SULU – Jolo, die Hauptstadt der Provinz Sulu, ist offiziell zu einer „Gun-Responsible and Peace-Centered Community“ erklärt worden. – klajoo.com – Gleichzeitig bescheinigen die beteiligten Behörden der Gemeinde einen funktionierenden Mechanismus zur Beilegung von rido, also gewaltsamen Familien- und Clanfehden, sowie einen Zustand stabiler innerer Sicherheit.
Solche offiziellen Friedenserklärungen können leicht wie symbolische Verwaltungsakte wirken. Im Fall von Jolo stehen sie jedoch vor einem außergewöhnlichen historischen Hintergrund. Noch vor wenigen Jahren gehörten Jolo und die umliegenden Gemeinden zu den international bekanntesten Brennpunkten islamistischer Gewalt und Entführungen auf den Philippinen. Parallel dazu spielten unregistrierte Waffen und Clanfehden in Teilen Sulus seit Jahrzehnten eine erhebliche Rolle.
Die aktuelle Erklärung vom 13. August ist deshalb weniger als plötzlicher Endpunkt zu verstehen. Sie gehört zu einem seit Jahren laufenden Prozess aus militärischer Schwächung von Abu Sayyaf, freiwilligen Waffenabgaben, lokaler Konfliktvermittlung und dem Versuch, Sicherheit stärker durch Polizei und zivile Institutionen als durch bewaffnete Gruppen und private Waffen zu gewährleisten.
Jolo war noch 2019 Schauplatz eines der schwersten Terroranschläge des Landes
Wie groß der Wandel ist, zeigt ein Blick zurück. Am 27. Januar 2019 detonierten zwei Bomben an der katholischen Kathedrale Our Lady of Mount Carmel in Jolo. 23 Menschen wurden getötet, darunter Zivilisten und Soldaten, zahlreiche weitere verletzt. Die Behörden machten ein mit Abu Sayyaf verbundenes Netzwerk für den Anschlag verantwortlich.
Jolo und Sulu waren damals seit Jahren mit Entführungen, Anschlägen und bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Abu Sayyaf verbunden. Die Inselprovinz galt als eines der wichtigsten Rückzugsgebiete der Gruppe.
Auch außerhalb terroristischer Strukturen waren bewaffnete Konflikte ein Problem. Rido bezeichnet auf Mindanao langanhaltende Fehden zwischen Familien oder Clans, die durch Vergeltung immer wieder neue Gewalt auslösen können. Solche Konflikte sind nicht mit Terrorismus gleichzusetzen, können aber ebenfalls erhebliche Auswirkungen auf Sicherheit, lokale Politik und wirtschaftliche Entwicklung haben.
Militär erklärte Abu-Sayyaf-Strukturen in Sulu für zerschlagen
Bis 2024 hatte sich die Sicherheitslage nach Darstellung der Streitkräfte grundlegend verändert. Der damalige Chef des Western Mindanao Command erklärte, die Strukturen von Abu Sayyaf in Sulu, Basilan, Tawi-Tawi und Zamboanga seien zerschlagen worden. Viele Mitglieder seien getötet worden oder hätten sich ergeben. Auch die betreffenden Provinzregierungen hätten ihre Gebiete als frei von Abu-Sayyaf-Strukturen bezeichnet.
Die Militärführung verband diese Erfolgsmeldung allerdings ausdrücklich mit einer Warnung: Ein Wiedererstarken extremistischer Gruppen könne nicht ausgeschlossen werden. Deshalb sollten insbesondere Gemeinden und Jugendliche stärker in Präventions-, Bildungs- und Entwicklungsprogramme eingebunden werden.
Diese Einschränkung bleibt wichtig. Eine behördliche Erklärung über stabile Sicherheit bedeutet nicht, dass jedes Risiko verschwunden ist oder dass einzelne bewaffnete Täter, kriminelle Gruppen und extremistische Unterstützer nicht mehr existieren können.
195 militärische Waffen aus allen 19 Gemeinden abgegeben
Ein messbarer Teil der aktuellen Friedenskampagne ist die Verringerung unregistrierter Waffen. Ende Juni 2026 wurden in Sulu 195 freiwillig abgegebene Waffen an die Behörden übergeben. Sie stammten nach Angaben der Provinzregierung aus allen 19 Gemeinden Sulus.
Präsident Ferdinand Marcos Jr. nahm an der Übergabe in Maimbung teil. Gleichzeitig wurde dort ein neues Hauptquartier des Regional Mobile Force Battalion eingeweiht, das rund 180 Millionen Peso kostete und Polizei- und Sicherheitsoperationen in der Provinz unterstützen soll.
195 Waffen sind keine vollständige Bestandsaufnahme der Waffen in Sulu. Es gibt keine öffentlich belastbare Zahl, aus der sich ableiten ließe, welcher Anteil aller unregistrierten oder privat gehaltenen Schusswaffen damit aus dem Verkehr gezogen wurde. Dennoch ist die provinzweite Beteiligung aller Gemeinden ein greifbarer Hinweis darauf, dass die aktuelle Kampagne über einzelne symbolische Übergaben hinausgeht.
Andere Gemeinden Sulus gehen denselben Weg
Jolo steht mit seiner Erklärung nicht allein. In mehreren Gemeinden der Provinz wurden in diesem Jahr vergleichbare Friedens- und Sicherheitsprozesse durchgeführt. Talipao wurde im Juni als Gemeinde mit stabiler innerer Sicherheit eingestuft. Indanan erklärte sich Anfang August zu einer „Gun-Responsible, Rido-Free and Peace-Centered Community“ und bestätigte ebenfalls den Status stabiler innerer Sicherheit.
In Indanan wurden bei diesem Schritt 49 militärische Waffen freiwillig abgegeben. Andere Waffenübergaben in Sulu erfolgten bereits zuvor. Damit entsteht zunehmend ein provinzweites Muster: Kommunen verbinden politische Friedenserklärungen mit Programmen gegen unregistrierte Waffen und mit lokalen Verfahren zur Beilegung von Clanfehden.
Für Jolo ist der Begriff „rido-free“ allerdings gerade nicht Bestandteil der aktuellen Erklärung. Die Stadt spricht vielmehr von einem funktionierenden Mechanismus zur Lösung solcher Konflikte. Das ist eine wichtige Unterscheidung. Ein Verfahren zur Konfliktbeilegung bedeutet nicht automatisch, dass es keinerlei Clanfehden mehr gibt.
„Gun-responsible“ bedeutet ebenfalls nicht „waffenfrei“
Auch die Formulierung „Gun-Responsible Community“ sollte nicht mit einer vollständigen Entwaffnung gleichgesetzt werden. Die aktuelle Erklärung besagt, dass Jolo verantwortlichen Umgang mit Waffen, friedliche Konfliktlösung und die Durchsetzung des Rechts fördern will. Sie bedeutet nicht, dass es innerhalb der Gemeinde keine legalen oder illegalen Schusswaffen mehr gibt.
Gerade diese sprachliche Präzision ist wichtig, weil Friedenserklärungen sonst mehr suggerieren können, als die zugrunde liegenden Maßnahmen tatsächlich belegen.
Frieden soll wirtschaftliche Entwicklung ermöglichen
Die Provinzregierung verbindet die Sicherheitskampagne ausdrücklich mit wirtschaftlichen Zielen. Gouverneur Abdusakur Tan II bezeichnete dauerhaften Frieden Ende Juni als Voraussetzung dafür, Investitionen anzuziehen, wirtschaftliche Möglichkeiten zu schaffen und staatliche Dienstleistungen auszubauen.
Diese Logik ist für Sulu besonders relevant. Jahrzehntelange Gewalt hat Investitionen, Tourismus und den Aufbau regulärer wirtschaftlicher Strukturen erschwert. Bereits in den vergangenen Jahren versuchten Provinzregierung und Sicherheitskräfte, die verbesserte Lage auch für einen vorsichtigen Ausbau des Tourismus zu nutzen.
Ob sich aus dem Sicherheitswandel dauerhaft mehr private Investitionen, Beschäftigung und Einkommen entwickeln, lässt sich anhand der aktuellen Friedenserklärung allerdings noch nicht belegen. Dafür wären über mehrere Jahre vergleichbare Daten zu Unternehmensgründungen, Investitionen, Besucherzahlen, Gewaltdelikten und bewaffneten Konflikten nötig.
Ein deutlicher Fortschritt – aber kein Grund, Risiken auszublenden
Die Erklärung Jolos ist deshalb weder bloße Symbolpolitik noch der Beweis, dass alle Sicherheitsprobleme Sulus gelöst wären. Sie gewinnt ihre Bedeutung aus der Kombination mehrerer Entwicklungen: Abu Sayyaf hat seine frühere operative Stärke weitgehend verloren, zahlreiche Mitglieder und Unterstützer haben sich ergeben, Gemeinden geben unregistrierte Waffen ab und lokale Verwaltungen bauen Verfahren zur friedlichen Beilegung von Clanfehden aus.
Von der Stadt, in der 2019 noch 23 Menschen bei einem Bombenanschlag auf eine Kathedrale starben, bis zur heutigen Erklärung einer friedensorientierten Gemeinde ist das ein erheblicher Wandel.
Wie dauerhaft er ist, wird sich jedoch nicht an weiteren Zeremonien entscheiden. Maßgeblich sind die kommenden Jahre: ob Waffenabgaben weitergehen, rido-Konflikte tatsächlich ohne neue Gewalt beendet werden, extremistische Gruppen keine neuen lokalen Strukturen aufbauen können und die verbesserte Sicherheitslage für Bildung, Infrastruktur und reguläre wirtschaftliche Entwicklung genutzt wird. – RM
Quellen:
- SunStar Zamboanga: Erklärung Jolos zur Gun-Responsible and Peace-Centered Community
- Philippine Information Agency: 195 freiwillig abgegebene militärische Wwaffen aus 19 Gemeinden Sulus
- Philippine Information Agency: Sulu-Provinzregierung zu Waffenabgaben, Frieden und Entwicklung
- Philippine Information Agency: Western Mindanao Command zum Abbau der Abu-Sayyaf-Strukturen und verbleibenden Risiken
- SunStar Zamboanga: Indanan, 49 abgegebene militärische Wwaffen und Friedenserklärung
- Reuters: Bombenanschlag auf die Kathedrale von Jolo 2019 und Ermittlungen
- Philippine News Agency: Bilanz des Anschlags auf die Kathedrale von Jolo







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