MANILA – Die Second Congressional Commission on Education (EDCOM 2) fordert, Entscheidungen über wetter- und katastrophenbedingte Unterrichtsausfälle stärker an der tatsächlichen Gefahr vor Ort auszurichten. – klajoo.com – Statt vorsorglich ganze Provinzen, Städte oder Gemeinden stillzulegen, sollen Risiken möglichst kleinräumig und auf Grundlage wissenschaftlicher Daten bewertet werden. Hintergrund ist nicht nur die Sicherheit der Schüler, sondern auch die wachsende Zahl verlorener Unterrichtstage.
Im Schnitt fast 15 verlorene Schultage
Nach einer Auswertung von Daten des Department of Education (DepEd) verlieren philippinische Schüler durch Unterrichtsaussetzungen im Durchschnitt beinahe 15 Schultage pro Schuljahr. Wie groß die Unterschiede sein können, zeigt das Schuljahr 2024/25: Für Negros Occidental wurden 71 verlorene Unterrichtstage genannt, wobei der Ausbruch des Kanlaon-Vulkans eine wesentliche Rolle spielte. Für Canlaon City waren es 61 Tage. Metro Manila kam auf 15 Tage, dort vor allem wegen Taifunen und anderer wetterbedingter Gefahren.
Diese Zahlen zeigen zugleich, warum eine einfache landesweite Vorgabe kaum alle Situationen passend abbilden kann. Bei einem Vulkanausbruch können Aschefall, Sperrzonen und Evakuierungen einzelne Orte über Wochen betreffen, während andere Teile einer Provinz deutlich weniger gefährdet sind. Ähnlich ist es bei Starkregen: Überschwemmungen und Erdrutschgefahr unterscheiden sich oft schon zwischen benachbarten Gemeinden oder Barangays erheblich.
Sicherheit und Lernverlust sind kein Entweder-oder
EDCOM 2 will deshalb die Regeln für Unterrichtsausfälle überarbeiten lassen. Das Ziel ist nicht, Schulen trotz konkreter Gefahr offen zu halten. Vielmehr soll eine Schließung möglichst genau dort greifen, wo das Risiko tatsächlich besteht. Damit würde sich die Verantwortung allerdings stärker auf lokale Behörden, Schulbezirke und Schulen verlagern. Voraussetzung dafür sind verlässliche Wetter-, Hochwasser-, Vulkan- und Gefahreninformationen sowie klare Zuständigkeiten, damit Sicherheitsentscheidungen nachvollziehbar und nach einheitlichen Kriterien getroffen werden.
Gerade bei schnell wechselnden Wetterlagen bleibt außerdem ein praktisches Problem: Eine Entscheidung kann meteorologisch kleinräumig richtig sein und für einzelne Schüler trotzdem nicht passen. Wer auf dem Schulweg einen überfluteten Fluss, einen gefährdeten Hang oder eine regelmäßig überschwemmte Straße passieren muss, kann einem höheren Risiko ausgesetzt sein als die Schule selbst. Eine lokalere Regelung braucht deshalb Ausnahmen für betroffene Familien und darf Anwesenheit nicht starr allein am Standort der Schule festmachen.
Online-Unterricht ist kein vollständiger Ersatz
Ein zweiter Schwerpunkt ist die Frage, wie Lernen an Ausfalltagen fortgesetzt werden kann. Hier stößt der häufig genannte Wechsel auf digitale Lernformen an eine bekannte Grenze. Nach der National Information and Communications Technology Household Survey der Philippine Statistics Authority hatten 2024 nur 48,8 Prozent der Haushalte einen Internetanschluss zu Hause. Zwar nutzten 67,3 Prozent der Menschen ab zehn Jahren das Internet zumindest irgendwo, doch 98,8 Prozent der Internetnutzer griffen dabei über ein Mobiltelefon zu. Laptops wurden nur von 14,7 Prozent genutzt, Desktop-Computer von 10,0 Prozent und Tablets von 4,2 Prozent.
Damit ist ein Smartphone zwar weit verbreitet, aber noch kein gleichwertiger Ersatz für einen regulären Schultag. Mehrstündige Aufgaben, Videounterricht, das Bearbeiten umfangreicher Dokumente oder der gleichzeitige Unterricht mehrerer Kinder in einem Haushalt stellen ganz andere Anforderungen als gewöhnliche Internetnutzung. Hinzu kommt der Preis: Bei Haushalten ohne Internetanschluss war 2024 die hohe Abonnementgebühr mit 58,3 Prozent der am häufigsten genannte Hinderungsgrund.
Entscheidend wird die Umsetzung
Die Forderung nach kleinräumigeren Unterrichtsausfällen ist deshalb nachvollziehbar, löst das Problem aber nicht automatisch. Sie kann unnötige Schließungen reduzieren, wenn Gefahren präzise erfasst werden und Entscheidungen schnell bei den Schulen ankommen. Gleichzeitig braucht es belastbare Alternativen für tatsächlich geschlossene Schulen, die nicht voraussetzen, dass jedes Kind zu Hause über Breitband, Computer und eine ruhige Lernumgebung verfügt. Der Erfolg einer neuen Regel wird sich daher nicht daran messen lassen, ob die Zahl der offiziell angeordneten Ausfalltage sinkt, sondern ob Sicherheit und tatsächlicher Lernfortschritt gleichzeitig verbessert werden. – RM
Quellen:
- EDCOM 2 – EDCOM 2 pushes for granular class suspensions and strengthened learning continuity programs
- Philippine Statistics Authority – Percentage of Households with Internet Connection Increased to 48.8 percent in 2024
- Two in Every Three Individuals Aged 10 Years and Over Used the Internet







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