MANILA – Die Europäische Union und die Philippinen haben sich bei ihren Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen in den wesentlichen Punkten geeinigt. – klajoo.com – EU-Handelskommissar Maroš Šefcovic und die philippinische Handelsministerin Ma. Cristina Aldeguer-Roque sprachen am Dienstag von einer „substanziellen Einigung“. Die Verhandlungsteams sollen die noch ausstehenden Arbeiten nun möglichst schnell abschließen. Eine Unterzeichnung oder ein Inkrafttreten des Abkommens ist damit noch nicht erfolgt.
Nach Angaben aus Brüssel sind die zentralen politischen und wirtschaftlichen Eckpunkte inzwischen vereinbart. Diese müssen nun in einen endgültigen Vertragstext übertragen werden. Die Europäische Kommission rechnet mit einem formellen Abschluss der Verhandlungen in den kommenden Monaten. Erst anschließend folgen die weiteren Verfahren für Unterzeichnung und Ratifizierung.
Das geplante Abkommen soll auf beiden Seiten mehr als 94 Prozent der bisherigen Zölle beseitigen. Für europäische Unternehmen betrifft dies unter anderem Maschinen, technische Geräte und Transportausrüstung sowie Lebensmittel wie Fleisch, Milchprodukte und Spirituosen. Welche philippinischen Produkte in welchem Umfang zusätzliche Vorteile erhalten und für welche Waren Übergangsfristen oder Ausnahmen gelten, wird sich jedoch erst aus dem endgültigen Vertragstext ergeben.
Die wirtschaftlichen Beziehungen sind bereits umfangreich. Der Warenhandel zwischen der EU und den Philippinen erreichte 2025 rund 17,6 Milliarden Euro. Dabei verzeichnete die EU ein Handelsdefizit von rund 1,4 Milliarden Euro. Hinzu kam 2024 ein Dienstleistungshandel von rund 10,3 Milliarden Euro. Der Bestand europäischer Direktinvestitionen auf den Philippinen lag im selben Jahr bei rund 15,4 Milliarden Euro, während philippinische Investitionen in der EU rund 2,4 Milliarden Euro erreichten.
Für philippinische Exporteure beginnt der Handel mit der EU allerdings nicht bei null. Die Philippinen profitieren bereits seit Dezember 2014 vom europäischen Präferenzsystem GSP+. Dadurch entfallen bei rund zwei Dritteln der Produktkategorien die regulären EU-Einfuhrzölle. Im Gegenzug verpflichtet sich das Land zur Umsetzung internationaler Übereinkommen unter anderem zu Menschen- und Arbeitnehmerrechten, Umweltschutz und guter Regierungsführung.
Genau deshalb ist die Bedeutung eines Freihandelsabkommens differenzierter zu betrachten. Bei philippinischen Waren, die bereits über GSP+ zollfrei in die EU gelangen, entsteht durch einen weiteren Zollabbau nicht automatisch ein ebenso großer zusätzlicher Vorteil wie bei bislang belasteten Produkten. Ein bilaterales Abkommen würde jedoch über das einseitig von der EU gewährte Präferenzsystem hinausgehen: Es schafft gegenseitige und vertraglich vereinbarte Regeln für den Marktzugang und soll auch Dienstleistungen, Investitionen, technische Handelshemmnisse und weitere Bereiche umfassen. Die endgültigen Details sind noch nicht veröffentlicht.
Für die EU wiederum öffnet das Abkommen einen Markt mit mehr als 110 Millionen Einwohnern und erweitert ihr Netz von Handelsabkommen in Südostasien. Brüssel verfolgt seit Jahren das Ziel, bilaterale Abkommen mit einzelnen ASEAN-Staaten als Bausteine für engere Handelsbeziehungen mit der gesamten Region zu nutzen. Mit Vietnam und Singapur bestehen bereits Abkommen; auch mit weiteren südostasiatischen Staaten laufen oder liefen entsprechende Verhandlungen.
Noch offen ist vor allem, wie die bereits politisch vereinbarten Eckpunkte im endgültigen Vertrag ausgestaltet werden. Erst die Veröffentlichung des Vertragstextes wird zeigen, welche Zollpositionen ausgenommen sind, welche Übergangsfristen gelten und welche konkreten Verpflichtungen etwa bei öffentlichen Aufträgen, Dienstleistungen, Investitionen oder nachhaltiger Entwicklung vereinbart wurden.
Damit ist die heutige Einigung ein entscheidender Schritt, aber noch nicht das fertige Freihandelsabkommen. Für Unternehmen und Verbraucher wird weniger die politische Ankündigung als der endgültige Vertragstext darüber entscheiden, welche wirtschaftlichen Veränderungen tatsächlich entstehen. – RM
► Philippinen und EU erzielen “wesentliche Einigung” über Freihandelsabkommen
Quellen:
- Europäische Kommission: Joint Press Statement by Secretary Roque and Commissioner Šefcovic Europäische Kommission – gemeinsame Erklärung
- Europäische Kommission: EU trade relations with the Philippines EU-Handelsbeziehungen mit den Philippinen
- Europäische Kommission: EU-Philippines agreement – Documents Verhandlungsdokumente zum EU-Philippinen-Abkommen







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