MANILA – Die philippinische Regierung hat formell gegen ein Video des staatlichen chinesischen Mediums China Daily protestiert, in dem Filipinos als Affen dargestellt werden. – klajoo.com – Manila fordert die sofortige Löschung des Beitrags.
Das mit künstlicher Intelligenz erzeugte Video wurde am 10. Juli unter dem Titel “Litter on waves: Failed maritime karaoke” veröffentlicht. Der Zeitpunkt lag unmittelbar vor dem zehnten Jahrestag des Schiedsspruchs zum Südchinesischen Meer vom 12. Juli 2016.
Zu sehen ist eine affenähnliche Figur in Kleidung, die erkennbar die Philippinen darstellen soll. Zwei Arme mit den Aufschriften “USA” und “Japan” steuern, was die Figur singt.
Später hält sie ein Blatt mit der Aufschrift “South China Sea arbitration award”. Danach wird sie ins Meer geworfen und von einem Wasserwerfer getroffen, der erkennbar auf die Einsätze chinesischer Schiffe gegen philippinische Boote anspielt.
Die begleitende Botschaft behauptet, philippinische Politiker klammerten sich an ausländische Mächte und machten ihr Land zu einer Spielfigur fremder geopolitischer Interessen.
Das Department of Foreign Affairs erklärte, China Daily habe die Grenzen legitimer politischer Auseinandersetzung überschritten. Die Darstellung sei erniedrigend, entmenschlichend und rassistisch.
Die philippinische Regierung übermittelte ihre Einwände an den chinesischen Botschafter in Manila. Gleichzeitig wandte sich die philippinische Botschaft in Peking direkt an die Chefredaktion von China Daily und verlangte die Entfernung des Materials.
China Daily ist keine unabhängige private Zeitung. Das englischsprachige Medium gehört zum staatlich kontrollierten chinesischen Mediensystem und richtet sich ausdrücklich auch an ein internationales Publikum.
Das chinesische Außenministerium distanzierte sich formal von dem Video. Es erklärte, der Beitrag stelle nicht die offizielle Position Chinas dar. Gleichzeitig wiederholte es nahezu die gleiche politische Kernbotschaft: Der Schiedsspruch von 2016 sei illegal, ungültig und für China nicht bindend.
Diese Reaktion trennt damit die rassistische Darstellungsform von der politischen Aussage. Während Peking die Verantwortung für das Video nicht übernehmen will, hält es an der darin transportierten Ablehnung des Schiedsspruchs fest.
Der Informationskrieg zwischen beiden Staaten ist nicht neu. China stellt die philippinische Regierung seit Jahren als Werkzeug der Vereinigten Staaten dar. Der Vorwurf, Manila lasse sich von Washington oder Tokio gegen China instrumentalisieren, gehört zum festen Repertoire chinesischer Staatsmedien und Diplomaten.
Auch die Philippinen nutzen Bilder, Videos und zugespitzte Botschaften. Seit 2023 veröffentlicht die Regierung im Rahmen ihrer Politik der “assertive transparency” gezielt Aufnahmen chinesischer Wasserwerfereinsätze, Blockademanöver und Kollisionen.
Manila will damit Chinas Vorgehen sichtbar machen und internationale Unterstützung gewinnen. Peking bezeichnet diese Veröffentlichungen regelmäßig als Inszenierung, Propaganda oder bewusste Provokation.
Philippinische Amtsträger haben ihrerseits chinesische Politiker verspottet. Im Januar 2026 verbreitete der Sprecher der Philippine Coast Guard für die West Philippine Sea, Jay Tarriela, eine Karikatur von Staatspräsident Xi Jinping.
China protestierte diplomatisch und erklärte, der Beitrag verletze die Würde der chinesischen Führung. Tarriela bezeichnete seine Darstellung als politische Satire.
Zwischen beiden Fällen besteht jedoch ein wesentlicher Unterschied. Tarrielas Karikatur richtete sich gegen einen Staatschef und die Politik seiner Regierung. Das China-Daily-Video verwendet dagegen eine historisch rassistische Affendarstellung für Filipinos als nationale Gruppe.
Auch frühere chinesische Medienkampagnen waren umstritten. Während der Coronapandemie veröffentlichte die chinesische Botschaft in Manila das Musikvideo “Iisang Dagat”, das die Freundschaft beider Länder beschwor.
Viele Filipinos werteten den Beitrag als Propaganda, weil er die Konflikte im Südchinesischen Meer ausblendete. Das Video war jedoch versöhnlich angelegt und enthielt keine rassistische Darstellung.
In sozialen Netzwerken wurden außerdem wiederholt falsche oder historisch unbelegte Behauptungen über philippinische Gebiete verbreitet. Dazu gehörten Erzählungen, Palawan habe früher zu China gehört oder sei nach dem chinesischen Admiral Zheng He benannt worden.
Nicht immer lässt sich bei solchen Kampagnen eine unmittelbare staatliche Steuerung beweisen. China Daily ist dagegen eindeutig Teil des staatlichen chinesischen Mediensystems.
Auch auf den Philippinen gab es provokative visuelle Aktionen. 2018 erschienen in Metro Manila Transparente mit der Aufschrift “Welcome to the Philippines, Province of China”.
Die unbekannten Urheber wollten wahrscheinlich die chinafreundliche Politik des damaligen Präsidenten Rodrigo Duterte kritisieren. Die chinesische Botschaft verurteilte die Aktion und erklärte ausdrücklich, die Philippinen könnten niemals eine Provinz Chinas sein.
Das aktuelle Video geht dennoch über den üblichen propagandistischen Schlagabtausch hinaus. Die Darstellung einer Bevölkerung als Affen gehört zu einer Bildsprache, die weltweit zur rassistischen Herabsetzung und Entmenschlichung eingesetzt wurde.
Hinzu kommt die Wasserwerferszene. Wasserwerfereinsätze sind für philippinische Seeleute und Fischer keine abstrakte Satire. Sie haben zu Verletzungen, Schäden an Schiffen und gefährlichen Situationen auf See geführt.
Das Video verspottet damit nicht nur den Schiedsspruch und die philippinische Außenpolitik. Es macht reale Gewalt gegen Filipinos zum Bestandteil einer vermeintlich humoristischen Darstellung.
Verteidigungsminister Gilberto Teodoro bezeichnete den Beitrag als weiteren Beleg dafür, dass China seine Ansprüche nicht mit Recht und Beweisen verteidigen könne und deshalb auf Rassismus, Drohungen und erzeugten Hass zurückgreife.
Das China-Daily-Video war zunächst weiterhin über die Webseite und Social-Media-Kanäle des Mediums erreichbar. Sollte es entfernt werden, bleiben die diplomatischen Proteste und die Dokumentation durch internationale Nachrichtenagenturen erhalten.
Der Vorgang zeigt, wie weit sich der Konflikt inzwischen von Auseinandersetzungen auf See in einen umfassenden Informationskrieg verlagert hat. Dabei geht es nicht mehr nur darum, wessen rechtliche Argumente überzeugen. Es geht auch darum, ganze Bevölkerungen zu beeinflussen, Gegner lächerlich zu machen und internationale Unterstützung zu gewinnen.
Politische Satire kann hart und verletzend sein. Die Darstellung einer ganzen Bevölkerung als minderwertige Tiere überschreitet jedoch die Grenze zwischen politischer Zuspitzung und rassistischer Entmenschlichung. – Quelle: Department of Foreign Affairs; China Daily; Reuters; Associated Press / RM







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