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Philippinischer Spitzensport: Warum Nationalathleten immer wieder selbst für ihre Karriere zahlen müssen

Nagoya, JAPAN – Der aktuelle Fall der Männer-Volleyballnationalmannschaft wirkt zunächst wie ein Problem eines einzelnen Verbandes. – klajoo.com – Nationalspieler Bryan Bagunas erklärte während der Asian Games, die Mannschaft habe seit Juli keine vorgesehenen Zulagen erhalten.

Einige Spieler hätten sich Geld leihen müssen, um zum Training zu kommen; zeitweise seien deshalb nur sieben oder acht Spieler erschienen. Auch Mahlzeiten hätten die Athleten teilweise selbst bezahlt. Die Philippine National Volleyball Federation (PNVF) entschuldigte sich anschließend ausdrücklich und räumte ein, dass ihre Unterstützung nicht ausgereicht habe.

Die neue Verbandsführung unter Präsident Frank Lao verweist auf erhebliche finanzielle Verpflichtungen und offene Verbindlichkeiten, die sie übernommen habe. Eine vollständige Prüfung der früher erhaltenen Mittel und ihrer Verwendung sei noch nicht abgeschlossen. Lao habe zunächst privates Geld für dringende Ausgaben vorgestreckt. Damit ist der aktuelle Volleyballfall zugleich ein Beispiel für ein Muster, das im philippinischen Spitzensport seit Jahrzehnten wiederkehrt: Wenn staatliche Mittel, Verbandsfinanzen oder Abrechnungen nicht rechtzeitig funktionieren, überbrücken Athleten, Familien, Trainer, Funktionäre oder private Sponsoren die Lücke.

Das Problem beginnt bereits bei der Struktur des Systems. Die Philippine Sports Commission (PSC) finanziert nationale Sportprogramme und zahlt Athleten und Trainern staatliche Zulagen. Die National Sports Associations (NSA), also die jeweiligen Sportverbände, organisieren dagegen ihre Sportarten, Trainingsprogramme und internationale Vorbereitung und sollen zusätzlich eigene Mittel einwerben. Die PSC kann Verbände finanziell unterstützen und deren Verwendung staatlicher Mittel kontrollieren. Damit liegt die Verantwortung nicht bei einer einzigen Stelle. Genau das erschwert häufig die Frage, wer bei einer Finanzierungslücke tatsächlich verantwortlich ist.

Wie groß Verwaltungsprobleme zeitweise waren, zeigte sich 2014. Damals meldete die PSC, dass rund 30 nationale Sportverbände nicht abgerechnete Vorschüsse von insgesamt etwa 32 Millionen PHP hatten. Genannt wurden unter anderem Judo, Segeln, Ringen, Gewichtheben, Golf, Rudern, Bogenschießen und Boxen. Nach den Regeln der PSC ist eine ordnungsgemäße Abrechnung wichtig, weil Verbände mit nicht liquidierter finanzieller Unterstützung ihren Status für weitere Hilfen gefährden können. Damit kann aus einem Buchhaltungs- oder Nachweisproblem unmittelbar ein Finanzierungsproblem für Training und Wettkämpfe werden.

Dass am Ende Athleten betroffen sein können, zeigt ein besonders drastischer Fall aus dem Schach. Mitglieder der philippinischen Mannschaft der Schacholympiade 2002 erklärten zwei Jahre später, sie hätten Trainingszulagen in Höhe von jeweils 90.000 PHP nie erhalten. In der Abrechnung des National Chess Federation of the Philippines gegenüber der PSC befanden sich jedoch Unterschriften, die den Erhalt bestätigen sollten. Mehrere Spieler bestritten, diese unterschrieben zu haben, und schalteten schließlich das National Bureau of Investigation ein. Die damaligen Vorwürfe zeigen, wie weit die Distanz zwischen bewilligtem Geld und tatsächlicher Auszahlung an Athleten gehen kann; aus den verfügbaren Berichten ergibt sich allerdings keine abschließende gerichtliche Feststellung zu den behaupteten Fälschungen.

Andere Fälle hatten weniger mit möglichen Unregelmäßigkeiten als mit schlicht fehlendem Geld zu tun. Das philippinische Junioren-Wushu-Team wäre 2008 beinahe nicht zu einer Weltmeisterschaft gereist. Verbandsvertreter sammelten kurzfristig Mittel, auch Eltern halfen finanziell. 2011 berichteten Mitglieder des erfolgreichen Dragon-Boat-Teams, dass sie bei internationalen Wettkämpfen weitgehend ohne staatliche Unterstützung auskommen mussten; private Helfer und die philippinische Community in den USA sprangen ein. Beim Dragon Boat verschärfte allerdings ein Streit über die Anerkennung des Verbandes die Situation, weshalb dieser Fall nicht eins zu eins mit heutigen Verbandsproblemen vergleichbar ist.

Selbst bei späteren Olympiasiegern funktionierte die Finanzierung nicht immer reibungslos. Hidilyn Diaz bat 2019 öffentlich um private Sponsoren für ihre Vorbereitung auf die Olympischen Spiele. Die PSC widersprach damals dem Eindruck fehlender staatlicher Unterstützung und erklärte, bereits rund 4,5 Millionen PHP für Auslandstraining bereitgestellt sowie ihren ausländischen Trainer bezahlt zu haben. Diaz schätzte später die gesamten Kosten ihrer Vorbereitung von 2019 bis 2021 auf rund 15 Millionen PHP; nach ihrer eigenen Darstellung kamen etwa 60 Prozent aus staatlicher und 40 Prozent aus privater Finanzierung. Der Fall zeigt damit weniger ein vollständiges Ausbleiben staatlicher Hilfe als eine Lücke zwischen der Finanzierung eines normalen Nationalathleten und den tatsächlichen Kosten einer Weltklassevorbereitung.

Beim Stabhochspringer EJ Obiena zeigte sich ein weiteres Problem: die Abwicklung der Zahlungen. Obiena erklärte Anfang 2022, seit Ende August 2021 weder von der PSC noch vom Leichtathletikverband PATAFA neue Finanzierung erhalten zu haben. Seine Mutter sagte in einer Senatsanhörung, sie habe zuvor 600.000 PHP für sein Training vorgestreckt, weil Verbandsmittel noch nicht verfügbar gewesen seien. Später bezahlten sein Trainer und private Sponsoren sogar eine notwendige Knieoperation. Gleichzeitig entwickelte sich ein langer Streit über die Weiterleitung und Abrechnung der Gehaltszahlungen an seinen Trainer. Andere Verbände erklärten damals ausdrücklich, dass sie Trainer direkt bezahlten und ihre Athleten nicht als finanzielle Zwischenstelle einsetzten.

Auch bei der Box-Nationalmannschaft entstanden 2021 ähnliche Liquiditätsprobleme. Die Olympiaqualifizierten Irish Magno und Eumir Marcial machten öffentlich, dass staatliche Zulagen verspätet waren. Magno erklärte, ihre Familie sei auf das Geld angewiesen. Der Boxverband ABAP sprang nach eigenen Angaben mit finanzieller Unterstützung für Athleten und Trainer ein, während die PSC die verspäteten Zahlungen bearbeitete. Auch hier war damit nicht der Sportverband allein Ursache des Problems; er musste vielmehr eine Lücke im staatlichen Zahlungsfluss überbrücken.

Ein Teil der strukturellen Finanzierungsfrage reicht sogar über die Sportverbände und die PSC hinaus. Republic Act 6847 schreibt seit 1990 vor, dass fünf Prozent des Bruttoeinkommens der staatlichen Glücksspielgesellschaft PAGCOR in den National Sports Development Fund der PSC fließen. Tatsächlich wurde der Anteil seit den 1990er Jahren nach einer anderen Berechnung zeitweise auf effektiv 2,1375 Prozent reduziert. Zusätzlich wurden gesetzlich vorgesehene Zahlungen der Philippine Charity Sweepstakes Office (PCSO) nicht in der vom Gesetz vorgesehenen Form vollständig geleistet.

Der Supreme Court stellte 2024 fest, dass diese Praxis dem Gesetz widersprach. Er ordnete PAGCOR an, die vollen fünf Prozent des Bruttoeinkommens ab 1993 abzurechnen und an die PSC zu überweisen; auch die PCSO muss rückwirkend die gesetzlich vorgesehenen Beträge aus sechs jährlichen Lotterieziehungen seit 2006 abrechnen. Besonders deutlich war die Kritik des Gerichts an der PSC selbst: Sie habe ihre eigenen Rechte und Pflichten bei der Einforderung der Mittel über Jahre nicht ausreichend wahrgenommen. Betroffen seien am Ende nicht die Behörden, sondern die Athleten und die sportliche Entwicklung des Landes.

Seit 2026 verändert sich diese Finanzierung tatsächlich. PAGCOR begann nach der endgültigen Entscheidung, den vollen gesetzlichen Anteil zu überweisen. Allein im ersten Halbjahr 2026 flossen 2,01 Milliarden PHP an die PSC, rund 59 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Damit steht dem staatlichen Sportsystem künftig deutlich mehr Geld zur Verfügung. Das beseitigt allerdings nicht automatisch die Probleme innerhalb einzelner Verbände, bei Abrechnungen oder bei der pünktlichen Weiterleitung von Leistungen an Athleten.

Auch die Höhe der persönlichen Zulagen bleibt ein eigener Punkt. Im Staatshaushalt 2024 waren für Team-Sportler beispielsweise 17.000 PHP monatlich vorgesehen, Mitglieder des Trainingspools erhielten je nach Einstufung 10.200 oder 12.600 PHP. Die PSC erhöhte die Zulagen im August 2025 pauschal um 5.000 PHP. Das verbessert die Grundversorgung, ersetzt aber nicht die Kosten für internationale Trainingslager, Spezialtrainer, medizinische Betreuung, Reisen, Ausrüstung oder Ernährung auf Weltklasseniveau.

Damit gibt es nicht die eine Ursache für die wiederkehrenden Finanzierungsprobleme. Die dokumentierten Fälle reichen von fehlenden oder verspäteten staatlichen Mitteln über offene Abrechnungen und Verbandsverbindlichkeiten bis zu einer Finanzierung, die zwar vorhanden ist, aber für internationale Spitzenleistungen nicht ausreicht. Hinzu kommt die starke Abhängigkeit von privaten Sponsoren, Familien und gelegentlich sogar den Athleten selbst.

Der aktuelle Volleyballfall macht diese Schwäche auf der einfachsten Ebene sichtbar. Wenn Nationalspieler Geld leihen müssen, nur um zum Training fahren zu können, scheitert die Unterstützung nicht an Millionenbeträgen für Hightech oder internationale Trainingszentren, sondern an der grundlegenden Versorgung. Die höheren staatlichen Mittel seit 2026 schaffen erstmals deutlich mehr finanziellen Spielraum. Ob daraus auch ein verlässlicheres System entsteht, wird sich daran zeigen, ob das Geld künftig planbarer vom staatlichen Finanzierer über die Verbände bis zu den Athleten gelangt – ohne dass diese regelmäßig selbst als Zwischenfinanzierer einspringen müssen. – RM

Quellen:

  • GMA News: Bryan Bagunas reveals Alas Pilipinas Men’s financial struggles
  • GMA News: PNVF admits efforts to support Alas Pilipinas Men ‘not enough’
  • Republic Act No. 6847 – Philippine Sports Commission Act
  • Philstar: Liquidate or be sued, PSC warns erring NSAs
  • Philstar: Chessers charge NCFP of forgery
  • Philstar: Ngo pockets gold in world junior wushu
  • House of Representatives: 1.5M incentive from House to be given directly to winning PDBF Members
  • GMA News: Hidilyn Diaz seeks financial help for 2020 Olympic bid
  • GMA News: Anatomy of Gold – The Journey of Hidilyn Diaz
  • GMA News: EJ Obiena’s mother reveals shelling out P600K for son’s training allowance
  • GMA News: Unfunded since August, EJ Obiena says coach and sponsors paid for surgery
  • GMA News: ABAP extended support amid delayed allowances
  • Supreme Court: Guiao v. PAGCOR, PCSO and Office of the President, G.R. No. 223845
  • PAGCOR: First-half 2026 revenues and higher PSC remittances
  • Philippine Sports Commission: P5,000 increase in athletes’ and coaches’ allowances
  • Official Gazette / 2024 GAA: Basic and meal allowances of athletes

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