MANILA – Philippinische Behörden warnen vor immer raffinierteren Methoden des Menschenhandels. – klajoo.com – Die Täter sprechen mögliche Opfer nicht nur über klassische illegale Arbeitsvermittler an.
Sie nutzen soziale Medien, Messenger-Dienste, Online-Stellenanzeigen, Datingplattformen und persönliche Empfehlungen von Bekannten oder früheren Kollegen.
Das Angebot wirkt häufig zunächst seriös.
Versprochen werden ein deutlich höheres Gehalt, einfache Büroarbeit, eine schnelle Ausreise oder ein Arbeitsplatz, für den angeblich keine besondere Erfahrung erforderlich ist.
Manche Opfer erhalten Flugtickets, Hotelbuchungen und weitere Unterlagen, die den Eindruck einer legal organisierten Reise vermitteln.
Die Ausreise erfolgt jedoch häufig mit einem Touristenvisum oder über ein Drittland.
Am Zielort werden Pässe und Mobiltelefone eingezogen. Die Betroffenen werden in bewachten Unterkünften festgehalten, mit Schulden belastet oder durch Gewalt und Drohungen zur Arbeit gezwungen.
Besonders gefährlich sind sogenannte Drittland-Rekrutierungen.
Dabei befinden sich philippinische Arbeitskräfte bereits legal in einem Land wie den Vereinigten Arabischen Emiraten, Singapur oder Vietnam.
Ein Vermittler verspricht ihnen anschließend eine besser bezahlte Stelle in einem weiteren Land.
Als Ziele nennt das Department of Migrant Workers unter anderem Kambodscha, Myanmar und Russland.
Da die Betroffenen nicht direkt von den Philippinen ausreisen, werden die üblichen Kontrollen der philippinischen Arbeitsmigration umgangen.
Die neue Stelle kann sich als Arbeit in einem Betrugszentrum, als Zwangsarbeit oder als vollständig anderes Beschäftigungsverhältnis herausstellen.
In Betrugszentren werden Opfer gezwungen, Menschen in anderen Ländern mit falschen Investitionen, Liebesbeziehungen oder Kryptowährungsangeboten um ihr Geld zu bringen.
Wer die verlangten Ergebnisse nicht erreicht, kann geschlagen, eingesperrt, weiterverkauft oder mit hohen angeblichen Schulden belastet werden.
Die Betroffenen sind damit zugleich Opfer und unter Zwang eingesetzte Beteiligte an Straftaten.
Menschenhandel beschränkt sich nicht auf Arbeitsausbeutung.
Die Commission on Filipinos Overseas warnt auch vor sogenannten Mail-order-spouse-Systemen, die als normale Partnersuche oder Onlinebeziehung getarnt werden.
Eine Person baut über längere Zeit Vertrauen auf und verspricht Heirat, Auswanderung oder finanzielle Sicherheit.
Nach der Ausreise können Betroffene in vollständige wirtschaftliche Abhängigkeit, häusliche Gewalt, sexuelle Ausbeutung oder Zwangsarbeit geraten.
Andere Formen betreffen Kinder, die für sexuelle Darstellungen im Internet ausgebeutet werden, Menschen, die zur Bettelei oder zu kriminellen Handlungen gezwungen werden, sowie Fälle von Organhandel.
Menschenhandel beginnt nicht immer mit einer Entführung.
Nach philippinischem Recht kann bereits die Anwerbung, Beförderung, Unterbringung oder Aufnahme einer Person Menschenhandel darstellen, wenn Täuschung, Zwang, Machtmissbrauch oder die Ausnutzung einer Notlage zum Zweck der Ausbeutung eingesetzt werden.
Die Zustimmung des Opfers macht die spätere Ausbeutung nicht legal.
Viele Betroffene reisen zunächst freiwillig aus, weil sie glauben, eine echte Arbeitsstelle oder Beziehung gefunden zu haben.
Ihre Entscheidung beruht jedoch auf falschen Angaben oder verschwiegenen Bedingungen.
Das erklärt, weshalb selbst gut ausgebildete und reiseerfahrene Menschen Opfer werden können.
Die Täter nutzen keine Dummheit aus, sondern wirtschaftlichen Druck, Vertrauen und Hoffnung.
Eine Familie mit Schulden, hohen Krankheitskosten oder fehlenden Arbeitsmöglichkeiten ist eher bereit, ein ungewöhnlich gutes Angebot anzunehmen.
Auch Empfehlungen durch Freunde oder Verwandte wirken überzeugend.
Manchmal wurden diese Personen selbst getäuscht. In anderen Fällen erhalten sie Geld für jeden neu angeworbenen Menschen.
Die wirtschaftlichen und psychischen Folgen können verheerend sein.
Opfer verlieren häufig ihre Ersparnisse und verschulden sich für Vermittlungsgebühren, Flugtickets oder angebliche Dokumentenkosten.
Im Ausland erhalten sie keinen oder nur einen kleinen Teil des versprochenen Lohns.
Familien auf den Philippinen warten währenddessen auf Überweisungen und nehmen möglicherweise zusätzliche Kredite auf.
Nach einer Rettung endet die Krise nicht automatisch.
Viele Rückkehrer leiden unter Angstzuständen, Depressionen, Schuldgefühlen und den Folgen körperlicher oder sexueller Gewalt.
Menschen, die in Betrugszentren zu Straftaten gezwungen wurden, schämen sich teilweise für Handlungen, die sie unter Drohungen ausführen mussten.
Sie fürchten, von ihrer Familie, ihrem Umfeld oder Behörden nicht als Opfer anerkannt zu werden.
Manche Betroffene sehen nach dem Verlust von Geld, Arbeit, sozialem Ansehen und Zukunftsperspektiven keinen Ausweg mehr.
Menschenhandel kann Menschen deshalb tatsächlich bis in den Tod treiben.
Todesfälle können durch Gewalt der Täter, gefährliche Fluchtversuche, fehlende medizinische Versorgung oder Suizid entstehen.
Bei Berichten über Suizidgedanken oder Suizide ist eine sorgfältige Sprache notwendig.
Nicht ein einzelner finanzieller Verlust oder ein persönliches Scheitern ist die Ursache. Häufig wirken Gewalt, Gefangenschaft, Schulden, Scham, Isolation und psychische Traumatisierung zusammen.
Die Philippinen werden seit Jahren in der höchsten Kategorie des amerikanischen Berichts über Menschenhandel geführt.
Das bedeutet, dass die Regierung nach Einschätzung der Vereinigten Staaten die grundlegenden Mindeststandards zur Bekämpfung schweren Menschenhandels erfüllt.
Es bedeutet nicht, dass das Problem unter Kontrolle oder nahezu gelöst ist.
Täter verändern ihre Methoden schnell und verlagern die Anwerbung auf neue Plattformen und in andere Länder.
Die formelle Arbeitsmigration aus den Philippinen ist vergleichsweise stark reguliert.
Stellenangebote müssen grundsätzlich über zugelassene Vermittler und bestätigte Arbeitsaufträge laufen.
Genau deshalb versuchen kriminelle Netzwerke, diese Kontrollen zu umgehen.
Warnzeichen sind Stellenangebote ohne überprüfbaren Arbeitgeber, ausschließlich online geführte Bewerbungsgespräche, die Aufforderung zur Reise mit einem Touristenvisum und Zahlungen an private Konten.
Auch ein Arbeitsangebot ohne persönlichen Kontakt zur Vermittlungsagentur, ohne Vertrag vor der Abreise oder ohne bestätigten Job Order sollte misstrauisch machen.
Weitere Warnzeichen sind kurzfristige Änderungen des Ziellandes, Treffen außerhalb offizieller Geschäftsräume und die Anweisung, gegenüber der Immigration falsche Angaben zum Reisezweck zu machen.
Ein Visum oder Flugticket allein beweist nicht, dass eine Beschäftigung legal ist.
Auch eine im Ausland registrierte Firma kann Teil eines ausbeuterischen Systems sein.
Arbeitsangebote sollten deshalb über das Department of Migrant Workers und dessen Liste zugelassener Vermittlungsagenturen überprüft werden.
Bereits im Ausland beschäftigte Filipinos sollten nicht davon ausgehen, dass ein Wechsel in ein weiteres Land automatisch sicherer ist, nur weil der Vermittler ebenfalls Filipino ist oder von einem Kollegen empfohlen wurde.
Die Commission on Filipinos Overseas und der Inter-Agency Council Against Trafficking betreiben die rund um die Uhr erreichbare Hotline 1343.
Über eine App sind auch kostenlose Anrufe aus dem Ausland möglich.
Verdachtsfälle können außerdem beim Department of Migrant Workers, dem Bureau of Immigration und philippinischen Auslandsvertretungen gemeldet werden.
Für Betroffene ist entscheidend, dass die Hilfe nicht mit der Rückreise endet.
Sie benötigen sichere Unterbringung, medizinische und psychologische Behandlung, rechtliche Beratung und Unterstützung beim Abbau von Schulden.
Auch Familien müssen einbezogen werden, weil sie oft selbst finanziell geschädigt und emotional belastet sind.
Kinder, die sexuell ausgebeutet wurden, benötigen besonders langfristige Betreuung.
Das DSWD berichtet, dass zwischen Rettung und stabiler Rückkehr in den Alltag Monate vergehen können.
Dazu gehören Untersuchungen, Therapie, Gerichtsverfahren, sichere Unterbringung und die Prüfung, ob das familiäre Umfeld eine Rückkehr zulässt.
Aufklärung allein wird Menschenhandel nicht beenden.
Solange legale Arbeitswege teuer, langsam oder schwer zugänglich sind und gut bezahlte Stellen fehlen, bleiben Menschen für riskante Angebote empfänglich.
Nötig sind deshalb schnelle Überprüfungsmöglichkeiten, konsequente Strafverfolgung, Zusammenarbeit mit Zielländern und eine bessere Unterstützung der Opfer. – Quelle: Commission on Filipinos Overseas, Department of Migrant Workers, Bureau of Immigration, Department of Social Welfare and Development und Inter-Agency Council Against Trafficking / RM







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