MANILA – Die über das Bankensystem erfassten Bargeldüberweisungen von Filipinos im Ausland haben im Juni 2026 rund 3,04 Milliarden US-Dollar erreicht. Gegenüber dem Vorjahresmonat entspricht das einem Anstieg von 1,7 Prozent. Damit fließt weiterhin mehr Geld auf die Philippinen, doch die Wachstumsdynamik hat sich deutlich abgeschwächt.
Im Mai waren lediglich rund 2,71 Milliarden Dollar verbucht worden. Von Mai auf Juni stieg das Volumen damit um etwa zwölf Prozent. Der Juni war zugleich der stärkste Monat des ersten Halbjahres und der höchste Monatswert seit Dezember 2025. Der Vergleich mit dem Vorjahresmonat zeigt aber ein anderes Bild: Die Zuwachsrate von 1,7 Prozent gehört zu den niedrigsten der vergangenen Jahre und lag deutlich unter dem Wachstum von 3,7 Prozent im Juni 2025.
Im ersten Halbjahr plus 2,4 Prozent
Von Januar bis Juni summierten sich die offiziell über Banken und andere formelle Kanäle erfassten Bargeldüberweisungen auf 17,15 Milliarden Dollar. Im ersten Halbjahr 2025 waren es 16,75 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Zuwachs von rund 2,4 Prozent.
Damit setzt sich das Muster der vergangenen Monate fort: Die Überweisungen bleiben auf einem sehr hohen Niveau und wachsen weiter, aber nur langsam. Im April hatte klajoo bereits über ein Elf-Monats-Tief von 2,718 Milliarden Dollar berichtet. Im Mai sank der Monatswert nochmals geringfügig auf 2,713 Milliarden Dollar, bevor im Juni der deutliche saisonale Anstieg folgte.
Für die längerfristige Einordnung ist deshalb der Halbjahreswert aussagekräftiger als der Sprung von Mai auf Juni. Er zeigt, dass das System nicht schrumpft, aber derzeit auch keinen kräftigen zusätzlichen Wachstumsschub liefert.
Landbasierte Beschäftigte überweisen den größten Teil
Von den 3,04 Milliarden Dollar im Juni entfielen nach den Daten der Bangko Sentral ng Pilipinas (BSP) rund 2,48 Milliarden Dollar auf landbasierte Beschäftigte. Rund 562 Millionen Dollar kamen von Seeleuten.
Im gesamten ersten Halbjahr überwiesen landbasierte Beschäftigte rund 13,70 Milliarden Dollar über das formelle System. Seeleute kamen auf rund 3,45 Milliarden Dollar. Damit stammt ungefähr ein Fünftel der offiziell erfassten Überweisungen von Beschäftigten auf See.
USA bleiben statistisch mit großem Abstand vorn – aber die Zahl hat einen Haken
Die Vereinigten Staaten wurden im ersten Halbjahr mit rund 6,76 Milliarden Dollar beziehungsweise 39,4 Prozent als mit Abstand größte Herkunftsquelle ausgewiesen. Dahinter folgten Singapur mit rund 7,2 Prozent, Saudi-Arabien mit 6,3 Prozent, Japan mit 5,1 Prozent und das Vereinigte Königreich mit 4,8 Prozent.
Diese Rangliste darf allerdings nicht als exakte Karte der tatsächlichen Arbeitsorte philippinischer Migranten gelesen werden. Die BSP weist ausdrücklich darauf hin, dass Überweisungsdienste Geld häufig über Korrespondenzbanken in den USA leiten. Bei Geldkurieren wird außerdem häufig das Land des Hauptsitzes des Dienstleisters erfasst. Dadurch erscheinen die USA in der Statistik größer, weil als Herkunft der jeweils unmittelbar vorherige Zahlungsweg und nicht zwingend der tatsächliche Aufenthaltsort des Absenders gezählt wird.
Deutschland fällt besonders bei Seeleuten auf
Für Deutschland weist die BSP im ersten Halbjahr rund 299 Millionen Dollar an Bargeldüberweisungen aus. Das entspricht nur rund 1,7 Prozent des gesamten formellen Überweisungsvolumens.
Bei Seeleuten ist der deutsche Anteil jedoch wesentlich größer. Von Deutschland aus wurden im ersten Halbjahr rund 189 Millionen Dollar den seebasierten Beschäftigten zugerechnet. Bezogen auf alle Bargeldüberweisungen von Seeleuten entspricht das etwa 5,5 Prozent.
Auch hier gilt die Einschränkung der BSP zur Herkunftszuordnung. Trotzdem zeigt der Vergleich, dass Deutschland innerhalb der statistisch erfassten Zahlungsströme für philippinische Seeleute eine deutlich größere Rolle spielt als für die Gesamtheit der Overseas Filipinos.
„Cash Remittances“ sind nicht alle Überweisungen
Die häufig zitierte Zahl von 3,04 Milliarden Dollar umfasst nur sogenannte Cash Remittances, die über Banken und das formelle Finanzsystem erfasst werden. Die breiter gefassten Personal Remittances berücksichtigen zusätzlich unter anderem informelle Kanäle und Sachleistungen.
Diese persönlichen Überweisungen beliefen sich im Juni auf rund 3,39 Milliarden Dollar und lagen damit 1,8 Prozent über dem Vorjahresmonat. Im ersten Halbjahr erreichten sie rund 19,12 Milliarden Dollar, ebenfalls rund 2,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Für die wirtschaftliche Bedeutung der Arbeitsmigration ist deshalb die größere Zahl der Personal Remittances umfassender. Für einen monatlichen Vergleich der offiziell gemessenen Zahlungsströme sind dagegen die Cash Remittances besonders gut geeignet, weil sie konsistent über das Finanzsystem erfasst werden.
Hoher Betrag, aber kein starkes Wachstum
Die Juni-Zahlen zeigen damit zwei scheinbar gegensätzliche Entwicklungen. Mit mehr als drei Milliarden Dollar erreichten die Bargeldüberweisungen einen sehr hohen Monatswert und erholten sich deutlich vom schwachen Mai. Gleichzeitig ist die Zunahme gegenüber dem Vorjahr mit 1,7 Prozent gering.
Für Empfängerhaushalte bleiben Überweisungen eine wichtige Einkommensquelle. Für die philippinische Volkswirtschaft sorgen sie weiterhin für erhebliche Devisenzuflüsse und stützen den privaten Konsum. Der aktuelle Trend zeigt aber, dass von den Überweisungen derzeit eher Stabilität als ein zusätzlicher kräftiger Wachstumsimpuls ausgeht.
Quellen:
- Bangko Sentral ng Pilipinas: „Overseas Filipino Cash Remittances by country, by source“
- Bangko Sentral ng Pilipinas: „Overseas Filipinos’ Remittances“
- Bangko Sentral ng Pilipinas / Philippine Information Agency: „Cash Remittances Reach US$3.04B in June 2026“
- BusinessWorld: „Philippine cash remittances post slowest growth in over 4 years“
- klajoo: „BSP: Überweisungen von OFWs erreichten im April den niedrigsten Stand seit 11 Monaten“
► BSP: Überweisungen von OFWs erreichten im April den niedrigsten Stand seit 11 Monaten







Add Comment