MANILA – Die philippinischen Streitkräfte erwarten trotz der Verlagerung amerikanischer Militärkapazitäten aus dem Pazifik in den Nahen Osten keine Verringerung der gemeinsamen Aktivitäten mit den USA. – klajoo.com – Auslöser der Diskussion ist unter anderem die Verlegung des Flugzeugträgers USS George Washington aus dem Pazifik in Richtung Nahost.
Der Sprecher der Armed Forces of the Philippines (AFP), Roy Vincent Trinidad, erklärte, Manila rechne weder mit einem Rückgang noch mit einer Verlangsamung der gemeinsamen Aktivitäten. Die amerikanisch-philippinische Verteidigungszusage bezeichnete er als unverändert fest.
Nahost bindet zusätzliche US-Kapazitäten
Die Aussage ist vor allem deshalb relevant, weil die Vereinigten Staaten derzeit zusätzliche militärische Aufmerksamkeit und Ressourcen auf den Nahen Osten richten. Damit stellt sich für Verbündete in Asien die Frage, ob Washington gleichzeitig genügend Kräfte für seine sicherheitspolitischen Verpflichtungen im Indo-Pazifik vorhalten kann.
Die Verlegung der USS George Washington ist dabei sichtbarer als viele andere militärische Verschiebungen. Ein Flugzeugträgerverband stellt erhebliche Luft-, See- und Führungsfähigkeiten bereit. Sein Einsatz in einer anderen Region bedeutet deshalb zumindest vorübergehend eine veränderte Kräfteverteilung, auch wenn daraus nicht automatisch eine Abschwächung der amerikanischen Bündnisverpflichtungen folgt.
Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt die Frage, nachdem US-Präsident Donald Trump zugleich eine Verringerung gemeinsamer Militärübungen mit Südkorea angeordnet hatte. Die philippinische Seite sieht bislang jedoch keine vergleichbare Entwicklung bei der eigenen Zusammenarbeit mit Washington.
Mehr als 500 gemeinsame Aktivitäten für 2026 vereinbart
Die militärische Zusammenarbeit zwischen den Philippinen und den USA geht inzwischen weit über einzelne Großmanöver hinaus. Für 2026 hatten beide Seiten bereits mehr als 500 gemeinsame militärische Aktivitäten vereinbart. Dazu gehören Übungen, Ausbildung, Austauschprogramme und weitere Kooperationsmaßnahmen.
In den vergangenen Jahren wurden insbesondere größere Übungen wie Balikatan ausgeweitet und stärker auf territoriale Verteidigung, Küstenverteidigung und mögliche Krisenszenarien im West Philippine Sea ausgerichtet. Hinzu kommen kleinere Übungen und Trainings amerikanischer Spezialkräfte mit philippinischen Einheiten, unter anderem in westlichen Provinzen und auf Batanes nahe Taiwan.
Washington versucht Verbündete in Asien zu beruhigen
Mehrere hochrangige amerikanische Militär- und Verteidigungspolitiker haben Manila in den vergangenen Wochen besucht. Admiral Frank Bradley, Chef des U.S. Special Operations Command, erklärte während seines Besuchs, amerikanische Spezialkräfte seien bereit, Übungen mit den Philippinen weiter auszubauen. Umfang und Ort künftiger Aktivitäten sollten sich dabei nach den Bedürfnissen der philippinischen Regierung richten.
Auch der amerikanische Verteidigungspolitiker Elbridge Colby bekräftigte bei einem Manila-Besuch, die USA zögen sich nicht aus Asien zurück. Washington wolle weiterhin ein Machtgleichgewicht im Indo-Pazifik aufrechterhalten. Solche Aussagen sind gegenwärtig nicht nur routinemäßige Bündnisrhetorik, sondern Reaktionen auf die Frage, wie gleichzeitig Verpflichtungen in Asien und die militärische Beanspruchung im Nahen Osten bewältigt werden können.
Vertrag bleibt bestehen – entscheidend sind verfügbare Kräfte
Rechtlich hat sich an der Grundlage des Bündnisses nichts geändert. Der Mutual Defense Treaty von 1951 gilt weiter. Die USA und die Philippinen haben zudem wiederholt klargestellt, dass der Vertrag auch für bewaffnete Angriffe auf ihre Streitkräfte, Flugzeuge und öffentliche Schiffe einschließlich der Küstenwachen im Pazifik gilt.
Die aktuelle Diskussion betrifft deshalb weniger die Existenz der amerikanischen Verteidigungszusage als deren praktische militärische Unterfütterung. Für Manila ist entscheidend, ob Übungen, rotierende Kräfte, Aufklärung, Logistik und verfügbare Marine- und Luftstreitkräfte im Indo-Pazifik trotz anderer Krisen in ausreichendem Umfang erhalten bleiben.
Bislang gibt es nach Angaben der philippinischen Streitkräfte keine Hinweise auf eine Kürzung der vereinbarten Aktivitäten. Ob die Verlagerung amerikanischer Kräfte lediglich vorübergehend bleibt oder sich daraus längerfristig eine veränderte Präsenz im westlichen Pazifik entwickelt, lässt sich aus den aktuellen Zusicherungen jedoch noch nicht ableiten. – RM
Quellen:
- Reuters: „Philippines sees no impact on defence ties from US Middle East redeployment“
- Associated Press: „US special forces ready to step up combat drills in Philippines and help deter aggression in Asia“
- GMA News: „PH sees no impact on defense ties from US Middle East redeployment“
- Philippine News Agency: „PH, US OK 500 joint military activities for 2026“
- U.S. Department of State: „Joint Statement on the Philippines-United States Bilateral Strategic Dialogue“







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