfahrten. Die Philippinen betonten jedoch, dass sie für die Versorgung ihrer Soldaten keine chinesische Erlaubnis benötigten und ihre Rechte nicht aufgegeben hätten.
Bereits vor Juni 2024 war es wiederholt zu gefährlichen Situationen gekommen. Im August 2023 setzte die China Coast Guard erstmals öffentlich dokumentiert Wasserwerfer gegen ein philippinisches Versorgungsschiff ein.
Im Oktober 2023 kollidierten chinesische und philippinische Schiffe während einer weiteren Mission. Manila warf China vor, die Kollisionen durch Blockademanöver verursacht zu haben. Peking beschuldigte die Philippinen, chinesische Warnungen ignoriert zu haben.
Im Dezember 2023 wurden erneut Wasserwerfer eingesetzt. Ein philippinisches Versorgungsboot wurde beschädigt und musste abgeschleppt werden.
Im März 2024 wurden mehrere philippinische Besatzungsmitglieder verletzt, nachdem chinesische Schiffe ein Versorgungsschiff mit Wasserwerfern beschossen hatten. Das Boot erlitt erhebliche Schäden.
Auch Laser wurden eingesetzt. Im Februar 2023 richtete ein chinesisches Schiff nach philippinischen Angaben einen militärisch starken Laser auf ein Schiff der Philippine Coast Guard. Besatzungsmitglieder seien vorübergehend in ihrer Sicht beeinträchtigt worden.
Die wiederkehrenden Zwischenfälle folgen einem ähnlichen Muster. China versucht, philippinische Fahrten zur BRP Sierra Madre zu kontrollieren oder zu verhindern. Die Philippinen setzen ihre Versorgungs- und Ablösemissionen fort, um eine Aufgabe des Außenpostens zu verhindern.
Der Zustand der BRP Sierra Madre spielt dabei eine zentrale Rolle. Das alte Schiff ist stark korrodiert und muss regelmäßig mit Lebensmitteln, Wasser, Treibstoff und Material versorgt werden. China wirft Manila vor, heimlich Baumaterial für eine dauerhafte Befestigung zu transportieren.
Die Philippinen erklären, sie dürften ihren Außenposten erhalten und ihre dort stationierten Soldaten versorgen. Das Ayungin Shoal liegt innerhalb der ausschließlichen Wirtschaftszone und des Festlandsockels der Philippinen.
Der Schiedsspruch zum Südchinesischen Meer von 2016 stellte fest, dass das Ayungin Shoal bei Ebbe trockenfällt und keine eigene ausschließliche Wirtschaftszone erzeugen kann. Das Gericht entschied nicht darüber, welchem Staat einzelne Landmerkmale gehören, wies aber Chinas weitreichende historischen Ansprüche zurück.
Die Gefahr einer Eskalation entsteht nicht allein durch größere Schiffe oder Wasserwerfer. Direkte körperliche Angriffe zwischen bewaffneten beziehungsweise militärisch organisierten Kräften erhöhen das Risiko, dass ein einzelner Zwischenfall außer Kontrolle gerät.
Die Vereinigten Staaten haben wiederholt erklärt, dass ihr Verteidigungsvertrag mit den Philippinen auch bewaffnete Angriffe auf philippinische Streitkräfte, öffentliche Schiffe und Flugzeuge im Südchinesischen Meer erfasst.
Nicht jede Verletzung oder jedes aggressive Manöver löst automatisch den Bündnisfall aus. Entscheidend wären Art, Schwere und politische Bewertung des Angriffs sowie eine Abstimmung zwischen Manila und Washington.
Die philippinische Regierung dürfte den Zwischenfall zunächst diplomatisch und sicherheitspolitisch bewerten. Zu erwarten sind ein Protest gegenüber China, eine Untersuchung des Videomaterials und Gespräche mit Verbündeten und Partnerstaaten. – Quelle: Armed Forces of the Philippines; Department of Foreign Affairs; China Coast Guard; GMA Integrated News / RM







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