MANILA – Nach Angaben der National Dairy Authority (NDA) stieg die heimische Milchproduktion gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres um 21,2 Prozent von 20,94 auf 25,38 Millionen Liter. – klajoo.com – Gleichzeitig nahm der Bestand der zur Milchwirtschaft gerechneten Tiere um 6,5 Prozent von 155.662 auf 165.858 Tiere zu.
Auch der Wert der Produktion legte zu. Zu konstanten Preisen von 2018 erreichte er nach Daten der Philippine Statistics Authority 975,73 Millionen Peso und lag damit 21,4 Prozent über dem Vorjahreswert. Der durchschnittliche Erzeugerpreis für Kuhmilch stieg leicht auf 47,05 Peso je Liter, der für Carabao-Milch um knapp fünf Prozent auf 89,60 Peso je Liter.
Die Wachstumszahlen wirken auf den ersten Blick wie ein großer Schritt in Richtung Selbstversorgung. Tatsächlich zeigen sie aber vor allem, wie klein die Ausgangsbasis der philippinischen Milchwirtschaft noch immer ist. Die Philippinen bleiben bei Milch und Milchprodukten in außergewöhnlich hohem Maß von Einfuhren abhängig.
Nur etwa ein Prozent des gesamten Milchbedarfs aus eigener Produktion
Für die Einordnung ist wichtig, zwei unterschiedliche Kennzahlen nicht miteinander zu vermischen. Das US-Landwirtschaftsministerium USDA erwartet für 2026 einen philippinischen Gesamtverbrauch von Milch und Milchprodukten von rund 3,5 Millionen Tonnen in sogenanntem Flüssigmilchäquivalent. Dabei werden Milchpulver, Käse und andere Milchprodukte rechnerisch wieder in die dafür benötigte Milchmenge umgerechnet.
Nach dieser umfassenden Rechnung erzeugen die Philippinen lediglich rund ein Prozent ihres Bedarfs selbst und müssen etwa 99 Prozent durch Importe decken.
Bei trinkfertiger Flüssigmilch sieht die Bilanz weniger extrem aus. Hier erwartet das USDA für 2026 eine heimische Produktion von rund 37.000 Tonnen bei einem Gesamtbedarf von etwa 167.000 Tonnen. Rund ein Fünftel kann damit im Land selbst erzeugt werden. Auch bei Trinkmilch stammt also der deutlich größere Teil der Versorgung letztlich aus importierter Milch oder importierten Milchprodukten.
Ein Vergleich mit Deutschland zeigt die Größenordnung
Wie klein die philippinische Milchproduktion tatsächlich ist, wird im Vergleich mit Deutschland besonders deutlich.
In Deutschland wurden 2024 rund 32,2 Millionen Tonnen Kuhmilch an Molkereien geliefert. Auf den Philippinen waren es dagegen im gesamten ersten Halbjahr 2026 lediglich 25,38 Millionen Liter Milch.
Dabei muss zunächst eine scheinbar ungewöhnliche Umrechnung erklärt werden: Eine Tonne Milch sind nicht 1.000 Liter. Milch ist etwas schwerer als Wasser. Ein Liter Milch wiegt im Durchschnitt etwa 1,03 Kilogramm.
Aus 32,2 Millionen Tonnen werden deshalb zunächst:
32,2 Millionen Tonnen × 1.000 = 32,2 Milliarden Kilogramm Milch.
Teilt man diese Menge durch 1,03 Kilogramm je Liter, ergeben sich rund:
31,3 Milliarden Liter Milch.
Deutschland liefert damit jährlich eine Milchmenge an die Molkereien, die sich nicht in Millionen, sondern in mehr als 31 Milliarden Litern bewegt.
Würde man die philippinische Produktion des ersten Halbjahres lediglich zur Größenorientierung auf ein volles Jahr verdoppeln, ergäben sich rund 50,8 Millionen Liter. Das ist keine Prognose für das tatsächliche Jahresergebnis, macht aber die Dimension sichtbar: Die deutsche Milchmenge wäre dann mehr als 600-mal so groß.
Der Unterschied ist umso bemerkenswerter, weil Deutschland weniger Einwohner hat als die Philippinen.
Auch eine deutsche Kuh erzeugt wesentlich mehr Milch
Der Abstand entsteht jedoch nicht nur durch die Zahl der Tiere. Auch die Produktivität je Milchkuh unterscheidet sich erheblich.
Nach Angaben des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft gab eine deutsche Milchkuh 2024 durchschnittlich 9.445 Kilogramm Milch im Jahr. Umgerechnet mit 1,03 Kilogramm je Liter sind das rund 9.170 Liter pro Kuh und Jahr oder durchschnittlich gut 25 Liter am Tag.
Das USDA gibt für eine philippinische Milchkuh dagegen im Durchschnitt rund zehn Liter am Tag an. Bei Milchbüffeln sind es etwa 4,5 Liter und bei Milchziegen rund 1,5 Liter.
Der Vergleich ist nicht als Bewertung einzelner Landwirte zu verstehen. Tierhaltung, Rassen, Fütterung, Betriebsgrößen und vor allem die klimatischen Bedingungen unterscheiden sich erheblich. Er zeigt aber, dass die geringe philippinische Gesamtproduktion aus zwei Faktoren gleichzeitig entsteht: Es gibt vergleichsweise wenige Milchtierbestände, und die durchschnittliche Leistung je Tier liegt deutlich unter jener einer hochentwickelten europäischen Milchwirtschaft.
Kleine Betriebe erschweren einen schnellen Ausbau
Die philippinische Milchwirtschaft wird überwiegend von kleinen Betrieben getragen. Das USDA bezeichnet Rinder-Milchbetriebe mit fünf bis zehn Kühen bereits als typische Kleinbetriebe. Mittelgroße Betriebe halten elf bis 50 Tiere, größere kommerzielle Milchviehbetriebe mehr als 50.
Diese Struktur ist nicht grundsätzlich schlecht. Sie erschwert jedoch den schnellen Aufbau großer und gleichmäßig verfügbarer Milchmengen. Viele kleine Betriebe müssen Futter, Veterinärversorgung, Zucht, Melktechnik, Kühlung, Transport und Vermarktung organisieren, ohne die Größenvorteile großer Milchregionen nutzen zu können.
Hinzu kommt ein Problem, das sich über Jahre nur langsam lösen lässt: Ein Milchviehbestand kann nicht beliebig schnell vergrößert werden. Geeignete Zuchttiere müssen vorhanden sein, Kühe müssen trächtig werden und Kälber heranwachsen. Das USDA nennt unzureichende Finanzierung und geringe private Investitionen ausdrücklich als Gründe dafür, dass der Ausbau der Milchviehbestände in den vergangenen Jahren nur langsam vorankam.
Tropisches Klima erschwert Hochleistungsmilchwirtschaft
Ein weiterer struktureller Unterschied zu Deutschland ist das Klima.
Viele auf hohe Milchleistung gezüchtete Rinderrassen stammen aus gemäßigten Klimazonen. Dauerhaft hohe Temperaturen in Verbindung mit hoher Luftfeuchtigkeit führen bei Milchkühen zu Hitzestress. Die Tiere nehmen weniger Futter auf, die Milchleistung kann sinken und auch die Fortpflanzung kann beeinträchtigt werden.
Das bedeutet nicht, dass erfolgreiche Milchwirtschaft im tropischen Klima unmöglich wäre. Sie verlangt aber zusätzliche Investitionen: Schatten, ausreichende Wasserversorgung, Belüftung, geeignetes Futter, gutes Herdenmanagement und teilweise besser an das Klima angepasste Tiere.
Milchkühe kommen mit niedrigen Temperaturen erstaunlich gut zurecht. In der Fachliteratur wird ihre thermoneutrale Zone – also der Temperaturbereich, in dem sie keine zusätzliche Energie zum Heizen oder Kühlen ihres Körpers aufwenden müssen – je nach Untersuchung ungefähr zwischen 4 und 25 Grad Celsius angegeben. Bei hochleistenden Kühen wird die Untergrenze teilweise sogar unter dem Gefrierpunkt angesetzt. Problematischer als Kälte ist für sie Hitze, insbesondere in Verbindung mit hoher Luftfeuchtigkeit.
Während ein deutscher Milchviehbetrieb einen erheblichen Teil des Jahres unter relativ günstigen Temperaturbedingungen arbeitet, müssen philippinische Betriebe mit hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit praktisch als Dauerbedingungen umgehen.
Futter ist ein entscheidender Kostenfaktor
Hohe Milchleistungen setzen eine kontinuierliche Versorgung mit hochwertigem Futter voraus. Auch hier haben etablierte Milchregionen Europas Vorteile.
In Deutschland existiert eine Landwirtschaft, in der Gras, Silage, Mais, Getreide und Eiweißfutter in großen Mengen produziert, gehandelt und auf die Bedürfnisse von Milchviehbetrieben abgestimmt werden. Viele Betriebe erzeugen einen erheblichen Teil ihres Futters selbst.
Auf den Philippinen konkurrieren Flächen dagegen stärker mit anderen landwirtschaftlichen Nutzungen. Kleinbetriebe verfügen zudem häufig nicht über ausreichend eigene Fläche, um hochwertiges Futter in der benötigten Menge selbst anzubauen. Zugekauftes Kraft- und Ergänzungsfutter erhöht die Produktionskosten.
Das USDA führt hohe Produktionskosten sowie Defizite bei Fütterung und Betriebsmanagement ausdrücklich als Gründe für die geringe Milchleistung an.
Kühlkette und Verarbeitung sind genauso wichtig wie zusätzliche Tiere
Milch stellt zudem besondere Anforderungen an die Infrastruktur. Sie muss nach dem Melken schnell gekühlt, gesammelt, geprüft, transportiert oder verarbeitet werden.
Bei vielen kleinen, geografisch verteilten Erzeugern wird das zu einem erheblichen Kostenfaktor. Eine zusätzliche Kuh nützt für die nationale Versorgung wenig, wenn die produzierte Milch anschließend nicht zuverlässig eine Sammelstelle oder Molkerei erreicht.
Das USDA nennt die unzureichende Infrastruktur als eines der Probleme der Branche. Gleichzeitig werden Kühlhäuser, Supermärkte und gekühlte Verkaufsflächen auf den Philippinen weiter ausgebaut.
Für eine größere heimische Milchwirtschaft reicht es deshalb nicht, lediglich mehr Tiere zu halten. Parallel müssen Sammelstellen, Kühlung, Transport, Molkereien und Absatzwege wachsen.
Importe haben einen jahrzehntelangen Vorteil
Die geringe Eigenproduktion ist zugleich Ursache und Folge eines Marktes, der seit Jahrzehnten auf Importe ausgerichtet ist.
Philippinische Lebensmittelhersteller beziehen große Mengen Magermilchpulver, Vollmilchpulver, Molke und andere Milchbestandteile aus dem Ausland. Zu den wichtigsten Lieferländern gehören die USA und Neuseeland.
Milchpulver hat gegenüber frischer Rohmilch einen entscheidenden logistischen Vorteil: Es ist wesentlich länger haltbar und lässt sich in großen Mengen transportieren und lagern. Hersteller können ihre Rohstoffe Monate im Voraus einkaufen. Nach Angaben des USDA halten Unternehmen teilweise Vorräte für bis zu drei Monate.
Ein philippinischer Milchbauer kann seine Produktion dagegen nicht monatelang lagern. Die Kuh wird jeden Tag gemolken, und die Milch muss kurzfristig verkauft, gekühlt oder verarbeitet werden.
Damit konkurriert die junge heimische Milchwirtschaft mit internationalen Lieferketten, die über Jahrzehnte aufgebaut wurden und große Mengen zu vergleichsweise gut kalkulierbaren Preisen bereitstellen.
Deutschland produziert mehr Konsummilch, als es selbst benötigt
Auch die Versorgungslage zeigt den Gegensatz.
Deutschland erreichte 2025 bei Konsummilch einen Selbstversorgungsgrad von 106,3 Prozent. Rechnerisch wurde damit etwas mehr Konsummilch hergestellt, als im Inland benötigt wurde.
Auf den Philippinen kann die heimische Produktion dagegen nach USDA-Schätzung nur rund 20 Prozent des Bedarfs an trinkfertiger Milch decken. Betrachtet man sämtliche Milchprodukte und rechnet sie in Flüssigmilchäquivalent um, liegt der Eigenversorgungsanteil sogar nur bei ungefähr einem Prozent.
Die beiden Länder stehen damit praktisch an entgegengesetzten Enden der Versorgungsskala: Deutschland verfügt über eine seit Jahrzehnten hochproduktive Milchwirtschaft mit großen Verarbeitungskapazitäten und Exportüberschüssen. Die Philippinen versuchen erst, einen wesentlich größeren eigenen Produktionssektor aufzubauen.
Staatliche Programme schaffen verlässlichen Absatz
Ein wichtiger Motor des derzeitigen philippinischen Wachstums sind staatliche Ernährungs- und Milchprogramme. Schulen und andere staatlich unterstützte Programme können heimischen Erzeugern einen relativ verlässlichen Absatz bieten.
Das ist für Investitionen wichtig. Ein Landwirt wird seinen Tierbestand eher vergrößern oder in bessere Fütterung und Kühltechnik investieren, wenn er weiß, dass für die zusätzliche Milch ein Käufer vorhanden ist.
Damit kann ein positiver Kreislauf entstehen: planbarer Absatz ermöglicht Investitionen, bessere Betriebe erzeugen mehr Milch, und steigende Mengen machen wiederum Investitionen in Sammelstellen und Verarbeitung wirtschaftlicher.
Die Produktionssteigerung von 21,2 Prozent im ersten Halbjahr 2026 ist deshalb durchaus ein bedeutender Fortschritt.
Sie darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, wie groß der Abstand zwischen Produktion und Bedarf weiterhin ist. Um die Importabhängigkeit spürbar zu verringern, müssten die Philippinen über viele Jahre gleichzeitig ihre Tierbestände vergrößern, die Milchleistung je Tier steigern sowie Futterversorgung, Finanzierung, Tiergesundheit, Kühlketten, Verarbeitung und Vermarktung verbessern.
Die ungewöhnlich hohe Wachstumsrate des ersten Halbjahres ist damit weniger das Zeichen dafür, dass die Philippinen kurz vor der Selbstversorgung stehen. Sie zeigt vielmehr, dass eine bislang sehr kleine heimische Milchwirtschaft begonnen hat, deutlich schneller zu wachsen.
Quellen:
- National Dairy Authority: Dairy Industry Update
- The Philippine Star: Dairy industry posts gains in six months
- U.S. Department of Agriculture, Foreign Agricultural Service: Dairy and Products Annual – Philippines
- Statistisches Bundesamt: EU-weit größter Kuhmilcherzeuger
- Bundesinformationszentrum Landwirtschaft: Wie viel Milch gibt eine Kuh?
- BMEL-Statistik / Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung: Milch und Milcherzeugnisse – Versorgungsbilanzen
- U.S. Department of Agriculture, Economic Research Service: Climate Change, Heat Stress, and U.S. Dairy Production
- Frontiers in Veterinary Science: Seasonal variation in fertility and milk production in dairy cattle under Mediterranean climate conditions







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