MANILA – Auf den Philippinen fand im ersten Halbjahr 2026 kein Börsengang statt. Zwei große geplante Transaktionen könnten diese Flaute in der zweiten Jahreshälfte beenden: der Börsengang des GCash-Mutterunternehmens Mynt und die geplante Notierung des Rechenzentrumsbetreibers VITRO als Immobilienfonds. Beide Vorhaben stehen für unterschiedliche Teile der digitalen Wirtschaft. GCash ist eine Finanzplattform für Verbraucher, während VITRO physische Infrastruktur für Cloud-Dienste, Telekommunikation, Unternehmen und künstliche Intelligenz bereitstellt.
Mynt, offiziell Globe Fintech Innovations Inc., betreibt die weit verbreitete E-Wallet GCash. Das Unternehmen hat einen Börsengang beantragt, mit dem brutto bis zu 92,3 Milliarden Peso eingenommen werden könnten.
Bei vollständiger Umsetzung wäre dies der größte Börsengang in der Geschichte der Philippine Stock Exchange. Der bisherige Rekord stammt vom Lebensmittelhersteller Monde Nissin, der 2021 rund 55,9 Milliarden Peso einnahm.
GCash entwickelte sich von einem einfachen mobilen Zahlungsdienst zu einem umfassenden digitalen Finanzsystem. Nutzer können Geld überweisen, Rechnungen bezahlen, Mobilfunkguthaben kaufen und auf Spar-, Kredit-, Anlage- und Versicherungsangebote zugreifen.
Mynt gab für 2025 rund 39,1 Millionen monatlich aktive Nutzer und ein abgewickeltes Transaktionsvolumen von etwa 17 Billionen Peso an. Pro Tag wurden durchschnittlich mehr als 56 Millionen Transaktionen verarbeitet.
Die breitere Zahl registrierter oder erreichter Nutzer liegt deutlich höher. GCash spricht von rund 94 Millionen Nutzern, wobei nicht alle die App jeden Monat aktiv verwenden.
Der Börsengang könnte Mynt mit mindestens acht Milliarden US-Dollar bewerten. Diese Zielgröße liegt deutlich über der Bewertung von fünf Milliarden US-Dollar, die das Unternehmen 2024 nach Investitionen unter anderem von Ayala und der japanischen Mitsubishi UFJ Financial Group erreichte.
Die hohe Bewertung beruht auf der großen Nutzerbasis, dem Wachstum digitaler Zahlungen und der Hoffnung, zusätzliche Einnahmen mit Krediten, Versicherungen und Vermögensanlagen zu erzielen.
Gleichzeitig bestehen Risiken. Der Wettbewerb mit Maya, Banken und anderen Zahlungsdiensten nimmt zu. Hinzu kommen Betrugsfälle, Datenschutz, Verbraucherschutz und die Gefahr, dass digitale Kleinkredite zu Überschuldung führen.
Bei dem geplanten Börsengang soll nicht das Produkt GCash allein, sondern dessen Muttergesellschaft Mynt notiert werden. Zu Mynt gehören auch weitere Finanz- und Technologiedienste.
Der zweite große Kandidat ist VITRO Inc., die Rechenzentrumssparte der PLDT-Gruppe. Geplant ist eine Notierung als Real Estate Investment Trust, kurz REIT.
Ein REIT bündelt ertragsbringende Immobilien oder Infrastruktur. Anleger erhalten Anteile und sollen regelmäßig an den Mieteinnahmen beziehungsweise betrieblichen Erträgen beteiligt werden.
VITRO will bis zu rund 24,2 Milliarden Peso einnehmen. Nach der Notierung wäre es der erste philippinische REIT, dessen Schwerpunkt auf digitaler Infrastruktur und Rechenzentren liegt.
Rechenzentren beherbergen Server, Netzwerktechnik und Datenspeicher. Sie stellen Stromversorgung, Kühlung, Brandschutz, physische Sicherheit und schnelle Datenverbindungen bereit.
Der Bedarf steigt durch Cloud-Dienste, Streaming, digitale Zahlungen, Unternehmenssoftware und Anwendungen der künstlichen Intelligenz. Die Philippinen wollen sich dabei als regionaler Standort für digitale Infrastruktur positionieren.
VITRO betreibt mehrere Rechenzentren. Zu den bekanntesten gehört der große Standort in Santa Rosa in der Provinz Laguna. Der 36-Megawatt-Campus soll zunächst jedoch nicht vollständig Teil des geplanten REIT-Portfolios sein und könnte später eingebracht werden.
Die Börseneinführung ist für das vierte Quartal vorgesehen. Der endgültige Zeitplan, der Angebotspreis und die Zusammensetzung des Portfolios hängen von Genehmigungen und der Nachfrage der Investoren ab.
GCash und VITRO könnten zusammen mehr als 116 Milliarden Peso an Bruttoerlösen anstreben. Beide Transaktionen wären damit nicht nur für die jeweiligen Unternehmen, sondern für den gesamten philippinischen Kapitalmarkt bedeutend.
Die Philippine Stock Exchange blieb bei neuen Börsengängen zuletzt hinter mehreren Nachbarstaaten zurück. Unternehmen verschoben Angebote wegen schwacher Kurse, globaler Unsicherheit und der Sorge, nicht die gewünschte Bewertung zu erzielen.
Regulatorische Änderungen erleichtern inzwischen besonders großen Unternehmen den Börsengang. Die Mindestquote der öffentlich angebotenen Aktien wurde für große Emittenten reduziert, sodass bestehende Eigentümer weniger stark verwässert werden.
Ein Erfolg von Mynt könnte zeigen, ob internationale und philippinische Anleger bereit sind, hohe Bewertungen für ein südostasiatisches Fintech-Unternehmen zu zahlen.
VITRO wäre dagegen ein Test dafür, ob Anleger digitale Infrastruktur ähnlich wie Bürogebäude, Einkaufszentren und andere REIT-Objekte als langfristige Ertragsquelle akzeptieren.
Beide Börsengänge sind noch nicht abgeschlossen. Angebotspreise können gesenkt, Termine verschoben oder Transaktionen bei ungünstigen Marktbedingungen abgesagt werden. – Quelle: Philippine Stock Exchange; Mynt; PLDT; Reuters; Philippine Daily Inquirer / RM







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