LUZON – Die Philippinen und die Vereinigten Staaten wollen ihre wirtschaftliche Zusammenarbeit bei künstlicher Intelligenz, Halbleitern, moderner Industrie und kritischen Rohstoffen deutlich ausbauen. – klajoo.com – Im Mittelpunkt steht ein geplanter Industrie- und Technologiekomplex in New Clark City in der Provinz Tarlac. Für das Projekt ist eine Fläche von rund 4.000 Acres beziehungsweise etwa 1.620 Hektar vorgesehen.
Die Planungen gehören zur amerikanisch geführten Initiative Pax Silica. Die Philippinen traten der Initiative im April 2026 bei.
Beide Staaten wollen nun einen langfristigen Rahmen für die Zusammenarbeit festlegen. Nach Angaben der philippinischen Regierung könnte eine entsprechende Vereinbarung bis November geschlossen werden.
Pax Silica soll Lieferketten für wichtige Zukunftstechnologien zwischen den beteiligten Staaten enger miteinander verbinden. Dazu gehören kritische Mineralien, Halbleiter, Elektronik, moderne Fertigung, Rechenzentren und Infrastruktur für künstliche Intelligenz.
Für die Philippinen geht es dabei um mehr als die Bereitstellung von Flächen für ausländische Unternehmen.
Die Regierung will erreichen, dass Rohstoffe und elektronische Bauteile künftig stärker im eigenen Land verarbeitet werden. Gleichzeitig sollen neue Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Ausbildungsangebote entstehen.
New Clark City soll dafür zu einem zentralen Standort entwickelt werden.
Die Bases Conversion and Development Authority plant dort ein Koordinierungszentrum, das Unternehmen, staatliche Stellen, Forschungseinrichtungen und mögliche Investoren zusammenbringen soll.
Der Standort liegt innerhalb des Luzon Economic Corridor. Dieser größere Entwicklungsraum soll Manila, Clark, Subic und Batangas über modernisierte Verkehrs-, Energie- und Logistikverbindungen enger miteinander verbinden.
Die Lage bietet mehrere Vorteile.
Clark verfügt bereits über einen internationalen Flughafen, Industriegebiete und Straßenverbindungen in Richtung Metro Manila und Subic Bay. Der Hafen von Subic kann zusätzlich für Importe und Exporte genutzt werden.
New Clark City besitzt außerdem größere zusammenhängende staatliche Flächen als viele bereits dicht bebaute Wirtschaftszonen.
Die amerikanische Seite beschreibt das geplante Projekt als einen neuen Typ von Industriezentrum, das von Beginn an auf künstliche Intelligenz, Automatisierung und moderne Produktionsverfahren ausgerichtet werden soll.
Bislang ist allerdings noch nicht festgelegt, welche Unternehmen tatsächlich Fabriken, Rechenzentren oder Forschungseinrichtungen errichten werden.
Vertreter mehrerer amerikanischer und internationaler Technologieunternehmen haben den geplanten Standort bereits besucht. Daraus ergeben sich jedoch noch keine verbindlichen Investitionen.
Auch die genaue Aufteilung der vorgesehenen Fläche ist noch offen.
Der Standort könnte Unternehmen aus unterschiedlichen Bereichen aufnehmen. Denkbar sind Halbleiter und elektronische Bauteile, Robotik, Luftfahrttechnik, Batteriesysteme, Datenverarbeitung und die Weiterverarbeitung kritischer Rohstoffe.
Die Philippinen besitzen größere Vorkommen an Nickel, Kupfer, Chromit und Kobalt.
Diese Rohstoffe werden für Batterien, Elektronik, Stromnetze, Fahrzeuge und zahlreiche industrielle Anwendungen benötigt.
Ein erheblicher Teil der philippinischen Rohstoffe wird bislang als Erz oder nur gering verarbeitetes Zwischenprodukt ausgeführt.
Dadurch entsteht ein großer Teil der späteren Wertschöpfung in anderen Staaten.
Pax Silica soll nach Vorstellung der Regierung dazu beitragen, mehr Verarbeitungsstufen auf die Philippinen zu holen.
Statt lediglich Nickel oder Kupfer zu exportieren, könnten im Land beispielsweise höherwertige Materialien, Komponenten oder elektronische Produkte entstehen.
Das würde allerdings moderne Anlagen, zuverlässige Energieversorgung, spezialisiertes Fachpersonal und erhebliches Kapital voraussetzen.
Die Philippinen verfügen bereits über eine bedeutende Elektronik- und Halbleiterindustrie.
Viele Unternehmen konzentrieren sich auf die Montage, Prüfung und Verpackung von Halbleitern und elektronischen Bauteilen.
Diese Produktionsschritte schaffen zahlreiche Arbeitsplätze und tragen wesentlich zu den Exporten des Landes bei.
Die besonders wertschöpfungsintensiven Bereiche wie Chipentwicklung, Waferproduktion, Forschung und Herstellung spezieller Materialien sind dagegen bislang deutlich schwächer ausgeprägt.
Das neue Industriezentrum könnte helfen, diese Lücke teilweise zu schließen.
Ob dies gelingt, hängt davon ab, welche Unternehmen investieren und welche Tätigkeiten sie tatsächlich auf die Philippinen verlagern.
Eine reine Ausweitung einfacher Montagearbeiten würde zwar Beschäftigung schaffen, die technologischen Fähigkeiten des Landes aber nur begrenzt verbessern.
Entscheidend wären deshalb Ausbildungsprogramme, Forschung, die Beteiligung philippinischer Hochschulen und die Entwicklung einheimischer Zulieferer.
Auch der Aufbau technischer Berufe spielt eine wichtige Rolle.
Benötigt würden unter anderem Ingenieure, Programmierer, Chemiker, Elektriker, Maschinenführer sowie Fachkräfte für Wartung, Automatisierung und Qualitätssicherung.
Universitäten und technische Bildungseinrichtungen müssten ihre Ausbildung frühzeitig an den tatsächlichen Bedarf der neuen Unternehmen anpassen.
Die Philippinen haben bereits mit anderen Staaten Wirtschaftskooperationen geschlossen, die Investitionen, Arbeitsplätze und den Aufbau neuer Fähigkeiten fördern sollen.
Ein wichtiges Beispiel ist die Zusammenarbeit mit Japan.
Das Wirtschaftspartnerschaftsabkommen zwischen den Philippinen und Japan erleichtert seit Jahren Handel, Investitionen und bestimmte Formen der Arbeitsmobilität.
Japanische Unternehmen haben umfangreich in Fahrzeugteile, Elektronik, Infrastruktur und andere Industriezweige auf den Philippinen investiert.
Zusätzlich unterstützt Japan über Kredite, technische Beratung und Ausbildungsprogramme den Ausbau von Bahnstrecken, Flughäfen, Katastrophenschutz und weiteren öffentlichen Strukturen.
Die Erfahrungen zeigen, dass internationale Partnerschaften besonders dann eine längerfristige Wirkung entfalten, wenn Investitionen mit Ausbildung, Infrastruktur und einer Einbindung lokaler Unternehmen verbunden werden.
Auch die Zusammenarbeit mit Südkorea verfolgt diesen Ansatz.
Beide Staaten vereinbarten eine strategische Partnerschaft, in der Investitionen ausdrücklich mit Technologietransfer, Arbeitsplatzschaffung und wirtschaftlichem Wachstum verbunden werden.
Aktuelle koreanische Projekte betreffen unter anderem Halbleiterbauteile, Schiffbau, Energie und Luftfahrt.
Samsung Electro-Mechanics baut beispielsweise seine Produktion hochwertiger elektronischer Bauteile in Laguna aus. Das Unternehmen will dort mehrere Tausend zusätzliche qualifizierte Arbeitsplätze schaffen.
SFA Semicon plant ebenfalls eine Erweiterung seiner philippinischen Halbleiterproduktion.
Im Schiffbau soll der Standort Subic stärker genutzt werden. Ein dort von HD Hyundai Heavy Industries gebautes großes Schiff soll 2026 vom Stapel laufen.
Diese Beispiele zeigen, dass aus zwischenstaatlichen Wirtschaftsvereinbarungen konkrete industrielle Projekte entstehen können.
Sie zeigen aber auch, dass dies nicht automatisch geschieht.
Entscheidend sind verlässliche Rahmenbedingungen, ausgebildete Arbeitskräfte, Infrastruktur und verbindliche Investitionsentscheidungen der Unternehmen.
Eine weitere Vergleichsmöglichkeit bietet das Green Economy Programme der Europäischen Union.
Die Europäische Union stellt dafür 60 Millionen Euro bereit.
Das Programm unterstützt unter anderem erneuerbare Energien, Energieeffizienz, Abfallvermeidung, Wasserversorgung, nachhaltigere Produktionsverfahren und die Entwicklung grüner beruflicher Fähigkeiten.
Dabei geht es nicht nur um einzelne Bauvorhaben, sondern auch um die Fähigkeit philippinischer Behörden, Kommunen und Unternehmen, umweltfreundlichere Projekte selbst umzusetzen.
Pax Silica steht deshalb nicht völlig ohne Vorläufer da.
Die Philippinen arbeiten bereits mit mehreren Staaten und Staatengruppen daran, Investitionen anzuziehen, Fachkräfte auszubilden und neue industrielle Fähigkeiten aufzubauen.
Neu ist vor allem die Größe und thematische Bündelung des geplanten Projekts in New Clark City.
Kritische Rohstoffe, Halbleiter, künstliche Intelligenz, Rechenzentren und moderne Produktion sollen dort in einem gemeinsamen Industrieumfeld zusammengeführt werden.
Das bietet Chancen, birgt aber auch erhebliche Risiken.
Rechenzentren benötigen dauerhaft große Mengen Strom und Wasser.
Auch die Aufbereitung und Verarbeitung von Mineralien kann energie- und wasserintensiv sein und erhebliche Mengen an Abwasser und industriellen Rückständen erzeugen.
New Clark City wird als nachhaltige und widerstandsfähige Stadt entwickelt. Ein Industriezentrum dieser Größenordnung muss dennoch nachweisen, woher Strom und Wasser stammen und wie Umweltbelastungen verhindert werden.
Werden große Mengen Energie zu vergünstigten Bedingungen für neue Industrieanlagen bereitgestellt, darf dies nicht zulasten der Versorgung der Bevölkerung oder bestehender Unternehmen gehen.
Auch die Herkunft der Rohstoffe muss berücksichtigt werden.
Mehr Verarbeitung auf den Philippinen kann zusätzliche Wertschöpfung schaffen. Sie könnte zugleich den Druck erhöhen, neue Bergbaugebiete zu erschließen oder bestehende Minen auszuweiten.
Umweltorganisationen und betroffene Gemeinden verlangen deshalb transparente Genehmigungsverfahren, unabhängige Umweltprüfungen und eine frühzeitige Beteiligung der Bevölkerung.
Offen ist außerdem, welche Vergünstigungen ausländischen Unternehmen angeboten werden.
Große Industrieprojekte erhalten häufig Steuererleichterungen, günstige Flächen oder Unterstützung bei Infrastruktur und Energieversorgung.
Solche Anreize können sinnvoll sein, wenn dadurch dauerhaft gute Arbeitsplätze, zusätzliche Steuereinnahmen und lokale Zulieferketten entstehen.
Sie wären weniger überzeugend, wenn der Staat hohe Kosten übernimmt, während nur wenige Arbeitsplätze geschaffen und Gewinne überwiegend ins Ausland übertragen werden.
Deshalb muss bereits im Rahmenabkommen festgelegt werden, welchen Nutzen die Philippinen erwarten.
Dazu könnten Mindestanforderungen an Ausbildung, lokale Beschäftigung, Forschung, Umweltschutz und die Beteiligung philippinischer Unternehmen gehören.
Auch die rechtliche Stellung des geplanten Zentrums ist noch nicht vollständig geklärt.
Berichten zufolge wurde unter anderem über besondere Schutz- und Immunitätsregelungen für das Koordinierungszentrum gesprochen. Die philippinische Seite hat solchen Forderungen bislang nicht abschließend zugestimmt.
Ein Industriegebiet darf nicht zu einem Raum werden, in dem philippinisches Recht oder die Zuständigkeit philippinischer Behörden eingeschränkt werden.
Die Regierung muss deshalb transparent erklären, welche Rechte amerikanische oder andere ausländische Einrichtungen innerhalb der Zone erhalten sollen.
Pax Silica ist bislang vor allem eine politische und wirtschaftliche Absichtserklärung mit einem vorgeschlagenen Standort.
Der Beitritt der Philippinen zur Initiative und die Reservierung einer möglichen Fläche bedeuten noch nicht, dass dort bereits Fabriken oder Rechenzentren gebaut werden.
Auch die angekündigte Rahmenvereinbarung wäre erst ein weiterer Schritt.
Danach müssten Unternehmen konkrete Investitionsentscheidungen treffen, Umweltgenehmigungen eingeholt, Energie- und Wasserversorgung geklärt und Bauvorhaben finanziert werden.
Die Erfahrungen mit früheren internationalen Wirtschaftskooperationen liefern deshalb einen sinnvollen Maßstab.
Pax Silica wird nicht daran zu messen sein, wie groß die vorgesehene Fläche ist oder wie viele internationale Unternehmen Interesse bekunden.
Entscheidend ist, ob tatsächlich Fabriken, Forschungseinrichtungen und Ausbildungsprogramme entstehen.
Ebenso wichtig ist, ob philippinische Unternehmen Teil der Lieferketten werden und ob Beschäftigte dauerhaft qualifizierte und angemessen bezahlte Arbeitsplätze erhalten.
Erst dann würde das Projekt die Philippinen nicht nur als Standort, sondern auch in ihren eigenen industriellen und technologischen Fähigkeiten stärken. – Quelle: Bases Conversion and Development Authority; US Department of State; Department of Finance; Philippine Information Agency; Europäische Union / RM







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