MANILA – Seit dem 11. Juni 2026 dürfen Produkte aus zwei philippinischen Fischereien, in denen Blaue Schwimmkrabben gefangen werden, nicht mehr in die Vereinigten Staaten eingeführt werden. – klajoo.com – Für Küstenorte in Negros Occidental ist das längst keine abstrakte Handelsfrage mehr: Fangpreise sind gefallen, lokale Verwaltungen versuchen zusätzliche Inlandsnachfrage zu schaffen und die Fischereibehörden verschärfen gleichzeitig die Regeln.
Wichtig ist dabei, den Grund der US-Sperre richtig einzuordnen. Es handelt sich nicht um ein Verbot wegen verdorbener Ware oder mangelnder Lebensmittelhygiene. Die US-Fischereibehörde NOAA verweigerte den beiden philippinischen Krabbenfischereien die sogenannte Comparability Finding nach dem Marine Mammal Protection Act. Entscheidend ist also, ob Schutz, Erfassung und Kontrolle unbeabsichtigter Verletzungen oder Tötungen von Meeressäugern mit den US-Anforderungen vergleichbar sind.
Die Philippinen fielen bei der Nachprüfung durch
Die USA hatten die Schwimmkrabbenfischereien der Philippinen, Indonesiens, Sri Lankas und Vietnams zunächst gemeinsam überprüft. Nach zusätzlichen Unterlagen erhielten Indonesien, Sri Lanka und Vietnam im Mai 2026 eine positive Neubewertung. Für die philippinischen Fischereien mit den Kennungen 2129 und 2130 blieb die Entscheidung negativ. Seit dem 11. Juni sind die damit verbundenen Krabben und Krabbenprodukte vom US-Import ausgeschlossen.
NOAA nennt als Kernproblem unzureichende Nachweise dafür, dass Todesfälle und schwere Verletzungen von Meeressäugern bei kommerzieller Fischerei vollständig gemeldet und Beifänge systematisch überwacht werden. Die Frage lautet damit nicht nur, ob Fischer Meeressäuger schützen wollen, sondern ob ein nachvollziehbares System existiert, das Beifänge erfasst, Maßnahmen kontrolliert und deren Wirksamkeit belegen kann.
Neue Regeln sollen den Weg zurück in den US-Markt öffnen
Das philippinische Landwirtschaftsministerium reagierte im Juli mit verschärften Regeln für die Blaue Schwimmkrabbe, auf den Philippinen als alimasag bekannt. Fisheries Administrative Order 277 begrenzt unter anderem die Gesamtlänge eingesetzter Kiemennetze auf 500 Meter. Nach Angaben des Ministeriums soll diese Begrenzung unbeabsichtigte Fänge von Meeressäugern und anderen geschützten Arten deutlich reduzieren, ohne die Fangeffizienz grundsätzlich zu zerstören.
Vorgesehen sind außerdem stärkere Kontrollen durch das Bureau of Fisheries and Aquatic Resources zusammen mit lokalen Behörden und anderen Vollzugsstellen, Sanktionen bei Verstößen sowie eine verpflichtende Überprüfung der Regeln im Drei-Jahres-Rhythmus. Das Landwirtschaftsministerium spricht ausdrücklich davon, damit den Zugang zum wichtigen US-Markt wiederherstellen zu wollen.
Eine Regel auf dem Papier reicht dafür allerdings nicht automatisch aus. Die US-Entscheidung zielte gerade auf fehlende oder nicht ausreichend belegte Überwachung. Für eine erfolgreiche Wiederzulassung wird deshalb entscheidend sein, ob Fangpraxis, Meldesysteme und Kontrollen so dokumentiert werden, dass NOAA ihre tatsächliche Wirksamkeit anerkennt.
Negros versucht, den Einbruch im Inland abzufedern
Negros Occidental gehört zu den Regionen, die die Folgen unmittelbar spüren. In Manapla liegt im Barangay Tortosa ein Modellgebiet für das nationale Managementprogramm der Schwimmkrabbe. Andere Küstenorte versuchen inzwischen, zusätzliche lokale Nachfrage zu schaffen. In E.B. Magalona wurden im August beispielsweise 700 Kilogramm Krabben für eine kommunale Veranstaltung aufgekauft. Die Gemeinde zahlte nach Angaben der Philippine News Agency 300 Peso je Kilogramm, während die Preise für Fischer und Händler zuvor teilweise nur noch bei 120 bis 140 Peso lagen.
Solche Aktionen können einen kurzfristigen Preisverfall abfedern und neue Produkte oder Absatzwege im Inland interessanter machen. Sie ersetzen aber keinen großen Exportmarkt. In Negros Occidental gibt es zahlreiche Anlandestellen, Krabben-Picking-Stationen und zwei größere Verarbeitungs- und Exportbetriebe. Je länger der Zugang zu den USA ausfällt, desto stärker verlagert sich das Problem von einzelnen Fischern auf Verarbeitung, Beschäftigung und lokale Lieferketten.
Die eigentliche Aufgabe ist größer als Produktentwicklung
Neue Krabbenprodukte aus Manapla oder mehr Vermarktung im Inland sind deshalb sinnvoll, aber nur ein Teil der Antwort. Der größere wirtschaftliche Hebel liegt darin, die Voraussetzungen für eine erneute US-Zulassung nachweisbar zu erfüllen und gleichzeitig die Abhängigkeit von einem einzelnen Absatzmarkt zu verringern.
Der Fall zeigt zudem, wie sich Umweltauflagen unmittelbar in Handelsrisiken verwandeln können. Wer die vorgeschriebenen Schutz- und Kontrollstandards nicht nur erlässt, sondern auch belastbar dokumentiert, schützt damit nicht allein Meeressäuger. Er schützt auch den Marktzugang einer ganzen Wertschöpfungskette. – RM
Quellen:
- NOAA Fisheries – Marine Mammal Protection Act Comparability Finding Determinations for Harvesting Nations
- NOAA Fisheries – Notice of Reconsideration of Comparability Findings for Swimming Crab Fisheries
- Department of Agriculture – New crab rules safeguard exports, seas, fishing livelihoods together
- Philippine News Agency – NegOcc exporters, provincial board raise concerns on US blue crab ban
- Philippine News Agency – Negrenses feast on unli crabs to cushion impact of US export ban







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