Startseite » Murals, Friedensmarsch und Fischerdenkmal: Wie die Philippinen zehn Jahre Schiedsspruch würdigten
Manila

Murals, Friedensmarsch und Fischerdenkmal: Wie die Philippinen zehn Jahre Schiedsspruch würdigten

MANILA – Zehn Jahre nach dem Schiedsspruch zum Südchinesischen Meer haben die Philippinen den Jahrestag nicht nur mit diplomatischen Erklärungen und Fachkonferenzen begangen. – klajoo.com – Eine einwöchige landesweite Kampagne sollte das Urteil auch außerhalb von Regierung, Militär und Rechtswissenschaft sichtbar machen.

Mehr als 200 Wandbilder, ein Friedensmarsch durch Manila, gleichzeitig ertönende Kirchenglocken und Schiffssirenen, Musikveranstaltungen, Flaggenzeremonien und ein neues Denkmal für philippinische Fischer zeigten, wie stark die West Philippine Sea inzwischen mit Fragen nationaler Identität, öffentlicher Bildung und gesellschaftlicher Mobilisierung verbunden wird.

Der eigentliche Jahrestag war der 12. Juli. An diesem Tag jährte sich die Veröffentlichung des Schiedsspruchs von 2016 zum zehnten Mal. Das nach dem Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen eingesetzte Schiedsgericht hatte unter anderem entschieden, dass es keine rechtliche Grundlage für umfassende chinesische „historische Rechte“ innerhalb der sogenannten Neun-Striche-Linie gibt, soweit diese über die nach UNCLOS zulässigen Meereszonen hinausgehen.

Das Gericht entschied jedoch nicht darüber, welchem Staat einzelne umstrittene Inseln oder Felsen gehören. Es zog auch keine vollständige Seegrenze zwischen China und den Philippinen. Für Manila bildet der Schiedsspruch dennoch die wichtigste rechtliche Grundlage zur Verteidigung seiner maritimen Rechte in der West Philippine Sea.

Kunst bringt ein abstraktes Rechtsurteil auf die Straße

Zu den sichtbarsten Aktionen gehörte das landesweite West Philippine Sea Mural Festival 2026. Unter dem Motto „Kulayan ang Karagatan para sa Kalayaan“ – sinngemäß „Das Meer für die Freiheit mit Farbe gestalten“ – entstanden in unterschiedlichen Teilen des Landes mehr als 200 Wandbilder.

Die Künstler setzten sich in ihren Arbeiten unter anderem mit Fischern, Meeresressourcen, philippinischen Flaggen, traditionellen Booten, bedrohten Korallenriffen und der Bedeutung friedlicher Rechtsdurchsetzung auseinander. Damit wurde ein kompliziertes internationales Rechtsverfahren in Bilder übersetzt, die auch Menschen erreichen sollen, die sich nicht regelmäßig mit UNCLOS, ausschließlichen Wirtschaftszonen oder diplomatischen Protestnoten beschäftigen.

Die 100 ausgewählten Finalbeiträge wurden am 7. Juli in der National Library of the Philippines in Manila vorgestellt. Verteidigungsminister Gilberto Teodoro erklärte bei der Präsentation, Kunst könne das öffentliche Bewusstsein stärken und die Bedeutung der West Philippine Sea für die nationale Identität vermitteln.

Das Festival war nicht auf eine Ausstellung in Manila beschränkt. Viele der Arbeiten wurden dauerhaft auf öffentlichen Mauern, in Gemeinden, an Einrichtungen und entlang viel genutzter Straßen angebracht. Die Murals bleiben damit auch nach dem Jubiläum sichtbar.

Tausende beim Friedensmarsch in Manila

Den Abschluss der einwöchigen Kampagne bildete am 12. Juli der National Peace Walk 2026 am Quirino Grandstand in Manila. Trotz starken Regens nahmen nach Angaben der Philippine Information Agency Tausende Menschen teil.

Unter den Teilnehmern waren Vertreter von Regierungsbehörden, Streitkräften und Küstenwache, Studierende, zivilgesellschaftliche Organisationen und Mitglieder lokaler Verwaltungen. Viele trugen weiße Kleidung als Zeichen für Frieden und Einheit und schwenkten kleine philippinische Flaggen.

Der Marsch führte vom Quirino Grandstand entlang des Roxas Boulevard. Sein Motto lautete „Walking in Unity, Celebrating a Decade of Victory“.

Die Veranstalter wollten damit verdeutlichen, dass die philippinische Position nicht nur durch militärische Präsenz, sondern vor allem durch internationales Recht, friedliche Mittel und öffentliche Unterstützung getragen werden soll.

Der Vorsitzende der National Task Force for the West Philippine Sea, Eduardo Oban Jr., erinnerte daran, dass die West Philippine Sea nicht lediglich eine Fläche auf einer Karte sei. Die Gewässer seien für Ernährungssicherheit, Fischerei, Einkommen und regionale Stabilität von Bedeutung.

Verteidigungsminister Teodoro stellte den philippinischen Begriff „yakap“, also Umarmung, in den Mittelpunkt seiner Botschaft. Die Bevölkerung müsse die West Philippine Sea als etwas begreifen, das sie annehme, schütze und für künftige Generationen bewahre.

Hupen, Glocken und Schiffssirenen

Zum Abschluss des Friedensmarsches fand eine landesweite Aktion unter dem Namen „Resonance“ statt. Gleichzeitig ertönten Fahrzeughupen, Kirchenglocken und Schiffssirenen in Häfen, an Küsten und auf See.

Das gemeinsame Signal sollte die Unterstützung für eine friedliche und rechtsbasierte Verteidigung der philippinischen maritimen Rechte ausdrücken. Die Aktion verband damit Menschen an Land mit Seeleuten, Hafenbeschäftigten, Küstenwache und Fischern.

Auch in Cebu beteiligten sich Schiffe und maritime Behörden an dem synchronisierten Signal. Die Aktion zeigte zugleich, weshalb der Konflikt für einen Inselstaat nicht nur eine außenpolitische Frage ist. Häfen, Fischerei und Schifffahrt gehören zum wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Alltag des Landes.

Ein Denkmal für die Fischer

Am selben Tag wurde nahe der World Peace Bell im Quezon Memorial Circle ein Denkmal für die Fischer aus der West Philippine Sea enthüllt.

Die Bronzeskulptur des Künstlers Gary Rojas zeigt einen Fischer mit einem Paddel. Nach Angaben der Stadt Quezon City steht das Paddel für Würde und Patriotismus.

An der Einweihung nahmen neben Bürgermeisterin Joy Belmonte und Vertretern der Zivilgesellschaft auch Fischervertreter aus Zambales und Bataan teil. Unter ihnen war der Vorsitzende der New Masinloc Fishermen Association.

Die Wahl der Fischer als Motiv ist bewusst. Während Regierungen über Seezonen, Diplomatie und Sicherheitsstrategien verhandeln, erleben Fischer die Auseinandersetzungen unmittelbar. Sie berichten von blockierten Fanggründen, gefährlichen Begegnungen mit chinesischen Schiffen und wirtschaftlichen Verlusten.

Das Denkmal stellt sie deshalb nicht nur als Opfer eines geopolitischen Konflikts dar. Es würdigt sie zugleich als Menschen, die durch ihre regelmäßige Anwesenheit auf See die Verbindung der Philippinen zu ihren traditionellen Fanggebieten aufrechterhalten.

Flaggenzeremonien in Behörden, Militär und Schulen

Bereits am 6. Juli hatten das Verteidigungsministerium und angeschlossene Behörden mit zeitgleichen Flaggenzeremonien die Jubiläumswoche eröffnet.

Veranstaltungen fanden unter anderem in Camp Aguinaldo, am Marinestützpunkt Sangley Point in Cavite, beim Peacekeeping Operations Center der Streitkräfte in Tarlac und an der Philippine Coast Guard Academy statt.

Das Bildungsministerium hatte außerdem seine Regionalbüros, Schulbezirke sowie öffentliche Grund- und weiterführende Schulen zur Teilnahme aufgerufen. Damit wurde das Jubiläum bewusst in Einrichtungen getragen, in denen junge Menschen mit dem Thema erstmals in Berührung kommen.

Die Regierung verfolgt damit eine langfristige Strategie. Der Schiedsspruch soll nicht nur in diplomatischen Dokumenten und juristischen Fachtexten erscheinen, sondern Teil des Geschichts- und Politikverständnisses künftiger Generationen werden.

Musikveranstaltungen richten sich an junge Menschen

Neben den Murals wurde auch Musik genutzt, um besonders junge Menschen anzusprechen. In Pampanga fand unter dem Titel „Waves of Rock“ ein Wettbewerb mit Bands statt. Die Teilnehmer spielten neben einem ausgewählten Lied auch eigene Kompositionen zur West Philippine Sea.

Eine vergleichbare Veranstaltung wurde am 12. Juli am Malcolm Square in Baguio City ausgerichtet. Bands aus Baguio, Benguet und Kalinga beteiligten sich.

Die Organisatoren begründeten den Ansatz damit, dass Musik komplexe politische und rechtliche Themen leichter zugänglich und erinnerbar machen könne. Gleichzeitig wurden Jugendliche dazu aufgefordert, Informationen kritisch zu prüfen und Desinformation nicht ungeprüft weiterzugeben.

Palawan begeht eigenen West Philippine Sea Victory Day

Eine besondere Rolle spielte Palawan. Die Provinz liegt der Kalayaan Island Group und vielen umstrittenen Gebieten am nächsten und hatte bereits 2024 den 12. Juli offiziell zum West Philippine Sea Victory Day erklärt.

Zum zehnten Jahrestag fanden in Puerto Princesa eine Einheitsmesse, eine Parade und ein öffentliches Programm statt. Vertreter der Initiative Atin Ito forderten Präsident Ferdinand Marcos Jr. auf, den 12. Juli künftig landesweit zum West Philippine Sea Victory Day zu erklären.

Auch Cebu City und die Gemeinde Labrador in Pangasinan haben bereits entsprechende lokale Beschlüsse gefasst. Die Streitkräfte warben anlässlich des Jubiläums dafür, dass weitere Kommunen folgen.

Fachkonferenzen zu Recht, Sicherheit und Desinformation

Die öffentliche Kampagne wurde von mehreren Fachveranstaltungen begleitet. Am 8. und 9. Juli fand im Conrad Manila der National West Philippine Sea Summit statt.

Internationale und philippinische Fachleute behandelten dort das Seerechtsübereinkommen UNCLOS, die Rechte von Küstenstaaten, den rechtlichen Status von Inseln und Riffen sowie die Frage, wie aus internationalem Recht eine einheitliche staatliche Politik entstehen kann.

Vertreter der Philippine Coast Guard betonten, ein Schiedsspruch könne sich nicht selbst verteidigen. Sein Inhalt müsse in Schulen, Medien, Küstengemeinden und der öffentlichen Diskussion verständlich vermittelt werden.

Am 10. Juli folgte im Peninsula Manila ein hochrangiges sicherheitspolitisches Forum mit Regierungsvertretern, Diplomaten, Militärs, Rechtswissenschaftlern und zivilgesellschaftlichen Organisationen.

Diskutiert wurden die Verteidigung philippinischer Rechte, die Zusammenarbeit mit Partnerstaaten und der Umgang mit maritimen Grauzonenaktivitäten und Desinformation. Vertreter zahlreicher Staaten nahmen an der Veranstaltung teil.

Internationale Unterstützung als diplomatische Ebene

Am Jahrestag selbst veröffentlichten die Philippinen und 13 weitere Staaten eine gemeinsame Erklärung. Darin bezeichneten sie den Schiedsspruch erneut als endgültig und rechtlich bindend und bekräftigten, dass maritime Streitigkeiten friedlich und auf Grundlage von UNCLOS gelöst werden müssten.

Auch die Europäische Union veröffentlichte eine eigene Erklärung und forderte die vollständige Umsetzung des Schiedsspruchs.

Diese diplomatische Unterstützung war die internationale Ebene des Jubiläums. Die Veranstaltungen innerhalb der Philippinen verfolgten dagegen ein anderes Ziel: Sie sollten zeigen, dass der Schiedsspruch nicht nur Regierungen, Juristen und Sicherheitsbehörden betrifft.

Vom juristischen Erfolg zur gesellschaftlichen Erinnerung

Die Jubiläumswoche war deshalb mehr als eine Reihe staatlicher Gedenkveranstaltungen. Sie war der Versuch, aus einem abstrakten Rechtsurteil einen Bestandteil des öffentlichen Bewusstseins zu machen.

Murals übersetzten Rechtsbegriffe in Bilder. Musikveranstaltungen richteten sich an junge Menschen. Flaggenzeremonien brachten das Thema in Schulen und Behörden. Der Friedensmarsch zeigte öffentliche Unterstützung, während das Fischerdenkmal diejenigen sichtbar machte, die von den Konflikten auf See unmittelbar betroffen sind.

Ob daraus eine dauerhafte gesellschaftliche Verankerung entsteht, wird sich nicht an einer einzelnen Jubiläumswoche entscheiden. Entscheidend wird sein, ob Schulen, Kommunen, Medien und staatliche Einrichtungen auch außerhalb von Jahrestagen verständlich über maritime Rechte, Fischerei, Ressourcen und internationales Recht informieren.

Der zehnte Jahrestag zeigte jedoch, dass der Schiedsspruch auf den Philippinen längst nicht mehr nur als juristisches Dokument betrachtet wird. Er wird zunehmend als Teil der nationalen Erinnerung und als Grundlage einer gemeinsamen Position zur West Philippine Sea dargestellt. – Quelle: Department of National Defense / Philippine Information Agency / Quezon City Government / Philippine Star / GMA News / RM

Add Comment

Click here to post a comment