MANILA – Stromkunden auf den Philippinen sollen die Kosten von Stromdiebstahl und anderen nichttechnischen Netzverlusten künftig schrittweise nicht mehr über ihre Stromrechnung mittragen. – klajoo.com – Das Department of Energy (DOE) schlägt vor, den entsprechenden Anteil der sogenannten Systemverluste ab 2027 in mehreren Stufen aus der Kostenweitergabe herauszunehmen.
Damit geht der Vorschlag deutlich weiter als die bereits diskutierte Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Systemverluste. Bei der Mehrwertsteuer geht es lediglich um die Steuer auf eine weiter bestehende Kostenposition. Der neue DOE-Vorschlag setzt dagegen an der Frage an, ob Verluste durch Diebstahl, manipulierte Zähler oder fehlerhafte Erfassung überhaupt noch den zahlenden Kunden zugerechnet werden sollen.
Technische und nichttechnische Verluste sind nicht dasselbe
Stromnetze können physikalisch nicht verlustfrei betrieben werden. Ein Teil der eingespeisten Energie geht bei Übertragung und Verteilung zwangsläufig als Wärme verloren. Solche technischen Verluste lassen sich durch bessere Leitungen, Transformatoren und Netzplanung verringern, aber nicht vollständig beseitigen.
Nichttechnische Verluste entstehen dagegen vor allem durch menschliche Eingriffe oder Fehler. Der Philippine Distribution Code nennt dazu unter anderem Stromdiebstahl, manipulierte Zähler und fehlerhafte Zählerablesungen. Genau dieser Bereich steht nun im Mittelpunkt des DOE-Vorschlags.
469 Festnahmen, aber nur 21 Verurteilungen
Die Debatte bekommt zusätzliche Bedeutung durch neue Zahlen der Philippine National Police (PNP). Seit 2022 wurden 548 Fälle wegen Verstößen gegen den Anti-Electricity and Electric Transmission Lines/Materials Pilferage Act registriert. 469 Personen wurden festgenommen. Zu einer Verurteilung kam es nach Angaben der Polizei jedoch nur in 21 Fällen.
Das entspricht weniger als fünf Prozent der registrierten Fälle. Die Zahl bedeutet nicht automatisch, dass in allen übrigen Fällen Unschuld festgestellt wurde. Verfahren können noch laufen, eingestellt worden sein oder aus anderen Gründen nicht zu einem Urteil geführt haben. Sie zeigt aber, dass zwischen polizeilichem Zugriff und rechtskräftiger Sanktion eine erhebliche Lücke besteht.
Wer trägt das wirtschaftliche Risiko?
Bislang können Verteilnetzbetreiber Systemverluste innerhalb regulatorisch festgelegter Grenzen in ihren Tarifen berücksichtigen. Dadurch tragen ordnungsgemäß zahlende Kunden zumindest einen Teil der Kosten mit, die entstehen, wenn Strom entnommen, aber nicht bezahlt wird.
Der DOE-Vorschlag verschiebt dieses Risiko schrittweise zurück zu den Verteilunternehmen. Das kann einen stärkeren wirtschaftlichen Anreiz schaffen, illegale Anschlüsse aufzuspüren, Zählertechnik zu verbessern und Manipulationen schneller zu erkennen. Gleichzeitig muss die Energy Regulatory Commission (ERC) darauf achten, dass dieselben Kosten nicht lediglich unter einer anderen Tarifposition wieder auftauchen.
Vier Stufen statt sofortiger Abschaffung
Nach dem bisher vorgestellten Modell soll der nichttechnische Anteil nicht von einem Tag auf den anderen vollständig verschwinden. Vorgesehen ist eine schrittweise Herausnahme in vier Stufen von 25, 50, 75 und schließlich 100 Prozent. Der Beginn ist für 2027 vorgesehen.
Ein gestuftes Vorgehen gibt den Netzbetreibern Zeit, ihre Kontrollen und technische Infrastruktur anzupassen. Für Verbraucher ist allerdings entscheidend, wie hoch der nichttechnische Anteil bei ihrem jeweiligen Versorger tatsächlich ist. Ohne transparente Angaben je Verteilunternehmen lässt sich nicht erkennen, wie stark einzelne Stromrechnungen durch die Reform sinken könnten.
Niedrige Verurteilungsquote bleibt das zweite Problem
Selbst wenn Stromdiebstahl künftig nicht mehr auf die übrigen Kunden umgelegt wird, verschwindet der Diebstahl selbst nicht. Die niedrige Zahl von Verurteilungen legt nahe, dass Strafverfolgung, Beweissicherung und Gerichtsverfahren ebenfalls überprüft werden müssen.
Die Reform hat deshalb zwei getrennte Ebenen: Zum einen die Frage, wer die Kosten illegal entnommenen Stroms trägt. Zum anderen die Frage, wie wirksam der Staat gegen den eigentlichen Diebstahl vorgeht. Erst wenn beide Bereiche funktionieren, wird aus einer Tarifänderung auch eine strukturelle Verbesserung. – RM
Quellen:
- GMA News: DOE proposes removal of non-technical system loss in power bill in phases
- Inquirer: Only less than 5% of electricity theft cases result in convictions – PNP
- Department of Energy: Philippine Distribution Code
- Inquirer: Gatchalian: VAT on system loss can already be removed without law







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