Startseite » Mehr Unternehmenskredite trotz schwächerer Industrie – zwei Signale, die nicht dasselbe messen
Manila

Mehr Unternehmenskredite trotz schwächerer Industrie – zwei Signale, die nicht dasselbe messen

bsp

MANILA – Zwei neue Wirtschaftsdaten zeichnen auf den ersten Blick ein widersprüchliches Bild: Während die philippinischen Banken im August ihre Kreditvergabe deutlich ausweiteten, rutschte die Industrie im September erstmals seit April wieder in den Bereich schrumpfender Aktivität. – klajoo.com – Die Zahlen hängen wirtschaftlich zusammen, beweisen aber keine einfache Ursache-Wirkung-Beziehung.

Der Einkaufsmanagerindex für die verarbeitende Industrie von S&P Global fiel im September auf 49,6 Punkte. Im August hatte er mit 54,9 Punkten noch den höchsten Wert seit fast zehn Jahren erreicht. Werte oberhalb von 50 stehen für eine Verbesserung der Geschäftslage gegenüber dem Vormonat, Werte darunter für eine Verschlechterung. Im September sanken Produktion, Auftragseingänge und Beschäftigung. Unternehmen nannten schwächere Nachfrage, starke internationale Konkurrenz und hohe Ölpreise als Belastungen.

Gleichzeitig meldete die Bangko Sentral ng Pilipinas (BSP) für August ein Wachstum der ausstehenden Kredite der Universal- und Geschäftsbanken um 11,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr, nach revidiert 10,4 Prozent im Juli. Die Kreditvergabe für Produktionszwecke nahm ebenfalls weiter zu. Das bedeutet: Unternehmen hatten vor dem September-Rückgang weiterhin mehr Bankkredite in ihren Bilanzen als ein Jahr zuvor.

Die beiden Datenreihen messen jedoch unterschiedliche Dinge und unterschiedliche Zeiträume. Der PMI ist eine monatliche Unternehmensumfrage und bildet ab, ob sich Produktion, Bestellungen, Beschäftigung und andere Betriebsindikatoren gegenüber dem Vormonat verbessern oder verschlechtern. Die Kreditstatistik zeigt dagegen den Bestand beziehungsweise das Wachstum ausstehender Bankkredite gegenüber dem Vorjahr. Ein höherer Kreditbestand kann deshalb gleichzeitig mit einer schwächeren kurzfristigen Produktionsentwicklung auftreten.

Auch die Verwendung der Kredite ist entscheidend. Unternehmen können Kredite für neue Investitionen aufnehmen, aber ebenso für Betriebsmittel, Lagerbestände, Refinanzierung oder höhere laufende Kosten. Aus der Gesamtsumme lässt sich deshalb nicht ableiten, dass Betriebe wegen der schwächeren September-Nachfrage mehr Schulden aufnehmen mussten.

Zusätzlichen Druck erzeugen derzeit die Finanzierungskosten. Die BSP erhöhte am 30. September ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf 5,0 Prozent, um dem wieder stärkeren Inflationsdruck entgegenzuwirken. Neue Kredite oder Kredite mit variabler Verzinsung können dadurch teurer werden, während gleichzeitig hohe Ölpreise und ein schwacher Peso die Kosten vieler Unternehmen erhöhen.

Für die kommenden Monate sind deshalb drei Größen gemeinsam zu beobachten: Entwickelt sich der PMI wieder über die Wachstumsschwelle von 50 Punkten, bleibt die Kreditvergabe hoch und steigen gleichzeitig Zahlungsausfälle oder notleidende Kredite? Erst diese Kombination würde zeigen, ob die aktuell hohe Kreditnachfrage vor allem mit Investitionen und Expansion oder zunehmend mit finanzieller Belastung zusammenhängt.

Der derzeitige Befund lautet deshalb nicht ‘mehr Schulden trotz Krise’, sondern: Die Banken melden weiterhin kräftiges Kreditwachstum, während die Industrie im September kurzfristig deutlich an Dynamik verloren hat. Ob daraus ein länger anhaltendes Problem entsteht, müssen die nächsten Monatsdaten zeigen. – RM

Quellen:

  • GMA News – PH factory activity contracts for first time in 5 months
  • Bangko Sentral ng Pilipinas – Bank lending grows by 11.0% in August
  • Bangko Sentral ng Pilipinas – Monetary policy: Target RRP Rate 5.00%

Add Comment

Click here to post a comment