MANILA – Nach den wiederholten roten und gelben Warnstufen im Stromnetz der Visayas wächst im Kongress die Forderung, die langfristige Planung des philippinischen Übertragungsnetzes wieder stärker in staatliche Hände zu legen. – klajoo.com – Ein im Abgeordnetenhaus diskutierter Vorschlag sieht vor, die strategische Netzplanung vom privaten Netzbetreiber National Grid Corporation of the Philippines (NGCP) zurück zum Department of Energy (DOE) und zur staatlichen National Transmission Corporation (TransCo) zu verlagern. NGCP würde demnach weiterhin Projekte entwickeln und bauen, die langfristige Planung aber nicht mehr allein bestimmen.
Unterstützung erhält der Vorschlag unter anderem von den Cebu Energy Rights Advocates. Die Gruppe argumentiert, dass die jüngsten Engpässe zwar durch gleichzeitige Ausfälle mehrerer Kraftwerke ausgelöst wurden, die Folgen aber durch die begrenzten Übertragungskapazitäten zwischen den Inselgruppen verschärft worden seien. Die Reform ist bislang nicht beschlossen; sie ist Teil der laufenden parlamentarischen Debatte über die wiederkehrenden Versorgungsprobleme in den Visayas.
Die technischen Grenzen wurden bei der Anhörung am 21. September besonders deutlich. Nach Angaben von DOE-Unterstaatssekretär Mario Marasigan können aus Luzon höchstens rund 250 Megawatt in die Visayas übertragen werden. Die Verbindung zwischen Mindanao und den Visayas kann technisch bis zu 450 Megawatt transportieren. Während der jüngsten Engpässe standen aus Mindanao wegen gleichzeitiger Kraftwerksausfälle zeitweise jedoch nur etwa 50 Megawatt für den Transfer zur Verfügung.
Damit entsteht ein strukturelles Problem: Auch wenn in Luzon erhebliche freie Erzeugungskapazität vorhanden ist, kann sie nicht beliebig in die Visayas verschoben werden. Der Independent Electricity Market Operator of the Philippines (IEMOP) hatte bereits für Juni und Juli dokumentiert, dass die Verbindung Luzon-Visayas häufig am maximalen Transferlimit oder aus Sicherheitsgründen darunter betrieben wurde. Die Engpässe tragen zugleich dazu bei, dass sich die Strompreise zwischen Luzon und den Visayas deutlich auseinanderentwickeln können.
Die Diskussion betrifft damit mehr als die Frage, wer einen Plan schreibt. Eine staatliche Netzplanung könnte Investitionen stärker an nationalen Versorgungszielen, erwarteter Nachfrage und der Verbindung großer Verbrauchszentren ausrichten. Sie löst aber nicht automatisch die Verzögerungen bei Genehmigungen, Grundstücksrechten, Bau und Finanzierung neuer Leitungen. Auch bei staatlicher Planung müssten Projekte anschließend tatsächlich umgesetzt werden.
Kurzfristig setzt das DOE deshalb auf andere Maßnahmen. Dazu gehören rund 250 Megawatt zusätzliche Batteriespeicher in Iloilo, Negros, Cebu und Leyte sowie mobile oder schwimmende Kraftwerkskapazitäten. Batteriespeicher können Reserven bereitstellen und kurzfristige Schwankungen ausgleichen, erzeugen jedoch selbst keine zusätzliche Energie. Neue größere Grundlastkapazitäten werden nach Einschätzung des DOE teilweise erst gegen Ende des Jahrzehnts verfügbar sein.
Die aktuelle Visayas-Krise macht deshalb zwei voneinander getrennte Schwachstellen sichtbar: Es fehlt zeitweise an verfügbarer Erzeugung, gleichzeitig kann vorhandener Strom aus anderen Regionen nur begrenzt übertragen werden. Eine Rückverlagerung der Netzplanung zum Staat wäre ein grundlegender institutioneller Eingriff. Ob daraus tatsächlich schnellere und besser aufeinander abgestimmte Netzausbauten entstehen, hängt jedoch von der späteren gesetzlichen Ausgestaltung und der Umsetzung konkreter Projekte ab. – RM
Quellen:
- The Freeman / Philstar – Group supports move to revert transmission planning to government
- Radyo Pilipinas – DOE: Power transfer from Luzon and Mindanao insufficient for Visayas
- GMA News – House flags frequent Visayas grid red and yellow alerts
- IEMOP – July 2026 WESM prices ease as Visayas market conditions improve
- House of Representatives – Committee on Energy, current inquiries and measures







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