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Nach zweitem tödlichen Schulangriff: Philippinen suchen Antworten jenseits von Metalldetektoren

MANILA – Der tödliche Angriff an einer Schule in Zamboanga City hat die Debatte über Schulsicherheit auf den Philippinen erneut verschärft. – klajoo.com – Dabei geht es inzwischen nicht mehr nur um Wachpersonal, Taschenkontrollen, Kameras und Metalldetektoren. Der zweite tödliche Schusswaffenvorfall an einer philippinischen Schule innerhalb von weniger als zwei Monaten lenkt den Blick zugleich auf den Zugang Minderjähriger zu Schusswaffen, die Verantwortung registrierter Waffenbesitzer, psychische Unterstützung an Schulen und die Rolle sozialer Medien.

Am 18. August erschoss ein Schüler der achten Klasse auf dem High-School-Campus der Ateneo de Zamboanga University einen Mitschüler und starb anschließend durch Suizid. Zwei weitere Personen wurden verletzt. Nach Angaben der Ermittler übertrug der Jugendliche Teile des Angriffs mit einer am Körper getragenen Kamera live im Internet. Die Polizei untersucht weiterhin das Motiv und wertet digitale Geräte aus.

Die Identität der beteiligten Minderjährigen ist für die Einordnung des Vorgangs nicht erforderlich und wird hier deshalb nicht genannt.

Erneut Zugang zu Waffen aus dem Umfeld Erwachsener

Besondere Aufmerksamkeit richtet sich auf die Herkunft der Waffen. Nach Reuters untersucht die Polizei, wie der Jugendliche Zugang zu den Waffen seines Vaters erhielt. Der Vater arbeitet beim Bureau of Customs. Zu den untersuchten Waffen gehört demnach eine Pistole im Kaliber .40, die dem Vater zugeordnet und von der Zollbehörde ausgegeben worden war.

Damit stellt sich erneut eine Frage, die bereits nach dem tödlichen Schulangriff in Tacloban City im Juni aufkam: Wie können Minderjährige auf registrierte oder dienstlich ausgegebene Schusswaffen zugreifen? Bei dem Angriff in Tacloban waren ebenfalls Jugendliche beteiligt. Die Ermittlungen dort hatten unter anderem Waffen in den Fokus gerückt, die Erwachsenen beziehungsweise einer Sicherheitsfirma zugeordnet waren.

Innenminister Jonvic Remulla fordert nach dem Zamboanga-Fall strengere Konsequenzen für Waffenbesitzer, wenn Minderjährige auf deren Waffen zugreifen können. Schon nach Tacloban hatte er auf eine Lücke hingewiesen: Für registrierte Besitzer können zwar verwaltungs- und zivilrechtliche Folgen entstehen, eine ausdrückliche strafrechtliche Haftung für jeden Fall, in dem eine andere Person mit der Waffe eine Straftat begeht, ist jedoch nicht automatisch gegeben. Remulla drängt deshalb auf klarere gesetzliche Verantwortung bei fahrlässiger Aufbewahrung.

Seit Tacloban wurden Sicherheitsmaßnahmen bereits verschärft

Die Reaktion des Bildungsministeriums auf Zamboanga beginnt nicht bei null. Nach dem Angriff in Tacloban hatte das Department of Education (DepEd) bereits zusätzliche Maßnahmen angekündigt. Im Juli fand beim National Safe Schools Summit erstmals eine aktive Schützenlage als Übung statt. Öffentliche Schulen sollen Sicherheitsprüfungen vornehmen, lokale Anti-Mobbing-Maßnahmen verstärken und unter anderem regelmäßige Taschenkontrollen umsetzen. Zugleich wurden mehr Polizeipräsenz sowie zusätzliche Mittel für Wachpersonal, Überwachungskameras, Metalldetektoren und die Reparatur von Schulzäunen diskutiert.

Bildungsminister Sonny Angara bezifferte den idealen zusätzlichen Finanzbedarf für solche Sicherheitsmaßnahmen an allen öffentlichen Schulen auf rund 8 Milliarden Peso. Diese Zahl beschreibt allerdings einen Bedarf, nicht bereits bereitgestelltes oder ausgegebenes Geld.

Der Zamboanga-Fall ereignete sich auf dem High-School-Campus einer privaten Universität. Viele der vom DepEd genannten Maßnahmen beziehen sich unmittelbar auf öffentliche Schulen. Die grundsätzlichen Fragen nach Zugangskontrolle, Krisenplänen und Prävention betreffen jedoch auch private Bildungseinrichtungen.

Psychische Hilfe soll ausgebaut werden – ist aber noch im Aufbau

DepEd selbst betont inzwischen, dass physische Sicherheit allein nicht ausreicht. Die landesweite Learners TeleSafe Contact Center Helpline wurde auf alle Regionen ausgeweitet. Sie soll Schülerinnen und Schülern einen niedrigschwelligen Weg bieten, psychische Belastungen, Gewalt oder andere Probleme zu melden und Hilfe zu erhalten.

Gleichzeitig beschleunigt das Ministerium die Einstellung von rund 10.000 School Counselor Associates. Diese Stellen sollen die direkte psychologische und psychosoziale Unterstützung an Schulen verbessern. Die zusätzlichen Kräfte stehen aber nicht bereits vollständig zur Verfügung; Aufbau und Besetzung laufen noch. Der erneute Angriff trifft damit auf ein System, das seine Präventions- und Hilfsstrukturen gerade erst erweitert.

Angara warnte nach Zamboanga auch davor, die Antwort auf Metalldetektoren und Zäune zu reduzieren. Lehrer beschrieben den Angreifer laut Reuters zuvor als schulisch leistungsstark und nicht als auffälligen Problemfall. Das beweist weder, dass Warnzeichen fehlten, noch dass sie übersehen wurden. Es zeigt aber, wie begrenzt eine Prävention ist, die nur auf sichtbares Verhalten oder Kontrollen am Schultor setzt.

Livestream löst neue Debatte über soziale Medien aus

Dass der Angriff live übertragen wurde und Bildmaterial anschließend schnell weiterverbreitet wurde, hat zusätzlich eine Debatte über den Zugang Minderjähriger zu sozialen Medien ausgelöst. Senatspräsident Sherwin Gatchalian unterstützt in diesem Zusammenhang einen Vorschlag, Kindern unter 16 Jahren die Nutzung sozialer Medien zu untersagen beziehungsweise deutlich stärker zu beschränken.


Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen sozialen Medien und dem Angriff ist bislang jedoch nicht belegt. Die Ermittler haben weder ein abschließendes Motiv genannt noch nachgewiesen, dass Online-Inhalte den Täter zu der Tat veranlassten. Der Livestream belegt zunächst nur, dass der Angriff bewusst online übertragen wurde. Aussagen über Nachahmung, Radikalisierung oder einen direkten Einfluss bestimmter Inhalte wären derzeit Spekulation.

Zwei Fälle machen noch keinen landesweiten Trend

Schulschießereien bleiben auf den Philippinen im internationalen Vergleich selten. Zwei tödliche Vorfälle innerhalb von weniger als zwei Monaten sind deshalb auffällig, reichen aber noch nicht aus, um einen statistischen Trend zu behaupten. Gemeinsam ist beiden Fällen jedoch, dass Minderjährige Zugang zu Schusswaffen erhielten. Genau hier liegt ein konkreter Ansatzpunkt, der über allgemeine Forderungen nach mehr Sicherheit hinausgeht.

Die entscheidende Frage ist daher nicht nur, wie Schulen einen bereits bewaffneten Angreifer am Eingang stoppen können. Ebenso wichtig ist, wie verhindert wird, dass Minderjährige überhaupt an registrierte oder dienstliche Waffen gelangen, wie Warnsignale früher erkannt werden und ob Schulen ausreichend Personal für psychische Unterstützung haben. Zamboanga zeigt damit vor allem die Grenzen einer rein technischen Sicherheitsdebatte. – RM

Quellen:

  • Reuters: After Philippines school shooting, debate shifts to social media, gun safety
  • Reuters: Philippine student live-streamed fatal school shooting before taking own life, official says
  • Philippine News Agency: Expanded mental health, reporting systems essential vs school violence
  • Philippine News Agency: DepEd backs digital safety, online protection bills

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