MANILA – Die schwache philippinische Konjunktur trifft nicht alle Konsumbereiche gleich. – klajoo.com – Das zeigen die Halbjahreszahlen zweier großer Konzerne besonders deutlich: Bei GT Capital belastete die schwächere Autonachfrage das Ergebnis, während Cosco Capital mit Puregold und S&R weiter deutlich wachsende Umsätze meldete.
Daraus lässt sich nicht ableiten, dass alle Filipinos bei großen Anschaffungen sparen und gleichzeitig mehr Lebensmittel kaufen. Zwei Unternehmensgruppen bilden den gesamten privaten Konsum nicht ab. Zusammen mit den aktuellen Wirtschaftsdaten zeigen die Ergebnisse aber, wie unterschiedlich einzelne Ausgabenkategorien auf die konjunkturelle Abkühlung reagieren.
Wirtschaft wächst nur noch um 2,3 Prozent
Das Bruttoinlandsprodukt der Philippinen wuchs im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahr lediglich um 2,3 Prozent. Der private Konsum der Haushalte, traditionell einer der wichtigsten Wachstumsmotoren des Landes, legte nur um 2,8 Prozent zu. Gleichzeitig gingen die Bruttoinvestitionen in der gesamtwirtschaftlichen Statistik um 9,2 Prozent zurück.
Diese schwächere Dynamik zeigt sich inzwischen auch in einzelnen Unternehmensbilanzen.
GT Capital: Toyota bekommt die Kaufzurückhaltung zu spüren
GT Capital Holdings meldete für das erste Halbjahr einen konsolidierten Nettogewinn von 16,41 Milliarden Peso. Das waren 11 Prozent weniger als die 18,42 Milliarden Peso im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Der auffälligste Rückgang kam aus dem Automobilgeschäft. Toyota Motor Philippines erzielte im ersten Halbjahr einen Umsatz von 115,4 Milliarden Peso – 15 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Der Nettogewinn lag bei 8,4 Milliarden Peso.
GT Capital führt die schwächere Fahrzeugnachfrage unter anderem auf den starken Anstieg der weltweiten Ölpreise zurück. Hohe Kraftstoffkosten wirken bei einem Autokauf doppelt: Sie belasten bereits den laufenden Haushalt und erhöhen zugleich die erwarteten Betriebskosten eines zusätzlichen oder neuen Fahrzeugs.
Die Juni-Zahlen geben allerdings einen ersten Hinweis auf Stabilisierung. Toyotas Absatz lag 3,2 Prozent über dem Vormonat. Ob daraus bereits eine nachhaltige Erholung entsteht, lässt sich aus einem einzelnen Monat noch nicht ableiten.
Elektrifizierte Toyota-Modelle wachsen gegen den Trend
Bemerkenswert ist eine Verschiebung innerhalb des schwächeren Automarktes. Elektrifizierte Toyota-Modelle – überwiegend Hybride und andere Fahrzeuge mit elektrischem Antriebsanteil – machten im ersten Halbjahr 11,1 Prozent der Toyota-Verkäufe aus. Ihr Absatz lag 23,3 Prozent über dem Vorjahreswert.
Damit wächst gerade der Teil des Angebots, der einen niedrigeren Kraftstoffverbrauch verspricht, während das Gesamtgeschäft schwächelt. Das ist noch kein Beleg für einen breiten Durchbruch der Elektromobilität. Es zeigt aber, dass hohe Kraftstoffpreise die Kaufentscheidung innerhalb des Automarktes beeinflussen können.
Banken und Infrastruktur federn den Rückgang ab
GT Capitals Zahlen zeigen zugleich, warum der Gewinn des gesamten Konzerns nicht ebenso stark einbrach wie der Toyota-Umsatz. Metrobank erzielte im ersten Halbjahr einen Nettogewinn von 24,9 Milliarden Peso. Die Bruttokredite wuchsen um 12,4 Prozent. Metro Pacific Investments steigerte seinen Kerngewinn um 6 Prozent auf 16 Milliarden Peso.
Auch AXA Philippines meldete ein starkes Prämienwachstum. Die Bruttobeiträge stiegen um 31 Prozent auf 21,8 Milliarden Peso.
Die schwächere Konjunktur wirkt also auch innerhalb eines einzigen Großkonzerns sehr unterschiedlich.
Cosco: Puregold und S&R wachsen weiter
Ein anderes Bild zeigt Cosco Capital, die Holding hinter Puregold und S&R Membership Shopping. Der konsolidierte Nettogewinn stieg im ersten Halbjahr um 9,2 Prozent von 7,6 auf rund 8,3 Milliarden Peso. Die Konzernumsätze nahmen um 9,5 Prozent auf 130,9 Milliarden Peso zu.
Entscheidend ist dabei der Lebensmittelhandel. Puregold und S&R lieferten zusammen 70 Prozent des gesamten Konzerngewinns. Der Umsatz dieses Geschäftsbereichs stieg um 10,6 Prozent von 109,88 auf 121,48 Milliarden Peso. Der Nettogewinn des Lebensmittelhandels nahm um 10,8 Prozent auf 5,87 Milliarden Peso zu.
Damit entfallen gut neun von zehn Peso des Cosco-Umsatzes auf Puregold und S&R. Die Entwicklung dieses Segments prägt die Konzernzahlen deshalb wesentlich stärker als die kleineren Geschäftsbereiche.
Puregold und S&R wachsen aus unterschiedlichen Gründen
Auch innerhalb des Lebensmittelhandels lohnt sich die Unterscheidung. Bei bestehenden Puregold-Filialen lagen die vergleichbaren Umsätze 3,7 Prozent über dem Vorjahr. Cosco führt das vor allem auf größere durchschnittliche Einkaufswerte zurück.
Bei den S&R-Warenhäusern stiegen die vergleichbaren Umsätze wesentlich stärker um 12,8 Prozent. Hier nennt das Unternehmen vor allem mehr Kundenverkehr als Ursache.
Das bedeutet nicht automatisch, dass die Haushalte insgesamt real 12,8 Prozent mehr konsumieren. Nominale Umsätze werden auch von Preisen, Sortimentsverschiebungen, Mitgliederzahlen und dem konkreten Kundenmix beeinflusst. Bei S&R kommt hinzu, dass sich das Warehouse-Club-Konzept mit Mitgliedschaft und vielen größeren Packungseinheiten deutlich vom klassischen Supermarkt unterscheidet.
Grundbedarf reagiert anders als eine große Anschaffung
Der grundlegende Unterschied zwischen den beiden Unternehmensmeldungen ist trotzdem plausibel. Ein Auto lässt sich bei wirtschaftlicher Unsicherheit häufig einige Monate oder Jahre länger fahren. Lebensmittel, Haushaltswaren und andere Produkte des täglichen Bedarfs müssen dagegen weiter gekauft werden.
Das bedeutet nicht, dass Verbraucher bei Lebensmitteln nicht sparen. Haushalte können zu günstigeren Marken wechseln, kleinere Mengen kaufen, Sonderangebote nutzen oder den Einkauf zwischen verschiedenen Händlern verschieben. Für einen Lebensmittelhändler kann der Gesamtumsatz trotzdem wachsen.
Auch deshalb dürfen steigende Supermarktumsätze nicht mit steigender Kaufkraft gleichgesetzt werden. Umgekehrt ist ein schwächerer Toyota-Umsatz allein kein Beweis für einen Einbruch des gesamten privaten Konsums.
Was die Zahlen gemeinsam zeigen
Die Halbjahreszahlen von GT Capital und Cosco passen zu einer Wirtschaft, in der Verbraucher vorsichtiger geworden sind, aber notwendige Ausgaben weiterlaufen. Besonders größere Anschaffungen reagieren empfindlicher auf Unsicherheit, Finanzierungskosten und hohe laufende Kosten. Lebensmittelhandel ist dagegen strukturell weniger leicht aufzuschieben.
Gleichzeitig gibt es Gegenbewegungen: Toyotas elektrifizierte Modelle wachsen, Metrobank verzeichnet weiter steigende Kredite und S&R legt deutlich stärker zu als Puregold. Von einer allgemeinen Konsumkrise kann deshalb auf Grundlage dieser Zahlen nicht gesprochen werden.
Für die kommenden Monate wird interessant, ob sich Toyotas leichter Absatzanstieg im Juni fortsetzt und ob Puregold und S&R ihre vergleichbaren Umsatzzuwächse halten können. Zusammen mit den offiziellen Konsum- und Wachstumsdaten lässt sich daran ablesen, ob sich die derzeitige Zurückhaltung wieder löst – oder ob Haushalte größere Anschaffungen weiter nach hinten verschieben. – GM
Quellen:
- GT Capital Holdings: GT Capital First Half 2026 Consolidated Net Income at Php16.41 Billion
- Cosco Capital / Philippine Stock Exchange: Cosco Capital net income hits PHP 8.3 billion in 1H 2026, up 9.2%
- Philippine Statistics Authority: GDP Grows by 2.3 Percent in the Second Quarter of 2026







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