Startseite » Ausländer in Südostasien: Strengere Regeln statt geschlossener Türen
Allgemein

Ausländer in Südostasien: Strengere Regeln statt geschlossener Türen

MANILA – Zwei niederländische Organisatoren eines Laufclubs auf Bali sind auf die indonesische Einreisesperrliste gesetzt worden. – klajoo.com – Der Fall sorgte für besondere Empörung, weil die Veranstalter indonesische Interessenten wegen der Staatsangehörigkeit von einer Laufveranstaltung ausgeschlossen haben sollen.

Die beiden Männer organisierten in Canggu den auf internationale Teilnehmer und digitale Nomaden ausgerichteten „Entourage Run“. Einer der Organisatoren besaß eine befristete Aufenthaltserlaubnis, der andere eine Aufenthaltserlaubnis als Investor.

Nach Angaben der indonesischen Einwanderungsbehörde waren beide Aufenthaltstitel nicht dafür vorgesehen, eigenständig nicht genehmigte kommerzielle Veranstaltungen zu organisieren. Die beiden Niederländer hatten Indonesien bereits verlassen, als sie auf die Liste der Personen gesetzt wurden, denen eine erneute Einreise verweigert werden kann.

Der indonesische Einwanderungschef Hendarsam Marantoko wählte ungewöhnlich deutliche Worte. Es dürfe keinen „Staat im Staate“ geben. Der Laufclub habe den Eindruck einer abgeschotteten Gemeinschaft vermittelt, die im Gastland eigene Regeln aufstelle.

Der Fall berührt damit zwei unterschiedliche Fragen. Zum einen geht es um den rechtlichen Status von Ausländern, die auf Bali Veranstaltungen organisieren oder wirtschaftlich tätig werden. Zum anderen geht es um die gesellschaftliche Wirkung, wenn Ausländer öffentliche Räume nutzen und gleichzeitig Einheimische ausschließen.

Gerade die zweite Frage dürfte zur schnellen Eskalation beigetragen haben. Laufgruppen nutzen Straßen und Wege auf Bali, die von der örtlichen Bevölkerung finanziert und unterhalten werden. Indonesier aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit von einer solchen Veranstaltung auszuschließen, wird deshalb nicht nur als unhöflich, sondern als Diskriminierung im eigenen Land wahrgenommen.

Der Vorgang steht für eine breitere Entwicklung in mehreren südostasiatischen Staaten. Ausländer bleiben als Touristen, Investoren, Rentner und qualifizierte Beschäftigte willkommen. Behörden gehen jedoch konsequenter gegen Menschen vor, die mit einem Touristenstatus arbeiten, Unternehmen führen, Veranstaltungen organisieren oder ihren Aufenthalt auf andere Weise zweckwidrig nutzen.

Besonders sichtbar ist dies in touristischen Zentren wie Bali, Phuket, Pattaya oder Siargao. Dort haben sich teilweise große internationale Gemeinschaften gebildet. Viele Ausländer leben und arbeiten rechtmäßig. Andere bewegen sich in einer Grauzone zwischen Urlaub, Onlinearbeit, Veranstaltungsorganisation, Vermietung und lokalem Geschäftsbetrieb.

Digitale Nomaden gehen häufig davon aus, dass ihre Tätigkeit rechtlich unproblematisch sei, solange Kunden und Einkommen aus dem Ausland stammen. Diese Abgrenzung wird schwieriger, sobald sie vor Ort Kurse anbieten, Eintritt verlangen, Veranstaltungen organisieren, Unterkünfte betreiben, Mitarbeiter beschäftigen oder aktiv um Kunden werben.

Ein Aufenthaltstitel für Tourismus erlaubt normalerweise keine lokale Erwerbstätigkeit. Auch eine Investoren-Aufenthaltserlaubnis bedeutet nicht automatisch, dass jede persönliche Arbeit oder jedes zusätzliche Geschäftsmodell zulässig ist.

Thailand hat seine Kontrollen 2026 deutlich verschärft. Die Einwanderungsbehörde geht nach eigenen Angaben verstärkt gegen verdächtige Visa-Runs, illegale Beschäftigung und den Missbrauch von Studenten- oder Freiwilligenvisa vor.

Im Rahmen einer neuen Kontrollstrategie wurden zehntausende Ausländer an der Einreise gehindert oder wegen illegalen Aufenthalts und unerlaubter Arbeit festgenommen. Hunderte Studentenvisa wurden widerrufen, nachdem die Inhaber nicht am Unterricht teilgenommen und stattdessen gearbeitet oder Geschäfte betrieben haben sollen.

Auch die Philippinen gehen zunehmend gegen Ausländer vor, die mit Touristenvisa Unternehmen betreiben oder arbeiten. Anfang Juli wurden auf Siargao eine neuseeländische und ein schweizerischer Staatsangehöriger festgenommen. Nach Angaben des Bureau of Immigration sollen sie mit Touristenvisa eine Unterkunft mit Café geführt und Yogaangebote für Gäste organisiert haben.

In General Santos wurden außerdem Ausländer festgenommen, die nach Angaben der Einwanderungsbehörde ohne gültige Arbeitsvisa an Geschäftstätigkeiten beteiligt waren oder ihren erlaubten Aufenthalt überschritten hatten.

Das philippinische Bureau of Immigration betont regelmäßig, dass ein Touristenvisum für Urlaub und vorübergehende Besuche bestimmt ist. Wer auf den Philippinen arbeiten will, benötigt grundsätzlich eine dafür geeignete Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis.

Diese Entwicklung bedeutet nicht, dass Südostasien seine Grenzen für Ausländer schließt. Im Gegenteil: Viele Staaten bauen weiterhin Visaangebote für Investoren, Rentner, Fachkräfte und teilweise auch für digitale Nomaden aus.

Gleichzeitig wollen sie genauer unterscheiden, welche Ausländer dem Land durch Tourismus, Investitionen, Fachwissen oder langfristigen Konsum Vorteile bringen und welche Personen bestehende Regeln umgehen, lokale Arbeitsplätze besetzen oder Unternehmen ohne die erforderlichen Genehmigungen betreiben.

Hinzu kommt ein gesellschaftlicher Stimmungswandel. In beliebten Tourismusregionen steigen Grundstückspreise und Mieten. Einheimische erleben, dass Ausländer Häuser, Cafés, Veranstaltungsräume oder ganze Wohnanlagen übernehmen und teilweise fast ausschließlich andere Ausländer bedienen.

Nicht jede internationale Gemeinschaft ist deshalb eine abgeschottete Parallelgesellschaft. Problematisch wird es, wenn lokale Bewohner verdrängt, diskriminiert oder nur noch als Dienstleister wahrgenommen werden.

Auch respektloses Verhalten an religiösen Orten, Verkehrsverstöße, illegale Vermietungen und öffentlich inszenierte Regelverstöße verstärken den Eindruck, wohlhabende Besucher glaubten, im Gastland Sonderrechte zu besitzen.

Behörden geraten dadurch politisch unter Druck. Sanktionen gegen einzelne Ausländer dienen dann nicht nur der Durchsetzung des Aufenthaltsrechts, sondern auch als öffentliches Signal an die eigene Bevölkerung.

Für normale Urlauber ändert sich dadurch wenig. Wer mit gültigen Dokumenten einreist, die Aufenthaltsdauer beachtet und keine unerlaubte Arbeit aufnimmt, muss nicht mit grundlegend schlechteren Bedingungen rechnen.

Größer werden die Risiken für Langzeitreisende, die dauerhaft mit Touristenvisa leben, häufige Grenzübertritte zur Verlängerung nutzen oder vor Ort Tätigkeiten ausüben, die wie ein Geschäftsbetrieb wirken.

Auch Investoren sollten sich nicht allein auf den Namen ihres Aufenthaltstitels verlassen. Entscheidend ist, welche Tätigkeit die Genehmigung tatsächlich erlaubt, welche Unternehmensstruktur vorgeschrieben ist und ob zusätzliche Arbeits- oder Veranstaltungserlaubnisse benötigt werden.

Der Fall des Laufclubs auf Bali zeigt außerdem, dass rechtmäßiger Aufenthalt allein nicht genügt. Ausländer können auch durch ihr Verhalten gesellschaftliche und politische Reaktionen auslösen.

Südostasien wird damit nicht pauschal ausländerfeindlicher. Die Region wird anspruchsvoller gegenüber Ausländern, die länger bleiben, arbeiten oder wirtschaftlich aktiv werden.

Die neue Grundhaltung lässt sich so zusammenfassen: Touristen und rechtmäßige Investoren bleiben willkommen. Weniger akzeptiert werden illegale Arbeit, Scheinaufenthalte, abgeschottete Ausländergemeinschaften und der Eindruck, im Gastland eigene Regeln aufstellen zu können. – Quelle: Indonesische Einwanderungsbehörde und Indonesian National Police; thailändische Einwanderungsbehörde; Bureau of Immigration der Philippinen / RM

Add Comment

Click here to post a comment