MANILA – Warum können tropische Wirbelstürme, die gar nicht direkt über die Philippinen ziehen, trotzdem tagelang extremen Regen auslösen? – klajoo.com – Eine neue Studie philippinischer und internationaler Forscher beschreibt einen wiederkehrenden großräumigen Mechanismus, bei dem der Südwestmonsun – auf den Philippinen Habagat genannt – große Mengen Wasserdampf über weite Entfernungen in Richtung Archipel transportiert.
Das Forschungsteam analysierte 53 Fälle besonders starker Habagat-Niederschläge, die zwischen 1981 und 2023 mit tropischen Wirbelstürmen zusammenhingen. Beteiligt waren unter anderem das VORTEX Lab der Ateneo de Manila University, das Manila Observatory, die philippinische Wetterbehörde PAGASA und die Tokyo Metropolitan University. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Atmospheric Research veröffentlicht.
Die Forscher fanden ein wiederkehrendes Muster: Ein tropischer Wirbelsturm liegt häufig nordöstlich der Philippinen, während sich gleichzeitig der Südwestmonsun verstärkt. Dadurch kann sich ein langgestreckter Feuchtigkeitskorridor aufbauen, den die Forscher als ‘moisture conveyor belt’ beschreiben – sinngemäß ein Förderband für Wasserdampf. Dieser Transport kann Feuchtigkeit aus dem Bereich des Indischen Ozeans über Südostasien bis zu den Philippinen führen.
Für die Bevölkerung ist das deshalb wichtig, weil die Entfernung zum Zentrum eines Tropensturms allein wenig darüber aussagt, wie groß die Regengefahr auf den Philippinen ist. Ein Sturm kann weit östlich oder nordöstlich des Landes bleiben und dennoch die großräumige Luftströmung so verändern, dass sehr feuchte Südwestwinde über Stunden oder Tage hinweg auf Luzon und andere Landesteile treffen. Die eigentliche Gefahr entsteht dann nicht durch den direkten Zug des Wirbelsturms, sondern durch den verstärkten Monsun.
Nach den Forschern baut sich dieses Muster nicht erst unmittelbar vor dem Starkregen auf. Die großräumige Verstärkung des Habagat kann sich über mehrere Tage entwickeln, beginnend mit Veränderungen über dem nördlichen Indischen Ozean und Südostasien. Das eröffnet eine wichtige Perspektive für die Vorhersage: Wenn Wettermodelle diese großräumigen Strukturen früh erfassen, könnten besonders gefährliche Habagat-Lagen mehrere Tage im Voraus besser erkannt werden.
Das bedeutet nicht, dass sich damit für jeden Ort exakt vorhersagen lässt, wann eine Straße oder ein Barangay überflutet wird. Lokale Niederschlagsmengen hängen zusätzlich von Gelände, Küstenlage, Gebirgen, bereits gesättigten Böden, Flusspegeln und der genauen Zugbahn des Wirbelsturms ab. Die Studie liefert vielmehr ein synoptisches – also großräumiges meteorologisches – Muster, das bei der Einschätzung extremer Monsunlagen helfen kann.
Der Ansatz erklärt auch eine häufige Irritation in der öffentlichen Wahrnehmung. Wenn ein Tropensturm auf Karten weit von Metro Manila oder dem westlichen Luzon entfernt liegt, wirkt eine Warnung vor extremem Regen zunächst widersprüchlich. Meteorologisch kann der Wirbelsturm jedoch wie ein Verstärker wirken, der den Südwestmonsun kräftigt und die Feuchtigkeitszufuhr aufrechterhält. Der Regen kann dadurch weit entfernt vom Sturmzentrum zu den schwerwiegendsten Auswirkungen führen.
Die Untersuchung sollte allerdings nicht als allgemeiner Nachweis für den Einfluss des Klimawandels auf einzelne Habagat-Ereignisse gelesen werden. Sie untersucht vor allem die atmosphärischen Bedingungen und wiederkehrenden Zirkulationsmuster, die besonders starke, durch tropische Wirbelstürme verstärkte Monsunregen begünstigen. Eine Aussage darüber, wie sich Häufigkeit oder Intensität dieser Muster künftig durch den Klimawandel verändern, wäre eine eigene Fragestellung.
Für den Katastrophenschutz liegt der praktische Nutzen vor allem in der Vorlaufzeit. Wenn sich ein Feuchtigkeitstransport über den Indischen Ozean und Südostasien zusammen mit einem passend positionierten Tropensturm entwickelt, könnten solche Signale stärker in Frühwarnungen einfließen. Damit würde sich der Blick von der üblichen Frage ‘Wie nahe kommt der Sturm?’ stärker auf die entscheidendere Frage verschieben: ‘Wie verändert der Sturm die gesamte Monsunzirkulation rund um die Philippinen?’
Quellen: Ateneo de Manila University, 6. August 2026; Alwin Andriel L. Bathan et al., ‘Synoptic conditions favoring tropical cyclone-enhanced southwest monsoon high precipitation events in the Philippines’, Atmospheric Research, 2026. RM







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