MANILA – Eine neue Untersuchung der University of the Philippines zeigt, welche Bedeutung die marinen Ökosysteme der West Philippine Sea für Fischerei, Ernährungssicherheit, Küstenschutz und biologische Vielfalt haben. – klajoo.com – Die Studie bewertet nicht nur einzelne Fischbestände. Sie betrachtet auch Korallenriffe, Seegraswiesen, Algenbestände, offene Wasserflächen und weitere Lebensräume als wirtschaftlich und ökologisch zusammenhängendes System.
Nach den veröffentlichten Ergebnissen ging die Fläche beziehungsweise der erfasste Zustand der Korallenriffe zwischen 2015 und 2020 um 10,5 Prozent zurück. Bei Seegras wurde ein Rückgang von 6,5 Prozent, bei Algenbeständen von 8,1 Prozent festgestellt.
Solche Veränderungen sind nicht nur für den Naturschutz relevant. Korallenriffe bilden Kinderstuben, Schutz- und Nahrungsräume für zahlreiche Fischarten. Werden die Riffe zerstört oder geschädigt, kann dies langfristig auch die Fangmengen verringern.
Seegraswiesen erfüllen ebenfalls mehrere Funktionen. Sie speichern Kohlenstoff, stabilisieren Meeresböden und dienen Fischen, Meeresschildkröten und anderen Arten als Lebensraum.
Algen und andere marine Pflanzen sind Teil der Nahrungsketten und können zugleich wirtschaftlich genutzt werden. Ihr Rückgang kann deshalb sowohl ökologische als auch lokale wirtschaftliche Folgen haben.
Die West Philippine Sea umfasst den Teil des Südchinesischen Meeres, der innerhalb der philippinischen ausschließlichen Wirtschaftszone und des Festlandsockels liegt. Dazu gehören Gebiete mit besonders produktiven Fischgründen und empfindlichen Riffsystemen.
Für philippinische Küstengemeinden sind diese Meeresgebiete eine direkte Lebensgrundlage. Fischer sind nicht nur auf einzelne Fangplätze angewiesen, sondern auf funktionierende ökologische Kreisläufe, in denen sich Bestände erneuern können.
Der wirtschaftliche Wert solcher Ökosysteme lässt sich auf unterschiedliche Weise berechnen. Dazu gehören der Marktwert gefangener Fische, Einnahmen aus Tourismus, Küstenschutz, Kohlenstoffspeicherung und der langfristige Wert biologischer Vielfalt.
Eine rein finanzielle Zahl kann den tatsächlichen Wert dennoch nur unvollständig abbilden. Ein zerstörtes Riff lässt sich nicht einfach durch Geld ersetzen. Viele Korallenstrukturen benötigen Jahrzehnte oder Jahrhunderte, um sich zu entwickeln.
Besondere Aufmerksamkeit gilt den Schäden durch großflächige Aufschüttungen und künstliche Inselbauten. Das Schiedsgericht zum Südchinesischen Meer stellte 2016 fest, dass China durch Landgewinnung und den Bau künstlicher Inseln schwere und dauerhafte Schäden an der Meeresumwelt verursacht hatte.
Hinzu kommen zerstörerische Fangmethoden. Die Entnahme von Riesenmuscheln, die Zerstörung von Korallenstrukturen und andere Eingriffe können ganze Riffsysteme beschädigen.
Die Studie macht deutlich, dass die West Philippine Sea nicht nur wegen staatlicher Hoheitsrechte und möglicher Rohstoffe von Bedeutung ist. Sie ist zugleich ein Naturraum, von dessen Zustand Millionen Menschen direkt oder indirekt abhängig sind.
Für die Regierung ergeben sich daraus mehrere Aufgaben. Fischereiregeln müssen durchgesetzt, Schutzgebiete wissenschaftlich geplant und illegale oder zerstörerische Aktivitäten dokumentiert werden.
Auch philippinische Fischerei kann zu Übernutzung beitragen. Ein wirksamer Schutz darf deshalb nicht ausschließlich auf chinesische Aktivitäten schauen. Er muss Fangdruck, Klimawandel, Verschmutzung und lokale Nutzung gemeinsam berücksichtigen.
Korallenriffe sind zusätzlich durch steigende Meerestemperaturen und Versauerung bedroht. Hitzewellen können Korallenbleichen auslösen, bei denen Korallen ihre symbiotischen Algen verlieren und bei längerem Stress absterben.
Die West Philippine Sea ist außerdem für die Ernährungssicherheit wichtig. Fisch gehört auf den Philippinen zu den wichtigsten Proteinquellen. Ein langfristiger Rückgang der Bestände kann Preise erhöhen und die Abhängigkeit von Importen verstärken.
Die Ergebnisse liefern auch Argumente für internationale Verfahren und diplomatische Initiativen. Umweltschäden lassen sich nicht allein als bilateraler Streit über Grenzen behandeln, weil Meeresökosysteme miteinander verbunden sind.
Fische und Meeresströmungen halten sich nicht an politische Linien. Schäden an einem Riff können deshalb Auswirkungen auf weiter entfernte Fanggebiete und Küstenregionen haben.
Die Studie unterstützt damit einen breiteren Blick auf die West Philippine Sea: als Rechtsraum, Wirtschaftsraum, Nahrungsquelle und eines der biologisch wertvollsten Meeresgebiete der Region. – Quelle: University of the Philippines; Philippine Star / RM







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