MINDANAO – Die Philippinen bauen ihre seit Jahrzehnten bestehende Rattan-Genbank in Bukidnon aus. – klajoo.com – Das Department of Environment and Natural Resources (DENR) will damit zwei Ziele verbinden: einheimische Rattanarten erhalten und zugleich mehr geeignetes Pflanzmaterial für kommerzielle Plantagen bereitstellen. Dadurch soll die Möbel- und Handwerksindustrie langfristig weniger auf Rattan aus natürlichen Wäldern angewiesen sein.
Die Rattan Gene Bank liegt im Malaybalay Experimental Forest und wurde bereits 1992 eingerichtet. Auf fünf Hektar werden dort 30 einheimische Rattanarten als lebende Sammlung erhalten. Nach Angaben des DENR kommen auf den Philippinen insgesamt schätzungsweise 64 bis 80 Rattanarten und -varietäten vor.
Zehn Hektar zusätzliche Plantage und eine permanente Baumschule
Der Ausbau umfasst eine permanente Baumschule sowie eine neue, zehn Hektar große Rattanplantage innerhalb des Versuchswaldes. Die Ecosystems Research and Development Bureau des DENR will dort hochwertiges Pflanzmaterial erzeugen, das für weitere Plantagen verwendet werden kann.
Ein weiterer Teil des Projekts sind Schulungen für lokale Organisationen, Kommunen, DENR-Dienststellen, indigene Gemeinschaften und private Interessenten. Vermittelt werden sollen unter anderem Samensammlung, Betrieb von Baumschulen und Anlage von Rattanplantagen.
Zu den ersten vorgesehenen Begünstigten gehört die Woodstock Forest Stewards Association in Bukidnon. Ihre Mitglieder sollen lernen, Wildlinge und Setzlinge zu vermehren und diese an Plantagenbetreiber, staatliche Begrünungsprogramme und private Käufer abzugeben. Damit verbindet das Projekt Artenschutz mit einer zusätzlichen lokalen Einkommensquelle.
Mehr Nachfrage erhöht den Druck auf natürliche Bestände
Das DENR begründet den Ausbau auch mit der wirtschaftlichen Entwicklung. Der Value of Production Index für Erzeugnisse aus Holz, Bambus, Rohr und Rattan lag im April nach Ministeriumsangaben 18,1 Prozent über dem Vergleichswert. Das Ministerium sieht darin ein Zeichen für höhere Produktion vor allem bei Möbeln und Handwerkswaren und damit für wachsenden Rohstoffbedarf.
Wird Rattan überwiegend aus natürlichen Wäldern entnommen, kann steigende Nachfrage den Druck auf Wildbestände erhöhen. Plantagen können diesen Druck verringern, wenn ausreichend geeignetes Pflanzmaterial vorhanden ist und die kommerzielle Produktion tatsächlich angenommen wird. Genau hier soll die Genbank eine zweite Funktion übernehmen: Sie bewahrt nicht nur genetische Vielfalt, sondern dient als Ausgangspunkt für Vermehrung und Auswahl geeigneter Bestände.
Warum eine Rattan-Genbank anders aussieht als ein Samenlager
Der Begriff Genbank bezeichnet nicht zwingend ein gekühltes Lager mit Saatgut. Pflanzengenetische Ressourcen können je nach Art auf unterschiedliche Weise erhalten werden. Bei vielen Kulturpflanzen lassen sich Samen langfristig lagern. Andere Pflanzen werden als lebende Bestände im Feld, in Baumschulen, Gewächshäusern oder über Gewebekulturen erhalten.
Die Anlage in Malaybalay ist deshalb eine lebende Feld-Genbank. Die verschiedenen Rattanarten wachsen dort als Pflanzen. Das ermöglicht zugleich Beobachtung, Vermehrung und die Bereitstellung von Material für Forschung und Plantagen.
Ähnliche Genbanken gibt es auf den Philippinen für zahlreiche andere Pflanzen
Die Rattan-Sammlung ist kein Einzelfall. Eine zentrale Rolle für landwirtschaftliche Nutzpflanzen spielt das National Plant Genetic Resources Laboratory der University of the Philippines Los Baños. Das 1976 gegründete nationale Depot bewahrt nach eigenen Angaben mehr als 30.000 Zugänge von rund 300 Arten. Dazu gehören wichtige Kulturpflanzen sowie deren wilde und verwilderte Verwandte. Je nach Pflanzenart werden die Bestände als Samen, lebende Pflanzen im Feld, im Gewächshaus, in Baumschulen oder in vitro, also unter kontrollierten Laborbedingungen in Nährmedien, erhalten.
Für Reis betreibt das Philippine Rice Research Institute, kurz PhilRice, eine eigene nationale Genbank. Sie sammelt und erhält traditionelle Sorten, moderne und züchterisch besonders wertvolle Linien sowie wilde Reisverwandte. Solche Bestände sind nicht nur ein Archiv alter Sorten: Pflanzenzüchter können auf genetische Eigenschaften zurückgreifen, die etwa für Krankheitsresistenz, Anpassung an Umweltbedingungen oder künftige Züchtungsprogramme benötigt werden.
Auch für Kokospalmen existiert eine spezielle Genbank. Die nationale Kokos-Sammlung befindet sich beim Zamboanga Research Center der Philippine Coconut Authority. 2025 starteten staatlich finanzierte Projekte, um diese bislang einzige nationale Kokos-Genbank an einem zweiten Standort im UPLB Land Grant in Paete in Laguna zu duplizieren. Damit soll das Risiko verringert werden, dass Krankheiten, Wetterextreme oder andere Schäden an einem einzelnen Standort wertvolle genetische Bestände vernichten.
Ein weiteres Modell gibt es bei bedrohten einheimischen Baumarten. Das Threatened Species Arboretum des UP Institute of Biology und der Energy Development Corporation in Quezon City umfasst auf etwa einem Hektar rund 70 Arten. Es dient als lebendes Labor und zugleich als Gen- und Setzlingsbank für bedrohte philippinische Bäume. Vergleichbare Arboreten werden im Rahmen des BINHI-Programms auch an anderen Standorten aufgebaut.
Genetische Vielfalt als wirtschaftliche Reserve
Diese Beispiele zeigen, dass Genbanken auf den Philippinen mehrere Aufgaben erfüllen. Bei Reis und anderen Nutzpflanzen stehen Ernährungssicherheit, Forschung und Züchtung im Mittelpunkt. Bei Kokos geht es zusätzlich um die Absicherung einer wirtschaftlich besonders wichtigen Dauerkultur. Bei bedrohten Bäumen dominiert der Artenschutz. Die Rattan-Genbank verbindet dagegen Artenschutz besonders unmittelbar mit einer Rohstoffkette für Möbel, Handwerk und ländliche Einkommen.
Der Ausbau in Bukidnon löst die Rohstoffprobleme der Rattanindustrie allerdings nicht allein. Entscheidend wird sein, ob genügend Plantagen angelegt werden, ob lokale Produzenten dauerhaft Setzlinge erzeugen können und ob der kommerzielle Anbau wirtschaftlich mit der Entnahme aus Wildbeständen konkurriert. Die Genbank schafft dafür jedoch eine wichtige Grundlage: Sie hält unterschiedliche einheimische Arten verfügbar, statt die künftige Produktion auf wenige leicht vermehrbare Bestände zu verengen.
Quellen: Department of Environment and Natural Resources / Philippine News Agency, 7. August 2026; National Plant Genetic Resources Laboratory, University of the Philippines Los Baños; PhilRice Genebank; DOST-PCAARRD, 19. Februar 2025; UP Institute of Biology. RM







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