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Manila

Rund 200 Infrastrukturprojekte in Bulacan gestoppt – Hochwasserschutz besonders betroffen

MANILA – Rund 200 Infrastrukturprojekte im Zuständigkeitsbereich des Department of Public Works and Highways (DPWH) Bulacan First District Engineering Office sind derzeit ausgesetzt. – klajoo.com – Entgegen einer missverständlichen Zuspitzung handelt es sich dabei nicht um 200 Hochwasserschutzprojekte: Nach Angaben des Rechtsberaters des Bezirksamtes, Darius Francis Paduada, entfällt knapp die Hälfte der gestoppten Vorhaben auf den Hochwasserschutz. Die übrigen Projekte umfassen unter anderem Schulgebäude und Klassenzimmer.

Die Projekte liegen in den ersten, zweiten und fünften Kongresswahlbezirken von Bulacan, die vom Bulacan First District Engineering Office betreut werden. Paduada erklärte bei einer öffentlichen Anhörung, die Arbeiten an den Hochwasserschutzprojekten seien wegen der laufenden Untersuchungen zu mutmaßlichen Unregelmäßigkeiten bei staatlichen Hochwasserschutzmaßnahmen gestoppt worden. Auch andere Infrastrukturvorhaben werden dadurch beeinträchtigt; darunter befinden sich nach seinen Angaben bereits fertiggestellte Schulgebäude, deren weitere Abwicklung noch nicht abgeschlossen ist.

Aus Korruptionsaufarbeitung wird ein Infrastrukturproblem

Die Suspendierung zeigt eine schwierige Folge der umfangreichen Untersuchungen zu philippinischen Hochwasserschutzprojekten: Einerseits sollen verdächtige, überteuerte, minderwertige oder nur auf dem Papier existierende Projekte nicht einfach weiterfinanziert werden. Andererseits können pauschale Stopps auch Vorhaben treffen, die tatsächlich benötigt werden und möglicherweise unauffällig sind.

Bulacan steht dabei besonders im Mittelpunkt. Die Provinz gehört seit 2025 zu den wichtigsten Schauplätzen der Untersuchungen zu mutmaßlich irregulären Hochwasserschutzprojekten. Präsident Ferdinand Marcos Jr. hatte im August 2025 selbst problematische Projekte in Bulacan inspiziert und Untersuchungen angeordnet. In den folgenden Monaten wurden mehrere Verfahren gegen ehemalige und aktive Mitarbeiter des DPWH sowie gegen private Auftragnehmer eingeleitet.

Die Aufarbeitung ist auch 2026 nicht abgeschlossen. Ende Juli erklärte Marcos erneut, die Ermittlungen würden weitergeführt. Anfang August wurde zudem berichtet, dass zwölf Verfahren wegen des schweren Korruptionsdelikts „plunder“ im Zusammenhang mit Bulacan-Projekten bei einem Regional Trial Court in Quezon City anhängig sind. Dabei handelt es sich um laufende Verfahren; aus den Vorwürfen folgt keine Verurteilung der Beschuldigten.

Gerade Hochwasserschutz lässt sich nicht beliebig aufschieben

Für Bulacan ist der Stillstand besonders problematisch, weil große Teile der Provinz seit langem hochwassergefährdet sind. Mehrere Flusssysteme entwässern in Richtung Manila Bay, während niedrig gelegene Gebiete wie Calumpit und Hagonoy wiederholt von Überschwemmungen betroffen sind. Die Provinz betreibt deshalb neben baulichen Schutzmaßnahmen auch ein eigenes gemeindebasiertes Hochwasserwarn- und Überwachungssystem.

Dass nun ein erheblicher Teil der gestoppten Infrastrukturprojekte ausgerechnet den Hochwasserschutz betrifft, bedeutet allerdings nicht automatisch, dass aktuelle Überschwemmungen auf diese Baustopps zurückzuführen sind. Hochwasser entsteht aus dem Zusammenspiel von Niederschlag, Flusspegeln, Gezeiten, Abflusswegen, Entwässerung, Landnutzung und bestehenden Schutzanlagen. Für eine direkte Ursache-Wirkungs-Zuordnung müsste jeweils geprüft werden, welches gestoppte Projekt welchen konkreten Bereich schützen sollte und wie weit es bereits umgesetzt war.

Planungslücke wird zusätzlich sichtbar

Bereits wenige Tage vor Bekanntwerden der rund 200 gestoppten Projekte hatte Paduada auf ein weiteres Problem hingewiesen: Für eine umfassendere Hochwasserplanung in Bulacan werde eine Studie im Umfang von rund 200 Millionen Peso benötigt. Eine solche Untersuchung soll helfen zu entscheiden, welche Schutzmaßnahmen technisch sinnvoll sind und wo bestehende oder geplante Projekte angepasst werden müssen.

Das ist ein entscheidender Punkt. Die Korruptionsaffäre wirft nicht nur die Frage auf, ob einzelne Bauwerke korrekt ausgeschrieben und gebaut wurden. Sie stellt auch die bisherige Projektlogik infrage: Wenn Schutzmauern, Flussbefestigungen oder Entwässerungsanlagen ohne übergreifenden hydrologischen Plan errichtet werden, können lokal sinnvolle Bauwerke an anderer Stelle wenig bewirken oder Probleme sogar verlagern.

Nicht alle gestoppten Projekte sind verdächtig

Aus der Zahl von rund 200 ausgesetzten Projekten darf deshalb nicht geschlossen werden, dass alle Vorhaben Teil des Korruptionsskandals sind. Paduadas Angaben zeigen vielmehr, dass die laufenden Untersuchungen mittlerweile einen größeren Teil der öffentlichen Bautätigkeit im betroffenen DPWH-Bezirk ausbremsen.

Gerade die bereits fertiggestellten Schulgebäude verdeutlichen das Problem. Wenn auch Projekte außerhalb des Hochwasserschutzes wegen der Untersuchungen in ihrer Abwicklung hängenbleiben, geht die Wirkung der Aufarbeitung über die unmittelbar verdächtigen Verträge hinaus.

Für die Regierung entsteht damit ein schwieriger Zielkonflikt: Verdächtige Verträge dürfen nicht ungeprüft fortgesetzt oder bezahlt werden. Gleichzeitig braucht es ein Verfahren, mit dem unauffällige und dringend benötigte Projekte möglichst schnell überprüft, freigegeben oder – falls nötig – neu ausgeschrieben werden können. In einer hochwassergefährdeten Provinz wie Bulacan wird die Geschwindigkeit dieser Prüfung selbst zu einem Teil der Katastrophenvorsorge.

Quellen: Philippine Daily Inquirer, 10. August 2026 („Bulacan’s 200 flood control projects stalled“); Philippine Daily Inquirer, 4. August 2026 („Bulacan needs P200 million to plan better for floods“); Presidential Communications Office, 15. und 20. August 2025 sowie 28. Juli 2026; Provincial Disaster Risk Reduction and Management Office Bulacan; Philippine News Agency / laufende Berichterstattung zu den Verfahren. RM

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