Washington, USA – Die Philippinen tauchen in einem neuen Bericht des Weißen Hauses als Teil eines weltweiten Netzes von Staaten auf, über die chinesische Waren nach Einschätzung der US-Regierung in Richtung Vereinigte Staaten umgeleitet werden können. – klajoo.com – Der Bericht ordnet die Philippinen sowohl der niedrigsten von drei Risikostufen als auch der Gruppe südostasiatischer „Microhubs“ zu.
Das ist politisch und wirtschaftlich relevant, ist aber kein Nachweis dafür, dass philippinische Unternehmen oder Behörden systematisch Zollbetrug betreiben. Der Bericht selbst räumt ausdrücklich ein, dass veränderte Handelsströme nach den US-Zollerhöhungen nicht automatisch illegale Umgehung bedeuten. Ein Teil kann auf tatsächliche Produktionsverlagerungen, neue Investitionen und legitime Lieferketten zurückgehen.
Was Washington unter „Transshipment“ versteht
Unter illegalem Transshipment versteht die US-Regierung die Weiterleitung von Waren über ein Drittland mit dem Ziel, Zölle oder andere handelspolitische Maßnahmen zu umgehen. Genannt werden beispielsweise Umetikettierung, Neuverpackung, neue Rechnungsstellung, falsche Herkunftsangaben oder nur geringfügige Verarbeitungsschritte, durch die ein Produkt auf dem Papier eine andere nationale Herkunft erhält.
Gerade hier liegt die zentrale Abgrenzungsfrage: Eine Ware darf chinesische Vorprodukte enthalten und dennoch rechtmäßig philippinischen Ursprung erwerben, wenn die Verarbeitung die geltenden Ursprungsregeln erfüllt. Problematisch wird es erst, wenn nur der Anschein einer ausreichenden Verarbeitung erzeugt oder der tatsächliche Ursprung falsch angegeben wird.
Philippinen in „Tier 3“ und bei den südostasiatischen Microhubs
Der Bericht teilt mehr als 40 Staaten und Wirtschaftsräume in drei Gruppen ein. Die Philippinen gehören zu „Tier 3“, den kleineren, opportunistisch nutzbaren Standorten. Als typische Merkmale dieser Gruppe nennt das Weiße Haus unter anderem niedrigere Arbeitskosten, Freizonen, Hafen- und Logistikinfrastruktur, Zolllager, kleinere Montagekapazitäten und teilweise begrenzte Kontrollkapazitäten.
Zusätzlich führt eine zweite Tabelle die Philippinen gemeinsam mit Bangladesh, Kambodscha, Laos und Sri Lanka als Beispiele für südostasiatische „Microhubs“ auf. Deren mögliche Funktion beschreibt der Bericht mit leichter Montage, Verarbeitung in Exportzonen, Umetikettierung und Wiederausfuhr chinesisch geprägter Waren.
Diese Einordnung ist deutlich vorsichtiger zu lesen, als es die zugespitzte Sprache des Berichts zunächst nahelegt. Die Philippinen werden nicht zu den größten Umschlagpunkten gezählt. In der höher eingestuften Gruppe befinden sich etwa Vietnam, Thailand, Malaysia und Indonesien, denen Washington größere Handelsvolumina und eine tiefere Einbindung in chinesische Lieferketten zuschreibt.
Der Bericht arbeitet mit Risikosignalen, nicht mit einem philippinischen Schuldnachweis
Das Weiße Haus stützt seine globale Bewertung auf Handelsdaten, Analysen des Council of Economic Advisers, des US-Handelsministeriums sowie privater Datenanbieter. Ein wichtiges Signal ist dabei, dass Chinas direkter Anteil an den US-Importen nach den seit 2018 eingeführten Zöllen zurückging, während der Anteil zahlreicher Drittstaaten stieg.
Der Bericht sagt jedoch selbst, dass diese gegenläufige Entwicklung nicht beweist, dass die entsprechenden Waren illegal umgeleitet wurden. Genau das ist für die Bewertung der Philippinen entscheidend. Eine Elektronikkomponente kann beispielsweise tatsächlich in China gefertigt, anschließend aber auf den Philippinen so weit verarbeitet werden, dass daraus nach den geltenden Regeln ein neues Ursprungsprodukt entsteht. Umgekehrt kann eine bloße Neuetikettierung ohne substanzielle Verarbeitung rechtswidrig sein.
Globale Milliardenbeträge lassen sich nicht auf die Philippinen herunterbrechen
Für das weltweite Ausmaß nennt der Bericht mehrere sehr unterschiedliche Schätzungen. Je nach Methode reichen sie von etwa 40 Milliarden bis zu mehr als 300 Milliarden US-Dollar an potenziell betroffenen Handelsströmen. Die Autoren weisen ausdrücklich darauf hin, dass diese Werte nicht addiert werden dürfen und unterschiedliche Dinge messen. Für die Philippinen selbst nennt der Bericht keine belastbare Summe illegal umgeleiteter Waren.
Deshalb wäre es irreführend, aus der Aufnahme in die Liste einen konkreten philippinischen Schadens- oder Betrugsbetrag abzuleiten. Belastbar ist zunächst nur: Washington betrachtet die Philippinen als einen Staat, dessen Logistik-, Produktions- und Freizonenstrukturen für Herkunftsverschleierung genutzt werden könnten und deshalb stärker kontrolliert werden sollen.
Für philippinische Exporteure steigt der Dokumentationsdruck
Praktisch dürfte die US-Linie vor allem Unternehmen treffen, die chinesische Vorprodukte verarbeiten und anschließend in die Vereinigten Staaten exportieren. Je stärker Washington Herkunft, Produktionskapazität, Lieferketten, Eigentümerstrukturen und Transportwege automatisiert auswertet, desto wichtiger werden nachvollziehbare Stücklisten, Produktionsnachweise, Rechnungen und Ursprungsdokumente.
Der Bericht kündigt dafür einen stärker daten- und KI-gestützten Kontrollansatz an. US Customs and Border Protection soll Handels- und Routendaten, Produktionskapazitäten, Eigentümerbeziehungen und weitere Risikosignale zusammenführen. Für rechtmäßig produzierende philippinische Unternehmen bedeutet das nicht automatisch schlechteren Marktzugang – aber voraussichtlich mehr Prüfungsdruck bei Produkten mit hohem chinesischem Vorleistungsanteil.
Die entscheidende Frage für die Philippinen ist damit nicht, ob chinesische Komponenten verwendet werden. Das ist in regionalen Lieferketten normal. Entscheidend ist, ob der auf den Philippinen entstandene Wertschöpfungsanteil und die dort erfolgte Verarbeitung tatsächlich den angegebenen Ursprung rechtfertigen. Genau an dieser Grenze zwischen legitimer Lieferkettenverlagerung und bloßer Herkunftsverschleierung dürfte der Konflikt mit den USA künftig schärfer werden. – RM
Quellen:
- The White House, Office of Trade and Manufacturing Policy: The Great Transshipment Scam – https://www.whitehouse.gov/wp-content/uploads/2026/08/The-Great-Transshipment-Scam.pdf
- The White House: Further Modifying the Reciprocal Tariff Rates – https://www.whitehouse.gov/presidential-actions/2025/07/further-modifying-the-reciprocal-tariff-rates/







Add Comment