MANILA – Die Armed Forces of the Philippines (AFP) sehen chinesische Einflussoperationen im Internet inzwischen nicht mehr nur beim Konflikt im West Philippine Sea. – klajoo.com – Nach Angaben von Rear Admiral Roy Vincent Trinidad würden auch innenpolitische Streitfragen wie das Amtsenthebungsverfahren gegen Vizepräsidentin Sara Duterte, der Hochwasserschutzskandal und der Konflikt um Sanjia Steel aufgegriffen und für chinesische Interessen genutzt.
Das ist eine wichtige Verschiebung in der Darstellung der AFP. Der Vorwurf lautet nicht mehr nur, dass prochinesische Botschaften zum Südchinesischen Meer verbreitet werden. Vielmehr sollen bereits vorhandene philippinische Konflikte, Misstrauen gegenüber Institutionen und kontroverse politische Themen genutzt werden, um die öffentliche Debatte weiter zu polarisieren.
AFP beruft sich auf Social-Media-Monitoring und Analysen
Trinidad erklärte bei einem Nachrichtenforum, Muster aus dem Social-Media-Monitoring und aus Analysen der Streitkräfte deuteten auf foreign malign influence, also schädliche ausländische Einflussnahme. Er nannte neben dem Impeachment-Verfahren und dem Hochwasserschutz insbesondere die Razzia bei Sanjia Steel in Tagoloan, Misamis Oriental.
Die AFP wirft chinesischen Akteuren außerdem vor, philippinische Amtsträger im Internet gezielt anzugreifen. Genannt wurde unter anderem der Sprecher der Philippine Coast Guard für das West Philippine Sea, Rear Admiral Jay Tarriela. AFP-Sprecherin Colonel Francel Margareth Padilla erklärte, die Streitkräfte arbeiteten mit für Cybersicherheit zuständigen Behörden zusammen und erwarteten, dass solche Aktivitäten mit Blick auf die Wahlen 2028 weitergehen könnten.
Der entscheidende Prüfpunkt: Was ist tatsächlich nachweisbar?
Gerade bei einem solchen Vorwurf reicht die Aussage einer staatlichen Sicherheitsbehörde allein nicht als Beweis für jede behauptete Verbindung zu China. Die AFP verweist auf Monitoring und Analysen, veröffentlicht aber bislang keine ausreichend detaillierte Datengrundlage, anhand der sich nachvollziehen ließe, welche Accounts, Netzwerke, Finanzierungswege oder technischen Indikatoren zu welcher Zuschreibung geführt haben.
Deshalb müssen drei Ebenen getrennt bleiben:
- Gibt es nachweisbar chinesische staatliche Kommunikation zu philippinischen Streitfragen?
- Gibt es die AFP-Bewertung, dass darüber hinaus koordinierte Einflussoperationen laufen?
- Wäre für eine unabhängige Zuschreibung an staatliche oder staatlich gesteuerte chinesische Netzwerke eine offenere Beweislage nötig.
Sanjia Steel zeigt, wie reale Konflikte Teil des Informationskampfs werden
Der Streit um Sanjia Steel ist dafür ein gutes Beispiel. Die chinesische Botschaft hat die Vorwürfe von Verteidigungsminister Gilberto Teodoro gegen das Werk und chinesische Beschäftigte öffentlich zurückgewiesen und ihm vorgeworfen, Tatsachen zu verdrehen und die Beziehungen zu China zu beschädigen. – klajoo.com – Damit existiert ein realer diplomatischer Konflikt, der unabhängig von verdeckten Einflussoperationen öffentlich geführt wird.
Genau deshalb ist die Abgrenzung wichtig: Harte politische Propaganda, offizielle Botschaftskommunikation, organische Unterstützung durch echte Nutzer und koordinierte verdeckte Netzwerke sind nicht dasselbe. Wer alles pauschal unter „chinesische Desinformation“ zusammenfasst, macht die Analyse ungenauer und erschwert letztlich auch den Nachweis tatsächlich koordinierter Einflussnahme.
Warum die Innenpolitik für Einflussoperationen attraktiv ist
Für Einflussoperationen sind innenpolitische Konflikte besonders wertvoll, weil die ausländische Position nicht offen im Vordergrund stehen muss. Es genügt, vorhandene Spannungen zu verstärken, Zweifel an Behörden oder Gerichten zu fördern oder gegnerische politische Lager stärker gegeneinander aufzubringen. Eine solche Strategie kann wirksam sein, selbst wenn ein großer Teil der verbreiteten Inhalte auf echten Ereignissen oder realen politischen Auseinandersetzungen beruht.
Die neue AFP-Warnung ist deshalb für die weitere Entwicklung wichtig, aber noch kein abgeschlossener Beweisbericht. Der nächste Schritt müsste mehr Transparenz bringen: dokumentierte Netzwerke, wiederkehrende Verbreitungsmuster, technische Verbindungen, koordinierte Accounts oder andere überprüfbare Indikatoren. Erst dann lässt sich genauer beurteilen, wie groß der chinesische Einfluss tatsächlich ist und wie viel der beobachteten Polarisierung aus der philippinischen Innenpolitik selbst entsteht. – RM
► US-Botschaft: Besuch bei Sanjia Steel war Teil der Planung für Balikatan 2027
► US-Botschaft: Besuch bei Sanjia Steel war Teil der Planung für Balikatan 2027
Quellen:
- The Philippine Star – China exploiting impeachment, flood control
- Chinese Embassy in the Philippines – Remarks in response to Defense Secretary Gilberto Teodoro, 16 August 2026
- klajoo – Chinesische Botschaft wirft Teodoro vor, die Fakten über festgenommene chinesische Fabrikarbeiter verdreht zu haben
- klajoo – US-Botschaft: Besuch bei Sanjia Steel war Teil der Planung für Balikatan 2027







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