LUZON – Philippinische und japanische Forscher haben in Camarines Norte Uraninit als wichtigstes uranhaltiges Mineral in untersuchten Oberflächenproben bestätigt und ein Verfahren getestet, mit dem sich der Urangehalt des Materials erhöhen lässt. – klajoo.com – Von einer neu entdeckten wirtschaftlich nutzbaren Uranlagerstätte kann nach dem derzeitigen Forschungsstand jedoch nicht gesprochen werden.
Das Team des Philippine Nuclear Research Institute (PNRI), der University of the Philippines Diliman und der Akita University in Japan untersuchte Material aus Bessemer in Larap, Jose Panganiban. Aus einer etwa einen halben Meter breiten mineralisierten Zone wurden rund 180 Kilogramm Material für die Laboruntersuchungen entnommen.
Die Ausgangsprobe enthielt 244 Teile Uran pro Million Teile Material, also 244 ppm. Zusätzlich wurden Kupfer, Molybdän und Eisen nachgewiesen. Die Forscher kombinierten Flotation und magnetische Trennung. Dadurch stieg der Urangehalt des angereicherten Materials auf 305 ppm; rund 73 Prozent des im bearbeiteten Material enthaltenen Urans wurden dabei zurückgewonnen.
305 ppm entsprechen einem Urangehalt von 0,0305 Prozent. Das ist niedrig, liegt aber nicht grundsätzlich außerhalb wirtschaftlich genutzter Uranvorkommen. Die World Nuclear Association bezeichnet 0,1 Prozent beziehungsweise 1.000 ppm als typisches niedriggradiges Uranerz, nennt aber auch Minen, die unter günstigen Bedingungen mit Gehalten um 0,02 Prozent beziehungsweise 200 ppm erfolgreich betrieben werden. Bei Uran, das als Nebenprodukt anderer Rohstoffe gewonnen wird, können sogar noch niedrigere Gehalte wirtschaftlich sein.
Einen festen Grenzwert für wirtschaftlichen Uranabbau gibt es deshalb nicht. Entscheidend sind unter anderem Größe und Mächtigkeit der Lagerstätte, durchschnittlicher Gehalt, Tiefe, Gesteinshärte, Abbauverfahren, Aufbereitungskosten, Ausbeute, Infrastruktur und der Uranpreis. Genau diese entscheidenden Größen kennen wir für Larap bislang nicht. Die Studie basiert auf Oberflächenproben und sagt weder, wie tief die Mineralisierung reicht, noch wie groß das Gesamtvolumen eines möglichen Erzkörpers ist.
Ebenso wichtig: Uran in diesem Gebiet ist nicht erst 2026 entdeckt worden. Die Larap-Paracale-Region wird seit den 1950er Jahren auf Uran untersucht. Dokumente der International Atomic Energy Agency verweisen darauf, dass Uraninit im Bessemer-Gebiet bereits Ende der 1950er Jahre nachgewiesen wurde. Ein IAEA-Experte beschrieb 1965 eine damals angenommene Uranmineralisierung im ehemaligen Bessemer-Tagebau. Die aktuelle Arbeit ist deshalb eher eine moderne Neubewertung und verfahrenstechnische Untersuchung als eine erstmalige Entdeckung.
Neu ist vor allem, dass das heutige Forscherteam die Mineralzusammensetzung mit modernen Methoden bestimmt und gezeigt hat, dass sich der Urananteil mit konventionellen Aufbereitungsschritten anreichern lässt. Das angereicherte Material ist allerdings noch kein sogenannter Yellowcake. Damit bezeichnet man ein stark konzentriertes Uranoxid, meist U3O8, das nach der Aufbereitung des Erzes entsteht und als Ausgangsprodukt für die weiteren Schritte der Kernbrennstoffherstellung dient. Auch Yellowcake ist noch kein fertiger Brennstoff für Kernkraftwerke.
Ob das Gebiet wirtschaftlich relevant werden kann, lässt sich erst nach deutlich aufwendigeren Untersuchungen beantworten. PNRI nennt detaillierte geologische, radiometrische und geophysikalische Untersuchungen sowie systematische Bohrungen als nächste notwendige Schritte. Selbst wenn dabei eine größere Ressource nachgewiesen würde, müssten anschließend Abbaukosten, Verarbeitung, Umwelt- und Strahlenschutz, Genehmigungen und Auswirkungen auf die örtliche Bevölkerung untersucht werden.
Der eigentliche Wert der Studie liegt damit derzeit weniger in einer möglichen kurzfristigen Rohstoffproduktion als im Aufbau wissenschaftlicher Kompetenz. Die Philippinen wollen Kernenergie wieder in ihren Energiemix aufnehmen. Eigene Kenntnisse über Uranvorkommen, Mineralaufbereitung und den nuklearen Brennstoffkreislauf können dafür strategisch interessant sein – unabhängig davon, ob Larap jemals zu einer Uranmine wird. – RM
Quellen:
- BusinessMirror: PHL scientists discover possible uranium resource in Camarines Norte
- Philstar: Potential uranium source discovered in Camarines
- International Atomic Energy Agency: Status of Uranium Activities on Unconventional Resources in the Philippines
- World Nuclear Association: Supply of Uranium
- World Nuclear Association: Nuclear Fuel Cycle Overview






Add Comment